Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Eine Schuld vergeht nie von Florence Jones
Eine alte Schuld
Josepha Brandtner kommt an einem Juniabend 1957 nicht von der Arbeit nach Hause. Die Polizei geht schnell davon aus, dass sie mit einem amerikanischen Soldaten verschwunden sein könnte. Ihr Bruder Andreas glaubt das jedoch nicht. Zusammen mit Josephas Freundin Kathi versucht er herauszufinden, was wirklich passiert ist.
Doch ihre Suche bleibt ohne Ergebnis. Die Feindschaft zu Richard Seeberger begleitet Andreas und seine Familie noch viele Jahre.
Dieser Einstieg hat mich sofort neugierig gemacht. Das Verschwinden von Josepha bleibt nicht einfach eine Sache aus der Vergangenheit, sondern beschäftigt die Familien noch lange danach. Die alte Feindschaft zwischen ihnen wirkt sich schließlich auch auf die nächste und übernächste Generation aus.
Mit Emma und Florian kommt eine weitere Verbindung hinzu. Ausgerechnet die beiden verlieben sich ineinander, obwohl ihre Großväter seit Jahren verfeindet sind. Emma hofft, dass ihre Liebe diese alte Feindschaft beenden kann. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, ob es ihnen wirklich gelingt, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Florence Jones verbindet die verschiedenen Familienmitglieder gut miteinander. Nach und nach wird deutlich, welche Folgen ein Ereignis haben kann, das nie aufgeklärt wurde. Dabei fand ich es interessant zu sehen, wie alte Vorwürfe und Erinnerungen auch viele Jahre später noch das Leben der Familie beeinflussen.
Nach meiner Begeisterung für die dreiteilige Zwei-Kontinenten-Saga der Autorin war dieser Auftakt für mich ein absolutes Muss. Meine Erwartungen waren deshalb ziemlich hoch. Auch diesmal hat Florence Jones mich wieder überzeugt. Ich war schnell mitten in den Familien und ihren Problemen und wollte wissen, wie sich alles weiterentwickelt.
Das offene Ende hat mich allerdings etwas ungeduldig zurückgelassen. Noch sind viele Fragen offen und besonders das Geheimnis um Josepha lässt mich nicht los. Deshalb möchte ich unbedingt erfahren, wie es mit Emma und Florian weitergeht und welche Antworten die Fortsetzung bringt.
Für mich ist das ein sehr gelungener Auftakt der neuen Dilogie. Nun heißt es leider warten. Auf die Fortsetzung im November freue ich mich schon sehr.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Rezensionen von nessabo:
Gewöhnungsbedürftig von Daniela Wilmer
Eine etwas schleppende Geschichte, die mich nicht ganz zufriedengestellt hat
Die Bücher aus dem pola-Verlag machen Platz für progressive, weibliche Perspektiven. Und ich schätze das sehr, weshalb meine Erwartungen an dieses Debüt entsprechend hoch waren. So richtig konnten sie aber leider nicht erfüllt werden.
Eine Protagonistin Ende 30 finde ich erstmal toll! Diesem Alter fühle ich mich mit Mitte 30 deutlich näher als den unsicheren Zeiten der frühen 20er - auch wenn ich das nicht verallgemeinern möchte.
Die Autorin sagt selbst, dass sie quasi ein Coming-of-Age für eine ältere Altersgruppe geschrieben hat. Diesem Anspruch ist sie wohl gerecht geworden, aber ich bin unsicher, ob das für mich so funktioniert.
Das sehr chaotische Leben Kathas war dabei noch weniger mein Problem. Auch Menschen in ihren 30ern dürfen noch mit ihrem Alltag struggeln und sich unsicher in Bezug auf das eigene Selbst fühlen. Was mir aber bitter aufgestoßen ist, gerade für einen eigentlich progressiv angelegten Roman, ist die ständige Abwertung anderer Frauen. Erschreckend viel Raum nimmt das unermüdliche Vergleichen und Konkurrieren mit Kathas weiblichen Geschlechtsgenossinnen ein. Daraus hätte die Autorin sogar auch noch etwas machen können, denn wir tragen diesen Reflex schließlich alle in uns. Aber dafür hat mir am Ende doch die Selbstreflexion gefehlt, das Verhalten bleibt umkommentiert stehen. Und ich möchte mittlerweile einfach nicht mehr davon lesen, wie Frauen in vermeintlicher Konkurrenz zueinander stehen, sondern ihre gelebte Solidarität sehen.
Die komplizierte Beziehung zwischen Katha und ihrer Mutter steht im Zentrum der Geschichte. Anfangs war ich da auch noch optimistisch, dass es zu einer glaubhaften Beziehungsentwicklung kommt, aber so richtig konnte das nicht erfüllt werden. Die beiden geraten so oft aneinander, scheinen dann in den Dialog zu kommen, nur um doch wieder abzubrechen. Und dann auf einmal, kurz vor Ende, gelingt das tiefgründige Gespräch doch noch. Das kam mir leider etwas konstruiert vor, obwohl ich die grundsätzlichen Themen so toll fand - z. B. „Regretting Motherhood“ und dass es eben nicht bedeutet, das eigene Kind nicht zu lieben, sondern einfach die gesellschaftliche Mutterrolle. Auch postpartale Depressionen sollten viel öfter in moderner Literatur Platz finden.
In dieser konkreten Beziehung fand ich es zudem besonders problematisch, wie Katha an einer Stelle ihre Mutter regelrecht drängt, Alkohol zu trinken, obwohl diese für mich relativ deutlich kommuniziert, dass sie das nicht möchte. Auch der Ansatz, dass Alkohol notwendig ist, um tiefe Gespräche führen zu können, ist keiner, den ich in Büchern mag.
Ich bleibe damit ernüchtert zurück und fand den Roman dem Titel entsprechend gewöhnungsbedürftig. Für mich hätte es mehr sensiblen Tiefgang und eine glaubhaftere Figurenentwicklung geben dürfen. Bruno war ein sanfter Lichtblick und auch für die angeschnittenen Themen spreche ich ein Lob aus, aber so wirklich packen wollte mich das Buch nicht.
3,5 Sterne
Rezensionen von wolkenbücherwelt / Mythynk:
Played by the Piper - Die Unbeugsame von Raven Kennedy
Wissende Sterne - Gnadenlose Töne
"Es begann mit einem Lied - und es wird auch mit einem enden."
Geradezu grandios, fast. Aber dennoch ein starker erster Band.
Genau das habe ich mir wieder von Raven Kennedy erwartet und schon jetzt trifft mich der Wehmutstropfen doppelt, da uns ihre neue Reihe wohl "nur" mit zwei Bänden in diese neue, grauenhaft-bittersüße Welt ziehen wird.
Den Schreibstil habe ich genossen. Ernsthaft an den richtigen Stellen, nicht zu gestelzt, ehrlich und teils schonungslos - und das alles in einem sehr angenehmen Lesefluss - einfach passend für die Geschichte und eben auch für die Autorin.
Den Anfang wollte ich erst als zu lang empfinden, fast, aber im Grunde genommen war er mir am Ende dann doch wieder zu wenig. Was nicht bedeutet, dass das Worldbuilding nicht gut war oder nicht funktioniert hätte. Nein! Die Autorin hat hier eine bildhafte und sehr gut ausgearbeitete Welt eröffnet und immer wieder neue Schichten freigelegt und auch nachgelegt!
Mein zweiter Wehmutstropfen knüpft aber genau hier an, denn ich hoffe so so sehr, dass der nächste Band, der dann wohl auch schon der letzte sein wird, einfach die doppelte Anzahl an Seiten hat! :‘)
Denn was Raven Kennedy hier wieder erschaffen hat, könnte für mich bitte noch viel weitergehen.
Der Ansatz, die Geschichte des Rattenfängers von Hameln mit einer zerstörten, von Plagen geplagten Welt, Frust, Unterdrückung, Machtgefällen und Ungerechtigkeit zu verbinden, funktioniert für mich unglaublich gut. Daraus entsteht eine teils schmerzende, erschreckend nah an der Realität kratzende Geschichte, die trotzdem vollkommen ihre eigene bleibt.
Wir begleiten Esti durch diese Welt, ihre Zweifel werden fast greifbar, ihre Träume machen traurig und ihre Ängste fühlen sich irgendwann beinahe wie die eigenen an. Und genau da hätte ich mir noch so viel tiefere Zeilen gewünscht. Mehr Zerrüttung, mehr Kampf, mehr Engstirnigkeit und für später mehr gesunde, längere Skepsis.
"Es gibt einen Unterschied zwischen gut handeln und gut sein"
Aber auf den ca. 660 Seiten ist es Raven Kennedy trotzdem gelungen, mich auch (ein wenig) an das Gute in dieser Welt glauben zu lassen... auch wenn ich davon noch längst nicht vollkommen überzeugt bin und eigentlich die ganze Zeit auf den heftigen, unvermeidbaren Knall warte. Oder eher, ja, eher hoffe.
Wenn wir uns unsere Protagonisten anschauen, fand ich die Chemie gerade anfangs fabelhaft und war teils sehr amüsiert. Bissig, süffisant, neckisch, schmerzend, herrlich unvernünftig und stellenweise fast schon zu vertrauensselig - ja, so würde ich die beiden dann doch bezeichnen.
Auch die Ernsthaftigkeit fand oft Einzug, wenn aufgezeigt wurde, wer die Töne vorgibt und wie machtlos man sein kann, wenn man glaubt, keine richtige Macht zu besitzen.
"Und... wird uns das zu Verbündeten machen?"
"Nein. Es wird verhindern, dass wir Feinde werden."
Teils war ich so skeptisch - bin es immer noch -, wurde überrascht, habe die Luft an manchen Stellen stark eingesogen, habe geschmunzelt, war verzaubert.. und verwirrt.
Vor allem über die Schnelligkeit mancher Beziehungen. Über manche "abgehandelten" Themen bzw. darüber, wie selbstverständlich einige Dinge hingenommen werden. Da hätte ich mir mehr Raum für Erklärungen gewünscht - oder vielleicht sogar mehr Mut, manche Themen vorerst im Verborgenen zu lassen.
Auch wenn der Wunsch bei diesem Ende vielleicht noch erfüllt wird oder alles doch noch einmal in eine ganz andere Richtung kippt. Denn das Ende hat mich auf eine andere Art überrascht, da ich eigentlich mit etwas anderem gerechnet hatte. Andersherum einfach.. Aber ja, es hatte mich, hat mich immer noch und nun muss ich hier sitzen und dem zweiten Band entgegenfiebern...
Aber nochmal zu der Schnelligkeit: Gerade in den letzten ungefähr 20 Prozent ging mir halt manches, ja, einfach zu schnell. Ja, so 200 Seiten extra wären mein Traum gewesen... oder vielleicht gerade im letzten Teil noch eine andere Perspektive, die einmal komplett aus dem bisherigen Rhythmus "herausreißt".
Nicht falsch verstehen, das Ende verspricht einen wirklich guten Start in die dann folgende Story - aber gerade davor hätte ich mir halt deutlich mehr Raum und wieder etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht.
Ehrlich gesagt fällt mir eine genaue Bewertung diesmal irgendwie schwerer als sonst. Bis weit in die Geschichte hinein war es für mich ein 5-Sterne-Read, doch die angesprochenen Punkte und ein paar kleinere Dinge lassen mich eher zu einer starken 4 bis 4,5 tendieren.
Rezensionen von Philiene :
Über Michael Schumacher und die deutsche Ära in der Formel 1 von Alfred Weinzierl
Eine Legende
Michael Schumacher ist wohl immer noch einer der bekanntesten Formel 1 Fahrer der Welt. Sein Name ist untrennbar mit dem Motorsport verbunden.
In diesem Buch wird aber nicht nur seine Geschichte erzählt sondern die von sieben weiteren deutschen Rennfahreren die alle irgendwie mit ihm verbunden sind.
Der Autor Alfred Winnzierl schreibt aber nicht ei Fach nur über sie, sondern hat Interviews mit ihnen geführt und diese dann mit Informationen ergänzt. So entsteht ein sehr persönlicher Einblick in die Welt der Formel 1.
Ich fand das Buch sehr interessant, da ja die einzelnen Fahrer selbst zu Wort gekommen sind und so von ihren eigenen Erfahrungen erzählt haben. Gleichzeitig wird die Geschichte des Motorsports erzählt und wie man es vom Kartfahrer in die Königsklasse schafft.
Ei. Interessanter Blick hinter die Kulissen und auf die große Zeit der deutschen Fahrer in der Formel 1.
Rezensionen von tonton:
Die uncoolsten Superhelden der Welt von Christina Wolff
Tolles Buch für Superhelden-Fans
Paul ist ein Nerd. Nerds sind uncool. Nerds lieben (manchmal) Comicbücher. Nerds sind keine Superhelden.
Doch als an Pauls 11. Geburtstag seine Oma Klewer plötzlich verschwindet und die Kinder ein geheimes Labor entdecken, entwickeln sie Superkräfte und geraten in ein verrücktes Abenteuer!
Die Handlung ist temporeich und richtig lustig.
Die Kinder können ihre Superkräfte am Anfang nicht kontrollieren und es gibt viele skurrile Momente, die uns immer würde zum Schmunzeln gebracht haben.
Am Ende wachsen die Kinder über sich hinaus und werden zu einem richtig guten Team.
Der Schreibstil ist bildhaft und lebendig, und hält die Leser-innen in Atem. Der Text im Buch ist in verschiedenen Schriftarten geschrieben, was manchmal an Comicbücher erinnert und für viel Abwechslung sorgt. Im Buch werden auch viele Superhelden und Comics erwähnt. Das fand mein Kind, das gerne Comics (und eher ungern Romane) liest, richtig toll.
Fazit: Eine tolle Geschichte für Kinder, die Superheldengeschichten mögen.
Rezensionen von Tara:
Die Rückkehr zur Hütte von William Paul Young
Emotional & berührend
„Die Rückkehr zur Hütte“ ist die Fortsetzung des Buches „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ des in Oregon lebenden, kanadischen Autors William Paul Young. Das Buch lässt sich unabhängig von dem ersten lesen, da die grundlegenden Ereignisse erneut aufgegriffen werden.
Inzwischen ist Missys Tod zehn Jahre her, aber ihr Vater Mack und ihre Mutter Nan haben die Vergangenheit noch nicht losgelassen.
Wie auch? Der gewaltsame Tod eines Kindes ist sicherlich mit das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Die tiefe Trauer hat dazu geführt, dass sie Abstand voneinander benötigen.
Nun wird Mack gebeten, den Mann, der für den Tod seiner Tochter verantwortlich ist, im Todestrakt zu besuchen.
Thematisch ähnelt das Buch stark dem ersten. Es geht wieder um Trauer, Schmerz, Liebe, Heilung, Glauben, Vergebung und Herausforderungen.
Der Schreibstil von William Paul Young ist ruhig und die Sätze sehr gehaltvoll. Das Geschriebene hat hier sehr viel in mir ausgelöst, sodass ich mehr Zeit zum Nachdenken über das, was im Leben wirklich wichtig ist, benötigt habe als für das Buch selbst.
Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich denke, dass das auch nicht Voraussetzung ist, da die schwierige Situation nicht religiöse Menschen genauso fordert wie jene, die Macks Gottvertrauen haben, aber trotzdem im entscheidenden Moment auf sich gestellt sind.
Heilung braucht Zeit, ist aber nur möglich, wenn man sich der Situation stellt. Das erfordert Mut und Stärke, ruft Emotionen hervor, die kaum auszuhalten sind und vor denen man sich am liebsten verstecken möchte. Mich hat das beim Lesen sehr berührt und ich war froh, dass die Kapitel recht kurz sind, um diese Stück für Stück verarbeiten zu können.
Die den Kapiteln vorangestellten Zitate sind eine gute Einleitung und haben eine enorme Aussagekraft.
Mich hat das Buch emotional bewegt und berührt. Es vermittelt eine neue Sichtweise auf das Leben und den Umgang mit dem eigenen Schmerz.
Rezensionen von nessabo:
Dead Air von Josi Wismar
Modern, feministisch und spannend - ohne gruselig zu sein
Ich könnte wohl kaum weiter von einer Thrillerleserin entfernt sein! Ich hasse explizite Gewaltschilderungen und gruselige Szenen, manchmal kann ich schon bei spannender Fantasy nicht mehr schlafen. Aber „Dead Air“ habe ich auf Empfehlung gelesen und kann diese nur weitergeben - gerade für alle sensiblen Gemüter, die nicht auf unterhaltsame Spannung und Miträstelspaß verzichten wollen.
Josi Wismar schreibt zugänglich und legt vor allem bei ihren weiblichen Figuren Wert auf Vielschichtigkeit. Auch wenn die Figuren alle auf den ersten Blick nicht unbedingt Sympathieträgerinnen sind, fand ich sie glaubhaft und begann sie im weiteren Verlauf zu mögen. Das Setting des TrueCrime-Podcasts ist modern, sogar die Kritik daran wird aufgegriffen - wenn auch nur leise.
Beim Lesen wurde ich wunderbar unterhalten, die Seiten flogen nur so dahin. Auch wenn ich die Annotationen im Manuskript nicht ganz natürlich fand und die wiederholten Andeutungen aller Figuren mir gegen Ende etwas zu viel wurden, habe ich im Kopf fleißig mitgerätselt. Die verschiedenen Textformen (Kommentare, Manuskript, Blogbeiträge, etc.) sorgen für Abwechslung in der Lektüre und haben mein Lesetempo nur noch einmal erhöht.
Einen besonderen Pluspunkt bekommt Wismar von mir für ihre explizit feministische Positionierung. Nicht nur hat Female Rage immer wieder Platz in dieser Geschichte, die Autorin stellt auch dar, wie es als Frau so ist in dieser Welt - online wie offline. Und dass sie das Ganze einrahmt mit ganz toller solidarischer Freundinnenschaft, hat mich vollends glücklich gemacht.
Ich empfehle den Roman also von Herzen gern. Allerdings kann ich die Kritik daran, in welchem Genre das Buch vermarktet wird, gut verstehen. Auch wenn ich keine Thriller lese, kam es mir hier schon wenig thrillerhaft vor. Für mich war das genau richtig, die Geschichte geht tiefer als ein gruseliger Kriminalfall. Aber mensch sollte auf jeden Fall mit den entsprechenden Erwartungen an diese Lektüre herangehen.
Rezensionen von milky:
Six Ways to Watch You Fall von Colin Hadler
Spannender Jugendthriller
Archer, ein Highschool-Schüler, findet nach den Sommerferien einen gelben Umschlag in seinem Spind wieder. Er hat die Wahl zwischen zwei schmerzlichen Optionen oder ein Mitschüler wird sterben. Was zunächst als schlechter Scherz abgetan wird, wird schnell zur Realität. Archer erhält weitere Briefe, muss sich entscheiden und dadurch die Sommerferien aufarbeiten, in denen furchtbares passiert ist.
Zeitgleich will er den Verfasser der Briefe ausfindig machen und ihn stellen.
Der Jugendthriller ist wirklich gut geschrieben, sodass man ihn flüssig lesen kann und schnell in die Geschichte eintauchen kann. Die Charakterzüge der Haupt- und wichtigsten Nebenfiguren sind sehr gut beschrieben und besitzen Tiefe. Obwohl es sich bei den Hauptfiguren um Jugendliche handelt, kann man auch als Erwachsener eine gute Verbindung zu den Charakteren aufbauen. Die Themen, die dort behandelt werden (z. B. moralisches Dilemma oder Verrat), sind altersunabhängig und sprechen jeden an.
Die Handlung war wirklich spannend und das Ende für mich nicht vorhersehbar. Da es bei fast jedem Kapitelende einen Cliffhanger gab, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und wenn ich es doch musste, bin ich sehr schnell wieder in den Erzählfluss der Geschichte gekommen.
Fazit: ein wirklich spannender Jugendthriller, der auch Erwachsene anspricht und den man nicht aus der Hand legen kann.
Rezensionen von Miamou:
Der Buchclub der eigensinnigen Frauen von Marie Bostwick
Gesellschaftlicher Aufbruch mit Handbremse...
ch bin bei diesem Buch ehrlich gesagt ziemlich zwiegespalten. Einerseits hat es so vieles, was ich an Geschichten sehr gerne mag: ein interessantes historisches Setting, starke Frauenfiguren, Freundschaft und eine Zeit, in der sich gesellschaftlich langsam, aber doch spürbar etwas verändert.
Wir befinden uns in den 1960er-Jahren und begleiten vier Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Durch einen Buchclub kreuzen sich ihre Wege und nach und nach entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft, die für jede von ihnen wichtig wird. Denn jede der vier Frauen hat mit ihren ganz eigenen Problemen und den Erwartungen ihres Umfelds zu kämpfen. Und jede versucht auf ihre Weise, sich ein Stück Freiheit zu erkämpfen und die Grenzen dessen, was für eine Frau in dieser Zeit möglich ist, ein wenig weiter zu verschieben.
Gerade diesen gesellschaftlichen Aspekt fand ich wirklich gelungen. Marie Bostwick schafft es gut, die Veränderungen dieser Zeit einzufangen und zu zeigen, wie sehr Frauen noch immer mit gesellschaftlichen Erwartungen und festgelegten Rollen zu kämpfen hatten. Gleichzeitig fand ich es schön, dass die Frauen dabei nicht völlig auf sich allein gestellt sind, sondern sie sich haben. Die Freundschaft und der Zusammenhalt zwischen den Frauen haben mir gefallen.
Und trotzdem wollte der Funke bei mir nicht so richtig überspringen.
Das lag vor allem daran, dass mir die vier Frauen erstaunlich distanziert geblieben sind. Obwohl man viel über ihre Leben erfährt und jede von ihnen im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchmacht, konnte ich keine wirkliche emotionale Nähe zu ihnen aufbauen. Ich hätte mir gewünscht, stärker mit ihnen mitzufühlen und ihre Veränderungen auch emotional intensiver mitzuerleben.
Dazu kam für mich das sehr gemächliche Erzähltempo. Es passiert auf den ersten Blick gar nicht wahnsinnig viel – wobei das eigentlich nicht ganz stimmt. Denn unterschwellig passiert durchaus einiges. Die vier Frauen verändern sich, hinterfragen ihr bisheriges Leben und versuchen, sich gegen die Grenzen ihrer Zeit zu behaupten. Nur wird das alles sehr ruhig und ausführlich erzählt. Für meinen Geschmack waren dabei vor allem manche Dialoge etwas zu lang geraten, wodurch sich die Geschichte für mich stellenweise ziemlich gezogen hat.
Trotzdem habe ich das Buch nicht ungern gelesen. Das Setting der 60er-Jahre hat mir wirklich gut gefallen und auch die Entwicklung der Frauen und ihre Versuche, sich ihren eigenen Platz im Leben zu erkämpfen, fand ich interessant. Ich hätte mir von den Figuren und der Geschichte insgesamt etwas mehr emotionale Nähe und vielleicht auch ein bisschen mehr Tempo gewünscht hätte.
Für mich also ein Buch mit einem tollen Setting und interessanten Themen, bei dem ich die Idee und die gesellschaftlichen Aspekte mochte, das mich emotional aber leider nicht ganz erreichen konnte.
Rezensionen von Snookie:
Six Ways to Watch You Fall von Colin Hadler
Wie weit würdest du gehen? – jede Entscheidung hat Konsequenzen
In „Six Ways to Watch You Fall“ geht es um Archer, der an seinem Internat einen geheimnisvollen gelben Umschlag findet. Darin wird er vor zwei Möglichkeiten gestellt – und wenn er sich nicht entscheidet, wird jemand sterben. Archer vermutet dahinter nur einen schlechten Scherz. Als seine erste Entscheidung tatsächlich tödliche Konsequenzen hat, wird schnell klar, dass hinter den Briefen mehr steckt als ein makabres Spiel.
Archer muss sich weiteren Entscheidungen stellen und gleichzeitig herausfinden, wer hinter den Drohungen steckt und warum ausgerechnet er zum Ziel geworden ist.
Der Schreibstil hat mir hier sehr gut gefallen. Obwohl das Thema sehr ernst ist, ist der Text leicht und lässig geschrieben. Daran merkt man auch den jugendlichen Stil des Buches. Ich mochte auch, dass es sehr humorvolle, teils sarkastische Stellen im Buch gab, die das Geschehen zwischenzeitlich immer wieder auflockerten. Die Mischung aus tragischen, emotionalen Themen und der Frage nach der Selbstfindung (Wer will man sein?) ist gut gelungen.
Besonders gelungen fand ich das Grundprinzip des Thrillers. Die Entscheidungen, die Archer treffen muss, sind nicht einfach in Richtig und Falsch einzuteilen. Man fragt sich ständig: Was würde ich tun? Diese Entscheidungen werden von Brief zu Brief schwieriger und spielen mit der eigenen Moral. Genau dadurch entsteht auch eine beklemmende Atmosphäre. Die Themen Schuld, Freundschaft, Verrat und Verantwortung werden dabei geschickt mit der eigentlichen Thrillerhandlung verbunden.
Auch das Internatssetting passt hervorragend zur Geschichte. Zusammen mit den Rückblicken auf die Ereignisse während der Sprachreise nach Mexiko entsteht nach und nach ein immer größeres Netz aus Geheimnissen. Durch die kurzen Kapitel und die Cliffhanger liest sich das Buch sehr schnell und gerade gegen Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich hätte nicht erwartet, dass mich dieser Jugendthriller so packen würde, obwohl ich nicht zur Zielgruppe gehöre – es ist also auch für Nicht-Mehr-Jugendliche lohnenswert. Für mich war das Tempo durchgehend auf einem hohen Niveau.
Archer hat mir als Protagonist ebenfalls gut gefallen. Er ist ein Teenager mit Ängsten, Schuldgefühlen und Unsicherheiten. Auch Hazel und Nick wirken nicht wie bloße Nebenfiguren, sondern haben ihre eigenen Geheimnisse und Konflikte. Dadurch bekommen die Beziehungen zwischen den Figuren zusätzliches Gewicht.
Insgesamt ist „Six Ways to Watch You Fall“ ein überraschend spannender und düsterer Jugendthriller, der vor allem durch die moralischen Fragen und die zunehmende Spannung überzeugen konnte. Wer also Geschichten mit moralischen Dilemmata, Geheimnissen, Freundschaft und jeder Menge Spannung mag, sollte sich „Six Ways to Watch You Fall“ definitiv anschauen.











