Persönliche Lese- tipps
Lena Kripahle-Wiek empfiehlt:
Der Frauenausborger von Joesi Prokopetz
Der Frauenausborger
Rainer Caofal lebt mittlerweile, also eigentlich lebte er bisweilen in der Seniorenresidenz „Juventus“. Doch nun liegt er erschlagen in seinem Bett und lässt uns an seinem bisherigen Leben teilhaben. Dass das nicht ganz normal war, merkt man schnell – die Frauen waren sein Herzstück. Leider waren es aber zumeist die Frauen anderer Männer, er ein „Frauenausborger“.
Dies ist nun der zweite Krimi von Prokopetz, der bekannt ist für seinen Wiener Schmäh, und das auch über die Landesgrenzen hinaus.
Ina Cassik empfiehlt:
Akikos stilles Glück von Sendker Jan-Philipp
Akikos stilles Glück
Akiko lebt nach dem verfrühten Tod ihrer Mutter zurückgezogen in Tokio. Als sie auf ein Familiengeheimnis stößt, sieht sie ihre Vergangenheit in einem anderen Licht und überdenkt ihr Leben völlig neu. Ihr Jugendfreund Kento, er als Hikikomori in selbstgewählter Isolation lebt, unterstützt sie auf ihrer Suche nach ihrem wahren Ich und wächst dabei über sich selbst hinaus.
Ein feinfühliger Roman über Distanz und Nähe, Einsamkeit und Mitmenschlichkeit,
der den Zauber japanischer Literatur wunderbar einfängt.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Die unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig
Die Unmöglichkeit des Lebens
Eine pensionierte Mathelehrerin, die ein kleines in die Jahre gekommenes Häuschen von einer Freundin auf Ibiza erbt, lässt alles hinter sich und lebt von nun an dort. In der wunderschönen Landschaft sucht sie Antworten über den mysteriösen Tod ihrer Freundin. Eines Tages bekommt sie eine E-Mail eines ehemaligen Schülers; von da an schreiben sie sich und sie erzählt von den wunderbaren Erlebnissen, und dass es auch viel Positives gibt im Leben.
in spannendes und unvorhersehbares Lesevergnügen.
Melanie Winkler empfiehlt:
Die Ungelebten von Rosales Caroline
Eine Frau, die nie gelernt hat zu leben
Jennifer hat es geschafft: Sie ist verheiratet, Mutter von 3 Kindern und noch dazu Geschäftsführerin eines Plattenlabels. Doch nicht alles ist so perfekt wie es von außen scheint.
Das Familienleben schlaucht sie, da sie nach klassischer Rollenverteilung diejenige ist, die zu Hause die meiste Arbeit übernimmt.
Beruflich kämpft sie damit, dass ihr Vater, der das Plattenlabel gegründet hat, sich nun Vergewaltigungsvorwürfen gegenübersieht. Jennifer muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen möchte. Hilft sie ihrem Vater gegen die Beschuldigungen vorzugehen? Oder schließt sie sich den Frauen an, die sich gegen die misogynen Missstände in der Schlagerindustrie auflehnen? Aber wenn man sich sein Leben lang zwischen gesellschaftlichen und familiären Zwängen bewegt hat, fällt es schwer sich der eigenen Position klar zu werden.
Nach und nach fügt sich in diesem mitreißenden Roman die Biografie der Protagonistin zusammen. Der emotionale Missbrauch durch den Vater wird deutlich sowie die Leerstelle, die die Mutter nach der Scheidung hinterlassen hat. Caroline Rosales ist erneut ein fesselnder, kurzweiliger Roman gelungen, der die Emotionen hochkochen lässt. Eine absolute Leseempfehlung!
Melanie Winkler empfiehlt:
Funny Story von Emily Henry
Gebrochene Herzen und Fake-Dating mit Folgen
Daphne und Peter hatten die perfekte Beziehung. Bis sie zusammen in Peters Heimatstadt ziehen und er dort feststellt, dass er eigentlich seine Kindheitsfreundin Petra liebt und mit ihr zusammen sein möchte. Daphne muss also ihre Sachen packen (samt bereits erworbenem Hochzeitskleid) und sich eine neue Bleibe suchen.
Da ergibt es sich recht gut, dass in der Wohnung von Petras Ex-Freund Miles nun ein Zimmer freisteht, also zieht sie kurzerhand bei ihm ein. Als wenig später die Einladung zu Peter und Petras Hochzeit bei ihnen eintrifft, können sie es nicht fassen. In einem Moment des Trotzes beschließen die beiden, so zu tun, als wären sie auch in einer Liebesbeziehung, um ihren Exen eins auszuwischen.
Emily Henry hat mit dieser Friends-to-Lovers-Geschichte wieder voll ins Schwarze getroffen! Während sich die quirlige Bibliothekarin und der charismatische Barkeeper langsam näherkommen, erleben sie allerhand komische, emotionale und auch so einige heiße Momente.
Ein großer Lesespaß für alle Romance-Fans!
Barbara Pritz empfiehlt:
Unser Buch der seltsamen Dinge Roman ¦ Der 'Sunday Times'-Bestseller - »Herzzerreißend und überragend.« Mail on Sunday . Hardback. von Godfrey Jennie
Von der Schlaghose zur Röhren-Jean
Eine Kleinstadt im Norden Englands Ende der 70er Jahre: Margaret Thatcher wird Premierministerin, die Textilindustrie ist am absteigenden Ast und die Titelseiten werden dominiert vom sogenannten Yorkshire-Ripper. Miv ist 12 und auf sich gestellt. Ihre Mutter leidet an einer psychischen Erkrankung und nimmt nichts mehr wahr, die kinderlose Tante versorgt die Familie, hat aber wenig Einfühlungsvermögen und ihr Vater möchte gerne nach Südengland ziehen, um ein besseres Leben aufzubauen.
Um den Umzug zu verhindern, beginnen Miv und ihre Freundin, in der Mordserie zu ermitteln. In einem Notizbuch halten sie Beobachtungen, Vorfälle und mögliche Verdächtige fest und zeichnen so das Kaleidoskop einer Kleinstadt, wo jeder jeden kennt und manche Geheimnisse ganz andere Ursachen haben, als sich das 2 zwölfjährige Mädchen vorstellen können.
Eine tragikomische, spannende und charmante Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, drehbuchreif geschrieben
Barbara Pritz empfiehlt:
Lisa Fittko von Weissweiler Eva
Ein Leben für Frieden und Demokratie
Im Herbst 1940 sind Lisa Fittko und ihr Mann Hans endlich gemeinsam in Marseille angekommen. Als Antifaschisten verlegten sie ihre Aktivitäten nach der Machtergreifung 1933 in den Untersind und sind ab dann jahrelang vor dem NS-Geheimdienst auf der Flucht, zuerst innerhalb von Deutschland, später auch in den Niederlanden und in Frankreich.
Öfter wurden sie voneinander getrennt, durch Lager-Aufenthalte oder politisch motivierte Reisen. Die in Österreich-Ungarn, Wien und später Berlin aufgewachsene, kosmopolitische Jüdin spricht mehrere Sprachen und hat als Mitglied der kommunistischen Partei ein Netzwerk in vielen europäischen Ländern zur Verfügung. Jetzt ist es Zeit, Europa endgültig zu verlassen. Ihr Ziel ist Kuba, von dem sie nur wissen, dass es sich um eine größere Insel irgendwo im Westen handelt. Deshalb sind sie zuerst auch wenig angetan von der Idee, gegen Bezahlung Menschen auf einer von Ihnen ausgekundschafteten, wenig kontrollierten Route über die Pyrenäen nach Spanien zu bringen. Einer ihrer prominentesten „Klienten“ wird der Kulturphilosoph Walter Benjamin sein.
Die Biografie vermittelt sehr gut das gehetzte und von Unwägbarkeiten geprägte Leben flüchtender Menschen und dass unerwartete Hilfe, Freundschaft und ein Quäntchen Glück zur Rettung nötig sein können.
Zum Weiterlesen: Lisa Fittko, Mein Weg über die Pyrenäen, dtv, 978-3-423-62189-2
Zum Weiterschauen: die Netflix-Serie „Transatlantic“
Melanie Winkler empfiehlt:
Leute von früher von Kristin Höller
Eine Liebe im nordfriesischen Wattenmeer
Marlenes Berufsaussichten nach dem Studium sind nicht besonders rosig, daher entscheidet sie sich vorerst für ein halbes Jahr als Saisonkraft auf einer Nordseeinsel zu arbeiten. Die größte Attraktion dort ist ein kleines Dorf, in dem die Leute so leben wie um 1900 (zumindest vor den Augen der Touristen).
Die Arbeit im Bauernladen ist nur mäßig interessant, aber ihr Leben auf der Insel wird um einiges aufregender, als sie Janne kennenlernt und sich in sie verliebt. Janne ist auf der Insel aufgewachsen und Marlene muss feststellen, dass es anscheinend ein Geheimnis gibt, dass die Inselbewohner nicht preisgeben wollen.
Deiche, Salzwiesen, Reetdächer – von der ersten Seite an fesselt dieser Roman durch seine unverwechselbare Nordseeatmosphäre, die auch immer wieder auf die Bedrohung durch die Naturgewalt des Meeres hindeutet. Die Abgeschiedenheit der Insel bedient das Bedürfnis der Protagonistin sich eine Zeitlang von ihrem Leben zurückzuziehen und Abstand zu gewinnen vom schwierigen Verhältnis zu den Eltern und der ungewissen beruflichen Zukunft.
Ein wunderbarer Sommerroman, der mit seiner klaren Sprache und schnörkellosen Liebesgeschichte begeistert!
Barbara Pritz empfiehlt:
Der Untergang der "Wager" von Grann David
Ein ungelöster Marine-Krimi aus dem 18. Jahrhundert
6 :-) von 5 Sternen
Nachdem die Spanier als Machtdemonstration einen britischen Kapitän mit seinem abgeschnittenen Ohr aus der Karibik nach England zurückgeschickt haben, erklären sich die beiden Länder den Krieg. Vor allem geht es um Geld und aus England wird eine Flotte aus 7 Schiffen ausgesandt, um den Spaniern ihre in Südamerika geraubten Reichtümer abspenstig zu machen.
Bei der Umrundung des gefürchteten Kap Hoorn verliert der Verband den Kontakt, die „Wager“ läuft auf Grund und kentert. Die Überlebenden retten sich auf eine kleine Insel an der Westseite von Feuerland und bauen dort aus den Resten kleinere Boote, können sich aber nicht einigen, ob sie heimkehren oder die Mission vollenden möchten. Die Besatzung zerfällt in 2 Gruppen, von denen die letzten Überlebenden erst nach 5 Jahren nach England zurückkehren, wo die eine Gruppe wegen Meuterei das Kriegsgericht und die Hinrichtung erwartet. Da aber beide Gruppen überzeugt sind, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben, entspinnt sich durch die Veröffentlichung von Reise-Tagebüchern ein „literarischer“ Kampf, bei dem es letztendlich um das eigene Leben geht...
Eine abenteuerliche, zuweilen auch schauderhafte Geschichte über Stürme, Hunger, Kälte, Skorbut und Wahnsinn und die ewige Tatsache, dass jeder seine eigene Wahrheit hat. Perfekt recherchierter und perfekt übersetzter absoluter Lesegenuss!
Melanie Winkler empfiehlt:
Bücher und Barbaren von Travis Baldree
Ein bibliophiler Cozy Fantasy-Roman
Die Ork-Kriegerin Viv wurde in einer Schlacht verletzt und sitzt nun in einer verschlafenen Küstenstadt fest, bis sie wieder gesund und kampfbereit ist. Während sie gelangweilt über die Strandpromenade humpelt stößt sie auf eine kleine, ziemlich heruntergekommene Buchhandlung. Schnell freundet sie sich mit der Inhaberin, der Rattenfrau Fern, an, welche in ihr die Freude am Lesen weckt.
Als Gegenleistung für den konstanten Nachschub an Lesestoff, hilft Viv dabei die Buchhandlung auf Vordermann zu bringen. Währenddessen lernen die beiden noch weitere Freunde, aber auch ein paar zwielichtige Gestalten kennen, die eventuell Ärger bedeuten.
Man sinkt in diese Geschichte wie in ein weiches Kissen und kann gemütliche Lesestunden in einer zauberhaften Welt verbringen mit Charakteren, die sofort ans Herz wachsen. Wir empfehlen dazu eine Tasse Kaffee und ein buttriges Gebäckstück, um das Erlebnis abzurunden!











