Persönliche Lese- tipps
Verschüttete Milch von Barbara Frischmuth
Verschüttete Milch
In ihrem neuen Roman betreibt die große Barbara Frischmuth Erinnerungsarbeit und geht ganz weit zurück in der persönlichen Geschichte. Mittels Fotos wird Vergessenes wach gekitzelt, rekonstruiert und wunderbar einfühlsam vermittelt. Aus einer heutigen Perspektive wird aber auch kommentiert.
„Verschüttete Milch“ ist ein autobiografisch angelegter Roman der über die Kriegs- und Nachkriegszeit am Land erzählt, wie man es so abwechslungsreich, unterhaltsam und informativ noch nie gelesen hat.
Flüchtiges Zuhause von Rolf Hermann
Flüchtiges Zuhause
Erzählungen eines Aufwachsens zwischen Schweizer Bergen. Eine unterstützende Familie und selbst gewählte Idylle in schwierigen Zeiten. Es herrscht ein behutsamer Ton in Rolf Hermanns Geschichten. Eine tiefe Sympathie für die Menschen in den Tälern und für die kraftvolle Natur und ihre scheuen Bewohner.
Ängste werden geteilt, Traditionen gemeinsam gebrochen. Das Leben mag nicht immer einfach sein. Ein Zuhause findet sich oft unerwartet. In einer Begegnung, einer Beobachtung oder der Sprache.
Wie man Dinge repariert von Martin Peichl
Wie man Dinge repariert
Ein Debüt voll Sehnsucht und Leidenschaft, voll Poesie und Trennungsschmerz, voll Tiefgründigkeit und formaler Verspieltheit, voll Witz und Waldviertel, voll bitter-süßer Erinnerung und bissiger Gegenwartsanalyse, voll Verlust und mit diversen Getränken vorübergehend aufgefüllten Leerstellen, voll Sex und was war da noch? Ach ja, Sucht.
Es ist auch ein ein Katalog von immens wichtigen Kleinigkeiten in Beziehungsdingen aller Art und eine Geschichtsschreibung durch Geschichtsvariation. Ja: Wer verliebt ist, darf alles.
Ich war Diener im Hause Hobbs von Verena Roßbacher
Ich war Diener im Hause Hobbs
Mit der Anstellung bei der Familie Hobbs wird der Butler-Neuling Christian Teil eines liebenswürdig stilvollen Haushalts. Durch die regelhaften Tätigkeiten beginnt sich auch sein eigenes Leben zu ordnen. Aus dem Berufseinstieg wird ein langjähriges Dienstverhältnis. Die Tugend der Diskretion trägt unmissverständliche Spitzen.
Ein launiges, lustvoll komponiertes Lesevergnügen, das rasant Fahrt aufnimmt. Die Bruchstellen vermehren sich. Auch ein Diener kann nicht alles unter den Teppich kehren.
Winterbergs letzte Reise von Rudi Jaroslav
Winterbergs letzte Reise
Der fast 100-jährige Wenzel Winterberg und sein Pfleger Jan Kraus reisen mit dem Baedeker-Reiseführer Österreich-Ungarn von 1913 von Berlin über u.a. Königgrätz nach Sarajevo und sind dabei der bewegten Geschichte entlang ihrer Route ebenso auf der Spur wie ihren eigenen tragischen Lebensgeschichten.
Diese melancholisch-lustigen historischen Anfälle Winterbergs, diese Liebeserklärung ans Eisenbahnfahren und Mitteluropa wurde vollkommen zurecht für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Robert Renk empfiehlt:
Verzeichnis einiger Verluste von Judith Schalansky
Verzeichnis einiger Verluste
Es ist das schönste Understatement des letzten Jahres. Das erkennt man am schlichten Titel und am aufregend dezenten Äußeren. Denn Judith Schalansky schreibt nicht nur wunderbare Bücher, sie gestaltet auch die Schönsten.
Diesmal lässt sie verschwundene Dinge sprachmächtig und farbig wieder aufleben.
Der ausgestorbene Kaspischen Tiger zB wird noch einmal auflaufen und in einer römischen Arena gegen einen Löwen antreten: Das schildert Schalansky mitreißend und präzise, nicht ohne uns diese Zeit in allen Farben zu schildern.
Immerjahn von Barbara Zeman
Immerjahn
In ein künstlerisches Leben hineingeworfen, sofort eingesponnen in eine schräge, sanft angespannte Atmosphäre eingebettet. Für die Lesenden geht es los, für Immerjahn geht es abwärts. Der reiche Erbe wohnt in einem Haus gelegen am Hagebuttenberg, dem unheilvolle Geschichten anhaften. Ein unglaublich vielschichtiges Debüt, wahnwitzige Spielerei durch die Kunstepochen, fast schon pompös in der Erzählart.
Barbara Zeman gelingt ein musealer Roman, der sich in seiner Farbenpracht ständig neu erfindet.
Robert Renk empfiehlt:
Was wäre, wenn? von Peter Bichsel; Sieglinde Geisel
„Was wäre, wenn?“ Ein Gespräch mit Sieglinde Geisel
Der Kampa Verlag ist neu und nicht neu. Denn Verleger Daniel Kampa ist ein alter Hase. Mit der Neuausgabe sämtlicher Romane von Simenon hat er für Aufsehen gesorgt und alleine damit könnte man Jahre zubringen. Doch damit nicht genug verlegt er zB. auch Man Booker Preisträgerin Olga Tokarczuk oder den Schotten William Boyd.
Aber vor allem hat er eine wunderschöne Reihe mit Gesprächen aus der Taufe gehoben. Und mit Peter Bichsel, meinem Schweizer Liebling, ein Highlight publiziert. Unbedingt lesen!
Maria Leitner empfiehlt:
The Wicker King von Kayla Ancrum
The Wicker King
Ever since Jack saved his life when they were kids, August has felt the need to take care of him. He always supports his best friend, even when Jack increasingly starts seeing things that aren’t there. What starts out as little things like silver birds or floating jellyfish soon becomes bigger, until Jack is living in his own alternate world ruled by the Wicker King.
Because August is determined to help his friend, he is pulled into Jack’s world to fulfil a dangerous quest.
This is a very strange little book – at once contemporary and realistic, yet also filled with many elements of magical realism. This makes for a weird but at the same time oddly fascinating combination. Because of this inherent weirdness and the short, fast-paced chapters, I was so sucked into the story that I couldn’t put it down. Contrary to what I expected when I started The Wicker King, this is not mainly a love story. Instead, it is a story about the loneliness of two boys who have been failed by pretty much every adult around them, and it’s heart-breaking to see them trying to cope with that.
Maria Leitner empfiehlt:
Briefe von Felix (Jubiläumsausgabe) von Langen Annette
Briefe von Felix
Sophie hat im Urlaub ihren geliebten Stoffhasen Felix verloren. Doch dann bekommt sie überraschend einen Brief von ihm - er ist ins falsche Flugzeug gestiegen und in London gelandet! Mit seinem karierten Koffer bereist Felix von da an die ganze Welt und schreibt Sophie von seinen Abenteuern. Der Kinderbuchklassiker feiert heuer seinen 25.
Geburtstag mit einer wunderschönen Jubiläumsausgabe, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Wie eh und je kann man auch in dieser Ausgabe die Briefe alle einzeln herausnehmen und lesen. Ein Muss für Fans des kleinen Hasen!











