Persönliche Lese- tipps
Ina Cassik empfiehlt:
Ein Haus für viele Sommer von Axel Hacke
Das schönste Buch für diesen Sommer
Seit über dreißig Jahren verbringt Axel Hacke seine Ferien auf der wunderschönen Insel Elba. Seine Geschichten aus dem Dorf und über dessen liebenswerte Bewohner*innen sowie die Abenteuer mit seinem alten Haus, seinem Fiat Cinquecento und seinem Schlauchboot, sind die perfekte Lektüre für alle, die Sehnsucht nach dem Sommer haben und Italien lieben.
Warum fährt eine Familie seit zwanzig Jahren immer an denselben Ort, um dort Urlaub zu machen? Die Gründe stehen alle in diesem Buch, das eine Liebeserklärung an Land und Leute ist, an die italienische Lebensart, an das dolce far niente und an die Menschen, zu denen wir werden, wenn wir uns an einem Ort zu Hause fühlen.
Warnung: Der Wunsch nach einem Ferienhaus in Italien kann nach der Lektüre ins Unermessliche steigen!
Kilian Feurstein empfiehlt:
So reich wie der König von Abigail Assor
Ein packender Roman über eine junge, kämpferische Französin im Casablanca der 1990er.
In der marokkanischen Großstadt Casablanca ist die Schere zwischen arm und reich gewaltig. Der ärmere Teil der Bevölkerung lebt zusammengepfercht in Armenbaracken, während die Reichen in riesigen, wunderschönen Villen leben. Die sechzehnjährige Sarah lebt mit ihrer Mutter in diesen heruntergekommenen Baracken.
Doch nichts widert sie mehr an als das Leid der Menschen in Not. Die bildhübsche junge Frau will auf keinen Fall zu den Armen gehören, tut alles um nicht als mittellos identifiziert zu werden. Eines Tages lernt sie Driss kennen, einen wortkargen und hässlichen jungen Mann. Allerdings stammt Driss von einer der reichsten, muslimischen Familien Marokkos ab. Er ist so reich wie der König. Nach dieser Erkenntnis schmiedet Sarah einen Plan. Sie will einen Platz an seiner Seite und um diesen zu bekommen, ist sie gewillt jeden Preis zu bezahlen….
Der Debütroman von Abigail Assor zeigt den Leser*innen die zahlreichen Facetten Casablancas. Die Armenbaracken mit Prostituierten und Abgeschlagenen, und die Nachtclubs und Restaurant in denen die Wohlhabenden feiern.
Eine fesselnde Geschichte über eine junge Frau die gegen eine sexistische und oberflächliche Gesellschaft, in der das Wort der Reichen Gesetz ist, ankämpft.
Kilian Feurstein empfiehlt:
U U-Bahn. 28.10.2021. Hardback. von Vermes Timur
Ein genauso spannender wie ungewöhnlicher Roman von Timur Vermes.
Eine Frau kommt nach einem langen, kräftezehrenden Reisetag in einer fremden Großstadt an. Nur noch eine kurze U-Bahn Fahrt trennen sie von einer heißen Dusche und einem warmen Bett. Erst als die junge Frau im U-Bahn Wagon ankommt, bemerkt sie die klaffende Leere der Station. Keine Menschen weit und breit.
Bis dann kurz vor Abfahrt, ein junger, schräger Mann die U-Bahn betritt. Zu zweit treten sie ihre jeweilige Reise an. Die Frau ist von dem aufdringlichen Mann genervt. Erleichtert aber als sie erfährt, dass er bei der nächsten Station aussteigen muss. Doch der nächste U-Bahnhalt kommt nicht. Nicht nach zwei Minuten. Nicht nach fünf. Nicht nach fünfzehn.
Timur Vermes dritter Roman “U” ist wahnsinnig spannend und nimmt die Leser*innen auf eine abenteuerliche Reise mit. Der Pageturner ist äußerst ungewöhnlich geschrieben. Man sitzt im Kopf der Protagonistin. Durch die abgehackten Sätze, kurzen Dia- bzw. Monologe und Wortfragmente werden die Gedanken und die Gefühlslage der Frau interessant vermittelt. Trotz des ungewöhnlichen Schreibstils kippt man schnell in das Buch rein und verschlingt es innerhalb weniger Stunden.
Andrea Scheiber empfiehlt:
Das Mädchen mit dem Drachen von Laëtitia Colombani
Das Mädchen mit dem Drachen
Nach dem Tod von ihrem Mann, nimmt sich Lèna Auszeit am Golf von Bengalen. Sie kämpft mit sich und ihrer Situation, wird auf wundervoller Weise von einem kleinen Mädchen und Frauen die der Selbstverteidigungsgruppe angehören, gerettet. Eine neue Aufgabe gibt ihr wieder Mut: Sie gründet eine Schule trotz aller Widrigkeiten und kämpft für die Rechte der Mädchen damit diese eine Zukunft außerhalb von Armut und Elend erwarten können.
Das Buch hat mich von der ersten Seite an tief berührt und gibt Einblicke in die indische Kultur.
Von Fall zu Fall. Ein Stundenheft von Elvira Steppacher
Von Fall zu Fall. Ein Stundenheft
Elvira Steppachers Debüt erzählt aus den Augen einer Frau, die ihr Ende kommen sieht. Kraftvoll schreibt sie ihre Beobachtungen in ein Notizbuch; kraftvoll, trotz ihres Hirntumors. Sie nimmt uns mit auf Friedhöfe und in die Natur, zu den Tieren und Bäumen die
dort verweilen. Wir nehmen teil an ihren Betrachtungen zu Spiritualität, Krankheit, Tod und gehen der Frage „Was kommt danach“ auf den Grund.
Als Leser*in spürt man die Stärke der Sprache und das Können der Autorin, diese auch einzusetzen.
Ferne Gestade von Abdulrazak Gurnah
Ferne Gestade
politisches Asyl, der andere war früher „Bildungsmigrant“ und arbeitet jetzt an einer britischen Universität. Sie erzählen sich ihr Schicksal, reden über Aufbruch und Verlust, die Demütigungen und Übergriffe. Geteiltes Leid als halbes Leid? Mitnichten. Die Leidensgenossen sind sich spinnefeind.
Das hat mit dem zu tun, was sie hinter sich lassen mussten. Eine alte Geschichte. Oder genauer: zwei Geschichten. Gurnah räumt – dem kitschverdächtigem Titel stolz trotzend – mit allem auf, was sich romantisieren ließe.
Robert Renk empfiehlt:
Regenbogenweiß von Friederike Gösweiner
Regenbogenweiß
Eine Familie, ein unerwarteter Tod. Die Zurückgebliebenen, verstreut zwischen London, Paris, den Niederlanden und der Steiermark, trauern auf verschiedene Weise. Und sie erkennen auch die Leere in ihrem eigenen Leben. Für alle stellt sich die Frage nach einem glücklichen Leben noch einmal neu und dringlicher – während große gesellschaftliche Veränderungen und Entwicklungen in Europa im Gange sind, die sie skeptisch mitverfolgen.
Einfühlsam, spannend und stilistisch beeindruckend!
Robert Renk empfiehlt:
Löwenherz von Monika Helfer
Löwenherz
Der dritte und wohl berührendste Teil der Familiensaga. Diesmal erweckt Monika Helfer ihren Bruder Richard zum Leben. Das scheint ihm wenig wichtig. Verantwortung übernimmt er nur, wenn sie ihm angetragen wird. So auch, als ihm auf merkwürdige Weise eine verflossene Liebe
ein Kind überlässt, von dem er nur den Spitznamen kennt.
Eine Liebeserklärung an einen fantasievollen Sonderlinge mit großem Herzen in einer kalten, durchrationalisierten Welt. Unprätentiös und stilistisch brillant.
Maria Leitner empfiehlt:
Klimawandel von Marcus Wadsak
Klimawandel: Fakten gegen Fake & Fiction
Kurz, prägnant und mit Infografiken illustriert, gibt der Meteorologe Marcus Wadsak Leser*innen eine kompakte Informationsquelle, um ihr Wissen über den Klimawandel zu erweitern. Er zeigt, dass ein dringender Handlungsbedarf besteht und warum es gerade jetzt wichtig ist, aktiv
zu werden. Denn auch wenn die Auswirkungen des Klimawandels für viele Menschen erst jetzt greifbar werden, bleibt nicht mehr viel Zeit, um etwas dagegen zu tun.
Ein absolutes Must-Read zu einem Thema, das uns alle betrifft!
Melanie Winkler empfiehlt:
Vladimir von Julia May Jonas
Eine etwas andere Geschichte des Begehrens
Ein Professorenehepaar an einem kleinen College in Upstate New York. Er ist in einen Me-Too-Skandal verwickelt, der auch zunehmend ihre Karriere beeinträchtigt. Dann tritt ein neuer Juniorprofessor seine Stelle an: Vladimir Vladinski. Er ist intelligent, charismatisch, gutaussehend; kein Wunder also, dass er die Protagonistin sofort für sich gewinnt.
Vielleicht ein bisschen zu sehr...
Während ihre Obsession mit ihrem jüngeren Kollegen sich entfaltet, begutachtet sie die Überreste ihrer Ehe, hadert mit ihrem Körper und dem Älterwerden. Von der ersten Seite an spürt man das Leben der Protagonistin leise auseinanderbröckeln und man ist in den Bann dieser etwas skurrilen Geschichte geschlagen.
Die eingängige, klare Sprache, der trockene Humor und die großartige Beobachtungsgabe der Autorin sowie die gelungene Übersetzung von Eva Bonné machen dieses Buch zu einem wahren Lesevergnügen!











