Persönliche Lese- tipps
Ina Cassik empfiehlt:
Oben Erde, unten Himmel von Milena Michiko Flasar
Mein Lieblingsbuch dieses Bücherfrühlings
Kann ein Roman, in dem es um Einsamkeit geht, und in dem die Hauptfigur Leichenfundortreinigerin ist, seine Leser*innen glücklich machen? Ja, er kann!
Die junge Suzu lebt nach abgebrochenem Studium allein. Ihr letzter Freund hat sie geghostet, ihr „Lieblingsmensch“ ist laut Eigendefinition ihr Hamster.
Als sie ihren Aushilfsjob als Kellnerin verliert, heuert sie in der Reinigungsbranche an. Was sie nicht weiß: Ihr Job ist es, Wohnungen von sogenannten Kodokushi wieder bewohnbar zu machen. Kodokushi sind Menschen, die alleine sterben und oft monatelang in ihren Wohnungen liegen, bevor ihre Leichen entdeckt werden.
Suzu findet nicht nur unerwartete Erfüllung in dieser ungewöhnlichen Aufgabe, sondern lernt auch, sich zu öffnen und wieder mit ihren Mitmenschen in Beziehung zu treten. Zu verdanken ist das dem liebenswerten Putztrupp rund um den Firmeninhaber Sakai, der Suzu mit Lebensweisheit und dem manchmal erforderlichen Nachdruck auf die emotionalen und sozialen Sprünge hilft.
Ein herzerwärmendes, positives, lebensbejahendes Buch über unsere Zeit - und darüber, worauf wir uns besinnen sollten, um ein besseres Leben zu leben. Es zählt zu jenen Büchern, die ich in Zukunft sicher oft verschenken werde.
Melanie Winkler empfiehlt:
Mithu Sanyal über Emily Brontë von Mithu Sanyal
Alles begann mit Kate Bush
Mithu Sanyal erzählt mit viel Begeisterung und Witz, warum „Wuthering Heights“ von Emily Brontë ihr Lieblingsbuch ist, seit sie es mit 15 das erste Mal (und danach noch viele weitere Male) gelesen hat. Es scheint geradezu unmöglich jemals mit dieser Geschichte fertig zu werden, die so vielseitig ist: „Wuthering Heights“ ist eine Liebesgeschichte, eine Geistergeschichte, eine Rachegeschichte, eine Geschichte über Gender, Race und Class.
Wir bekommen aber nicht nur in das Werk selbst einen Einblick, sondern auch in das Leben Emily Bronëts (über das wohl mehr Mutmaßungen kursieren als Tatsachen bekannt sind) sowie die wechselvolle Rezeptionsgeschichte von „Wuthering Heights“. Die Kritiken bewegen sich zwischen Meisterwerk und Zumutung.
Dieses kleine Büchlein von Mithu Sanyal ist ein wunderbares Lesevergnügen für Literaturliebhaber*innen!
Melanie Winkler empfiehlt:
Anatomy von Dana Schwartz
Blut, Intrigen und die erste Liebe
Edinburgh Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Adlige Hazel möchte unbedingt Chirurgin werden, aber als Frau stehen ihre Chancen schlecht diesen Traum zu verwirklichen. Durch Zufall lernt sie Jack, einen Auferstehungsmann, kennen, der Leichen ausgräbt und zu Lehrzwecken an die Anatomists' Society verkauft.
Um ihr Anatomiestudium im Geheimen vorantreiben zu können, wird Hazel seine neue Abnehmerin.
Währenddessen sterben in der Stadt immer wieder Menschen unter mysteriösen Umständen oder verschwinden und tauchen Wochen später mit fehlenden Körperteilen und lückenhaften Erinnerungen wieder auf. Werden Hazel und Jack herausfinden, was vor sich geht?
Die ambitionierte und wissbegierige junge Frau, die so viel mehr vom Leben will, als ihre erdrückende aristokratische Lebenswelt ihr zugesteht, und der junge, clevere Überlebenskünstler, der keine Angst hat, sich die Hände schmutzig zu machen, wecken ungeahnte Gefühle ineinander und stellen sich zusammen allen Widrigkeiten.
Eine spannende wie gefühlvolle Geschichte, in die man wunderbar versinken kann!
Übersetzt von Cornelia Röser
Ina Cassik empfiehlt:
Intimacies von Katie Kitamura
Can we ever really see the world we are living in?
A professional interpreter comes to The Hague to translate the statements of war criminals. Her private life is characterized by an irritatingly instable relation to an evasive married man and the failure to establish a profound relationship to the city and the people she meets there. A compelling, coolly and elegantly written masterpiece, casting a mysterious spell on the reader from the first page.
One of the best novels by one of my favourite authors so far.
Ina Cassik empfiehlt:
Die im Schatten, die im Licht von Sabine Scholl
Geschichte in Literatur verwandelt
Wie lebten Frauen im Nationalsozialismus? Anhand der Lebensläufe von neun verschiedenen Frauen quer durch das soziale Spektrum umreißt Sabine Scholl die Bandbreite des Handlungs- und Erlebnisspielraums österreichischer Frauen nach dem Anschluss. Meisterhaft erzählte, an historischen Vorbildern angelehnte Biografien zwischen Opportunismus, Widerstand und Opferschaft.
Ein wichtiges Buch, aus dem man mehr über Geschichte lernen kann als aus jedem Lehrbuch.
Ina Cassik empfiehlt:
Matilda von Roald Dahl
Ein unsterblicher Kinderbuchklassiker in einer genialen neuen Übersetzung
Die Geschichte von Matilda, die sich mit Entschlossenheit, Cleverness und ein bisschen Telekinese gegen die Zumutungen der Erwachsenenwelt wehrt, wurde von Andreas Steinhöfel neu übersetzt; ein Anlass, dieses Buch wieder einmal zu lesen. Was für ein Genuss!
Man verfällt der außergewöhnlichen Heldin sofort, ebenso wie den exzentrischen Charakteren und der unkonventionellen Handlung.
Auch optisch ein wunderschönes Buch, das ich heuer schon oft an kleine Leseratten verschenkt habe.
Ina Cassik empfiehlt:
Keine schöne Leich' von Constanze Scheib
Ein „Cozy-Crime“ auf Wienerisch
Constanze Scheibs ebenso charmante wie gewiefte Heldin Helene Ehrenstein ermittelt diesmal in Wien-Döbling. Ein toter Graf, die Gräfin steht unter Mordverdacht - ein Fall für die gnä‘ Frau! Constanze Scheib beschreibt schillernd das Wien der 70er Jahre, würzt das Buch mit jeder Menge Lokalkolorit, historischem Wissen und einer Portion Gesellschaftskritik.
Fans des Wienerischen kommen hier auf ihre Kosten (ein Glossar am Ende des Buchs hilft allen Nicht-Eingeweihten).
Spannend und amüsant!
Ina Cassik empfiehlt:
Die Erweiterung von Robert Menasse
Robert Menasse at his best – ein großer, europäischer Roman
Der berühmte Skanderbeg-Helm, Nationalheiligtum Albaniens, wird aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien gestohlen. Was das alles mit der europäischen Erweiterung, EU-Bürokratie und nationalen Interessen einzelner Staaten zu tun hat, zeigt Robert Menasse in seinem grandiosen neuen Roman. Mit großem Witz und detailliertem Hintergrundwissen zeichnet der Autor ein Zustandsbild des heutigen Europa – spannend wie ein Krimi, mit einem bitterbösen, symbolträchtigen Showdown.
Markus Renk empfiehlt:
Hope Never Dies von Andrew Shaffer
Hope never dies
Ein Fall für Obama und Biden.
Joe Biden vermisst seine gemeinsame Regierungszeit mit seinem Freund Obama. Doch während er so Trübsal bläst, wird er vom Tod eines befreundeten Eisenbahners überrascht. Irgendwie ging es bei dem
Selbstmord nicht mit rechten Dingen zu. Plötzlich steht Obama vor seiner Tür und fordert ihn auf, den Fall gemeinsam mit ihm zu lösen.
Ein rasantes Abenteuer beginnt.
Markus Renk empfiehlt:
Wer mit den Toten spricht von A. K. Turner
Wer mit den Toten spricht
Der zweite Band der jungen Rechtsmedizinerin Cassie Raven. Am liebsten verbringen Cassie Raven ihre Zeit bei ihren Leichen, die ihr schon das eine oder andere Geheimnis verraten haben. Doch diesmal muss sie den Tod ihrer Mutter aufklären und herausfinden, welche Rolle dabei ihr Vater gespielt hat. Die Thriller-Sensation aus England.











