Persönliche Lese- tipps
Ich erwarte die Ankunft des Teufels von Mary MacLane
Mary MacLane: Ich erwarte die Ankunft des Teufels
Ein literarisches Debüt, über 100 Jahre alt, aber im Sound von heute und übermorgen. Getarnt als Tagebuch schreibt es an gegen tristes Leben und feiert das eigene Ich. MacLane wütet gegen marktwirtschaftliches Denken, Bigotterie und Langeweile, preist dabei Natur, (Frauen-)Liebe und Größenwahn.
Dabei ist sie Feministin, Ironikerin, exakte Beobachterin. Sie träumt, hofft, bleibt realistisch, sprachlich kühn. Ach ja, und dann ist da noch der Teufel. Damals ein Skandal, heute immens wichtig.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Carbon von Christian Mähr
Christian Mähr: Carbon
Mal ein etwas anderer Kriminalroman. Ein Mann versucht eine etwas exotische, übelriechende Pflanze zu entfernen mit einer Motorsäge, womit er sich den Hals durchschneidet. Die Rückkehr des Carbonzeitalters stürzt Europa ins Chaos. Plötzlich gibt es wieder Libellen von der Länge eines Unterarmes oder Pflanzen, die seit Hunderten von Jahrmillionen ausgestorben sind und deren Düfte Menschen betören.
Ein Roman, der unter die Haut geht und einen Einblick gibt in die zukünftige Menschheit.
Fremdes Licht von Stavaric Michael
Michael Stavarič: Fremdes Licht
Elaine erinnert sich an Kindheitsbesuche in Grönland, an die zauberhaften Worte ihres Großvaters in der Inuitsprache, ihren Jugendfreund Dallas. Jahre später ist sie scheinbar als einzige Überlebende im Eis gefangen. Ihre Erinnerung und ihre langjährigen Erfahrungen mit der Kälte helfen ihr dabei, am Leben zu bleiben.
Die packende, filmische Erzählweise birgt absoluten Suchtfaktor. Was manche schon wissen, bewahrheitet sich hier erneut: Michael Stavarič gehört zu den großen Erzählern unserer Zeit.
Felix und die Quelle des Lebens von Schmitt Eric-Emmanuel
Eric-Emmanuel Schmitt: Felix und die Quelle des Lebens
Der 12-jährige Felix lebt mit seiner Mutter Fatou in Paris. Das kleine Café seiner Mutter ist seine heile Welt, prall gefüllt mit eigenwilligen Stammgästen und ihren Schrullen. Als die lebensfrohe Fatou plötzlich depressiv wird, gerät diese Welt aus den Fugen. Nur im Senegal, dort, wo Fatous Wurzeln sind, kann sie geheilt werden.
Eine kleine, feine Nachtlektüre von Eric-Emmanuel Schmitt – über Freundschaft, Zusammenhalt, Familie, und Heimat. Psychologisch, dialogisch und flott geschrieben.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Und am Ende werden wir frei sein von Hall Kelly Martha
Martha Hall Kelly: Und am Ende werden wir frei sein
Dieser Roman basiert auf wahren Begebenheiten des zweiten. Es geht um drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aus drei Ländern, deren Wege sich an einem der dunkelsten Orte kreuzen. Von Fliegerangriffen, Deportationen und Ängsten wird nichts beschönigt. Über die „Kaninchen“, deren medizinische Versuche wirklich an Frauen gemacht wurden.
Die Geschichte ist geprägt von Leid, aber auch Hoffnung. Schonungsloser, gut recherchierter, erschreckender Kriegsroman.
Bald sind wir aber Gesang von Friedrich Hölderlin
Friedrich Hölderlin: Bald sind wir aber Gesang. Eine Auswahl von Navid Kermani
2020 jährt sich der 250. Geburtstag des bekannt-unbekannten Dichters: Oh ihr Musen, singt mir … Die Poesie spricht leise, darin gleicht sie der Liebe. Und nur Liebe und Poesie helfen gegen das Klirren der Fahnen, egal ob politische, existenzielle oder religiöse. In Hölderlins Dichtung zählt der Moment, jede einzelne Wunde des Seins: Wahrlich ein Rätsel diese Texte, das Leben, der ganze Rest.
Im Irrgarten der Wörter liegt die Welt, manchmal gar Heil, immer aber Abgrund und Licht. Nehmt und lest!
Robert Renk empfiehlt:
Echo des Schweigens von Markus Thiele
Markus Thiele: Echo des Schweigens
Ein packender Justizkrimi, der diverse Grauzonen gut auslotet. Recht oder Gerechtigkeit, Gesetz oder Moral, und wie viel Berufsskandal verträgt eine Beziehung. Inspiriert von einem der großen Justizskandale Deutschlands, dem Fall Oury Jalloh in Dessau, breitet Markus Thiele seinen Fall rund um den Strafverteidiger Jansen aus, der einen Polizisten vertritt, der des Mordes an einem Asylbewerber angeklagt ist.
Für Leser von Schirach oder Schlink!
Robert Renk empfiehlt:
Grüner wird's nicht von Kathrin Hartmann
Kathrin Hartmann: Grüner wird’s nicht
Hartmann geht in ihrem Apell von bekannten Problemen der ökologischen Krise aus, setzt sie aber in interessante neue Kontexte und macht daher die Problematik anschaulich. Wohlhabende haben das höchste Umweltbewusstsein – und gleichzeitig den größten ökologischen Fußabdruck. Man nennt das „Klimabesorgte Klimasünder“.
Und das sind wir. Mal mehr, mal weniger. Es braucht noch mehr Bewusstsein dafür, das zeigt uns Kathrin Hartmann eindringlich.
Wer braucht Superhelden von Lisz Hirn
Lisz Hirn: Wer braucht Superhelden? Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten
Was für ein kluges Buch, und hochaktuell! Lisz Hirn erklärt nicht nur den vielgebrauchten Begriff der „toxischen Männlichkeit“, den neurechte Autokraten wie Trump, Orban oder Putin für sich nutzen, um mit den Stimmen der abgehängten, weißen, männlichen Mittelschicht Wahlen zu gewinnen. Sie zeigt auch, dass praktische Philosophie unser Denken ändern kann; ein Lob der Vernunft und eine zum Teil erschreckende Analyse eines Kulturkampfs um hegemoniale Männlichkeit, der auch in Österreich tobt.
Die Macht in dir von Gerhard Zallinger
Gerhard Zallinger: Die Macht in dir. Wie der Körper sich selbst heilt
Wie schön wäre es, sich einfach selbst heilen zu können … Gerhard Zallingers Methode des „vegetativen Trainings“ zielt genau auf das ab, dabei muss man nur auf einer Matte liegen und Atemübungen machen. Ein Scherz? Nein. Zallinger verhilft unter anderem der österreichischen Fußballnationalmannschaft dazu, besser zu werden.
Unterfüttert wird das Buch mit Erfahrungsberichten und Ausflügen in die abendländische Geistesgeschichte von Galilei bis Descartes. Für alle Schmerzverbrämten einen Versuch wert!











