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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Katja K.:

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The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro

Außergewöhnlich, bezaubernd und erschreckend aktuell

Vorab: Hier ist ein wenig Geduld gefragt. Das Buch liest sich nicht schnell weg, sondern die Geschichte entwickelt sich langsam. Man wird ganz allmählich und behutsam in das Worldbuilding eingeführt und lernt die Charaktere nach und nach besser kennen. Es ist außerdem eine Erzählung aus der Beobachterposition und nicht, wie aktuell in, aus der Ich-Perspektive.

Dennoch gibt es unterschiedliche POV.

Ich jedenfalls musste mich erst an die langsame Geschwindigkeit und die teilweise ausführlichen Schilderungen gewöhnen. Auch erfordert es einige Konzentration, bei den vielen verschiedenen Namen und Perspektiven durchzublicken, da diese nicht übersichtlich mit den Hauptkapiteln wechseln.

Irgendwann zwischendurch hatte ich sogar einen Punkt, an dem mir ein bisschen die Puste ausging. Aber ich kann sagen: Meine Geduld wurde mit einer wirklich außergewöhnlichen und besonderen Geschichte belohnt.

Die Autorin verwebt hier gekonnt ganz viele verschiedene Elemente zu einer einzigartigen bunten und zugleich auch düsteren Welt. Wir begegnen traditioneller japanischer Mythologie, Hightech Bots, Pokémon-Vibes, Wahlgeschwistern, Geflüchteten, blutrünstigen Gangs, kaiserlicher Politik und ganz viel Bubble Tea. Ach, und natürlich Drachen!

Die verschiedenen Charaktere sind ganz liebevoll gezeichnet und in ihren Persönlichkeiten über das Buch hinweg immer deutlicher spürbar. Es sind junge Charaktere, die mir mit der Zeit sehr ans Herz gewachsen sind und mich berührt haben. Sie haben mit den Unsicherheiten normaler Jugendlicher und junger Erwachsener zu kämpfen und treffen authentische Entscheidungen. Besonders elegant finde ich, dass wir mit den Charakteren zusammen das Magie-System allmählich entdecken und verstehen dürfen.

Über allem schweben philosophische Fragen nach Identität und Heimat, dem Sinn des Lebens und den Vorteilen versus Gefahren technologischen Fortschritts.

Fazit: Auch wenn ich ein paar Längen aushalten musste, so hat mich dieses außergewöhnliche Buch doch tief berührt und ich kann es kaum erwarten, wieder in diese bezaubernde Welt voller asiatischer Mythologie und Science-Fiction einzutauchen. Von mir gibt es eine ganz klare Lese-Empfehlung. Das Glück ist mit den Geduldigen! ;)

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The Rainshadow Orphans

Rezensionen von Daggy:

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Boah, was für ein Fahrrad!? von Caspar David Engstfeld

Witzige Ideen für Fahrräder

Welches Kind wünscht sich nicht ein tolles Fahrrad, alle meine Enkel fahren gerne Rad. Aber hier macht sich Loki auf den Weg sich ein eigenes Fahrrad zusammenzustellen. Sie besucht Leute, die ungewöhnliche Dinge mit ihren Rädern gemacht haben. Das erste Rad macht Musik und es sind viele Boxen darauf installiert.

Eine Dame führt einen ganzen Flohmarkt auf ihrem Rad mit sich. Es finden auch viele Pflanzen und sogar Sportgeräte auf einem Rad Platz. Drei Mäuse haben ihr Fahrrad künstlerisch gestaltet und einen Sticker dazu erstellt, der dem Buch beiliegt. Witzig ist auch das Camper-Fahrrad mit Zelt.
Am Ende baut Loki ihr Rad und sie nutzt dazu all die Dinge, die sie von den anderen bekommen hat, dabei.
Das Ungewöhnliche an dem Buch ist der Aufbau der Seiten, in der Mitte sehen wir das Rad mit dem Fahrer oder der Fahrerin. Oben gibt es eine beschreibende Überschrift und der Text seht rund um das Blatt und ist entgegen dem Uhrzeigersinn zu lesen. Er steht in Kästchen und wird von kleinen Illustrationen unterbrochen.
Ein sehr farbiges Buch, in dem sicher nicht alles sofort gesehen wird und das Lust auf ein ungewöhnliches Fahrrad macht, so wie Loki es sich gebaut hat. Ich habe zwar kein Rad, aber ich hatte einen Riesenspaß beim Lesen und Anschauen dieses ungewöhnlichen Buches.

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Boah, was für ein Fahrrad!?

Rezensionen von Daggy:

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Der Alleinstein von Hilde Biedermann

Freunschaft lässt Gefühlssteine leichter werden

Auf dem Cover sehen wir die gelbe dicke Raupe und sie hat einen dunklen Stein auf dem Rücken, der bunte Stellen einschließt.
Um den Stein geht es in dem Buch, es ist der Alleinstein, der über eine lange Zeit gewachsen ist. Er zeigt die unterschiedlichsten Gefühle, die Waldi erlebt. Aber Waldi möchte mehr erfahren und er weiß, dass er durch Reisen viel erfährt.

So kommt er zunächst zur Eule Pi, die einen Weinstein unter dem Flügel trägt, der ihn sehr traurig macht. Bald erkennen die beiden, dass dieser rote Stein auch in Waldis Stein vorkommt. Der Maulwurf Hugo hingegen trägt seinen Kleinstein auf der Nase. Er fühlt sich dem entsprechend klein.
Der Text ist in handgeschriebenen Druckbuchstaben gedruckt und sehr dynamisch. Es gibt Vermerke und Fragen an die Lesenden, dadurch ist das Lesen nicht ganz einfach, aber sehr spannend und vielfältig. Mir hat es auf jeden Fall viel Freude gemacht zu erleben wie die unterschiedlichen Gefühle hier in Form von Steinen, zu denen die Autorin ein besonderes Verhältnis hat, plastisch dargestellt werden. Auch die kunstvollen Illustrationen sind ungewöhnlich, manchmal kleinformatig und dunkel, manchmal groß und bunt. Es gibt viel zu entdecken und ich habe mir dabei Gedanken über die Gefühle gemacht. Zwischen zwei Seiten gibt es transparente Seiten, die ebenfalls bemalt wurden. Das ist noch einmal etwas Besonderes. Ein wundervolles Bilderbuch über Gefühle, die man hier erkennen und benennen kann, denn es ist wichtig über Traurigkeit in ihren unterschiedlichen Fassetten zu sprechen. So hilft auch in der Geschichte Freundschaft die Schwere der Steine zu verringern.

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Der Alleinstein

Rezensionen von clematis:

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Schwesternland von Katharina Fuchs

Antonia und die Hugenotten

Seit dem Tod des Vaters ist in der Familie nichts mehr, wie es war. Erst dreizehn Monate später, zu Großmutter Henriettes 100. Geburtstag, treffen sich alle wieder im Havelland. Ein Geburtstagsgeschenk dreht sich um ein Ahnengutachten, welches Antonias Interesse auf sich zieht, ist sie doch selbst Geschichtsstudentin.

Insbesondere das Schicksal von Jeanne Beauvais erweckt ihre Aufmerksamkeit, einer Hugenottin, welche im 17. Jahrhundert aufgrund eines Ediktes von Ludwig XIV. aus Frankreich hat fliehen müssen. Was, wenn diese Frau tatsächlich eine Vorfahrin von Antonia war?

Auf zwei beeindruckenden Zeitebenen erzählt Katharina Fuchs diese bewegende Geschichte, lässt Jeannes Flucht stellvertretend für viele Vertriebene lebendig werden und begleitet Antonia auf der Suche nach ihrem Stammbaum und sich selbst. Bewegende Szenen im Jahre 2025 fesseln den Leser ebenso wie die erschütternden Momente 1685/86. Die akribische Recherche spürt man in jeder Zeile, sei es der abenteuerliche Marsch über die Berge, seien es die Details rund um das Weben und Färben von hochwertigen Stoffen. Die Figuren und Örtlichkeiten sind von Anfang an überaus plastisch beschrieben, sodass man schnell das Gefühl hat, selbst mitten im Geschehen zu sein, auch die Übergänge zwischen den zeitlichen Ebenen sind besonders geschickt gewählt und lassen das Ganze zu einem großen Gemeinsamen verschmelzen. Nicht nur zwei einzelne Schicksale – jene von Antonia und Jeanne – bildet dieser Roman ab, sondern wirft auch Fragen auf, wie Religion einen Lebensweg beeinflussen kann und wie über Generationen hinweg Zusammenhänge ersichtlich werden, welche Parallelen auch mehrere hundert Jahre später noch zutage treten. Ausgesprochen interessante Themen werden bestens verwoben mit sehr persönlichen Erlebnissen, sodass die knapp 500 Seiten durchgehend spannend und kurzweilig zu lesen sind. Am Ende gibt es zudem noch eine gelungene Überleitung zu einer weiteren Geschichte, in welcher Antonias ältere Schwester Chiara in den Mittelpunkt gerückt wird. Darauf freue ich mich schon jetzt.

Schwesternland – ein Roman, der durch seine angenehme Schreibweise ebenso punktet wie durch die zahlreichen wahren Begebenheiten, auf welchen diese berührende Geschichte fußt. Von mir gibt es eine Empfehlung!

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Schwesternland

Rezensionen von Kalligrafin :

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Tom Tauber - Ratte der Lüfte von Hannah Schenk

Entgegen aller Vorurteile

Das Kinderbuch "Tom Tauber" handelt von zwei Tierarten, die sich nicht gerade großer Beliebtheit erfreuen. Das Buch stellt die Rattenfamilie im Keller so liebevoll dar, die das aus dem Nest gefallen Taubenküken Tom bei sich aufnehmen. Als Ratte der Lüfte oder Luftratte, wie es später heißt, wächst Tom im Keller auf und erfährt draußen an der Sonne, wie sich eine Freundschaft unter Gleichgesinnten anfühlt.

Das Buch entstigmatisiert und stellt die beiden Tierarten auf angenehme Weise vor. Familie, Freundschaft und Anderssein stehen im Mittelpunkt des Kinderbuches, das größer als gedacht bei uns zu Hause ankam. Die Zeichnungen untermalen das Gelesene, sind jedoch sehr dunkel gehalten. Die Texte sind humorvoll geschrieben, aber aufgrund der langen und verschachtelten Sätze m. E. für Kinder im Alter vom 4 Jahren noch nicht unbedingt zu empfehlen.

Am Ende gibt es noch tolle Informationen über Stadttauben und den Taubenschutz.

Fazit: Schöne Themen, gute Haptik, etwas anspruchsvoller und eher für den Nachmittag als für den Abend zum Vorlesen.

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Tom Tauber - Ratte der Lüfte

Rezensionen von Kalligrafin :

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Don't let me fall von Kelsie Rae

Forbidden Lovestory

Wie gut kann ein College-Roman schon sein? Oftmals handelt es sich um immer dieselbe Story, die ich erwartet und gerne gelesen hätte. Aber mit "Don't let me fall" hat mich die amerikanische Autorin Kelsie Rae völlig überrascht. Alleine schon der Titel ist so eine schöne zweideutig Metapher, wenn man an die Gefühle und das Spielen auf dem Eis bedenkt.

Die Forbidden Lovestory ist mal so ganz anders geschrieben, was mir persönlich gut gefallen hat. Abwechselnd schreibt die Autorin aus der Sicht von Ash (Ashlyn), die mit Büchern unter jeder Kapiteleinführung präsentiert wird, und Colt, der Eishockeyschuhe als Markenzeichen hat.

Anfangs empfand ich Ash ein wenig zu naiv, aber mit der Zeit ändert sich das. Auch Colt sowie die Nebencharaktere Kate und Theo habe ich als hervorragend ausgearbeitet empfunden.

Fazit: Der lockere Schreibstil und die realistischen Charaktere haben mir von Beginn bis zur letzten Seite so gut gefallen, dass ich das Buch kaum noch aus den Händen legen konnte. Überraschend anders und für Fans der Off-Campus-Serie empfehlenswert!

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Don't let me fall

Rezensionen von Lilli33:

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Verlorene Schäfchen von Madeline Cash

Eine echt krasse Familie

Eine echt krasse Familie

Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan offen sein soll - gegen den Willen ihres Ehemanns Bud. Während Catherine sich mit dem Nachbarn vergnügt, zieht Bud in die Garage und liebäugelt damit, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Die drei Töchter Abigail, 17, Louise, 15, und Harper, 12, sind sich selbst überlassen. Abigail verliebt sich in den mysteriösen „Kriegsverbrecher-Wes“, Louise chattet online mit einem Fundamentalisten und die hochintelligente Harper wittert überall eine Verschwörung.

Mit einem lockeren Schreibstil, mit viel Wortwitz und Situationskomik erzählt Madeline Cash in ihrem Debütroman eine herrlich turbulente Geschichte mit Tiefgang. Es ist ein Mix aus Satire, Coming of Age, Tragikomödie und Krimi. Und dieser Mix ist wirklich gut gelungen. Dabei beginnt die Story eher humorvoll und wird dann nach und nach immer ernster und tiefgründiger, ohne den Humor aber jemals ganz zu verlieren.

Da aus wechselnden Perspektiven erzählt wird und man dabei immer ganz nah an der jeweiligen Protagonistin bzw. dem Protagonisten dran ist, kann man alle Handlungsweisen und Beweggründe sehr gut nachvollziehen, auch wenn sie noch so skurril sind. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und konnten immer wieder meine Sympathie für sich gewinnen, selbst wenn ich ihr Verhalten nicht billigen konnte. Aber es ist alles so herrlich überzogen geschrieben, dass man gut hin und wieder ein Auge zudrücken kann.

Fazit:
Madeline Cash hat mich mit dieser turbulenten Familiengeschichte aufs Wundervollste gefesselt und unterhalten.

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Verlorene Schäfchen

Rezensionen von CanYouSeeMe:

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Yesteryear von Caro Claire Burke

Konsequent weiter gedacht

Mit Yesteryear gelingt Caro Claire Burke ein Roman, der weit mehr sein möchte als bloße Unterhaltung – und genau darin liegt eine seiner größten Stärken. Das Buch verbindet eine spannende, fast schon soghafte Handlung mit gesellschaftlichen Fragestellungen, die aktuell und kontrovers diskutiert werden.

Besonders die Auseinandersetzung mit dem sogenannten „Tradwife“-Ideal verleiht der Geschichte eine bemerkenswerte Relevanz und hebt sie deutlich von vielen vergleichbaren Romanen ab.

Was von Beginn an überzeugt, ist der Aufbau der Handlung. Burke entwickelt die Geschichte mit einem präzisen Gespür für Spannung und Timing. Die Erzählung entfaltet sich nicht linear, sondern arbeitet mit Wechseln in der Erzählzeit, die geschickt eingesetzt werden, um Stück für Stück neue Perspektiven auf die Ereignisse und insbesondere auf die Hauptfigur Natalie freizulegen. Diese Struktur sorgt nicht nur für einen konstanten Spannungsbogen, sondern macht die Handlung zugleich komplexer und vielschichtiger. Rückblicke und zeitliche Verschiebungen wirken dabei nie wie reine Stilmittel, sondern erfüllen einen klaren erzählerischen Zweck: Sie helfen dabei, Natalies innere Entwicklung nachvollziehbar und emotional greifbar zu machen.

Gerade Natalie ist das eigentliche Zentrum des Romans – und zweifellos dessen größte Stärke. Sie ist keine einfache oder eindeutig sympathische Figur, sondern eine komplexe Protagonistin mit Widersprüchen, Unsicherheiten und Entwicklungspotenzial. Genau das macht sie so interessant. Burke gelingt es hervorragend, Natalie als vielschichtigen Charakter darzustellen, dessen Entscheidungen zumindest anfänglich nachvollziehbar bleiben, auch wenn man sie nicht immer gutheißen würde. Dabei ist ist N. eine teils unsympathische Person, über die man dennoch gern mehr erfahren möchte.

Besonders spannend ist außerdem, wie der Roman aktuelle gesellschaftliche Debatten rund um traditionelle Rollenbilder und das Ideal der „Tradwife“ aufgreift. Statt diese Themen nur oberflächlich anzuschneiden, denkt Yesteryear sie konsequent weiter und stellt die Frage, welche Sehnsüchte, Zwänge und Machtstrukturen hinter solchen Lebensentwürfen stehen könnten. Allerdings zeigt sich hier auch eine kleine Schwäche des Romans. Durch die starke Konzentration auf Natalies persönliche Entwicklung bleibt die größere gesellschaftliche Dimension der Thematik stellenweise etwas unterbeleuchtet. Manche Fragen, die das Buch aufwirft, hätten noch ausführlicher reflektiert werden können – insbesondere im Hinblick auf die strukturellen und politischen Implikationen der dargestellten Rollenbilder. Der Fokus liegt klar auf der individuellen Erfahrung der Protagonistin, wodurch die umfassendere gesellschaftliche Analyse manchmal nur angerissen wird. Wirklich störend ist das jedoch nicht, weil die Geschichte insgesamt konsequent aus Natalies Perspektive erzählt bleibt und diese Begrenzung daher auch erzählerisch nachvollziehbar wirkt.

Insgesamt ist Yesteryear ein beeindruckender Roman, der Spannung, Charakterentwicklung und gesellschaftliche Relevanz gekonnt miteinander verbindet. Besonders die raffinierte Erzählstruktur und die starke Hauptfigur machen das Buch zu einer fesselnden Lektüre. Wer Interesse an psychologisch komplexen Figuren, intelligent aufgebauter Spannung und aktuellen gesellschaftlichen Themen hat, findet hier einen Roman, der lange im Kopf bleibt. Sprache und Schreibstil, in Übersetzung durch Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, tragen ausschließlich zu einem guten Leseerlebnis bei.

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Yesteryear

Rezensionen von Nicole Koppandi:

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Angst vor Männern von Nicole List

Nicole List gibt Erfahrungen eine Sprache, über die lange geschwiegen wurde

Was für ein kluges und sehr persönliches Buch hat Nicole List geschrieben. Und nein, das schreibe ich nicht, weil sie meine Freundin ist. Man könnte denken, ich kann ja nicht anders, als positiv über das Buch zu schreiben – aber so ist es nicht.

Ich schreibe positiv über diesen Essay, weil ich in einer Generation aufgewachsen bin, in der auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer grenzüberschreitend waren und ein unangenehmes Gefühl auslösten.

Ich lernte jedoch nicht sensibel dafür zu sein, dass dies nicht in Ordnung ist, sondern es wurde nie thematisiert, zur Sprache gebracht oder sonst darüber geredet. Fast war es so, dass uns gesagt wurde „freu dich doch über das Kompliment“ oder „dem gefällst halt“. Wir haben bei und zu Grenzverletzungen gelächelt, obwohl es uns unangenehm war. Man hat es ad acta geschoben, obwohl diese Ängste und unangenehmen Gefühle gegenüber Männern in vielen Situationen absolut bekannt waren – trotzdem hat niemand darüber nachgedacht, es war halt so.

Daher bin ich Nicole dankbar (wie vielen anderen jungen Autor*innen), dass sie uns als vorhergehende Generation sensibilisieren. Es gelingt ihr vielmehr persönlich erlebte singuläre Erfahrungen zu solchen für alle Frauen zu machen und in besonderer Weise uns alle zu sensibilisieren.

Ich war bei der großartigen Premierenlesung im überfüllten Literaturhaus anwesend und hatte beim Lesen ihre Stimme im Ohr und sie selbst sprechen hören.

Ich habe den Essay ausschließlich in der U-Bahn und Straßenbahn gelesen und es war schon ein komisches Gefühl, wenn Männer neben mir saßen und auf den Buchtitel und dann auf mich geschaut haben. Solche Gefühle hatte ich nicht, wenn Frauen auf den Titel des Buches sahen. Auch das eine spezielle Erfahrungen, die vielleicht Bewusstsein schafft.

Es benötigt genau solche Bücher von jungen Frauen über verletzende Ereignisse, die in ihrer banal-bösen kruden Alltäglichkeit hier nicht thematisch wiederholt oder gar ausgebreitet werden müssen. Ihr besondere Wert liegt darin, die erzählten Erfahrungen uns alle sensibilisieren. Männer sollte dieses Buch auch lesen, damit sie (besser) verstehen, welches Verhalten uns Angst vor Männern macht.

Meine liebe Nicole, ich gratuliere dir sehr herzlich zu dem Erfolg und wünsche dir, dass deine Geschichte von vielen Leser*innen auf- und wahrgenommen wird.

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Angst vor Männern

Rezensionen von CanYouSeeMe:

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Weggewischt von Ela Jenni

Weggewischt

Mit „Weggewischt“ gelingt Autorin Ela Jenni ein unterhaltsamer und zeitgemäßer Blick auf Online-Dating und zwischenmenschliche Unsicherheiten im digitalen Zeitalter. Besonders positiv fällt dabei der angenehme, leicht zugängliche Schreibstil auf. Das Buch liest sich flüssig und unkompliziert, wodurch man schnell in die Handlung eintaucht.

Stark gelungen sind außerdem die unterschiedlichen Figuren und Perspektiven. Durch die zwei Charaktere von Sophie, Thiento und auch den Männern, mit den sich S. trifft, werden mehrere Sichtweisen auf Dating-Apps, Erwartungen, Enttäuschungen und moderne Beziehungen gezeigt. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches Bild davon, wie unterschiedlich Menschen mit Nähe, Unsicherheit und Selbstinszenierung umgehen. Gerade diese Vielfalt macht den Roman interessant und nachvollziehbar. Dabei ist die Darstellung des Online-Datings recht realitätsgetreu gelungen. Weniger gelungen fand ich jedoch die Umsetzung der Perspektivwechsel. Da die unterschiedlichen Sichtweisen nicht immer klar gekennzeichnet waren, entstand teilweise Verwirrung darüber, aus welcher Perspektive gerade erzählt wird. Das hat den Lesefluss stellenweise erschwert.

Die Handlung bleibt über weite Strecken eher ruhig und ohne größere Spannungskurven. Die Geschichte entwickelt sich zwar kontinuierlich weiter, plätschert dabei aber oft etwas vor sich hin. Dadurch gab es immer wieder Passagen, die mich nicht komplett fesseln konnten und bei denen mir etwas mehr Dynamik oder emotionale Zuspitzung gefehlt hat. Inhaltlich bleibt der Roman zudem ein bisschen zu oberflächlich für mein Empfinden. Gerade problematische Verhaltensweisen wie Ghosting werden zwar angesprochen, aber nur bedingt kritisch eingeordnet oder weiter reflektiert, vor allem durch die druchführende Person. Dadurch wirken manche Konflikte weniger tiefgründig, als sie eigentlich sein könnten. Hier hätte ich mir mehr emotionale Auseinandersetzung und eine stärkere Einordnung der Figurenentscheidungen gewünscht.

Insgesamt ist „Weggewischt“ ein angenehm geschriebener Roman mit interessanten Figuren und einem aktuellen Thema, der besonders durch seine unterschiedlichen Perspektiven punktet.

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Weggewischt