Persönliche Lese- tipps
Robert empfiehlt:
Der Wassertänzer von Coates Ta-Nehisi
Ta-Nehisi Coates „Der Wassertänzer“
Ein Leben in Ketten, das kennt Hiram Walker, genannt Hi, und das hat er vor sich. Er ist zwar belesen und gebildet, da der Plantagenbesitzer sein Vater ist, dennoch wurde seine Mutter verkauft und er bleibt Sklave. Doch sie hat ihm eine besondere Gabe vererbt, die ihm vor dem Ertrinken rettet und Hi beschließt endlich zu fliehen.
Ein sprachlich wuchtiger Roman über Selbstermächtigung und das – noch immer währende – dunkle Kapitel der USA.
Ein Leseerlebnis zwischen Colson Whitehead & James Baldwin. Nicht versäumen!
Putzt euch, tanzt, lacht von Karin Peschka
Karin Peschka „Putzt euch, tanzt, lacht“
Es beginnt mit einem stillen Ausbruch. Fanni, die wir schon aus einem früheren Roman von Karin Peschka kennen, lässt mit 57 ihr altes Leben zurück. Das Gefühl, in einem normalen, festgefahrenen Leben einbetoniert zu sein, lässt sie ausreisen. Sie trifft ihre Jugendliebe, schließt neue Freundschaften und landet in einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft auf einer Pinzgauer Alm.
Ein intensiver, lebensechter Roman mit untergründigem Humor und gekonntem Sprachwitz! Unbedingte Leseempfehlung!
Die 70er von Ernst Hofacker
Ernst Hofacker „Die 70er – der Sound eines Jahrzehnts“
Der Reclam-Verlag und Ernst Hofacker legen hier ein wunderschön gestaltetes Buch über die 1970er vor. Vorwiegend geht es auf wunderbar subjektiven Wegen straight durch das Jahrzehnt, mit viel Wissen und Charme, ohne je besserwisserisch rüber zu kommen. Deutschland, England und die U.S.A. stehen im Mittelpunkt und feine Überraschungen begleiten den Leser, die Leserin.
Wer weiß noch wie Mitte der 1970er Jahre von München aus die Clubmusik revolutioniert wurde (Stichwort Donna Summer & Giorgio Moroder)?
Nerds retten die Welt von Sibylle Berg
Sibylle Berg „Nerds retten die Welt“
Im Zuge ihres Romanprojektes „GRM - Brainfuck“ hat Sibylle Berg zahlreiche Gespräche geführt. 17 Interviews mit renommierten internationalen Wissenschaftler*innen sind nun als neues Buch erschienen. Und dabei ist es wesentlich mehr, als nur ein Zusatzband zu „GRM“. Alle Themen des radikalen No-Futur-Romans werden hier wissenschaftlich abgeklopf, fundiert erläutert und mit scharfen Witz erhellend beschrieben.
Und das auf die unnachahmliche Art und Weise, in der eben nur
Die Detektive vom Bhoot-Basar von Deepa Anappara
Deepa Anappara „Die Detektive vom Bhoot-Basar“
In eine fremde, exotische, bitterarme und dennoch so bunte Welt entführt uns dieser Romanerstling von Deepa Anappara, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Eine Gruppe von indischen Slumkindern, rund um den neunjährigen Jai, der zu viele Polizei-Dokus schaut, machen sich selbst auf den Weg, um das Rätsel von verschwunden Kindern zu klären.
Denn in der Welt von Jai, interessiert sich niemand für verschwundene Kinder. Die Figuren sind herzzerreißend geschildert, das Leben am Bhoot-Basar schonungslos. Grandios!
Buch in Pension von Helmuth Schönauer
Helmuth Schönauer: “Buch in Pension – Hundert Rezensionen
Einer schreibt noch immer. Zum Glück! Helmuth Schönauer rezensiert auch in der Pension weiter und gibt uns eine literarische Rückschau auf das Jahr 2019. 100 Bücher in einem Jahr. Nicht nur gelesen! Auch rezensiert !! Unglaublich!!! Und wenn man die Besprechungen des Meisterrezensenten – der auch allerorts gerne zitiert wird – schon öfter gelesen hat, erkennt man tatsächlich, welche Bücher ihm gefallen, und welche ihn eher gelangweilt haben.
Immer aber wertschätzend und sprachlich unantasbar und unnachahmlich. Bitte weiter machen …
Serpentinen von Bjerg Bov
Bov Bjerg „Serpentinen“
Eine verschlungene, ebenso traurige wie witzige Geschichte. Serpentine für Serpentine fährt einer zurück in die Vergangenheit seiner Familie. „Urgroßvater, Großvater, Vater. Ertränkt, erschossen, erhängt. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft.“ Es gibt Familientraditionen, die dem Leben eine Schwere mitgeben, grandios, wie Bov Bjerg diese Autofahrt mit Leichtigkeit, mit sprachlicher Brillanz füllt, ohne die Figuren auf ihrer ernsthaften Suche im Stich zu lassen.
Der Ursprung der Welt von Ulrich Tukur
Der Ursprung der Welt
Einen wirklich überzeugenden, einen literarischen und spannenden Roman legt Schauspieler Ulrich Tukur vor. Während den Dreharbeiten zu seinem Film »Seraphine« stieß er auf ein altes Fotoalbum, das ihn zu diesem Roman inspirierte. Es ist vielleicht kein Zufall, dass Tukurs Frau Fotografin ist! Im Roman geht es um Paul Goullet, der in Paris auf ein seltsames Fotoalbum stößt.
Er erkennt sich selbst in den Fotos, nur: die Fotos sind aus den 20ern. Lesenswert und spannend, wie sich das auflöst!
Kurze Anleitung zur Rettung der Erde Wofür wir heute kämpfen müssen von Dion Cyril
Kurze Anleitung zur Rettung der Erde
Cyril Dion kennt man eventuell von seinem Dokumentarfilm »Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen« (2015). Nun legt er ein Handbuch für ein umweltverträgliches und erfüllendes Leben vor. Darin enthalten sind u.a. viele Vorschläge für kleine Taten die man im Kollektiv oder als Einzelner umsetzen kann, um dem Klimawandel und Artensterben entgegenzuwirken.
Auch was auf politischer Ebene passieren sollte zeigt der Schriftsteller, Regisseur und Aktivist auf.
Der zweite Schlaf Roman. Gebunden. von Harris Robert
Der zweite Schlaf
England ist nach einer lange zurückliegenden Katastrophe in einem erbärmlichen Zustand. Der junge Priester Fairfax wird vom Bischof in ein Dorf entsandt, um dort das Begräbnis des mysteriös verstorbenen Pfarrers zu regeln. In der Umgebung finden sich besonders häufig jene verbotenen Artefakte aus vergangener Zeit - Münzen, Scherben, Plastikspielzeug -, die der Pfarrer akribisch gesammelt hat.
Hat diese ketzerische Leidenschaft zu seinem Tod geführt? Harris gibt sich dystopisch, erzählt aber klar auch vom Hier & Jetzt.











