Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Amena25:
Schlafende Vulkane von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson
Spannender Start in eine neue Reihe
In einem Reitstall in Reykjavik wird eine junge Frau tot aufgefunden. Sie ist nackt und wurde offenbar vergewaltigt. Für Helga Jónsdóttir ist es die erste Ermittlung, da sie erst kürzlich zum Dezernat für Gewaltverbrechen gewechselt hat. Schnell stellt sich heraus, dass die ermordete Frau einen 10-jährigen Sohn hat, der vor dem Mörder aber vermutlich durch ein kleines Fenster aus dem Haus geflüchtet ist.
Nun fehlt von ihm jede Spur. Helga wird der ehemalige Ermittler Bjarki zur Seite gestellt, der sich in der isländischen Wildnis wie kein anderer auskennt. Auf die noch unsichere Helga wirkt Bjarki wie ein Fels in der Brandung und kann ihr, die trotz ihrer Zweifel einen sehr guten Ermittlerinstinkt und Biss hat, Rückhalt und Stärke vermitteln. Doch noch während die beiden nach dem verschwundenen Jungen suchen, wird eine weitere Frau ermordet aufgefunden. Nach und nach wird klar, dass der Mörder seine Opfer über die sozialen Medien findet und diese alle junge Mütter sind.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven der Beteiligten erzählt, auch der Täter kommt zu Wort. So erkennt man schnell, wie akribisch und skrupellos er seine Taten plant. Die unterschiedlichen Perspektiven lassen die Figuren lebendig wirken, mit allen Ecken und Kanten. Besonders Helga mit ihrer Unsicherheit, aber auch ihrem eisernen Willen, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, wirkt äußerst authentisch. Der etwas mürrische und eher verschlossene Bjarki ist sympathisch, wird im Lauf der Handlung für meinen Geschmack aber etwas zu sehr als Held in Szene gesetzt.
Insgesamt ist ,,Schlafende Vulkane“ ein spannender Start in eine neue Reihe mit interessanten Ermittlerfiguren, dennoch hätte die Handlung etwas straffer gehalten werden können.
Rezensionen von dorli:
Im Morgengrauen (Art Mayer-Serie 4) von Marc Raabe
Geht unter die Haut
In den frühen Morgenstunden des 18. Januar treffen sich zwei Männer im Kiosk einer Minigolfanlage in Berlin-Heiligensee. Der eine wird zum Täter, der andere zum Mordopfer. Oder geschieht hier gar kein Mord?
Einige Tage später. Es herrscht Aufregung im Kanzleramt, denn Bundeskanzler Henrik Westphal ist spurlos verschwunden.
Wurde der Kanzler entführt? Ist er womöglich tot? Oder ist er abgetaucht, weil er einem handfesten Skandal aus dem Weg gehen will? Denn in den sozialen Medien kursieren Videos, in denen eine junge Frau, die sich Kessy X nennt, sehr glaubwürdig sein übergriffiges Verhalten anprangert.
Die bereits aufgeheizte Stimmung bekommt noch mehr Zündstoff, als in einem U-Bahntunnel unter dem Alexanderplatz eine entstellte Leiche gefunden wird, denn die Tote hat das gleiche auffällige Tattoo, dass in den Videos auf Kessy’s Unterarm zu sehen ist.
„Im Morgengrauen“ ist der vierte Band rund um die BKA-Ermittler Art Mayer und Nele Tschaikowski. Ich empfehle, die Bücher der Serie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da die Ereignisse über die einzelnen Bände hinweg alle zusammenhängen. Das Wissen über die Hintergründe, Beziehungen und persönlichen Entwicklungen der Protagonisten erhöht den Lesegenuss dieser spannenden Fortsetzung ganz enorm.
Der Schreibstil von Marc Raabe begeistert mich immer wieder aufs Neue. Er hat ein ausgesprochen gutes Händchen für vielschichtig konstruierte Thriller und versteht es ganz ausgezeichnet, die spannenden Ermittlungen und die privaten Angelegenheiten seiner Figuren authentisch und mitreißend darzustellen.
Die Kapitel sind kurz, die Perspektive wechselt ständig - auch hier trifft Marc Raabe genau meinen Geschmack. Besonders der stetige Blickwinkelwechsel gefällt mir, da ich so von den Gedanken, Ansichten und Beweggründen aller Akteure Kenntnis habe und prima mitverfolgen kann, wie jeder Einzelne auf unerwartete Ereignisse reagiert oder Konflikte meistert. Ich kann nicht nur die Kraft, Energie und Leidenschaft spüren, mit der sie ihre Aufgaben bewältigen und sich den immer neuen Herausforderungen stellen, sondern erlebe auch immer wieder ihre innere Zerrissenheit und ihre mentalen Kämpfe mit.
Sehr gut gefallen hat mir, dass die aktuelle Handlung mit der nervenaufreibenden Spurensuche des Öfteren von Rückblenden unterbrochen wird, die in den Wochen vor dem Verschwinden des Kanzlers spielen und Kessys bewegende Geschichte zum Inhalt haben.
Auch die vielen Wendungen sind überzeugend - immer wieder meint man zu wissen, in welche Richtung die Dinge sich entwickeln und dann kommt es doch wieder ganz anders, als man denkt. Außerdem gibt es zahlreiche Nebenhandlungen und nicht eine davon ist überflüssig. Im Gegenteil, sie ergänzen die Haupthandlung perfekt und machen den Thriller lebendiger, komplexer und realistischer.
Am Ende fügt sich alles zu einem großen Ganzen. Ich bekomme über die vier Bände hinweg ein stimmiges Gesamtbild und bleibe zufrieden zurück.
„Im Morgengrauen“ hat mich rundum begeistert - ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Thriller, der mit einer temporeichen Handlung und ausdrucksstarken Figuren punktet und dabei einen Sog entwickelt, dem man sich als Leser nicht entziehen kann.
Rezensionen von Ele:
Wenn der Sturm ruht von Lenz Koppelstätter
Pasternak am Gardasee
Wenn der Sturm ruht, Gardasee-Krimi von Lenz Koppelstätter, EBook Kiepenheuer&Witsch.
Gianna Pitti ermittelt, ihr 3.Fall.
Gianna, Elvira Arnaldo und der Marchese, sie alle haben den neuen Messagero auf den Weg gebracht, modern mit den neuesten Methoden teils als EPaper und am Sonntag als Printausgabe, die Geschäftsräume sind wieder in der alten Rilke-Villa am Seeufer angesiedelt, doch schon am Tage nach der Eröffnungsfeier gibt es einen Toten am Schreibtisch von Arnaldo.
Der Unbekannte war Gast im besten Haus am Westufer in Gargnano: der Villa Feltrinelli. Er recherchierte rund um den mysteriösen Tod des ehemaligen Besitzers und legendären Verlegers Giangiacomo Feltrinelli vor über fünfzig Jahren. Gianna und ihre Kollegen beginnen zu ermitteln, wollen schneller sein als die Polizei. Dadurch kommen Gianna und der Marchese, sowie Arnaldo in Lebensgefahr, ein spannendes Szenario beginnt. Nach der Hälfte des Krimis wurde es dann richtig spannend und aufregend, da ging es mir dann fast etwas zu schnell.
Die Handlung erstreckt sich über drei Tage, so sind auch die Teile des Buches gegliedert. Der Erzählstil ist auktorial jeweils aus der Sicht von Elvira, Gianna, Arnaldo oder Francesco. Koppelstätter erzählt zügig, man muss schon sehr aufpassen um dem Geschehen folgen zu können. Durch die diversen Erzählstränge und Sichtwechsel habe ich mitunter den Faden ganz verloren und brauchte eine Weile bis ich wieder orientiert war. Das ist mir bei den vergangenen Bänden auch schon passiert und es hat sich leider nicht gebessert. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass ich einige Seiten überlesen habe, was sich jedoch nicht bestätigt hat. Die Stimmung am See und die italienische Lebensart jedoch sind wieder einmal sehr gut eingefangen. Atmosphärisch erzählt, dem Leser ist jederzeit bewusst wo er sich befindet. Interessante Einblicke in die italienische Geschichte. Die Fährten führen vom Nobelpreisträger Boris Pasternak zum kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro und in die Zeit des Links- und Rechtsterrorismus im Italien während des Kalten Krieges. Dazu ganz viel italienische Atmosphäre, italienische Phrasen, Musik, Speisen und Weine schaffen das. Das liebe ich an diesen Krimis, da ich die Gegend um den Gardasee sehr schätze.
Die Figuren sind echt, sie denken und fühlen und das kommt auch im Buch deutlich zur Sprache. Vor allem meine Lieblingsfigur, vom ersten Buch an, nicht die Protagonistin, sondern ihr Onkel, der Marchese, sein Stil und seine Eleganz und die Lebensweise eines italienischen Aristokraten die er so feudal lebt. Diese Figur ist dem Autor vortrefflich gelungen, ihn habe ich direkt vor Augen, wenn zur Sprache kommt, welche Weine er zum Essen auswählt, wie er seine Krawattenknoten bindet, welche Werke er liest, Opern er hört und wie er seinen in die Jahre gekommenen Porsche fährt oder parkt. Ein Schlitzohr durch und durch.
Und so geht es mir wie in jedem Band, gerne würde ich mehr um den Fall und die Zusammenhänge wissen, da kämpfe ich mich regelrecht durch. Aber das wird jedes Mal, vom Marchese und seiner liebenswerten Art ausgeglichen, da möchte ich schon gerne wissen wie es mit ihm und auch den anderen Figuren weitergeht, ich könnte mir diese Garda-Krimis gut als Filme vorstellen. In diesem Band sind am Ende schon die Weichen für eine Fortsetzung gestellt. Vermutlich werde ich auch im nächsten Band wieder dabei sein. Von mir 4 Sterne.
Rezensionen von Annabell95:
Revenge von Svenja Diel
Rache
Die drei Jugendlichen, Liv, Sara und Vince, werden durch ein plötzliches Gewaltverbrechen aus ihrem normalen Leben gerissen und müssen sich danach mit Angst, Schuldgefühlen und den Folgen traumatischer Erfahrungen auseinandersetzen. Während die Polizei versucht, den Täter zu finden, geraten Liv, Sara und Vince in einen Strudel aus Misstrauen, gefährlichen Wahrheiten und der Frage, ob ihre Freundschaft stark genug ist, um all das auszuhalten.
Jede Entscheidung bringt sie näher an die Wahrheit oder tiefer in die Abgründe der eigenen Vergangenheit.
Die Story entfaltet sich über drei Perspektiven - Liv, Sara und einem myteriösen "ER". Das sorgt für Abwechslung und Dynamik der Handlung. Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man intime Einblicke in Gedanken und Motive der Charaktere. Man pendelt zudem ständig zwischen Nähe, Zweifel und Misstrauen. Mit jedem Kapitel wächst das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Die Sichtweise des unbekannten Erzählers wirft immer neue Fragen auf, und man ertappt sich dabei, wie man jede Figur infrage stellt.
Die Handlung entwickelt sich stetig weiter, die Spannung steigt kontinuierlich, und immer wieder tauchen unerwartete Wendungen auf, die das Bild neu zusammensetzen. Das Ende hingegen kam nicht ganz mit und blieb etwas schwächer zurück, aber dennoch blieb es spannend und man wollte wissen, wie alles zusammenhängt.
Die Figuren selbst wirken teilweise etwas blass, was die emotionale Bindung erschwert. Dennoch gibt es Nebencharaktere, die sofort Sympathie wecken und andere, die bewusst Distanz erzeugen. Die Hauptprotagonistin Liv bleibt dabei die stärkste Figur. Sie ist entschlossen, loyal und bereit, alles für ihren Bruder zu tun.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, leicht zu lesen.
Mein Fazit:
Ein sehr spannender YA-Thriller mit vielen überraschenden Wendungen. Er ist auch sehr gut für Erwachsene geeignet. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Philiene :
Flora Brimble und der verlorene Frühling von Marcus Raffel
Flora
An diesem Buchcover konnte ich einfach nicht vorbei laufen. Es ist einfach wunderschön gestaltet und passt einfach perfekt zum Buch.
Die Geschichte ist märchenhaft, magisch und spannend.
Flora zieht los um den Frühling zurück zu holen, denn in ihrem Dorf will der Winter einfach nicht enden.
Daher zieht Flora los um die Maikönigin zu finden, die Einzige die die Lösung weiß. Auf ihrem Weg dorthin trifft sie allerlei magische Wesen die sie auf ihrem Weg begleiten.
Flora Brimble ist ein Buch in das ich einfach versunken bin und mich in eine magische Märchenwelt versetzt hat. Obwohl es ein Kinderbuch ist, habe ich es genauso gerne gelesen wie meine Kinder.
Flora ist schon eine tolle Heldin, aber als dann noch die von ihr erfundene Heldin auftaucht wird es noch einmal richtig spannend.
Ein Buch für alle Fans von magischen Welten in den vielleicht etwas merkwürdige Helden ein fantastisches Abenteuer erleben.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Die Mitternachtsreise von Matt Haig
Großartiges Buch mit vielen weisen Botschaften
Matt Haig ist mir und vielen anderen Menschen als Autor des internationalen Bestsellers "Die Mitternachtsbibliothek" bekannt. Seitdem hat er verschiedene andere Werke verfasst, einige mit deutlichem autobiographischem Anteil und zu psychischen Erkrankungen, sowie Liebesromane. Allen gemeinsam ist, dass es auf die eine oder andere Art auch um den Sinn im Leben geht.
An dieses Thema schließt auch die Mitternachtsreise an. Ging es bei der Mitternachtsbibliothek um die junge Nora, die noch weite Teile ihres Lebens vor sich haben könnte und verschiedene mögliche Lebenspfade betrachtet, so haben wir nun einen alten Mann, Wilbur, der vor kurzem mit über 80 nach einem langen Leben gestorben ist und nun als Geist auf sein Leben zurückblickt.
Begleitet vom Geist einer ehemaligen Inhaberin eines Bücherladens, den er als Junge gerne besuchte, und die damals und auch jetzt eine Art Mentorinnenfunktion für ihn einnimmt, fährt der Geist von Wilbur mit einem Zug durch sein vergangenes Leben, kann so einiges im Schnelldurchlauf betrachtet und bei markanten Stationen aussteigen und Wendepunkte in seinem Leben näher betrachten.
Es ist auch eine schmerzhafte Reise für den Geist des alten Mannes, dem bewusst wird, wie viel an seinem Leben er bedauert und er gerne anders gemacht hätte. Wie er rückblickend Prioritäten anders setzen würde, weniger Wert auf Karriere, Status und Vermögen legen würde und mehr auf zwischenmenschliche Beziehungen, und bei vielem genauer hinschauen würde.
Insgesamt ist es ein langsam und gemütlich erzähltes Buch, das sich Zeit nimmt für Tiefsinnigkeit und ausführliche Dialoge zwischen den Personen. Es findet sich viel an Weisheit darin, die dazu einlädt, auch über das eigene Leben und die eigenen Prioritäten genauer ausführlicher nachzudenken.
Dem gedruckten Exemplar würde ich wohl volle fünf Sterne geben. In dieser Audio-Version des Argon-Verlages wurde das Audiobuch aber leider von einem Sprecher eingesprochen, dessen Sprechweise zumindest für mich den Hörgenuss ziemlich geschmälert hat. Insbesondere die diversen weiblichen Figuren werden mit einer Art männlicher Piepsstimme vorgetragen, die mich beim Zuhören sehr genervt hat und die ich als unauthentisch empfunden habe. Dafür in dieser Version einen Stern Abzug und meine Empfehlung an alle am Hörbuch Interessierten, vor dem endgültigen Kauf ausführlich reinzuhören und zu überlegen, ob einem persönlich dieser Sprecher zusagt oder man das Buch lieber in der gedruckten Version genießen möchte.
Rezensionen von gabiliest:
Feine Risse von Elisa Hoven
Im Zwielicht: Zwischen Recht und Gerechtigkeit
Die bekannte und renommierte Autorin Elisa Hoven hat mit “Feine Risse” den zweiten Band über die Strafverteidigerin Eva Herbergen vorgelegt. Wie der Titel schon sagt, sind es oft minimale Unterschiede eines Tatherganges, die den Ausschlag geben, welches Urteil über einen Straftäter gefällt wird.
Ebenso feine Unterschiede führen zu einer völlig anderen Sichtweise, wenn man ein Verbrechen vom Standpunkt der persönlichen Moral aus betrachtet. Was ist jetzt Recht- und was ist gerecht?
Die Autorin, selbst Juristin, die Strafrecht an der Universität Leipzig lehrt und Richterin im Sächsischen Verfassungsgerichtshof ist, greift für ihren Roman auf spektakuläre Kriminalfälle zurück, die sie an die Geschichte des Buches anpasst und mit einem fiktiven Ende versieht. So ergeben sich nicht nur Einsichten in die Arbeitsweise der Justiz und der Ermittlungsbehörden, sondern auch die spannende Aufarbeitung von Verbrechen mit all ihren Facetten wie der Berichterstattung in den Medien und der öffentlichen Meinung. Um diesen Roman zu lesen, muss man aber keine Rechtskenntnisse haben, es geht um Taten, die in der Realität begangen wurden und deren Beurteilung durch die Gerichte zu Diskussionen Anlass geben kann.
Elisa Hoven hat als Hauptfiguren für ihren Roman das Ehepaar Herbergen gewählt. Eva ist eine bekannte und gefragte Strafverteidigerin, ihr Ehemann Peter lehrt an der Universität und steht knapp vor dem Ruhestand. So erfahren die Lesenden nicht nur die Sichtweise von Eva über den Gang der Gerichtsverfahren, die Beurteilung der Mandanten, die Zweifel am richtigen Vorgehen der Verteidigung und die Bewertung von Beweisen, sondern Peter bringt auch eine andere, persönliche Meinung zu den Fällen ein. Diese Fälle werden einigen Lesenden bekannt sein: Die Fahrt eines Betrunkenen, der ein Kind niederfährt und Fahrerflucht begeht; der Bergunfall eines Managers, der mit Bergführer eine zu schwere Tour geht oder das entführte Kind, dessen Aufenthaltsort der Entführer nicht preisgeben will. Die Aufzählung ist nur beispielhaft für die sehr gut ausgewählten spektakulären Verbrechen und ihre Aufarbeitung.
Ebenso wichtig ist die schöne, innige und gleichberechtigte Beziehung der Eheleute Eva und Peter, die selbst in ein länger zurückliegendes Kapitalverbrechen verwickelt werden, das Peters Familie betrifft. Während Peter eher zögerlich ist, veranlasst Eva die Auswertung der alten Spuren, das Ergebnis ist schockierend. Soll Eva Peter damit konfrontieren, denn wie wird er sein bisheriges Leben im Licht dieser neuen Erkenntnisse bewerten?
Abseits der Verbrechen beschäftigt sich das Buch mit ernsten, persönlichen Themen. Wie will man das eigene Alter verbringen, wie sich auf den Ruhestand vorbereiten? Soll Eva auch beruflich kürzer treten, wenn Peter in Pension ist? Darf man alten Bekannten vertrauen oder wird dieses Vertrauen missbraucht? Hier geht es nicht um Recht und Gerechtigkeit sondern um wichtige Lebensentscheidungen, um Weichen, die man für das eigene Schicksal stellt.
“Feine Risse” ist ein in gut verständlicher Sprache geschriebener spannender und interessanter Roman, der zwischen Realität und Fiktion changiert, ein Buch, das man am liebsten im einem Rutsch lesen möchte. Die Charaktere aller Protagonisten sind lebensnah ausgearbeitet, die Lesenden fühlen sich direkt in das Geschehen versetzt und beziehen unwillkürlich Stellung zu den jeweiligen Rechtsfragen und Schicksalen. Dieses Buch beeindruckt einerseits durch große Sachkenntnis, andererseits aber auch durch Empathie, sowohl für die Opfer als auch manchmal sogar für die Täter. Für mich war es ein Lesehighlight, ich empfehle es gerne und bewerte es mit fünf Sternen.
Rezensionen von Ruth:
Tanzende Frau, blauer Hahn von Dana Grigorcea
Sommer in Busteni
Der Prolog lässt bereits keinerlei Hoffnung auf ein Happy-End aufkommen. Die zarte Freundschafts- und Liebesgeschichte zwischen Roxana und Camil muss irgendwann ein Ende gefunden haben. Denn nun liest die Ich-Erzählerin auf einer spanischen Nachrichtenseite vom Unfalltod ihres „ ersten und besten Freundes“ und beginnt sich an all die Sommerferien zu erinnern, die sie in den 1990er Jahren in Busteni verbracht hat
In diesem kleinen Dorf am Rande der Karpaten haben Großmutter und Großtante ein Sommerhaus und hierher fährt Roxana Jahr für Jahr.
Sie, ein Mädchen aus der gehobenen Bukarester Gesellschaft, freundet sich mit Camil, dem gleichaltrigen Jungen aus der heruntergekommenen Eisenbahnersiedlung an. Dass Welten zwischen ihnen liegen, spielt in diesen Wochen keine Rolle. Sie durchstreifen die Gegend, beobachten die Bewohner des Ortes und erzählen sich Geschichten. So z.B. die von der feinen Madame Smara aus Bukarest, die mit ihrem ehemals notorisch untreuen, nun aber todkranken Mann hierher zog. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, bis eines Tages ein Kirschbaum in ihrem Haus zu wachsen beginnt.
Oder die Geschichte von der schönen Frau Helmann, die nicht wegen ihres kleinwüchsigen Ehemannes, der Tag für Tag mit einer Sense auf der Schulter durch den Ort läuft, Aufmerksamkeit erhält. Nein, es ist ihre frappierende Ähnlichkeit mit der „Sklavin Isaura“ aus der gleichnamigen brasilianischen Telenovela, die die Dorfbewohner begeistert.
Das sind aber nicht die einzigen ungewöhnlichen Liebespaare, über die Camil und Roxana sich amüsieren.
Daneben begleiten auch andere Kinder die beiden gerne auf ihren Exkursionen, wollen dazugehören und bleiben während dieser Sommerwochen doch nur Randfiguren. So z.B. Radu, der selbst ein bisschen in Roxana verliebt scheint, dem aber die Rolle des Spaßmachers zufällt. Oder Ana-Mia, die immer von ihrem zweibeinigen Hund begleitet wird. Dass diese aus ärmlichsten Verhältnissen stammt, entgeht selbst Roxana nicht.
Man muss zwischen den Zeilen lesen, um bei all den Geschichten, die Dana Grigorcea fabulierfreudig vor uns ausbreitet, etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Rumänien zu erfahren. Da heißt es dann, „Bitte keine Politik am Tisch“ bei einem Fest des ehemaligen Direktors der örtlichen Papierfabrik. Und dass Einheimische dabei nicht gewünscht sind, erfährt man nur in einem Nebensatz.
Auch wenn der Ort gerade anfangs, als wir alles durch die kindliche Perspektive erleben, wie eine Idylle wirkt, so ist er das keineswegs. Von Klassenunterschieden, von den Unterschieden zwischen den Großstädtern und der einheimischen Landbevölkerung, von prekären Verhältnissen lesen wir in allen Geschichten. Ebenso erfahren wir vom Müll, der auf der Prahova schwimmt oder auf dem Grund des Flusses liegt und an dem man sich beim Baden verletzen kann.
Später hören wir von Ovidiu, der wie Roxana seine Sommerferien in Busteni verbracht hat. Er macht als Erwachsener Karriere in der Politik , bevor er nach einem Korruptionsverdacht untertaucht.
Camil und Roxana werden älter, aus der Kinderfreundschaft wird erste Verliebtheit, doch bald wird klar, dass dies eine Sommerliebe bleibt, leicht, unverbindlich, ohne Zukunft.
Und so etwas Leichtes, Schwebendes liegt über dem ganzen Roman. Es sind einzelne Episoden, die die Autorin miteinander verwebt, voller Atmosphäre, manche witzig, beinahe absurd, andere eher still und traurig. Nicht selten mischen sich Realität mit surrealen Elementen.
Eingebunden ist dies in eine Rahmenhandlung, kursiv gesetzt, in der eine Schriftstellerin auf einer Lesereise unterwegs ist, genau mit den Geschichten, die wir lesen. Begleitet wird sie dabei von einem älteren Musiker, der die Texte mit passenden Musikstücken unterlegt.
Und am Ende überrascht uns die Autorin noch mit einer unerwarteten Volte.
Dana Grigorcea und ihr Schriftstellerkollege Catalin Dorian Florescu haben dieses Frühjahr einen neuen Roman veröffentlicht . Beide stammen aus Rumänien und leben schon viele Jahre in Zürich und beide kehren in ihren Büchern gerne in ihre frühere Heimat zurück.
Catalin Dorian Florescu schlägt in „Matei entdeckt die Freiheit“ einen weiten Bogen von der Zeit noch vor Ceaucescus Diktatur bis in die Nachwendejahre und schildert darin eindrucksvoll das Schicksal seines Protagonisten, der seine Zeit im Arbeitslager nicht vergessen kann und auf Rache sinnt, als er Jahrzehnte später auf seinen ehemaligen Peiniger trifft.
Sein Roman unterscheidet sich nicht nur im Ton von „Tanzende Frau, Blauer Hahn“. Wer tief eintauchen möchte in die unheilvolle Geschichte Rumäniens, ist mit dem emotional packenden „Matei entdeckt die Freiheit“ besser bedient. Wer es stattdessen leichter, luftiger und trotzdem tiefgründig haben will, der greife zu Dana Grigorcea . Am besten lese man beide Bücher und bekomme damit einen Einblick in die rumänische Gesellschaft und gleichzeitig gute Literatur.
Rezensionen von beavielleser :
Das Tränenhaus. Roman von Gabriele Reuter
Anspruchsvoller Schreibstil
Das Tränenhaus wird von der Hebamme Uffenbacher geführt und gibt ledigen Frauen bis zu ihrer Entbindung eine Unterkunft. So war es damals üblich, wollte man gesellschaftlich angesehen bleiben. Das Kind wurde dann nach der Geburt in eine Pflegefamilie gegeben.
Als Cornelie ins Tränenhaus kommt, will sie erst nichts mit den anderen Bewohnerinnen zu tun haben.
Doch als sie mitbekommt, wie gemein die Hebamme zu den anderen Frauen war, kann sie nicht mehr zuschauen und tritt für die Mädchen ein. Es entsteht eine herzliche Gemeinschaft.
Der Schreibstil hat mich sehr gefordert, die alte und poetische Sprache war für mich schwer zu lesen. Deshalb war ich auch froh, als ich am Ende angelangt war.
Dennoch kann ich das Buch jedem empfehlen, dem dieser Schreibstil besser liegt.
Rezensionen von Paddy123:
Don't let me fall von Kelsie Rae
Eine mitreißende Hockey-Romance zwischen Herzklopfen und verbotenen Gefühlen
Für mich war dies der erste, aber bestimmt nicht letzte Roman von Kelsie Rae. „Don’t let me fall“ an mir von den ersten Seiten gleich gefallen, dass hier über eine emotionale und fesselnde Slow-Burn-Romance geschrieben wird und die Protagonisten mich auch gleich überzeugen konnten.
Im Mittelpunkt steht Hockey-Star Colt Thorne, der nach einem Skandal an die Los Angeles University wechselt und durch den Wechsel Abstand zu seinem alten Leben zu gewinnen will.
Doch dort begegnet er Ash, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Das Problem: Sie ist die Freundin seines Mitbewohners und damit absolut tabu für ihn. Als Ash ausgerechnet auch noch seine Nachhilfelehrerin wird, gerät Colts mühsam kontrollierte Gefühlswelt endgültig ins Wanken. Denn je mehr Zeit die Beiden miteinander verbringen, desto schwerer fällt es ihm, seine Gefühle zu verdrängen.
Mir haben besonders die Dynamik und Chemie zwischen Colt und Ash gefallen und ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Ash glaubt an den perfekten Golden Boy in Colt, aber er selber weiß, dass ihn ihm noch der alte Bad Boy steckt und er Ash nicht guttun würde. Kelsie Rae schafft es hervorragend, die Spannung zwischen den beiden langsam aufzubauen, ohne dass die Geschichte selber an Tempo verliert oder Langweile beim Lesen aufkommt. Gerade dieses Knistern und die emotionalen Konflikte machen die Geschichte von Colt und Ash für mich so mitreißend. Colt ist dabei mehr als nur der typische Bad Boy: Hinter seiner harten Fassade steckt ein verletzlicher Charakter, der ehrlich versucht, ein besserer Mensch zu sein. Auch Ash überzeugt mit ihrer klugen und authentischen Art, wodurch die Liebesgeschichte glaubwürdig und emotional wirkt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und sehr gefühlvoll, sodass man förmlich durch die Seiten fliegt. Für mich war dieses Buch auf jeden Fall nicht der letzte Roman von Kelsie Rae.











