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Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Grenzwertig von Andreas Pittler

Eine klare Leseempfehlung!

Historiker und Autor Andreas Pittler, der durch sein Krimis rund um David Bronstein bekannt ist, entführt uns mit „Grenzwertig“ in das Jahr 1990, das vom Fall des Eisernen Vorhangs und diffusen bzw. durchaus berechtigten Ängsten der österreichischen Bevölkerung geprägt ist. Man fährt gerne nach Znaim/Znojmo (damals noch Tschechoslowakei) oder nach Sopron/Ödenburg (Ungarn), um um wenig Geld fein zu speisen oder billig einzukaufen.

Umgekehrt sind Tschechen und Slowaken sowie Ungarn nicht so gerne gesehen, verpesten sie doch einerseits mit ihren Zweitaktern die Luft und verstopfen die Straßen, andererseits wird ihnen jede Schandtat, Mord inklusive zugeschrieben.

So ist es auch kein Wunder, dass der Mord am alten Säufer Höller nur von einem Auswärtigen begangen worden sein kann. Die Hiesingen, also die einheimischen Bewohner der Waldviertler Stadt Hardegg, würden so etwas nie machen, oder?

Beinahe gleichzeitig wird in einer Wiener Innenstadtbar eine Animierdame brutal erstochen und verstümmelt. Inspektor Paul Zedlnitzky übernimmt die Ermittlungen, die ihn und seine Kollegen tief ins Wiener Rotlichtmilieu eintauchen lassen. Dort ist die Sorge groß, dass es wegen der Ostöffnung zu Revierkämpfen zwischen den etablierten Strichgrößen und den Neuen kommen wird, streben doch nun zahlreiche Zuhälter mit ihren Prostituierten in den „Goldenen Westen“.

Für die aufmerksamen Leserinnen und Leser stellt sich natürlich sofort die Frage: WIE hängen die beiden Mordfälle zusammen? Denn, dass es einen gemeinsamen Bezug geben muss, ist dem geneigten Pittler-Fan klar.

Meine Meinung:

Das Cover zeigt die wieder errichtete Thayabrücke Hardegg – Čížov, die eine Fußgänger- und Radverkehrsbrücke ist, deren Eröffnung am Gründonnerstag, den 12. April 1990 hier im Buch eine Rolle spielt. Der blaue Himmel trügt ein wenig, denn die Stimmung ist eher dunkelgrau und drückt aufs Gemüt. Da ist es ja gut, dass das Allheilmittel Doppler und Schnapsflasche gleich zur Hand sind. Jahrzehntelang sind die Staaten des Warschauer Pakts vom Westen abgeschottet. Nur vereinzelt und oftmals illegal gibt es heimliche Zusammenkünfte und Austausch - vornehmlich billige, weil geschmuggelte, Zigaretten. Und jetzt ist alles anders. Die Bewohner an der niederösterreichischen Grenze haben Angst um ihre Arbeitsplätze und um ihr ohnehin geringes Vermögen.

Andreas Pittler hat die düstere Stimmung dieser Zeit sehr gut eingefangen. Wer Pittlers Bücher kennt, weiß, dass er ausgiebige Milieustudien betreibt, wobei das diesmal (fast) nicht notwendig ist, denn der werte Herr Autor, ich darf es wohl sagen, ist Jahrgang 1964 und hat die Zeit „live und in Farbe“ (wie man in Wien sagt) erlebt. Deshalb sind seine Charaktere aus dem damaligen Leben gegriffen. Es wird in Wohnungen, Autos und Büros geraucht, was die Lunge aushält oder auch nicht, Alkohol am Steuer ist besonders am Land ein Kavaliersdelikt, die „g‘sunde Watschen“ hat noch nicht ausgedient und die Altvorderen haben ihre eigene Vorstellung von Erziehung:

„Sein Vater stünde der Problematik, dessen war sich Zedlnitzky sicher, vollkommen verständnislos gegenüber. Der eigene Enkel ein Schlurf? Dann ab ins Heim für schwer Erziehbare! Tagwache um 5 Uhr früh, Dauerläufe, Kniebeugen und Liegestütze bis zum Umfallen hätten noch jeden Halbstarken zur Räson gebracht, würde sein Credo lauten“

Gleichzeitig besteht die Exekutive noch aus Gendarmerie und (Stadt)Polizei, die einander nicht immer grün sind. Apropos Gendarmerie: Die Gepflogenheit, betrunkene Dorfbewohner manchmal auch mit dem Dienstwagen heimzufahren, ist nicht erfunden.

Schmunzeln musste ich über die (zumindest namentliche) Auftritte von echten Rotlichtgrößen (z. B. Heinz Bachheimer) sowie über das Einbinden von Charakteren aus anderen Krimi-Reihen wie Oberst Brandner, Ignaz Wessely, „Sandler“ Rudi, Kurt Brösler und natürlich Trautmann (aus der gleichnamigen Reihe von Ernst Hinterberger) oder Simon Polt aus den Romanen von Alfred Komarek, die ja im Pulkautal spielen.

Andreas Pittler ist es wieder meisterhaft gelungen, Kriminal- und Zeitgeschichte miteinander zu verknüpfen. Ich mag seinen Schreibstil, der immer wieder Erinnerungen an Kindheit und Jugend (ich bin Jahrgang 1960) hoch kommen lässt.

Die gesamte Handlung erstreckt sich zwischen dem 16. und dem 22. April 1990. Ermittelt wird so gründlich wie es ohne GPS, DNA-Abgleich oder Mobiltelefone eben geht. Paul Zedlnitzky dehnt hin und wieder den Spielraum der Gesetze ein wenig, um möglichst effizient zu sein.

Wer mehr über Paul Zedlnitzky lesen möchte, dem sei „Der Fluch der Sirte“ ans Herz gelegt, in dem er, nun längst zum Oberst befördert, in einem diffizilen Mordfall, der hochpolitisch ist, ermitteln muss.

Fazit:

Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen, sei ob Andreas Pittlers Schreibstils, seiner Charaktere oder sei es, dass ich mich an beiden Tatorten auskenne. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und 5 Sterne. Mögen noch weitere Krimis folgen!

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Grenzwertig

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Astronautenfieber von Patrick Kilian

Eine klare Leseempfehlung!

Die Geschichte einer Sehnsucht, 1945 – 1969

Kaum hat Nazi-Deutschland kapituliert versuchen die Alliierten aus dem Westen und Osten deutsche Wissenschaftler und ihre Erkenntnisse für eigene Zwecke zu rekrutieren. Die einen mit Zuckerbrot, die anderen greifen zu handfesteren Argumenten.

Warum? Es gilt, den vermeintlichen Wissensvorsprung Deutschlands zu nützen, um die Sehnsucht nach dem All zu befriedigen.

Dazu ist den USA und der UdSSR beinahe jedes Mittel recht. Über Wissenschaftler, die in die UdSSR verschleppt werden ist hier nichts zu lesen, dafür dürfen wir wissenschaftlichen Größen wie Wernher von Braun, Hubertus Strughold oder Heinz Haber über die Schulter schauen. Mit Dutzenden anderen haben die deutschen Physiker in den letzten Kriegsjahren Raketen für das NS-Regime entwickelt, während die Mediziner der Luftwaffe daran gearbeitet haben, den Menschen auf Einsätze in größeren Höhen vorzubereiten. Vor allem das Anpassen und Optimieren der Menschen ist das Gebot der Stunde. Dazu müssen die handverlesene Kandidaten (ja absichtlich männliche Form, die erste US-Amerikanerin ist Sally Ride 1983) allerlei medizinische und psychologische Tests überstehen.

Was für ein Schock für die NASA, als Juri Gagarin 1961 (und 1963 dann Walentina Tereschkowa als erste Frau) ins All geflogen ist.

In acht auch für Laien sehr gut lesbaren Kapiteln erzählt Patrick Kilian, wie sich die USA ihren Traum von der Eroberung des Weltalls erfüllt haben.

Am Anfang war der Affe
Die Sehnsucht nach der Zukunft
Das Raum-Zeit-Hirn-Problem
Die Traumfabrik
Die Suchmaschinen
Zwischen Wahn und Wirklichkeit
Was vom Monde übrig bliebt
Astronautenfieber Redux

Doch mit der Mondlandung 1969, die in diesem Buch den Höhepunkt darstellt, ist der Traum noch lange nicht ausgeträumt. Nun hat man schon, trotz zahlreicher Misserfolge, die Menschenleben und sehr viel Geld gekostet haben, ein neues Ziel vor Augen: den Mars. Doch das ist eine andere, zukünftige Geschichte, die allerdings ohne die Mondmission nicht stattfinden könnte.

Allerdings muss man immer vor Augen haben, dass der Mensch, das schwächste Glied in der Kette ist.

Fazit:

Dieses Buch ist die penibel erzählte Geschichte Geschichte der Epoche von 1945-1969 zwischen Größenwahn und Genialität. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Astronautenfieber

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Die strauchelnde Welt von Philipp Blom

Eine Leseempfehlung!

Viele Leserinnen und Leser werden noch den Titel von Philipp Bloms Buch „Der taumelnde Kontinent 1900-1914“ im Gedächtnis haben, in dem er die Umbrüche in Europa zwischen 1900 und 1914 beleuchtet.

Nun beschäftigt er sich in seinem neuen Buch mit den Jahren 2001 bis 2014 und richtet seinen Blick auf die ganze Welt.

Als das 21. Jahrhundert von vielen Menschen mit Jubel begrüßt wird, ahnt noch niemand, wie die Konflikte rund um den Erdball zunehmen und das Vertrauen in die Demokratie abnehmen werden. Noch weiß keiner, dass neben den beiden bekannten Größen USA und Russland sich beinahe unbemerkt China anschickt, ein dritter Player um die Macht zu werden. Allerdings rasselt man dort nicht mit dem sprichwörtlichen Säbel, sondern fordert Europa und die USA über den Umweg staatlich subventioniertes Waren heraus.

So legt Philipp Blom dar, wie die USA mit ihren Kriegen im Irak (2003-2011) ihre Reputation verspielt haben und wenig später, Russlands Annexion der Krim (2014), die wie man nun weiß, nur ein Probelauf für die Invasion auf die Ukraine (2022) war, nicht ernst genommen zu haben.

Er lenkt unseren Blick auf die wirtschaftlichen Probleme, die durch raffgierige Spekulanten zum Zusammenbruch zahlreichen Banken vor allem in den USA (z.B. Lehman Brothers, 2008) dazu führten, dass Zehntausende Menschen ihre Häuser verloren haben, weil sie ihre Hypothekarkredite nicht mehr bedienen konnten. Über verdrängen machtgierige Präsidenten (Berlusconi, Trump), die nichts anderes im Sinn haben, als sich und ihren Familien die Taschen und Bankkonten zu füllen, den Sozialstaat und das Gemeinwohl. Die Kluft zwischen arm und reich wird breiter, der lange Zeit als sicher geltende Mittelstand schwindet zusehends. Zudem beginnt der Kampf um die digitale Vorherrschaft. Große US-Konzerne reißen die Macht an sich.

Einige Mahner sehen durchaus Parallelen mit den Jahren 1900 - 1914. Philipp Blom arbeitet in seinem Buch Ähnlichkeiten und Unterschiede heraus. Dabei bringt er zahlreiche Beispiele und erläutert seine Thesen in gewohnt ansprechender Weise.

Es gilt: Wer die Krisen der Gegenwart verstehen will, muss ihre Geschichte kennen: Philipp Blom ist ihr souveräner Chronist. Dennoch muss uns klar sein: Nichts wird wieder, wie es jemals war!

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Analyse 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Die strauchelnde Welt

Rezensionen von reimon:

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Tschikago von Alexandra Stahl

Altersmild


Der Erstlingsroman von Alexandra Stahl besteht aus zwei Teilen. Zuerst erzählt sie sehr empathisch von ihrer Kindheit und ihren Großeltern aus Unterfranken. Die beiden „zankten ständig wie Laurel und Hardy“, ihre Liebe hielt aber 57 Jahre lang. Die fränkischen Ausdrücke, die reichlich vorkommen, zeigen sich auch im Titel - „Frangfodd is schlimmer als Tschikago.

“
Die recht kurzen Abschnitte sind wie Momentaufnahmen. Auch im zweiten Teil, hier erzählt die Autorin sehr amüsant von ihrer späteren ehrenamtlichen Arbeit in einer Biografiegruppe in einem Seniorenheim. Gerade in den knappen Beschreibungen entsteht ein sehr lebendiges Bild von den Teilnehmenden. Hier kommt auch der Berliner Dialekt immer wieder vor.
Vergänglichkeit und Abschiednehmen sind der rote Faden, der sich durch das Buch zieht. Wenn man bereit ist, sich auf den ungewohnten Erzählstil einzulassen, kann „Tschikago“ eine wunderbare Einstimmung aufs Älterwerden sein, die mit so manch Beschwerlichem versöhnlich stimmt.

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Tschikago

Rezensionen von reimon:

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Tschikago von Alexandra Stahl

Altersmild

Der Erstlingsroman von Alexandra Stahl besteht aus zwei Teilen. Zuerst erzählt sie sehr empathisch von ihrer Kindheit und ihren Großeltern aus Unterfranken. Die beiden „zankten ständig wie Laurel und Hardy“, ihre Liebe hielt aber 57 Jahre lang. Die fränkischen Ausdrücke, die reichlich vorkommen, zeigen sich auch im Titel - „Frangfodd is schlimmer als Tschikago.

“
Die recht kurzen Abschnitte sind wie Momentaufnahmen. Auch im zweiten Teil, hier erzählt die Autorin sehr amüsant von ihrer späteren ehrenamtlichen Arbeit in einer Biografiegruppe in einem Seniorenheim. Gerade in den knappen Beschreibungen entsteht ein sehr lebendiges Bild von den Teilnehmenden. Hier kommt auch der Berliner Dialekt immer wieder vor.
Vergänglichkeit und Abschiednehmen sind der rote Faden, der sich durch das Buch zieht. Wenn man bereit ist, sich auf den ungewohnten Erzählstil einzulassen, kann „Tschikago“ eine wunderbare Einstimmung aufs Älterwerden sein, die mit so manch Beschwerlichem versöhnlich stimmt.

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Tschikago

Rezensionen von gabiliest:

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Legende der Schattenwächter - Jagd nach dem Gjallarhorn von Lars Meyer

Durch Feuer und Eis zu den Göttern

Im zweiten Band seiner Trilogie “Legende der Schattenwächter” entführt uns der bekannte Autor Lars Meyer in die nordische Götter- und Sagenwelt auf der “Jagd nach dem Gjallarhorn”. Schon das fantasievolle und ausdrucksstarke Hardcover dieses hochwertig mit Lesebändchen und farbigen Vorsatzblättern ausgestatteten Buches zeigt die drei Freunde Armin, Viktoria und Nari auf ihrer gefährlichen Mission.

Im Jahr 1889 begibt sich Rune, die die Blutlinie der Schattenwächter an Armin weitergegeben hat und die über magische Fähigkeiten verfügt, auf eine waghalsige Rettungsaktion. Sie will Gefangene des Konzerns Magus Signum, der die Schattenvölker versklavt, befreien. Doch die Mission misslingt, Rune verschwindet. Neun Jahre später sieht Armin ein Bild seiner totgeglaubten Mutter – sie ist in Norwegen.

Armin und die beiden Mädchen sind entschlossen, Rune zu finden und zu retten. In einer norwegischen Mine finden sie nicht nur Armins Mutter, sondern auch weitere Gefangene. Die Befreiung gelingt, doch Rune wird nur noch durch Magie am Leben erhalten. Heilung versprechen angeblich das Gjallarhorn eines nordischen Gottes und eine magische Quelle. Daher kämpfen sich die Freunde sowohl durch die eisige Kälte Norwegens als auch durch glühende Lava in unterirdischen Flüssen. Nach zahllosen Abenteuern und Gefahren finden sie in der zerstörten Welt der nordischen Götter nicht nur das Horn, sondern eines der stärksten göttlichen Artefakte überhaupt: Thors Hammer, der die Welt ins Verderben stürzen kann, wenn er in die falschen Hände gerät.

Lars Meyer hat ein ungeheuer vielschichtiges und ideenreiches Buch geschrieben, das die Lesenden sofort in magische Sagenwelten mitnimmt. Sie begleiten Armin und seine Gefährtinnen durch die trostlose Weite der norwegischen Landschaft, wobei ihr Überleben oft an einem seidenen Faden hängt. Nur der Zusammenhalt in der Gruppe und Ledermaul – eine magische Tasche, die nie schwerer wird, obwohl sie in ihren Tiefen alles Notwendige bereithält – retten die Mission.

Der Autor lässt seine Protagonisten eine wahre Höllenfahrt erleben, denn aus jeder Seite seines Buches kriechen gefährliche Kreaturen. Dabei wird lange nicht klar, welches Ziel Rune wirklich verfolgt. Armin sieht sich in Rückblenden als den kleinen Jungen, der am Fenster sitzt und auf seine verschwundene Mutter wartet. Für ihn bleibt die emotionale Distanz von Rune nach der Rettung unverständlich. Diese psychologische Ebene vertieft die Charakterzeichnung der Hauptfiguren. Die Halbelfe Viktoria kennt ihre Abstammung nicht und kann ihre magischen Kräfte kaum einordnen. Auch sie leidet unter ihrer Familiengeschichte, da ihre Adoptiveltern sie verstoßen haben. Erst spät werden die wahren Motive von Rune klar, denn sie sucht gar keine Heilung. Dieser unerwartete Twist ändert den Blickwinkel auf die Akteure und verleiht dieser Geschichte von Freundschaft und Loyalität, aber auch von Lüge und Verrat, zusätzlichen Reiz.

Die “Legende der Schattenwächter – Jagd nach dem Gjallarhorn” lässt sich unabhängig von Band eins lesen, doch ist es empfehlenswert, die Vorgeschichte zu kennen. Dann kann man den Freunden in diesem epischen, spannend und bildhaft geschriebenen Fantasy-Roman, der ab zwölf Jahren empfohlen wird, noch besser in eine geheimnisvolle Welt voller Rätsel folgen. Jugendliche Leserinnen und Leser mit Interesse an Abenteuer, Magie und Mythologie greifen hier sicher zum richtigen Buch.

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Legende der Schattenwächter - Jagd nach dem Gjallarhorn

Rezensionen von peedee:

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Blumen schenke ich mir selbst von Blanca Imboden

Allein glücklich – oder doch nicht?

Die Autorin Romy Reichlin ist erfolgreich, denn ihr Buch über das Alleinsein wurde zum Bestseller. Nur gibt es ein kleines Problem: Ihre heimliche Liaison mit einem erfolgreichen Anwalt passt natürlich überhaupt nicht zu ihrem Motto, dass man auch allein glücklich sein kann. Für die Medien ein gefundenes Fressen – für Romy ein Alptraum, denn einerseits trennt sich ihr Partner von ihr und andererseits verdonnert ihr Verleger sie, einen einwöchigen Schreibkurs im Kempinski Palace Engelberg zu halten.

Darauf hat sie nun so gar keine Lust, aber was sein muss, muss sein…

Erster Eindruck: Ein knalliges Cover mit einem sehr dezenten Blumenstrauss – aber hallo! Das gefällt mir.

Es ist eine verzwickte Situation für Romy: Als sie ihr Buch über das glückliche Alleinsein schrieb, war sie es auch – glücklich und allein. Doch das Leben bleibt nicht stehen und so hat das Liebesglück sie getroffen. Und nun? Die Partnerschaft nur im Geheimen führen? Wo und in welcher Zeit leben wir eigentlich?
Der Kurs findet im Kempinski Palace Engelberg statt. Die Autorin – ich meine hier Blanca Imboden – sucht sich immer sehr schöne Locations aus, bravo! Ich war zwar noch nie im vorgenannten Hotel, aber immerhin in Engelberg, wo es mir gut gefallen hat. Der Kurs besteht aus einer bunt zusammengewürfelten Truppe, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen angemeldet haben. Hierfür gibt es ein sehr hilfreiches Personenregister.

„Ich denk, ich denk zu viel.“ Tja, da fühlte ich mich irgendwie ein-ganz-klein-wenig-fast-gar-nicht-spürbar angesprochen. Warum bloss? Ich gebe zu, ich habe auch die Tendenz, persönliche Sachen zu stark durchzudenken. Ich sage nur „was wäre, wenn…?“

Ich war der Meinung, dass die Autorin ein neues Wort erfunden hatte, und zwar das „Glückchen“. Ich hätte nicht gedacht, dass es diese Diminutiv-Form vom Wort Glück tatsächlich gibt. Doch dem ist so – wenn es im World Wide Web steht, ist das einfach so (im Duden ist das Wort aber noch nicht). *laut lach*
Das Buch hat sich wie gewohnt flüssig lesen lassen. Was immer gut spürbar ist, ist die Liebe der Autorin zur Natur, insbesondere zu den Bergen. Am besten, und zwar mit Abstand, haben mir die Monatsbriefe nach dem Kurs gefallen. Aber darüber will ich selbstverständlich nichts verraten. Von mir gibt es 3 Sterne.

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Blumen schenke ich mir selbst

Rezensionen von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer:

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Ochsenkopf von Manik Sarkar

Höchste Ansprüche, präzise Schnitte

Rensing weiß genau, wie er das Messer ansetzen muss, um Schlachtvieh „in rechter Art und Weise von Haut und Organen zu befreien“ und Fleischstücke von höchster Qualität zu erhalten. Wenn es um Fleisch geht, gibt es bei ihm keine Kompromisse, mit seiner Umwelt hingegen kommt er nicht so gut zurecht.

Es ist ein außergewöhnliches Buch über anspruchsvolles Handwerk und Massenware, über Qualitätsbewusstsein und Billigkonkurrenz, über einen sturen Ochsenkopf, der seinen eigenen Weg geht, mit aller Konsequenz bis hin zum drastischen Ende.
Präzise und treffend ist auch die Sprache/die Übersetzung dieses Romans, literarisch absolut überzeugend!

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Ochsenkopf

Rezensionen von Neluna:

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Alles Liebe von Ronja von Rönne

Zieht mich runter.

Alles Liebe von Ronja von Rönne beleuchtet in fünf Kurzgeschichten das Leben in emotional belasteten Zeiten. Zum einen wird gelogen, fantasiert oder ignoriert. Man wird in die jeweiligen Geschichten hineingestoßen und mit seelischem Balast konfrontiert die Lügen, Verlust, Trennung oder Selbstaufgabe thematisieren.

Genauso schnell wird man aber auch wieder hinausbefördert und zurück bleibt etwas Ratlosigkeit, weil ich nicht ganz verstehe was das Buch mir sagen möchte. Erst am Schluss werden die losen Fäden wieder aufgegriffen und locker verknüpft und dennoch bin ich sehr unschlüssig, was ich damit anfangen soll.
Denn so wie mir der Buchtitel suggerieren möchte alles wäre mit Liebe und Herzlichkeit erfüllt, so wenig hatte er mit dem Inhalt zu tun. Meiner Meinung nach ist in keiner Geschichte etwas aus Liebe passiert, sondern sind alle Protagonisten psychisch am Limit und ziehen einen mehr runter, als positive Vibes zu verströmen.
Ich sehe den Buchtitel daher nicht als ernst gemeinte Aussage sondern als diese einfach dahin gesagte höfliche Floskel, die man schnell mal am Ende eines Small-Talks einfließen lässt, ohne ihr einer wirklich tragenden Bedeutung beizumessen.
Ich denke daher, ein bisschen Liebe hätte nicht geschadet, da die Geschichten im Endeffekt von trostlosen Leben erzählen und man ihnen am Ende etwas Besseres gewünscht hätte.
Der Schreibstil ist bildhaft, trägt die Emotionen und man kann in die Geschichten gut eintauchen bzw. sich auch einfühlen in die jeweiligen Lebenssituationen. Lediglich ich bleibe etwas ratlos zurück, weil es kein richtiges Ende gibt, sondern nur einen geschlossenen Kreis bei dem leider einige Fragen offen bleiben.

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Alles Liebe

Rezensionen von Kit:

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Theo in Golden von Allen Levi

Ein besonderer Roman über Menschlichkeit, Aufmerksamkeit und Begegnungen

„Theo in Golden“ von Allen Levi ist für mich ein leiser und besonderer Roman, der vor allem von seiner warmherzigen Grundidee lebt. Theo kommt nach Golden und beginnt, die Porträts der Bewohner auf ungewöhnliche Weise an ihre Besitzer zurückzugeben. Dadurch entstehen viele Begegnungen, und nach und nach erfährt man mehr über die Menschen und ihre Geschichten.

Das Buch zeigt somit auf seine Weise, dass Zuhören, Aufmerksamkeit und kleine Gesten einen großen Unterschied machen können.
Die vielen unterschiedlichen Lebensgeschichten fand ich interessant und teilweise sehr berührend. Gleichzeitig war mir der Roman zwischendurch etwas zu ruhig, und einige Begegnungen ähneln sich einander, sodass sich die Handlung stellenweise etwas zieht. Auch Theo selbst war mir manchmal fast zu perfekt und idealistisch – ein paar mehr Ecken und Kanten hätten ihn für mich glaubwürdiger und realistischer gemacht.
Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen. Es ist kein Roman für alle, die viel Spannung oder überraschende Wendungen suchen, sondern eher eine ruhige Geschichte zum Innehalten. Gerade die Gedanken über Menschlichkeit, Nächstenliebe, der Wert jedes einzelnen Menschen und den Umgang miteinander werden in der Geschichte verdeutlicht. Zusammenfassend somit ein warmherziger Roman mit einer schönen Botschaft, die zum Nachdenken anregt.
Ich habe mir noch ein Interview von Allen Levi zu dem Buch angehört. Hier äußerst sich Levi dazu, dass Theo für ihn eine Art „vorbildliche“ Figur („christliche“ Ideal) darstellt: ein Mensch, der seinen Alltag mit kleinen, unspektakulären Akten der Liebe, Großzügigkeit und Freundlichkeit füllt. Dabei beruft er sich auch auf den Schriftsteller Wendell Berry und dessen Gedanken, dass große gesellschaftliche Probleme nicht unbedingt durch große Lösungen, sondern durch viele kleine gute Handlungen verändert werden.

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Theo in Golden