Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Zwischen Abschied und Neubeginn von Regine Kölpin
Veränderungen
Als unabhängige freiberufliche Hebamme hat sich Esther einen Namen gemacht und schon vielen Erdenbürgern ans Licht der Welt geholfen. Einige Zeit ist seit dem legendären Schneesturm im Winter 1978/79 vergangen, nun tauchen wir ein in das typische Flair der beginnenden 1980er-Jahre.
Bevor man zu diesem charmanten Roman greift, empfiehlt es sich, den Vorgängerband zu lesen, dann erschließen sich die laufenden Zusammenhänge bestimmt noch ein wenig besser, obwohl Regine Kölpin auch hier wesentliche Eckpunkte zum bisherigen Geschehen darlegt.
Beschwingt und lebendig fließen die Worte dahin, zeichnen ein abwechslungsreiches Bild vom Alltag einer Hebamme und flechten wie nebenbei wesentliche Ereignisse aus der Zeitgeschichte in die Handlung mit ein. So erfahren wir von Friedensbewegungen, Hausbesetzern, welche durchaus zu radikalen Mittel greifen und aktionistischen Demonstrationen. Mit ebensolcher Begeisterung entwirft die Autorin die persönlichen Schicksale ihrer Figuren, lässt sie wachsen an unüberwindbar erscheinenden Herausforderungen und zeigt ihnen unterschiedliche Blickwinkel auf, wodurch sie schließlich selber in der Lage sind, ihre Probleme zu lösen und Veränderungen positiv gegenüberzustehen. Geschwätzige Nachbarn, neidische Kollegen und ein gestrenges Sittenbild prägen das gesellschaftliche Treiben, vertraute Freunde und Halt in der Familie werden da umso wichtiger.
Durch eigene Erfahrung und genaueste Recherche gelingt es Regine Kölpin, eine sehr realitätsgetreue Geschichte zu erzählen, in jedem Leid auch die Chance auf Entwicklung zu sehen, sodass ihre Figuren gestärkt aus einer schwierigen Lebensphase herauskommen können. Die liebevolle und empathische Schreibweise überzeugt auch diesmal, sodass ich überaus berührende Lesestunden genießen durfte.
Rezensionen von Ryria:
Moorland. Die Zwillinge von Andreas Winkelmann
Spannung mit toller Atmosphäre
In einem nebligen Moor im Winter TikTok-Videos drehen ist eine grandiose Idee, was soll schon schiefgehen?
Leider so einiges, weshalb Kommissarin Malia ermitteln muss: Was ist mit den jungen Zwillingen passiert, wohin sind sie verschwunden?
Die Atmosphäre hat mir richtig gut gefallen: Auf der einen Seite gab es das mysteriöse, gefährliche und neblige Moor, auf der anderen Seite die dörflich anmutende Kleinstadt, in der gefühlt jeder jeden kennt.
Beides sorgt für eine schön düstere und teilweise auch leicht unheimliche Stimmung, die richtig gut zur Handlung bzw. einem Thriller generell gepasst hat.
Auch die Einblicke und Infos zum Moor mochte ich, da konnte man nebenbei noch ein bisschen was lernen.
Der Aufbau ist ebenfalls gelungen, kurze Kapitel sorgen für einen schönen Lesefluss, wechselnde Perspektiven bringen einem die Charaktere näher und halten die Neugier aufrecht, immer neue Hinweise lassen den Leser miträtseln.
Durch falsche Fährten und Plottwists wird es auch fast nie wirklich langweilig.
Zu Beginn musste ich manchmal noch kurz zurückblättern, da ich mir nicht alle Namen auf Anhieb merken konnte, das wurde jedoch schnell besser.
Ich mochte auch die Mischung aus "Privatleben/Familie der Kommissarin" und den eigentlichen Ermittlungen, das Verhältnis ist hier gut getroffen und Malia sympathisch.
Manches erschien mir allerdings nicht so ganz realistisch, besonders bei den Ermittlungen, wobei allerdings ja auch im Buch schon nebenbei erwähnt wird, dass die Leute auch nicht unbedingt lesen wollen, wie die Polizisten Schreibtischarbeit leisten.
Insgesamt ein echt spannender Thriller, der zum Miträtseln einlädt und viele Geheimnisse verbirgt.
Rezensionen von Ryria:
Die Namen von Florence Knapp
Kleine Entscheidung, große Auswirkungen
Dieses Buch ist ein berührendes Experiment: Wie unterschiedlich können Leben verlaufen, wenn eine kleine Entscheidung anders getroffen wird?
Ausgangspunkt ist hierbei die Wahl des Namens des neugeborenen Sohns - soll er Bear, Julian oder Gordon heißen?
Teilweise gab es hierbei Elemente, die darauf schließen ließen, dass der Name selbst den Charakter des Kindes beeinflusst hat, überwiegend resultierten die verschiedenen Lebenspfade jedoch aus der Beziehung der Eltern: Rebelliert die Mutter gegen den gewalttätigen Vater oder bleibt sie in der Ehe gefangen?
Als großer Fan von solchen Gedankenexperimenten und der Erkundung der Frage "Was wäre wenn" habe ich diese Geschichte und den Aufbau geliebt.
Wir befinden uns im gleichen Jahr, aber lesen die Erlebnisse der Familie hintereinander für jeden der drei Namen. Im Anschluss springen wir 7 Jahre in die Zukunft und erfahren so, wie es für alle weitergeht, von 1987 bis 2022.
Manchmal muss man sich nochmal kurz ins Gedächtnis rufen, was in dieser Realität vorher passiert ist, jedoch fand ich dies nicht sonderlich kompliziert.
Auch der Schreibstil war angenehm zu lesen, recht schlicht aber trotzdem ganz schön.
Die Charaktere sind mir teilweise echt ans Herz gewachsen, am Ende gab es auch die ein oder andere Träne, und ich war durchweg neugierig, wie es 7 Jahre später für alle weitergeht bzw. wie die Familie auf einer anderen "Namensebene" das entsprechende Jahr erlebt.
Gut gemacht fand ich hierbei auch, dass es keinen "richtigen" Weg gab, jeder Pfad hatte seine ganz eigenen Herausforderungen, glückliche Momente und Tragödien. Für mich wurde die Geschichte dadurch nochmal authentischer, man konnte null vorhersagen was passieren wird und selbst Tage nach der letzten Seite spuken mir die verschiedenen Wege noch im Kopf rum.
Rezensionen von gabiliest:
The Artist von Lucy Steeds
Wo das Licht am stärksten ist, ist der Schatten am dunkelsten (Leonardo da Vinci)
1957: Eine Frau steht in der National Gallery in London vor einem Gemälde, sie hat es gemalt. Als einziges hat es ein Inferno überstanden. Doch der Name des Malers auf dem kleinen Schild daneben lautet Édouard Tartuffe.
Südfrankreich 1920: Auf einem einsamen Bauernhof, in einer Landschaft die von Staub und Sonne flirrt, lebt der bekannte Maler Tata, Édouard Tartuffe.
Seine Gemälde sind hochpreisig, er, der Schüler Cézannes, gilt als Meister des Lichts. Doch sein Charakter ist dunkel, menschenfeindlich, egoistisch und brutal. Kunst ist alles, mit dem Leben kommt er nicht zurecht. Das organisiert seine Nichte Ettie, die nach dem Tod der Mutter alleine bei ihm wohnt. Ettie hat gelernt, sich unsichtbar zu machen, um Tatas Wut zu entgehen. Doch führt sie, die sich um alles kümmert, im Hintergrund Regie. Als Joseph Adelaide, ein Journalist, auf den Hof kommt, wird er von Tata schroff abgewiesen. Tata gibt keine Interviews. Aber Joseph darf Modell sitzen, Joseph darf bleiben.
Die preisgekrönte britische Autorin Lucy Steeds hat mit “The Artist: Die Farben des Lichts” einen Roman vorgelegt, der in kurzen Kapiteln ein Gesamtbild erschafft, so wie an einem Gemälde immer ein Stück weitergearbeitet wird. Durch die beschreibende, dichte und atmosphärische Sprache stehen die Lesenden beobachtend am Rand der Geschichte, die Joseph und Ettie abwechselnd aus der Ich- Perspektive erzählen.
In dieser einsamen Szenerie begegnet man einsamen Menschen. Tata, der nur für seine Kunst lebt, hat schon lange kein Gemälde mehr gemalt, auf dem Menschen zu sehen sind. Er ist besessen von seinem Schaffensdrang und unfähig zu jeder sozialen Beziehung. Ettie, die sich mit einem unfreien, kleinen Leben arrangiert hat, wollte als Kind selber malen. Doch hat Tata ihre Gemälde zerrissen- es kann nur einen Künstler geben! So wird Ettie zu einem Geschöpf der Nacht, in der ihr eigentliches Leben abläuft. Langsam findet sie an Joseph Gefallen, langsam näheren sich die beiden an. Auch Joseph hat eine kurze Kunstausbildung und doch- Ettie erkennt klar, dass Joseph nicht richtig “sehen” kann. Spät wird Joseph Etties Geheimnis lüften, denn Ettie hat Tata bei seiner Arbeit ganz genau beobachtet, Ettie hat gelernt, auch wenn sie keine Kunstschule besuchen durfte.
Geprägt sind die Figuren von den Auswirkungen ihrer Zeit. Der zweite Weltkrieg ist kaum zu Ende, die Autorin lässt Ettie in einem Lazarett Verwundete pflegen und sich das erste Mal verlieben. In infernalischen Bildern schildert Lucy Steeds die Zustände im Lazarett, die Schmerzen und Verzweiflung. In diesem der Kunst gewidmeten Roman findet sich ein schreckliches und erschütterndes Kriegsbild. Daneben hat Tata begonnen, Essen zu malen, jedoch erst, wenn die Speisen in Verwesung übergehen- auch diese Gemälde ein Bild der Endlichkeit und Zerstörung, wenn auch durchflutet von wunderbarem Licht. Joseph möchte mit Ettie weggehen, doch kann sie Tata, den sie liebt und gleichzeitig hasst, alleine lassen? Als Tata die Beziehung von Ettie und Joseph herausfindet, sind seine Schreie von Tierlauten nicht zu unterscheiden. Doch in der Ferne leuchtet ein roter Schein, Ettie ist im Atelier verschwunden.
London 1957: Eine Frau steht in einer Kunstgalerie in London, ihre Bilder sind ausgestellt. Doch eines ihrer Bild hängt in der National Gallery, denn nur dieses eine wurde damals nicht vernichtet. Damals, als ein roter Schein Tatas Atelier erfüllte.
So gehen die Lesenden von Kapitel zu Kapitel, wie man in einem Museum von Saal zu Saal flaniert und bestaunen die mit Worten geschaffenen Bilder dieses außergewöhnlichen Romans, der historische Fakten und Fiktion vermischt, wunderbar zu lesen und zurecht preisgekrönt ist.
Rezensionen von Camilla :
Zelten mit Juli von Petra Eimer
Pferdeabenteuer
Also,... es ist schon schwierig ein Buch zu finden , dass das Thema Pferde behandelt und nicht automatisch dann in rosa-Glitzer Girl-Power abdriftet... und mit den Juli Büchern hat man genau das... ein geschlechterneutrales Buch, das auch für nicht Leseratten geeignet ist.
Meine Jungs haben jetzt Band 1,2 und dann eine Lücke gehabt und sind jetzt mit Band 7 wieder eingestiegen, und das hat ohne Probleme geklappt.
Sie konnten der Handlung gut folgen, auch wenn in der Zwischenzeit viel passiert ist. Also würde ich es schon als Reihe bezeichnen, aber nicht zu 100% aufeinander aufbauend, aber nicht so lose wie jetzt z.B. Sternenschweif, wo gar kein Vorwissen vom Vorband nötig ist.
Sonst ist es eine schöne Sommergeschichte, die mit viel Humor auch "ernste" Themen untergebracht hat
Rezensionen von DoraLupin:
Die Honigfrauen - Ein Sturm zieht auf von Mirjam Müntefering
Drei starke Protagonistinnen
Ich fand den Klappentext zwar recht ansprechend aber ehrlich gesagt hatte ich auch keine sehr großen Erwartungen an die Story. Ich wurde hier aber absolut eines besseren belehrt, denn die Geschichte hat mich so sehr gefesselt, dass ich das Buch in nur einem Tag gelesen und genossen habe! Ich fand es richtig toll geschrieben und kann es jetzt schon kaum erwarten bis der zweite Teil erscheint!
Die Geschichte führt ins Bergisches Land, 1910.
Irma, Enkelin des bekannten Konditormeisters Ludwig Honig, ist glücklich als der attraktive Arno ihr den Hof macht. Doch der unerwartete Tod ihres geliebten Großpapas ändert alles! Neben ihrem guten Freund Eugen bleibt Irma nur die kühle Großmutter Auguste. Die macht eine schockierende Entdeckung: ihr verstorbener Gatte hat nicht nur eine Liebschaft finanziert, sondern die Familie durch den Kauf eines heruntergekommenen Landgasthofs ruiniert. Als Ludwigs uneheliche Tochter und begabte Feinbäckerin Harriet auftaucht, um ihr Erbe einzufordern, müssen die Honigfrauen zusammenhalten.
Der Schreibstil war von Beginn an sehr angenehm und locker zu lesen, ich bin nach ein paar Seiten ganz in die Story eingetaucht und war einfach hin und weg! Die Autorin schreibt kapitelweise wechselnd aus Sicht der drei Protagonistinnen Irma, Harriet und Auguste. Alle Frauen sind unterschiedlichen Alters und Charakters und doch vereint sie eine unglaubliche Stärke, Willenskraft und Mut. Ich war von jeder einzelnen der Frauen absolut fasziniert und sie waren so gut gezeichnet das ich beim Lesen wirklich das Gefühl hatte sie immer besser kennen zu lernen. Aber auch die Nebencharaktere hatten sehr viel Freude gemacht und waren alle authentisch beschrieben.
Die Story hat mir großen Spaß gemacht! Ich konnte nicht nur einiges über die vergangene Zeit mitnehmen und habe über Klassenunterschiede und geächtete Familien gelernt, ich habe auch eine extrem mitreißende Geschichte erhalten, die großartig und sehr berührend war! Ich kann es daher kaum abwarten den zweiten Teil zu lesen und zu erfahren wie es mit den drei Frauen und den anderen Charakteren weitergeht, Ich habe sie alle sehr lieb gewonnen. Gerne gebe ich eine Empfehlung ab und natürlich die volle Punktzahl.
Rezensionen von Natalie:
Mean Moms von Emma Rosenblum
Ausflug in die Welt der Reichen und Schönen
Drei angesagte Mütter. Die beste und teuerste Privatschule in Manhattan. Eine neue Mutter an der Schule. Und plötzlich zahlreiche dubiose und skandalöse Vorfälle.
Zufall? Oder hat es jemand auf Belle, Morgan, Frost und Sofia abgesehen?
Der Mix aus Drama, Intrigen und Geheimnissen aus der Welt der New Yorker High Society mit einem Hauch Spannung hat mir sehr kurzweilige Lesestunden gebracht.
Im Mittelpunkt stehen Belle, Morgan, Frost und Sofia, aus deren Perspektiven auch hauptsächlich abwechselnd erzählt wird. Beim Setting als auch bei den Charakteren werden einige Klischees bedient, welche die Autorin aber gekonnt beschreibt. Lange bleibt unklar, wer hinter den ganzen Vorfällen steckt und es macht Spaß mitzurätseln. Alles in allem eine lesenswerte Lektüre für Zwischendurch und meinem persönlichen Fazit: bin ich froh ein „Normalo“ zu sein - die High Society mit ihren Oberflächlichkeiten und gleichzeitig dieser Komplexität wäre mir definitiv zu anstrengend. ;-)
Leseempfehlung.
Rezensionen von Stern567:
Wenn liebe Waschbären wütend sind von Sandra Grimm
Starke Emotionen, liebevoll erzählt!
„Wenn liebe Waschbären wütend sind“ von Sandra Grimm und Matthias Derenbach, ist ein einfühlsames Bilderbuch für Kinder ab zwei Jahren. Im Mittelpunkt steht ein kleiner Waschbär, der lernen muss, mit seiner Wut umzugehen. Besonders gelungen ist die sanfte Herangehensweise an dieses starke Gefühl: Statt Wut zu bewerten, zeigt die Geschichte auf Augenhöhe, dass jedes Kind seinen eigenen Weg finden darf, mit Ärger umzugehen.
Verschiedene Tiere stellen unterschiedliche Strategien vor und machen Mut, Gefühle anzunehmen und auszudrücken. Die wunderschönen Illustrationen begeistern mit ihren liebevollen Details und einer harmonischen, zarten Farbgebung, die Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt. So entsteht ein rundum stimmiges Vorleseerlebnis, das Kindern hilft, ihre Emotionen besser zu verstehen. Ein warmherziges Buch, das Gefühlskompetenz fördert und gleichzeitig großen Bilderbuchspaß bietet.
Rezensionen von Petra Sch.:
Frag Philomena Freud von Annette Roeder
spannender Kinderkrimi zur Zeit Sigmund Freuds
Wien, 1920: Philomena lebt auf der Straße und verdient ihr Geld als Schuhputzerin - und zwar vor der Praxis von Siegmund Freud. Immer an ihrer Seite: der von ihr gerettete Schnauzer Kaiser Franz. Dort bekommt sie natürlich viel mit und kann schon selbst gute Ratschläge geben.
Sie ist auch ständig auf der Flucht vor der Dame vom Jugendamt, die sie wieder ins Heim stecken will.
Doch Philomena liebt ihre Freiheit und will diese (verständlicherweise) auf keinen Fall aufgeben.
Als sie erfährt, dass die junge Patientin Sidonie von Wallersee verdächtigt wird, ihre Vormundin, die Baronin von Wallersee, ermordet zu haben, wird Philomena hellhörig. Sidonie hat ihre Erbtante angeblich mit einer Haarnadel erstochen, an der eine Spinne aus Perlen befestigt war. Doch Sidonie hat Angst vor Spinnen und ist u.a. deshalb in Behandlung bei Dr. Freud. Philomena glaubt daher nicht, dass es Sidonie war, auch wenn diese gestanden hat.
Philomena ist ein außergewöhnliches Mädchen! Sehr sympathisch, empathisch, mutig, vif und mit so viel Einfallsreichtum gesegnet! Aber sie ist natürlich auch sehr stur - und sie hat großen Gerechtigkeitssinn, denn sie ist sich sicher, dass Sidonie unschuldig ist, und will es unbedingt beweisen. Und dafür fallen ihr viele hilfreiche Dinge ein.
Auch das historische Wien und v.a. das Leben der Straßenkinder ist authentisch und lebendig dargestellt, und man bekommt große Lust, die wunderschöne Strudelhofstiege zu besuchen.
Die Psychoanalyse von Sigmund Freud ist spannend veranschaulicht und es ist toll umgesetzt, wie Philomena die Psychoanlyse auf ihre Art beherrscht und anwendet.
Der Mordfall ist komplex und mitreißend, und man fiebert mit Philomena mit.
Erwähnen muss ich auch das tolle Cover, das sich erst nach dem Lesen komplett erschließt. Philomena und Kaiser Franz stehen auf der wunderschönen Strudlhofstiege, die in der Geschichte eine große Rolle einnimmt. Und die perlenbesetzte Spinne ist auch erst auf den zweiten Blick ersichtlich.
Fazit:
Eine sympathische, junge Protagonistin löst einen aufregenden psychologischen Fall mit viel historischem Wien-Flair.
Ich freue mich schon auf die nächsten Fälle mit Philomena!
Rezensionen von Ele:
Johannifeuer von Susanne Betz
Was gibt es Neues in Loisbichl?
Johannifeuer, Heimatroman aus dem Werdenfelser Land von Susanne Betz, 304 Seiten C. Bertelsmann Verlag
Wie es mit Vroni und dem Rosl weitergeht.
Vroni hat Anton geheiratet, den Sohn der reichen Huberbauerin. Obwohl jetzt Geld und zusätzliche helfende Männerhände auf den Hof kommen ist es noch immer ein hartes und schweres Auskommen auf dem Grasegger Berghof.
Vroni schuftet noch immer bis zum Umfallen. Als sie ihre Schwiegermutter nach München zu einem Arzttermin begleitet, kommt es zu einer folgenschweren Begegnung. Und als in der Johannisnacht die Feuer brennen, gibt es auch für Vroni ein Wunder.
Der Roman besteht aus 13 ausführlichen Kapiteln. Susanne Betz erzählt wortgewaltig und unglaublich bildhaft im auktorialen Schreibstil. Diese karge und raue Landschaft prägt die Figuren, die auch rau, ja fast grob sind. Lesefluss hat sich unmittelbar eingestellt, Johannifeuer schließt sich nahtlos an Heumahd an. Ich hatte den Roman an knapp zwei Nachmittagen gelesen, denn ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Eine hervorragende Recherchearbeit liegt dem Werk zugrunde, das merkt man in jeder Zeile.
Die gerade hier beschriebene brutal harte Knochenarbeit, auch für die Frauen, erschütterte mich, wie auch im ersten Band schon. Niemand hat hier in die Möglichkeit sich zu schonen, besonders beim Heumachen ist es offensichtlich was diese Gegend den Bewohnern abverlangt. Mich hat erschüttert, dass selbst die Bäuerin nach der Entbindung noch am selbigen Tag ihre Arbeit verrichtet, so wie jeden Tag, kein Wochenbett kein Mutterschutz, dazu kommt auch noch die hohe Kindersterblichkeit.
Knochenarbeit bei der Ernte, im Stall, beim Holzmachen und auch bei der Hausarbeit, den Jahreszeiten ausgesetzt, was mussten die Menschen damals zur Zeit des Prinzregenten aushalten und es rentiert sich immer weniger. Doch auch im Gebiet um Mittenwald etabliert sich ganz langsam der Tourismus, nicht nur die Sommerfrischler, sogar von den ersten Skifahrern habe ich voller Freude gelesen. Vergnügungen sind selten, die Kirchenfeste bestimmen den Jahresablauf. Deshalb habe ich mich auch so sehr für Vroni gefreut, dass sie sich auch mal ein wenig Glück stehlen konnte.
Die Figuren sind wie aus Holz geschnitzt oder aus Stein gemeißelt, mit Anton konnte ich leider nicht so richtig warm werden. Vroni ist zumeist auch hart und verbittert. Meine Lieblingsfigur war die „Huberin“ Vronis Schwiegermutter, die mit dem Geld wie keine andere umzugehen weiß, geschäftstüchtig und resolut. Sie meint es wirklich gut mit Vroni und mag sie sehr, das hat man gemerkt.
Die Geschichte vom Rosl hätte ich gerne noch etwas genauer beschrieben gehabt. Sie war mir im ersten Band so lieb geworden. Da hoffe ich, dass es noch eine Fortsetzung geben wird, die Geschichte finde ich, ist noch lang nicht zu Ende erzählt. Was ist mit Anton, wie geht es auf dem Hof weiter? Was wird mit Rosl und wird Vroni letztendlich so richtig glücklich und zufrieden? Fragen die mir keine Ruhe mehr lassen.
Wer Geschichten aus dem ausgehenden 19 Jahrhundert mag und Heumahd gerne gelesen hat, der sollte unbedingt hier zugreifen. Ich bin begeistert. Von mir gibt es 5 Sterne











