Persönliche Lese- tipps
Jaqueline Brabec empfiehlt:
Solange ein Streichholz brennt von Christian Huber
Der Wunsch, dass es niemals endet
Zwei Welten. Ein Moment. Alles ändert sich.
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will. Mit seinem Hund Fox kämpft er sich durch die Tage und Nächte.
Hat jemand eine Chance auf die Liebe, der keine Chance im Leben hat?
Fazit: Zwei Welten. Ein Moment. Alles ändert sich. Von Seite zu Seite entsteht ein wunderbares Geflecht aus Gefühlen, Verzweiflung, Hoffnung und der Wunsch, dass es niemals endet ... vor allem nicht die Geschichte zwischen Bohm und Alina!
Hans Hamedinger empfiehlt:
Im ersten Licht von Gstrein Norbert
Das Buch der Stunde
Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens.
Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.
Fazit: "Im ersten Licht" ist ein Antikriegsbuch und gleichzeitig ein Roman über die Verletzungen eines ganzen Lebens. Grausame Verstümmelungen, Lügen und Massenwahn sind unter anderem Thema des Buches. Und am schlimmsten sind die dran, die erkennen müssen, dass sie sogar Herz und Seele verloren haben. Das Buch der Stunde.
Philipp Schlaffer empfiehlt:
Ungelöst - Die erste Zeugin von Arno Strobel
Ein spannender Reihenauftakt
Medizinstudentin Luisa Menkhoff kennt die verschwundene Frau auf dem Flugblatt. Es ist Jahre her, dass sie sie gesehen hat. Aber trotzdem kann sie sich erinnern, als wäre es gestern gewesen. Nicole Klement war die Lebensgefährtin des Mannes, der Luisa als Fünfjährige entführt hat. Und damals ebenfalls in die Sache verwickelt.
Luisa wendet sich umgehend an die Münchner Polizei und trifft auf Hauptkommissar Ramin Brunner, der gerade im Begriff ist, eine neue Cold-Case-Einheit aufzubauen, die alte Fälle mit modernen Mitteln aufklären soll. Als Luisa ihm die Umstände ihrer Entführung als Kind schildert, ist Ramin verblüfft. Luisa hat ein eidetisches Gedächtnis und erinnert sich an jedes Detail einer einmal erlebten Situation. Und alles, was sie sagt, deutet darauf hin, dass ihr damaliger Entführer - Dr. Joachim Lichner - jetzt Nicole Klement in seiner Gewalt hat.
Fazit: Ein spannender Reihenauftakt mit sympathischen Figuren und durchgehender Spannung. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!
Philipp Schlaffer empfiehlt:
Dorn. Ruf der Toten von Jan Beck
Bis die Spannung kaum noch auszuhalten ist ...
Simon Dorn, nach dem Tod seiner bisherigen »Sponsorin« Karla Hofbauer finanziell am Abgrund, wird über das Internet von einer mysteriösen Klientin kontaktiert. Was als Hilferuf beginnt, entpuppt sich als Teil eines perfiden Spiels. Als sie den Kontakt abbricht, bittet Dorn Lea Wagner, bei der Klientin nach dem Rechten zu sehen.
Doch die Frau ist tot – verdurstet, und das schon mehrere Wochen zuvor. Neben der Leiche steht ein Computer, auf dem eine KI läuft, die im Namen der Toten mit Dorn kommuniziert hat. Dorn sieht eine Verbindung zu einem ungelösten Fall, bei dem ein Täter seine Opfer in seinem Beisein verdursten ließ. Lange Zeit war der Mörder untergetaucht. Ist er nun zurück? Und warum wenden sich die Toten ausgerechnet an Simon Dorn?
Fazit: Die Geschichte ist von Beginn an spannend und gleichzeitig ein wenig unheimlich. Jan Beck verbindet mehrere Handlungsstränge miteinander. In rascher Folge wechseln Schauplätze und Protagonisten, bis die Spannung kaum noch auszuhalten ist.
Hans Hamedinger empfiehlt:
Der Tunnel von Ernesto Sabato
Sabato ist eine Wiederentdeckung wert – gerade heute!
Der Argentinier Ernesto Sábato war in seinem 100-jährigen Dasein (er lebte von 1911 bis 2011) vielseitig tätig, war zunächst Physiker, in späten Jahren Maler, dazwischen bereicherte er die lateinamerikanische Literatur mit drei Romanen, wovon "Der Tunnel" der erste ist.
Tunnel und unterirdische Gänge als Metaphern dafür, dass die mühsam aufrechterhaltene Ordnung immer schon untergraben ist, spielen in allen drei Romanen eine wichtige Rolle.
Den Höhepunkt und Abschluss bildet "Abaddon", in dem sich der Engel des Abgunds ankündigt, in dem die Innenwelt des Autors sowie die gesamte Menscheit dem Kollaps entgegentaumeln.
Fazit: Sabato ist eine Wiederentdeckung wert – gerade heute!
Jaqueline Brabec empfiehlt:
Der neue SPIEGEL-Bestseller: Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pasta und Limoncello von Melanie Pignitter
Ein Feel Good-Buch, welches einem ein tolles Gefühl beschert.
Lena ist eine Frau, wie viele sie kennen: engagiert, stark, zuverlässig – aber ständig am Limit. Als Mutter mit Vollzeitjob und Dauerleistende jongliert sie Tag für Tag ein Leben voller To-Dos. Immer mit dem Gefühl: Nur wenn sie perfekt ist und ständig etwas leistet, ist sie auch wertvoll. Als ihr Körper die Reißleine zieht, schickt das Leben sie auf eine Reise.
Widerwillig steigt sie in den alten Bulli namens Berta und fährt los Richtung Italien. Zwischen Pannen, Pasta und unerwarteten Begegnungen wird aus einem durchgeplanten Trip ein Sommer voller Überraschungen. Lena beginnt zu begreifen: Sie muss nichts leisten, um liebenswert zu sein. Sie ist keine Last - sondern ein Geschenk!
Eine heilsame Geschichte für alle, die oft zu viel geben – und sich selbst endlich wiederfinden wollen.
Fazit: Melanie Pignitter hat mit ihrem zweiten Band wieder voll ins Schwarze getroffen. Ich habe mich in so vielen Passagen wiedergefunden. Ein Feel Good-Buch, welches einem ein tolles Gefühl beschert.
Philipp Schlaffer empfiehlt:
Herzfluch von Andreas Gruber
Gruber in Bestform!
Die Wiener Privatdetektivin Elena Gerink ist auf der Suche nach einem zu Unrecht freigesprochenen Mörder, der sich vor fünfzehn Jahren ins Ausland abgesetzt hat. Nach schwierigen Recherchen führt sie der Fall schließlich nach Griechenland. Dorthin sind auch Elenas Mann Peter und sein Kollege Dino Scatozza unterwegs – beides Entführungsspezialisten des österreichischen BKA.
Unter Zeitdruck versuchen sie eine vermisste junge Urlauberin zu finden, die zuletzt auf einer Party der Athener High-Society gesichtet wurde. Als sich die Spuren beider Fälle auf einer kleinen griechischen Privatinsel kreuzen, ermitteln Elena, Peter und Dino dort gemeinsam weiter … und werden in die düstere Vergangenheit der Insel hineingezogen.
Fazit: Die Story ist wie ein griechischer Wein. Er geht gut runter, sorgt aber am nächsten Morgen für ein flaues Gefühl (vor Spannung). Die Mischung aus Urlaubsfee
Hans Hamedinger empfiehlt:
Schleifen von Hirschl Elias
Hirschl hat mit diesem Buch eine neue Ebene der Schreibkunst erklommen.
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Sie lernt, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren.
Die beiden entwickeln eine absolute Sprachbesessenheit und forschen fortan und bis an alle denkbaren Grenzen gemeinsam nach der perfekten Sprache.
»Schleifen« ist ein großer, ein kluger Roman über die Macht und den Einfluss von Sprache auf unser Leben, der richtig Spaß macht beim Lesen. Immer wieder stellt sich bei Elias Hirschl das schier Unglaubliche als wahr heraus, und der Rest ist extrem gut erfunden.
Fazit: Die Menschheit mittels Sprache in eine höhere Seinsebene überführen? Ein menschlich-allzumenschlicher Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist, auch wenn sich Kapazitäten wie Wittgenstein, Gödel oder Schlick damit beschäftigen. Und ein höchst amüsantes Unterfangen, wenn Elias Hirschl einen Roman daraus macht. Ernüchternd für die Geistesgrößen, dass ihre Geschichte und die Geschichte überhaupt in Schleifen verläuft ... Hirschl hat mit diesem Buch eine neue Ebene der Schreibkunst erklommen. Große Empfehlung!
Jaqueline Brabec empfiehlt:
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler
Dieses Buch sprüht vor leisen, subtilen und doch so starken Momenten.
Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns.
Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.
Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung.
Fazit: Leon Engler hat mit seinem Debütroman ein so tröstliches Buch geschrieben. Dieses Buch sprüht vor leisen, subtilen und doch so starken Momenten. Ich fand mich in sehr vielen Passagen wieder und konnte durch diese Lektüre entspannter und versöhnlicher auf meine Familiengeschichte blicken!
Philipp Schlaffer empfiehlt:
Sonnenwende - Die hellste Nacht. Deine dunkelste Stunde von Ulrike Gerold; Wolfram Hänel
Ein atmosphärischer Thriller.
Ein kleiner Ort in den Alpen. Jeden Sommer wird hier die Sonnenwende mit Johannisfeuern und Flammenketten entlang der Bergkämme gefeiert. Das zieht Touristen, Alt-Hippies und Esoteriker an, und auch die Tatsache, dass vor zwei Jahren eine junge Frau in den Flammen ums Leben gekommen ist, schreckt niemanden ab.
Kurz vor der diesjährigen Sommersonnenwende geht eine anonyme Warnung bei der Polizei ein: Es wird wieder jemand brennen. In einem Wettlauf gegen die Zeit ermittelt die Polizistin Hannah am Mittsommertag, was es mit der Drohung auf sich hat - und stößt auf einen abgelegenen Hof, verschwundene Frauen und ein dunkles Familiengeheimnis.
Ein atmosphärischer Thriller des erfolgreichen Autorenduos Ulrike Gerold und Wolfram Hänel.
Fazit: Schreibstil ist flüssig und lebhaft. Die Szenerie eines kleinen Alpendorfs wird perfekt aufgegriffen und nebenbei wird noch Fachwissen über den Brauch des Sonnwendfeuers vermittelt.











