Persönliche Lese- tipps
Robert empfiehlt:
Regenbogenweiß von Friederike Gösweiner
Regenbogenweiß
Eine Familie, ein unerwarteter Tod. Die Zurückgebliebenen, verstreut zwischen London, Paris, den Niederlanden und der Steiermark, trauern auf verschiedene Weise. Und sie erkennen auch die Leere in ihrem eigenen Leben. Für alle stellt sich die Frage nach einem glücklichen Leben noch einmal neu und dringlicher – während große gesellschaftliche Veränderungen und Entwicklungen in Europa im Gange sind, die sie skeptisch mitverfolgen.
Einfühlsam, spannend und stilistisch beeindruckend!
Löwenherz von Monika Helfer
Löwenherz
Der dritte und wohl berührendste Teil der Familiensaga. Diesmal erweckt Monika Helfer ihren Bruder Richard zum Leben. Das scheint ihm wenig wichtig. Verantwortung übernimmt er nur, wenn sie ihm angetragen wird. So auch, als ihm auf merkwürdige Weise eine verflossene Liebe
ein Kind überlässt, von dem er nur den Spitznamen kennt.
Eine Liebeserklärung an einen fantasievollen Sonderlinge mit großem Herzen in einer kalten, durchrationalisierten Welt. Unprätentiös und stilistisch brillant.
Tell von Joachim B. Schmidt
Die Tell-Saga als literarischer Pageturner
Mit Schweizer Gemütlichkeit hat dieser Roman nichts zu tun. Mit einem Affentempo legt Schmidt, der Schweizer Autor, der in Island wohnt, hier die Tell-Saga als literarischen Pageturner vor. Auch nordische Mythen suchen sich ihren Platz in der Zentralschweiz. In beinahe 100 schnellen Sequenzen jagen 20 verschiedene Protagonisten wie auf einer Lunte dem explosiven Showdown entgegen.
Das ganze noch garniert mit einem Hauch Frau Hitt. Dass das ein Erfolg wird, steht in Stein gemeißelt.
Die tristen Tage von Coney Island von Stephen Crane
Die tristen Tage von Coney Island
Stephen Crane gilt als einer
der Wegbereiter der modernen
amerikanischen Literatur.
Seine Geschichten sind gerade
deshalb so authentisch und mitreißend,
weil er als Abenteurer
und Kriegsreporter viel davon
selbst erlebt hat. Zwölf von
Cranes wichtigsten Erzählungen
sind nun in diesem Band
versammelt.
Die meisterhafte
Darstellung eines Schiffbruchs
in Das offene Boot und die in
Nebraska angesiedelte Geschichte
Das blaue Hotel zählen
zu den Meisterwerken der Weltliteratur.
In allen Punkten von Helmut Wlasak
In allen Punkten
Helmut Wlasak ist Strafrichter
und weiß aus Erfahrung:
Geschieht etwas gänzlich
Unvorhergesehenes, können
Menschen zu Reaktionen fähig
sein, die sie sich selbst niemals
zugetraut hätten. So taucht er
in verschiedene True-Crime-
Geschichten, in denen er bei
versuchtem Mord, islamistischem
Terrorismus, häuslicher
Gewalt, Drogendeals, Einbrüchen
und Betrug auch in die
Abgründe menschlicher Schicksale
taucht.
Der Ferdinand von
Schirach aus Graz.
Die Beichte einer Nacht von Marianne Philips
Die Beichte einer Nacht
Das nächtliche Gespräch der
Insassin einer Nervenklinik
gerät zur Lebensbeichte. Der
Roman war eigentlich als Therapie
für die Autorin gedacht
und hat deswegen auch etwas
einzigartig Unmittelbares und
Ehrliches. Auch wenn er en gros
fiktiv ist (Mord an der jüngeren
Schwester), ist er en detail von
eigenen Erfahrungen geprägt
(Arbeit in einer Schneiderei,
längere Aufenthalte in der
Klinik).
Mit Die Beichte einer
Nacht macht der Diogenes-Verlag
einen vergessenen Klassiker
der niederländischen Literatur
zugänglich.
Der letzte Mensch von Mary Wollstonecraft Shelley
Der letzte Mensch
Was für eine Autorin! Mit
Frankenstein (1818) hat sie nicht
nur den Horrorroman mitbegründet
und genial die Dualität
des technischen Fortschritts
behandelt, nun lernen wir, dass
sie auch für die erste Dystopie
der Weltliteratur verantwortlich
ist! Noch dazu ein Pandemieroman,
denn im 21.
Jahrhundert
breitet sich über Griechenland
eine neue Pest aus – mit
verheerenden Auswirkungen
auf Menschheit, Politik und
Wirtschaft. Mehr up to date
kann man wirklich nicht sein,
wenn man 1797 geboren wurde.
Großartig!
Das Damengambit von Walter Tevis
Das Damengambit
Durch die neue Netflix-Serie
ist die Schach spielende Beth
Harmon jetzt weltweit bekannt.
Der Autor, der sie erfunden
hat, erlebt eine kleine Renaissance.
Und das ist gut so.
Nicht nur, dass er Autor von
sechs Romanen ist, von denen
mehrere hochkarätig verfilmt
wurden (Die Haie der Großstadt
mit Paul Newman, Die Farbe
des Geldes mit Tom Cruise, Der
Mann, der vom Himmel fiel mit
David Bowie), er kann auch
über Schachpartien so schreiben,
dass sie selbst für Nicht-
Schachspieler*innen enorm
spannend zu lesen sind.
Literatur lesen wie ein Kenner von Hermann Kurzke
Literatur lesen wie ein Kenner
Dass ein wahrer Kenner dieses
Buch verfasst hat, daran besteht
kein Zweifel. Kurzke legt Lesenden
am Anfang ein literarisches,
fünfteiliges Besteck in
die Hand. An dieses Schema,
an Texte heranzugehen, hält er
sich strikt. Das macht die Texte
sehr gut vergleichbar, bzw.
einordenbar. Denn auch auf
die historischen Bezüge vergisst
Kurzke nicht.
Es ist auch schön
zu lesen, dass er nicht auf die
Lyrik vergisst. Und dass seine
Literatur bis Dmitry Glukhovsky
(Metro 2033) reicht, ist ja
auch nicht schlecht!
Der Fallmeister von Christoph Ransmayr
Der Fallmeister
Was für ein grandioser Wurf,
der wohl in der Zukunft spielt,
sich aber wunderbar archaisch
liest. Ransmayr tippt sprachgenau
in gesellschaftliche
Wunden: Stichwort regionale
Grenzen! Und er schildert eine
private Tragödie, in der der
Ich-Erzähler der Frage nachgeht,
ob sein Vater ein Mörder
ist.
Es ist auch ein Roman über
das Element Wasser, denn der
Vater ist Schleusenwärter, der
Sohn Hydrotechniker und
bei einem schlimmen Schiffsunglück
an der Schleuse ist
wohl nicht alles mit rechten
Dingen zugegangen …











