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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Pusteblümchen:

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Das Knistern im All von Stephan Lohse

Ein Buch mit vielen Zwischentönen

Das Buch hat mich von der ersten Seite an in meine Jugendzeit zurückversetzt, da der Autor, die Atmosphäre, die während einer Klassenfahrt zwischen den Schülern entsteht, von Beginn an zum Leben erweckt.
Der fünfzehnjährige Matti erleidet während der gemeinsamen Tage mit seinen Schulkameraden auf Amrum einen psychischen Zusammenbruch.

Der Autor beschreibt feinfühlig, wie unterstützend die Heranwachsenden ihm zur Seite stehen.
Es gerät schnell in Vergessenheit, aber es ist keine einfache Sache erwachsen zu werden. Hier werden die vielen unterschiedlichen Themen gelungen aufgegriffen. Es geht um die erste Liebe, Zusammenhalt, psychische Gesundheit und Freundschaft. Dabei wird hier eine Freundschaft beschrieben, die sich vermutlich jeder Jugendliche genau so wünscht. Dennoch wirkt es nicht romantisiert, sondern sehr authentisch.

Es ist ein sehr kurzes, aber auch ein sehr aufwühlendes Buch. Ich hätte mir mehr Seiten und damit auch mehr Tiefe in der Handlung gewünscht, aber als Jugendbuch und Coming-of-Age-Roman finde ich es so perfekt.

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Das Knistern im All

Rezensionen von ekiam:

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Juli im Land der Zeitgeister von Wieland Freund

Clever, spannend und wunderbar fantasievoll

Juli im Land der Zeitgeister hat uns richtig begeistert! Die Geschichte ist wundervoll geschrieben, altersgerecht und gleichzeitig aufgrund einiger überraschender Wendungen spannend genug, um auch beim Vorlesen immer wieder mitzurätseln. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, und besonders schön fand ich die Überschriften: Sie verraten bereits ein kleines bisschen darüber, was im jeweiligen Kapitel passieren wird, ohne zu viel vorwegzunehmen.

Bei uns hat das sogar die Neugier auf das nächste Kapitel geweckt.

Besonders gut gefallen haben mir die Figuren. Juli ist eine großartige Protagonistin, deren Cleverness mich immer wieder beeindruckt hat. Auch die Hexe Unruh fand ich spannend: Zunächst wirkt sie eher unsympathisch und sogar bedrohlich, doch im Laufe der Geschichte verändert sich dieser Eindruck. Mal wieder zeigt sich, dass der erste Eindruck eben nicht immer der richtige sein muss. Mein persönliches Highlight war allerdings Zeitgeist Trim, der den Zauberer immer wieder auf höchst kreative Weise beschimpft und das ganz ohne vulgär zu werden.

Auch die Welt der Zeitgeister ist toll gestaltet. Das Land der Großen Uhr mit seinem Zifferblatt, den verschiedenen Orten und dem riesigen Uhrwerk lässt sich durch die Beschreibungen gut vorstellen. Zusätzlich hilft die Karte am Anfang des Buches dabei, sich in dieser ungewöhnlichen Welt zurechtzufinden.

Ein kleines Manko hatte für mich allerdings das Cover: Es passt nicht ganz zu meiner Vorstellung der Geschichte, vor allem weil die Uhr im Buch anders beschrieben wird als die auf dem Cover. Außerdem hätte ich mir noch eine Zeichnung einer Uhr gewünscht, auf der die verschiedenen Bestandteile beschriftet sind. Gerade gegen Ende werden einige Fachbegriffe rund um das Uhrwerk verwendet, die sich mit einer solchen Übersicht wahrscheinlich noch leichter verstehen lassen würden.

Der für mich deutlich größere Kritikpunkt betrifft allerdings den Umgang mit Tieren. Insbesondere bei einem Tier werden im Verlauf der Geschichte für mich Grenzen überschritten, die ich gerade in einem Kinderbuch problematisch finde. Das hat meinen ansonsten sehr positiven Eindruck deutlich getrübt.

Trotzdem hatte ich insgesamt eine tolle Lesezeit mit Juli und ihrer Reise durch das Land der Zeitgeister; nur für die eine Situation hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht.

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Juli im Land der Zeitgeister

Rezensionen von Philiene :

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Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt von Linda Winterberg

Berührend

Ein traditioneller Gasthof am Chiemsee das berühmte ist für Oma Resis Dampfnudeln. So bekannt das sogar Kaiserin Elisabeth von Österreich sie probieren will. Das ist das Zuhause von Amrei und ihrer Familie. Die junge Frau steht kurz vor ihrer Hochzeit als sie ein schwerer Schicksalsschlag trifft. Und plötzlich ist alles anders.

Anreise stellt ihr bisheriges Leben in Frage und es stellt sich die Frage ob die Familie den Gasthof retten kann.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Linda Winterberg lässt den Gasthof am See so real erscheinen, daß ich mich am liebsten an einen der Tische gesetzt hätte und eine Dampfnudeln verspeist hätte. Aber natürlich geht es nicht nur um Dampfnudeln. Die Geschichte von Amrei ist die Geschichte einer jungen Frau die zwischen der Tradition und den Wünschen ihrer Familie und ihren eigenen Träumen steht. Die Geschichte ist emotional und im nächsten Moment wieder zum Schmunzeln. Das Leben und die damaligen Zeit sind authentisch dargestellt die Kulisse des Chiemsees wunderbar getroffen.

Ein wirklich gelungener historischer Roman.

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Der Seegasthof – Wo der Traum beginnt

Rezensionen von Philiene :

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Die Walzerkönigin von Sina Beerwald

Von Freundschaft zu Feindschaft

Die Walzerkönigin erzählt die Geschichte zweier Frauen die einst Freundinnen waren, die ein Mann aber zu Rivalität machte. Der Mann um den es geht ist Johann Strauss der ältere. Die Frauen seine Frau Anna und seine Geliebte Emilie.

Der Roman beginnt mit der Geburt von Annas sechstem Kind und erzählt dann wie aus einer zunächst tiefen Freundschaft langsam aber Sicher Hass wird.

Gleichzeitig wird die Geschichte zweier Frauen erzählt die eigentlich Beide unter einem egoistischen Mann leiden. Auch der Sohn von Anna der einst der berühmte Walzerkönig werden soll, leidet unter dem Vater, unverständlicher Weise will dieser nicht das sein Sohn Musiker wird. Das wird aber nur am Rande erwähnt in erster Linie geht es um Anna und Emilie.
Für mich kommt Anna dabei wesentlich besser weg. Sie ist mir viel sympathischer und auch der Umgang mit ihren Kindern scheint liebevoller zu sein.

Ich fand es sehr gut das der Roman aus der Sicht von Beiden geschrieben ist, wobei Emilies Sicht größtenteils als Tagebuch dargestellt wird das Johann viele Jahre nach dem Tod seiner Mutter zugespielt wird.
Ein sehr gelungener Roman über zwei Frauen die einmal Freundinnen waren.

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Die Walzerkönigin

Rezensionen von Odina:

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Der geheime Apfelgarten: Getrennte Welten von Rebekka Eder

Liebe im Apfelgarten

„Der geheime Apfelgarten: Getrennte Welten“ von Rebekka Eder erzählt von Kea Loop, die 1892 auf Finkenwerder lebt und sich im Apfelgarten ihrer Mutter in Kristen verliebt, den Knecht der verfeindeten Nachbarn. Doch ihre Liebe wird durch Familie, Grenzen und die Cholera auf eine harte Probe gestellt.

Ich bin sehr schnell in die Geschichte hineingekommen, vor allem durch den flüssigen und bildhaften Schreibstil. Die Atmosphäre hat mir besonders gut gefallen: der Apfelgarten, Finkenwerder und die Zeit um 1892 wurden für mich richtig lebendig. Auch die Spannung war gut dosiert, sodass ich immer wissen wollte, wie es für Kea und Kristen weitergeht. Beide habe ich sehr gern begleitet. Ihre Gefühle konnte ich gut nachvollziehen und auch Keas Cousine Rosa ist mir ans Herz gewachsen. Die Freundschaft zwischen Kea und ihr fand ich besonders schön und berührend. Für mich war es ein toller Wohlfühlroman mit historischem Hintergrund und viel Gefühl. Ich warte jetzt sehnsüchtig auf den zweiten Band.

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Der geheime Apfelgarten: Getrennte Welten

Rezensionen von Philiene :

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Signora Verdi. Die Primadonna des Komponisten von Verena Maatman

Peppina

Verena Maatman schreibt wunderbare Bücher über Frauen die eine wichtige Rolle in der Musikgeschichte gespielt haben, aber oft im Schatten berühmter Männer gestanden haben. In ihrer neuesten Roman Biographie befasst sie sich mit Giuseppina Strepponie, genannt Peppina. Sie lebte im Neunzehnten Jahrhundert und war Opernsägerin.

Sie war aber auch die geheime Frau von Verdi.

Ihr Leben war geprägt von der Musik, sie war eine Frau voller Gefühle die sich immer wieder um ihre Familie sorgte, diese unterstüzte. Verdi war ihre große Liebe und sie seine große Stütze.

Der Roman erzählt ihr Leben beginnend als sie ihr unendliches Kind heimlich zur Welt bringen musste und erzählt dann ihre Geschichte. Er erzählt von den vielen Schwierigkeiten die sie nur hatte weil sie eine Frau war, von ihrer Kariere, von Auftritten und Auszeiten. Aber eben auch von ihrer Beziehung zu Verdi und wie wichtig sie für ihn war.

Wieder einmal ist es Verena Maatman gelungen eine einfühlsame und bewegende Geschichte über eine großartige Frau zu schreiben, die es einfach verdient hat in den Vordergrund zu rücken.

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Signora Verdi. Die Primadonna des Komponisten

Rezensionen von Lilli33:

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Casino Durable - Betting on a Stranger von Carina Benning

Es zieht sich ...

Es zieht sich …

Nachdem mir der 1. Band dieser Reihe wirklich gut gefallen hat, konnte mich der 2. nur schwer abholen. Hauptfiguren sind diesmal Bastien Durable und Jade Lemoine, eine Trapezkünstlerin. Die beiden kennen (und lieben) sich schon seit der Kindheit. Romeos Tod hat sie auseinander gebracht.

Jetzt ist Jade zurück, um das Café ihres erkrankten Großvaters zu retten, doch Bastien weist sie ab, um sie nicht in Gefahr zu bringen, denn er wird erpresst und muss fürchten, dass ihm das Liebste genommen wird.

Die Story mit den Erpressungen, verschiedenen Attentaten usw. wäre durchaus spannend, wenn das Dazwischen nicht wäre. Mir ging das Hin und Her zwischen Bastien und Jade schon bald auf die Nerven. die Hälfte davon hätte auch gereicht, um die Gefühle rüber zu bringen, zumal es unglaublich viele Wiederholungen gibt. Nicht immer konnte ich die Handlungsweisen und Gedanken der Protas nachvollziehen. Stellenweise kommt die Handlung überhaupt nicht vom Fleck. Es zieht sich einfach viel zu lange, bis es mal eine echte Entwicklung und einen Plottwist gibt. Das ist schade, denn zwischendurch musste ich mich buchstäblich zum Weiterlesen zwingen. Die zweite Buchhälfte hat dann mehr Tempo. Das gefiel mir wesentlich besser.

In Band 1 hatte es mir auch das Casino-Feeling angetan, das diesmal leider kaum zur Geltung kommt, da große Teile der Handlung woanders stattfinden.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Nach einem spannenden Höhepunkt kommen wir zu einem Abschluss der Handlung. Der Epilog leitet dann zum nächsten Band über und macht neugierig, wie es mit den Brüdern Durable weitergeht. Ich nehme an, in Band 3 wird Mathis die große Liebe finden. ????

Die Casino Durable-Trilogie:
1. All in with the Devil
2. Betting on a Stranger
3. A Deal with the Enemy (ET 30.11.2026)

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Casino Durable - Betting on a Stranger

Rezensionen von Ele:

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Die Komponistin von Alissa Wenz

Ihrer Zeit voraus


Die Komponistin, Roman-Biografie von Alissa Wenz EBook, ‎ Verlag Klaus Wagenbach
Eine Romanbiografie über die Komponistin Mélanie Bonis.
Die Protagonistin geb. 1858, wächst in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Paris auf, der Tod ihrer kleinen Schwester prägte sie schon in frühen Jahren, ein sensibles und ruhiges Kind und sehr gläubig.

Nur durch selbsterdachte kleine Stücke am Klavier, das Klavierspielen hat sie sich auch selbst beigebracht, kann sie sich gut ausdrücken. Sie erhält Klavierunterricht und wird entdeckt. Die Eltern stimmten einem Studium am Pariser Musikkonservatorium zu. Dort kann sie sich, obwohl als Frau, gut behaupten sie belegt Klavierbegleitung und Harmonielehre. Dort lernt sie auch Amédée Louis-Hettich kennen. Die beiden verlieben sich und komponieren zusammen, sie veröffentlichen und sie benutzt den männlich klingenden Namen Mel Bonis. Doch aus der leidenschaftlichen Liebe wird nichts, ihre Eltern lehnen den Antrag von Amédée ab. Die Eltern drängen sie zu einer Ehe mit dem 22 Jahre älteren, und zweifach verwitweten Industriellen Albert Domange. Mit wenig Enthusiasmus komponiert sie kleinere Stücke, sie geht in ihrer Rolle als Mutter auf. Finanziell ist sie nun gut abgesichert. Nach Jahren trifft sie, den nun nach Paris zurückgekehrten und ebenfalls verheirateten Amédée, die beiden beginnen ein Verhältnis, ihre musikalische Zusammenarbeit ist sehr erfolgreich. Sie haben auch ein gemeinsames Kind. Noch immer wird in den einschlägigen Kreisen Mel Bonis als Mann vermutet. Als Frau wurde sie nie anerkannt und gewürdigt. Erst im 21. Jahrhundert erfährt ihr Werk wieder Aufmerksamkeit.
Das Buch ist sehr dicht und tiefgehend geschrieben. Nicht nur Musiker werden an diesem Roman ihre Freude haben, auch andere können das aufregende und mutige Leben dieser schaffensreichen Frau interessant finden, ich habe es genossen, obwohl ich „Mel Bonis“ bisher nicht kannte. Ich habe mir viele ihrer Stücke inzwischen angehört und finde sie faszinierend. Ich hoffe ihr wird die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Wieder eine Frau aus der Vergangenheit die einiges mehr leisten musste um mit Männern mithalten zu können. Die einzelnen Kapitel sind voller Leben Musik und Emotionen und atmosphärisch unglaublich dicht gepackt. Durch die konsequente Nutzung der Du-Erzählperspektive schafft die Autorin eine beklemmende Nähe zur Hauptfigur, sie zieht den Leser mitten in das Geschehen, das ist anfangs doch sehr gewöhnungsbedürftig, der Leser ist kein passiver Beobachter, sondern wird zum Akteur gemacht. Das war neu für mich, aber ein tolles Leseerlebnis. Jedes Kapitel trägt einen zusammenfassenden Titel
Die Figur Mélanie ist hochinteressant, ihre tiefe Gläubigkeit, macht ihr schwere Schuldgefühle, nur wenn sie komponiert ist sie frei, schwere Schicksalsschläge kann sie nur mit ihrer Musik aushalten. Ich habe mich gefreut sie kennenzulernen. Wieder einmal hat sich bestätigt, wie abschätzig das Frauenbild zu dieser Zeit war, das macht mich – wieder einmal - sehr betroffen. Ihre Musik werde ich gewiss immer wieder anhören. Auch die anderen Charaktere sind authentisch, voller Leben und handeln nachvollziehbar.
Die Autorin, Alissa Wenz ist Autorin und ebenfalls Komponistin und Interpretin, das merkt man in jeder Zeile
Mit Interesse habe ich das Buch gelesen, empfehlen möchte ich es allen, nicht nur denen, die sich für klassische Musik begeistern. Von mir 4 Sterne.

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Die Komponistin

Rezensionen von Eternal-Hope:

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Hundeheimat von Don Pablo Mulemba

Humorvoll, reflektiert und sympathisch

Don Pablo Mulemba ist der Sohn eines Angolaners, der im Rahmen eines Arbeitskräfteprogramms in die DDR kam, und einer ostdeutschen Mutter. In diesem Hörbuch, das er nicht nur selbst geschrieben, sondern auch selbst eingesprochen hat, was es ganz besonders authentisch macht, erzählt der Autor auf sehr unterhaltsame und zugleich tiefgründige und nachdenklich machende Weise von seinem Leben zwischen zwei Kulturen.

Es geht um das Aufwachsen in einer angolanisch-deutschen Familie im wiedervereinigten Deutschland, um die wirtschaftlich und politisch schwierigen 1990er und 2000er Jahre, in denen es leider speziell in den Bundesländern des ehemaligen Ostdeutschlands zu einem immer stärker werdenden Rechtsradikalismus und damit verbundenen Attacken auf Menschen, die als anders oder fremd gelesen werden, kam.

Bedrückend macht, dass der dunkelhäutige Vater des Autors sich in Ostdeutschland mit der Zeit so unwohl fühlte, dass er entschied, in die afrikanische Heimat zurückzugehen und dort ein Haus zu bauen, in das ihm wenige Jahre später seine hellhäutige deutsche Frau folgte, während die beiden Kinder, damals Teenager bis junge Erwachsene, alleine in Deutschland zurückblieben und die Eltern ihnen aus Afrika Geld zu schicken versuchten. Und auch der Autor selbst überlegte immer wieder, ob es für ihn unter der Sicherheitsperspektive noch vertretbar sei, weiterhin in Cottbus zu bleiben, insbesondere, da auch von Seiten der Polizei wenig Unterstützung zu erwarten war.

Dieses Beispiel zeigt schon, dass es der Autor mit seiner Kindheit, seinen Rassismus-Erfahrungen und auch mit dem Verhältnis zu seiner Familie nicht immer leicht hatte. Doch es geht auch noch um so viel mehr: um gute Freundschaften, um die Liebe zum Basketball und um einige Reisen nach Angola, deren bisher letzte vieles veränderte, denn der Autor lernt verloren geglaubte Verwandte kennen und sich und seine Wurzeln damit noch einmal mit ganz anderen Augen sehen.

Ich habe den Autor als Sprecher seines eigenen Hörbuches als sehr sympathischen Menschen mit einem feinen Humor und einer guten Beobachtungsgabe wahrgenommen und es gefällt mir, wie er gesellschaftliche Entwicklungen pointiert zu beschreiben versteht.

Damit ist es insgesamt eines der Hörbücher, wie ich sie ganz besonders mag: unterhaltsam und nahbar, aber gleichzeitig lehrreich, eine neue Sicht auf vieles eröffnend und mobilisierend, sich gemeinsam mit anderen für eine Gesellschaft frei von Rassismus und Diskriminierung einzusetzen. Ich kann das Hörbuch einer breiten Leserschaft wärmstens empfehlen!

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Hundeheimat

Rezensionen von Eternal-Hope:

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Vielleicht wollte er gar nicht schweigen, er fand bloß die Worte nicht von Misha Schoeneberg

Mit Misha Schoenebergs Vater ist irgendetwas anders. Aber lange weiß Misha nicht, was es sein könnte, denn der Vater ist gebrochen, tief traumatisiert, und er spricht nicht darüber. Jedenfalls nicht mit seiner Frau und seinen Kindern. Später wird Misha erfahren, dass der Vater mit seiner älteren Schwester durchaus sogar darüber gesprochen und sogar bald nach Kriegsende einer Sekretärin seine Geschichte diktiert habe, doch davon findet sich leider keine Spur mehr.

Aber feinfühlige Menschen wie Sohn Misha spüren schon früh die Dunkelheit, die den Vater umgibt: "Ich erinnere mich allzu gut an meines Vaters Augen. Meist starrten sie in unbestimmte Ferne. Nicht in der Art, dass man sie traurig nennen könnte, vielmehr ließ die rätselhafte Leere seines Blickes uns mit betretenem Schweigen allein zurück. Es war etwas Dunkles, etwas Unnahbares an dem Geheimnis, das meinen Vater umgab. Wir Kinder hatten nicht daran zu rühren - Punktum!" (S. 8 im E-Book)

Misha Schoeneberg ist 1959 geboren, seine Kindheit war also in den 1960er Jahren. Da war die dunkelste Zeit Deutschlands noch gar nicht lange her und viele der Täter waren noch jung, vital und Teil der Gesellschaft:

"Und diese Zeit war dermaßen dunkel, dass niemand Lust hatte, darüber zu reden. Vielleicht aber lag das Dunkel schon so weit zurück, dass sich kaum noch jemand daran erinnern konnte oder nicht erinnern wollte oder bloß nicht daran erinnert werden wollte. Oder das Dunkel war derart dunkel, dass niemand dafür Worte fand. Jedenfalls nicht die richtigen. Und was wären die richtigen Worte gewesen?" (S. 10 im E-Book)

Irgendwann beginnt der Vater, zu erzählen, dass er Auschwitz überlebt hat, doch es dauert noch einmal länger, bis die Kinder erfahren, dass der Vater aus einer jüdischen Familie ist und viele Verwandte und seine erste Frau von den Nazis ermordet wurden. Denn zu wissen, jüdisch zu sein, das sei noch gefährlicher, als, dass einer in Auschwitz gewesen sei, denn Auschwitz sei nicht ansteckend, das sei das persönliche Trauma des Vaters, aber was bedeute es für die Nachkommen, wenn der Vater Jude sei, in einem Nachkriegsdeutschland, das von all dem nichts mehr hören und alles unter den Teppich kehren wolle, aber damals Menschen jüdischer Abstammung erbarmungslos verfolgt hatte, selbst wenn sie den Glauben nicht einmal praktizierten? Man könne als Jude oder Kind von Juden niemals sicher sein, sobald andere davon wüssten.

Immerhin gibt es "Tante", eine der älteren Schwestern des Vaters, die rechtzeitig fliehen konnte und dadurch überlebt hatte, aber an der Last trägt, dass es ihr nicht mehr gelungen ist, ihre Familienmitglieder ins rettende Ausland nachzuholen. Zu ihr entwickelt Misha ein enges Verhältnis, er ist ihr Lieblingsneffe, mit dem sie "befreundet sei, obwohl sie verwandt seien", eine besondere Auszeichnung.

Tante antwortet auf die neugierigen Fragen des Neffen, sie beginnt zu erzählen, zum Beispiel von den zwischenmenschlichen Veränderungen im Deutschland der 1930er Jahre: "Es sagt sich so leicht, nach 1933 hätte sich das Leben in Deutschland verändert. Ach, das Leben, das Leben! Die Menschen hatten sich verändert!" Das sei furchtbar gewesen. Überall nur unfreundliche Gesichter." (S. 52 im E-Book)

Der Vater wird weiterhin nicht viel erzählen, doch aus Beobachtungen und Schlussfolgerungen, eigenen Nachforschungen und den Erzählungen der Tante reimt sich Misha so einiges zusammen und versucht dem schweigsamen, in sich gekehrten Vater, der doch nach außen so ein erfolgreiches, gutbürgerliches Leben lebt, für seine Familie einiges an Wohlstand geschaffen hat und mit einer Deutschen verheiratet ist, die früher beim BDM war, so ein bisschen näher zu kommen. Dabei ist ein zutiefst berührendes, sehr persönliches und mutiges Buch entstanden.

Klar nimmt der Autor auch zu dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, den Folterungen, Ermordungen und Verschleppungen unschuldiger feiernder Israelis und dem darauffolgenden Krieg der israelischen Armee gegen die Hamas Stellung.

Erschüttert ist er nicht nur von den Gräueltaten dort, sondern auch von den einseitigen Schuldzuschreibungen vieler europäischer und auch deutscher sich für linke Intellektuelle haltende Menschen, die sich seiner Meinung nach einseitig auf die Seite der Palästinenser stellen und nicht genug würdigen würden, wer diesen Angriff begonnen habe und dass es der schlimmste Massenmord an Juden seit dem Holocaust sei:

"Es lässt sich nur so erklären, dass die sogenannten linken Intellektuellen weder links noch intellektuell sind, sie stehen vielmehr, in beiden Strängen der Geschichte, der westlichen wie der arabischen, in der Tradition des Nationalsozialismus. Ihr offener Antizionismus folgt ihrem verschämten Antisemitismus. Was Wunder, dass da am Ende die israelische Armee mit der deutschen Wehrmacht gleichgesetzt wird." (S. 99 im E-Book)

Es macht sehr betroffen, zu lesen, wie alleingelassen und schutzlos sich nicht der Autor, sondern auch viele andere jüdische Menschen in Mitteleuropa seitdem verstärkt fühlen, wie wenig Solidarität sie erfahren (das ist nicht der erste jüdische Autor, von dem ich so etwas lese, und es macht mich jedes Mal wieder bestürzt) und wie sich seitdem jüdische Menschen noch weniger als davor öffentlich als ihrem Glauben zugehörig zu zeigen trauen:

"Lass niemanden etwas über dich wissen. Die Schlechten wie auch die Guten, sie schauen dich anders an. Ich stand dem Schweigen meines Vaters kritisch gegenüber. Ich hatte gedacht, es wäre vorbei. Jedenfalls in unseren Breiten. Dabei, ich hätte es besser wissen müssen, hatte ich doch Geschichte studiert. Sie lehrt: Es ist nie vorbei. Nirgends." (S. 90 im E-Book)

Ich habe schon viele Bücher über den Holocaust, über Israel, über das Judentum und insgesamt von jüdischen Menschen gelesen. Doch dieses ist in seiner Eindringlichkeit noch einmal etwas ganz Besonderes, es findet zutiefst berührende Worte, mit denen es hoffentlich viele Menschen erreichen und uns unsere Verantwortung, die wir für Menschenrechte insgesamt, aber ganz besonders im Eintreten gegen Antisemitismus haben, noch einmal anders bewusst macht.

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Vielleicht wollte er gar nicht schweigen, er fand bloß die Worte nicht