Persönliche Lese- tipps
Melanie Winkler empfiehlt:
Leute von früher von Kristin Höller
Eine Liebe im nordfriesischen Wattenmeer
Marlenes Berufsaussichten nach dem Studium sind nicht besonders rosig, daher entscheidet sie sich vorerst für ein halbes Jahr als Saisonkraft auf einer Nordseeinsel zu arbeiten. Die größte Attraktion dort ist ein kleines Dorf, in dem die Leute so leben wie um 1900 (zumindest vor den Augen der Touristen).
Die Arbeit im Bauernladen ist nur mäßig interessant, aber ihr Leben auf der Insel wird um einiges aufregender, als sie Janne kennenlernt und sich in sie verliebt. Janne ist auf der Insel aufgewachsen und Marlene muss feststellen, dass es anscheinend ein Geheimnis gibt, dass die Inselbewohner nicht preisgeben wollen.
Deiche, Salzwiesen, Reetdächer – von der ersten Seite an fesselt dieser Roman durch seine unverwechselbare Nordseeatmosphäre, die auch immer wieder auf die Bedrohung durch die Naturgewalt des Meeres hindeutet. Die Abgeschiedenheit der Insel bedient das Bedürfnis der Protagonistin sich eine Zeitlang von ihrem Leben zurückzuziehen und Abstand zu gewinnen vom schwierigen Verhältnis zu den Eltern und der ungewissen beruflichen Zukunft.
Ein wunderbarer Sommerroman, der mit seiner klaren Sprache und schnörkellosen Liebesgeschichte begeistert!
Barbara Pritz empfiehlt:
Der Untergang der "Wager" von David Grann
Ein ungelöster Marine-Krimi aus dem 18. Jahrhundert
6 :-) von 5 Sternen
Nachdem die Spanier als Machtdemonstration einen britischen Kapitän mit seinem abgeschnittenen Ohr aus der Karibik nach England zurückgeschickt haben, erklären sich die beiden Länder den Krieg. Vor allem geht es um Geld und aus England wird eine Flotte aus 7 Schiffen ausgesandt, um den Spaniern ihre in Südamerika geraubten Reichtümer abspenstig zu machen.
Bei der Umrundung des gefürchteten Kap Hoorn verliert der Verband den Kontakt, die „Wager“ läuft auf Grund und kentert. Die Überlebenden retten sich auf eine kleine Insel an der Westseite von Feuerland und bauen dort aus den Resten kleinere Boote, können sich aber nicht einigen, ob sie heimkehren oder die Mission vollenden möchten. Die Besatzung zerfällt in 2 Gruppen, von denen die letzten Überlebenden erst nach 5 Jahren nach England zurückkehren, wo die eine Gruppe wegen Meuterei das Kriegsgericht und die Hinrichtung erwartet. Da aber beide Gruppen überzeugt sind, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben, entspinnt sich durch die Veröffentlichung von Reise-Tagebüchern ein „literarischer“ Kampf, bei dem es letztendlich um das eigene Leben geht...
Eine abenteuerliche, zuweilen auch schauderhafte Geschichte über Stürme, Hunger, Kälte, Skorbut und Wahnsinn und die ewige Tatsache, dass jeder seine eigene Wahrheit hat. Perfekt recherchierter und perfekt übersetzter absoluter Lesegenuss!
Melanie Winkler empfiehlt:
Bücher und Barbaren von Travis Baldree
Ein bibliophiler Cozy Fantasy-Roman
Die Ork-Kriegerin Viv wurde in einer Schlacht verletzt und sitzt nun in einer verschlafenen Küstenstadt fest, bis sie wieder gesund und kampfbereit ist. Während sie gelangweilt über die Strandpromenade humpelt stößt sie auf eine kleine, ziemlich heruntergekommene Buchhandlung. Schnell freundet sie sich mit der Inhaberin, der Rattenfrau Fern, an, welche in ihr die Freude am Lesen weckt.
Als Gegenleistung für den konstanten Nachschub an Lesestoff, hilft Viv dabei die Buchhandlung auf Vordermann zu bringen. Währenddessen lernen die beiden noch weitere Freunde, aber auch ein paar zwielichtige Gestalten kennen, die eventuell Ärger bedeuten.
Man sinkt in diese Geschichte wie in ein weiches Kissen und kann gemütliche Lesestunden in einer zauberhaften Welt verbringen mit Charakteren, die sofort ans Herz wachsen. Wir empfehlen dazu eine Tasse Kaffee und ein buttriges Gebäckstück, um das Erlebnis abzurunden!
Barbara Pritz empfiehlt:
Hell von Shelley Burr
Showdown Downunder
Die smarte und spröde Mina McCreery lebt zurückgezogen mitten im australischen Busch auf der Schaffarm, die sie von ihrer Familie übernommen hat. Einmal im Monat unternimmt sie lange Autofahrten in den nächsten Ort, um einzukaufen, Bücher auszuleihen und mit einer Freundin Neuigkeiten auszutauschen.
Der Privatdetektiv Lane Holland nimmt mit ihr Kontakt auf, weil er das ungeklärte Verschwinden ihrer Zwillingsschwester vor 20 Jahren neu untersuchen möchte. Seine Motive sind zunächst unklar: geht es ihm um die hohe Belohnung, die ausgesetzt ist oder hat er andere Gründe?
Dieses fabelhafte Debüt der jungen australischen Autorin ist ein feiner, preisgekrönter literarischer Krimi mit einem clever entwickelten Plot. Mehrere scheinbar unabhängige Erzählstränge verknüpfen sich nach und nach zu einem logischen Ganzen, immer neue Wendungen führen zu einer stimmigen Aufklärung in den rasanten letzten Kapiteln.
Absolute Leseempfehlung! Nicht nur für Australien-Fans!
Barbara Pritz empfiehlt:
Der Ausflug - Nur einer kehrt zurück von Ulf Kvensler
Doppelbödiges Kammerspiel in unberührter Natur
Der alljährliche Wander-Trip von Anna, Henrik und ihrer Freundin Milena beginnt unerwartet: Milena bringt ihren neuen Freund Jakob mit - gutaussehend, sportlich, charmant. Anna wird das Gefühl nicht los, den Mann schon früher gesehen zu haben. Was als mehrtägige Wanderung im nordschwedischen Nationalpark Sarek beginnt, entwickelt sich zu einem Psychothriller der besonderen Art: schwelende Konflikte brechen auf, neue entstehen, die die dunklen Seiten der 4 zu Tage fördern.
Als sich die Paare nach einem weiteren Zwischenfall trennen, verirren sich Anna und Henrik in einem Schneesturm und verlieren in unwegsamem Gelände die wichtigsten Survivalutensilien: ihre Wanderkarte und den Proviant. Ihre einzige Chance zu überleben ist – was eigentlich keiner der beiden will - sich wieder dem anderen Paar anzuschließen...
Gekonnter Spannungsaufbau, zwielichtige Charaktere, eine raue und einsame Berglandschaft, tödliche Eskalation und ein überraschendes Finale...
Melanie Winkler empfiehlt:
Porno von Madita Oeming
Eine unverschämte Analyse
Madita Oeming führt uns in diesem Buch einmal quer durch die Welt der Pornografie. Sie beginnt mit einem Blick auf die Entstehung der Pornografie und betrachtet deren weitere Entwicklung bis hin zum heutigen Massenmedium. Dabei widmet sie sich unter anderem auch ausführlich der Anti-Pornobewegung, in der radikale Feministinnen und rechte politische Strömungen teilweise Hand in Hand gehen.
Etwas heiterer geht es dann zu, wenn z.B. die beliebtesten Pornokategorien erklärt werden und welche Vorlieben bei bestimmten Gruppen vorherrschen – zum Teil mit überraschenden Ergebnissen.
Insgesamt ist das Buch eine Einladung zum Reflektieren über unseren Umgang mit Pornografie sowohl im privaten wie auch im gesellschaftlichen Bereich. Es räumt mit verschiedenen Vorurteilen und Mythen gegenüber Pornokonsum auf und macht deutlich, dass es bei diesem Thema viel mehr Aufklärung und weniger Scham braucht. Eine große Leseempfehlung!
Melanie Winkler empfiehlt:
Identitätskrise von Alice Hasters
Das westliche politische System in der Identitätskrise
Eine junge Frau wächst in den 90er Jahren auf - am „Ende der Geschichte“. Alle Krisen sind überwunden und sie kann alles tun und haben, was sie will. So das große Versprechen des Kapitalismus. Aber was, wenn das doch nicht stimmt? Was, wenn unsere Gesellschaft doch nicht so aufgeklärt, offen und fortschrittlich ist, wie sie es vorgibt? Befindet sich unser westliches politisches System etwa in einer Identitätskrise?
Alice Hasters zeigt eindrücklich auf, wie der Kapitalismus mit seinem stetigen Wachstumsgedanken unsere Welt geprägt hat, und warum wir dieses System dringend überdenken müssen, wenn wir eine lebenswerte Zukunft haben wollen.
Die Autorin zieht in ihrem Essay sowohl persönliche Erfahrungen als auch Ereignisse aus der Globalgeschichte heran, um ihren Punkt zu veranschaulichen und die Zusammenhänge zwischen Kapitalismus, Rassismus und Klimakrise aufzuzeigen.
Ein Buch, das aufrüttelt und lange im Gedächtnis bleibt.
Melanie Winkler empfiehlt:
Klarkommen von Ilona Hartmann
„Mehr Alltag als Ekstase“
Nach der langweiligen Schulzeit in der Kleinstadt fängt das Leben endlich richtig an! Oder nicht? Nach dem Abitur zieht die Protagonistin mit ihren beiden besten Freund*innen zum Studieren in die große Stadt, aber irgendwie ist das Studium doch nicht so wie sie sich das vorgestellt hatte und auch sonst passiert einfach nicht das, was sie erwartet hatte.
Könnte es etwa sein, dass man selbst dafür sorgen muss, dass man etwas erlebt?
Ilona Hartmann fängt in ihrem neuen Roman grandios ein Lebensgefühl ein, dass vielen Menschen nur allzu gut bekannt ist. Den jungen Protagonist*innen dieser Geschichte stehen alle Türen offen, sie sind mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass sie alles werden können, was sie wollen, und die Studienjahre die aufregendste Zeit überhaupt werden, so wie man es aus Filmen und Büchern kennt. Aber die Realität sieht anders aus und ist geprägt von der ständigen Angst etwas zu verpassen und nie ganz den Sprung ins wilde Leben zu schaffen.
Mit scharfer Beobachtungsgabe und originellem Witz gelingt Hartmann erneut ein unterhaltsamer und lebensnaher Roman.
Barbara Pritz empfiehlt:
Hildur - Die Spur im Fjord von Satu Rämö
Kühles Lesevergnügen
Hildur, Leiterin der Abteilung für vermisste Kinder in einem kleinen Küstenort Islands, bekämpft ihre inneren Dämonen, indem sie bei jedem Wetter im Atlantik surfen geht. Vor vielen Jahren verschwanden ihre beiden jüngeren Schwestern auf dem Heimweg von der Schule spurlos in einem neugebauten, noch nicht für den Verkehr freigegebenen Straßentunnel.
Ihr neuer Kollege, der finnische Austausch-Polizist Jakob, früher Biologielehrer, versucht drüber hinwegzukommen, dass er seinen Sohn nach einer Trennung nicht mehr regelmäßig sehen kann – Stricken hilft ihm dabei.
Die beiden bekommen es mit einem seltsamen Fall zu tun: nach einem Lawinenabgang wird ein Ermordeter ausgegraben, der im Ort als Außenseiter galt. Es ist der Auftakt zu einer Serie von Morden, die zunächst in keinem Zusammenhang zu stehen scheinen...
Spannender, flott geschriebener und atmosphärischer Island-Krimi mit einem sympathischen Ermittler-Duo, von der finnischen Autorin Satu Rämö, die seit 20 Jahren dort lebt und den Lesenden interessante Einblicke in das isländische Alltagsleben gibt. Und was die Insel an Naturgewalten und Naturlebensräumen zu bieten hat, kommt auch nicht zu kurz. Ein 2. und 3. Band erscheinen dieses Jahr. Empfehlenswert!
Barbara Pritz empfiehlt:
Die Medici-Morde von David Hewson
Venedig im Februar
Eine venezianische Ermittlerin und ein pensionierter englischer Archivar recherchieren im Fall eines ermordeten TV-Historikers: dieser plante eine sensationelle Enthüllung zu zwei Mordfällen aus der Zeit der Medici-Herrschaft im 16. Jahrhundert. Noch bevor das Geheimnis gelüftet werden kann, wird der Historiker ermordet im Canale treibend aufgefunden.
Ein stimmiger, klassischer Whodunnit-Krimi: eine umfangreiche Riege an Verdächtigen (die Ehefrau, der Sohn, frühere Weggefährt*innen aus alten Studienzeiten in Cambridge) und der riesige Nachlass eines rätselhaften Antiquars, der angeblich den Schlüssel zur Klärung der historischen Kriminalfälle enthält...
Leseempfehlung für (kunst-) historisch interessierte Venedig- und Italien-Fans mit einer Prise englischem Humor











