Persönliche Lese- tipps
Andrea Scheiber empfiehlt:
Der Weg nach Hause Roman. 30.08.2021. Hardback. von Lundberg Sofia
Der Weg nach Hause
Sommer auf Gotland: Es ist
der 12. August 2019, als ein
Anruf aus Paris Violas Leben
verändert, die dort mit ihrer
Familie lebt. Sie sagt Lebewohl,
ich werde sterben. So vieles ist
ungeklärt – warum sie damals
ohne ein Wort verschwunden
ist, sie waren doch wie Geschwister.
Viola macht sich auf
den Weg, um sie zu suchen.
Sehr berührender Roman einer
Frauenfreundschaft, mit Charakteren
die authentischer nicht
sein könnten.
Mein Lieblingstier heißt Winter von Ferdinand Schmalz
Mein Lieblingstier heißt Winter
Der ahnungslose Tiefkühlkostlieferant,
genannt Franz
Schlicht, stellt sich seinem
bislang absurdesten Kundenwunsch.
Soll er doch den
gefrorenen Leichnam des
bekennenden Rehragoutliebhabers
Dr. Schauer an eine
hübsche Stelle in der Natur
transferieren. Doch als er zur
Tat schreiten will, fehlt vom
Leichnam jede Spur.
Der
Debütroman des Dramatikers
Ferdinand Schmalz besticht
nicht nur mit skurriler Handlung
sondern auch der unverwechselbaren
Rhythmik die den
gesamten Text durchdringt. Ein
köstlicher Krimispaß für alle
Sprachverliebten.
Kairos von Jenny Erpenbeck
Kairos
„Alles war so gekommen, wie es
hatte kommen müssen.“ – Eine
zufällige Begegnung Ende der
achtziger Jahre in Ostberlin
zwischen der jungen Katharina,
Setzerlehrling, 1967 geboren
und dem verheirateten Schriftsteller
Hans, Jahrgang 1933;
zusammengezählt ergeben ihre
Geburtsjahre 100, die zu Kairos,
zum entscheidenden Augenblick
für beide wird.
– Stringent und
präzise, mit einer sehr eindrücklichen
Sprache, erzählt Jenny
Erpenbeck von dieser so
scheinbar ungehörigen Liebe.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Wenn ich wiederkomme von Marco Balzano
Wenn ich wiederkomme
Ein brisantes Thema, das
Marco Balzano in seinen neuen
Roman anspricht. Rumänien –
Familie Matei ist nicht wohlhabend,
die finanzielle Situation
ist sehr schlecht, da beschließt
die Mutter als Pflegekraft nach
Mailand zu gehen, damit es
ihren beiden Kinder mal besser
geht. Aber ist es nur das, was
sie möchte? Was wird aus den
Kindern und werden sie ihre
Mutter je wiedersehn? Oder nur
den Scheck? Der Roman ist aus
drei Sichtweisen erzählt, eine
für mich sehr aufwühlende Geschichte,
die mich zum Nachdenken
brachte.
Markus Renk empfiehlt:
Das Buch des Totengräbers von Oliver Pötzsch
Das Buch des Totengräbers
Wien im späten 19. Jahrhundert. Mysteriöse Morde schweißen das ungleiche Duo des jungen Inspektors Leopold von Herzfeld und des schrulligen Totengräbers Augustin Rothmayer zusammen. Sie suchen fieberhaft einen Serientäter, welcher sich in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen bewegt und mehrere Dienstmädchen ermordet hat.
Tauchen Sie ein ins Wien der Vergangenheit…
Markus Renk empfiehlt:
Über Menschen von Juli Zeh
Über Menschen
Gute Romane sind vielschichtig
lesbar – und Juli Zehs Über
Menschen ist ein warmes, witziges
Buch über Freundschaft,
Liebe und Menschlichkeit, eine
sanfte Satire auf die Werbebranche
und gutsituierte Linksintellektuelle,
für die Pfandflaschen
im Restmüll Revolte
bedeuten, ja: auch ein Coronaroman;
Stadt und Land prallen
aufeinander, während Klischees
und Vorurteile zerplatzen.
Leichthändig eingestreut sind
überraschende, harte Sätze, zu
denen man „Ja, genau!“ rufen
möchte … Leseempfehlung?
Unbedingt!
Neun seltsame Frauen von Daniela Chana
Neun seltsame Frauen
Dieser Band hat etwas zu
sagen: Zwischen Prekariat und
Magie erzählt Daniela Chana
neun Frauenschicksale. Jede
Geschichten hat dabei keine
Geringere als eine der neun
Musen zur Patin. Dabei lässt sie
weder das Alltägliche noch das
Surreale aus. Selten ist so ein
Sprachwitz in Verbindung mit
Sprachbewusstsein zu erleben
wie in den Werkes Chanas.
Doch Achtung: Diese Sprache
hat Suchtcharakter schon nach
dem ersten Satz und eine lange
Nachwirkzeit!
Wir bleiben noch von Daniel Wisser
Wir bleiben noch
Mit vierzig stellt Victor Jarno
das Leben noch einmal auf
die Probe. Sein sozialdemokratischer
Hintergrund und sein
Hang zum Geschichtenerzählen
bringen ihn Familien- und beziehungstechnisch
nicht gerade
weiter. Einen Wendepunkt markiert
der Tod seiner Urlioma.
Das damit verbundene Erbe –
ein Haus in Hollabrunn – sowie
die Rückkehr seiner großen
Liebe, die blöderweise auch
seine Cousine ist, stellen Victor
vor neue Herausforderungen.
Ein humorvoller wie kluger
Roman. Frisch und spannend
erzählt
Robert Renk empfiehlt:
Die Beichte einer Nacht von Marianne Philips
Die Beichte einer Nacht
Das nächtliche Gespräch der
Insassin einer Nervenklinik
gerät zur Lebensbeichte. Der
Roman war eigentlich als Therapie
für die Autorin gedacht
und hat deswegen auch etwas
einzigartig Unmittelbares und
Ehrliches. Auch wenn er en gros
fiktiv ist (Mord an der jüngeren
Schwester), ist er en detail von
eigenen Erfahrungen geprägt
(Arbeit in einer Schneiderei,
längere Aufenthalte in der
Klinik).
Mit Die Beichte einer
Nacht macht der Diogenes-Verlag
einen vergessenen Klassiker
der niederländischen Literatur
zugänglich.
Über Berge, Menschen und insbesondere Bergschnecken von Anaïs Meier
Über Berge, Menschen und insbesondere Bergschnecken
Anaïs Meier bringt in 13 Kurzgeschichten
gerne Verschwiegenes
unverblümt zur Sprache.
Sie macht aber auch das Gegenteil
davon. Sie schreibt über die
größten Schweiz-Klischees und
weidet diese genussvoll aus, ist
dabei aber immer sprachlich
eigenwillig anders und erfreulich
komisch. Das ist Satire,
die manchmal im Kleid einer
Reportage, mal in Form eines
analytischen Kommentars,
dann wieder als Persiflage einer
literaturwissenschaftlichen
Arbeit daherkommt und immer
überrascht und unterhält.











