Kunden em pfehlungen
Rezensionen von herrfabel:
Die Straße von Robert Seethaler
Ein Mosaik der Grummeligkeit
Ich weiß gar nicht warum ich jedes Mal so euphorisch bin, sobald es einen neuen Roman von Robert Seethaler gibt. Ich glaube, es liegt an dieser Vielschichtigkeit von Perspektiven, die mich bereits bei Das Feld oder Das Café ohne Namen fasziniert hat, die mich immer wieder aufhorchen und hoffen lässt, dass der neue Roman und dessen Setting mich mal wieder so richtig abholt.
Doch wenn ich ehrlich bin, geschah das bei den letzten Romanen immer seltener. Der Trafikant und Ein ganzes Leben habe ich noch immer gern im Regal stehen, alle anderen sind bereits ausgezogen. Und auch Die Straße wird es ihnen gleich tun, zu sprunghaft, teils zu griesgrämig, mürrisch wirkte dieser Text auf mich. Es geht in diesem Buch, wie der Titel es bereits verrät; um eine Straße und ihre Bewohner, um die Veränderungen und die Feste in der Heidestraße.
"Mit diesem heutigen Tage knüpfen wir an eine schöne Tradition an und feiern die dreißigste Ausgabe unseres Heidestraßenfestes. Wie immer haben das Komitee und ich ein buntes Potpourri bestehend aus Spaß, Leibesgenüssen, Musik und Kinderunterhaltung zusammengestellt, und ich darf wohl die Freude aller Beteiligten darüber ausdrücken, dass sich die wochenlangen Vorbereitungen gelohnt haben und es nun endlich ans Feiern geht, Das Motto in diesem Jahr lautet >Unsere Straße blüht<..."
Und ja, irgendwie hätte ich mich wirklich über so ein buntes, bereicherndes und blühendes Potpourri des Aufbruchs gefreut, hätte gern alle Bewohner und Geschäfte kennengelernt, neue Eindrücke über diese Gemeinschaft verschiedenster Menschen mit unterschiedlichsten Träumen, Hoffnungen und Zielen gewonnen, den Wandel erlebt, aber irgendwie sprang der Funke einfach nicht über. Was zu Anfang noch ganz nett wirkte, nervte mich bereits ab der 40. Seite und mit jeder weiteren Passage machte sich nur noch mehr Grummeligkeit breit, sodass ich recht schnell nur noch gelangweilt quergelesen und dann das Buch abgebrochen habe. Irgendwie schade, aber... ach, ne.
Rezensionen von Shilo:
Der Garten der Geheimnisse von Antonia Riepp
Was lange verborgen blieb
Lange Zeit scheint Rosa mit ihrer Vergangenheit Frieden geschlossen zu haben. Doch ein alter Fund in der Familie bringt Erinnerungen zurück, über die jahrzehntelang geschwiegen wurde. Ab diesem Moment drängt sich die Frage auf, was damals geschehen ist und weshalb die Wahrheit so lange verborgen blieb.
Die Geschichte wechselt zwischen der Gegenwart und den Jahren des Zweiten Weltkriegs in Italien. Gerade diese Rückblicke haben die meiste Spannung erzeugt. Stück für Stück wird klar, in welcher Lage Rosa damals war und warum eine Entscheidung aus dieser Zeit ihr ganzes weiteres Leben geprägt hat.
Besonders gut gefallen haben mir die Szenen an der Amalfiküste. Der Garten, den Rosa über viele Jahre gepflegt hat, ist eng mit ihren Erinnerungen verbunden. Dadurch entsteht eine ruhige Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Vieles wird nicht direkt ausgesprochen, sondern zeigt sich erst nach und nach in Gesprächen und Erinnerungen.
Die Figuren wirken dabei angenehm menschlich. Niemand ist nur gut oder nur schlecht. Gerade Rosa macht Fehler, trägt Schuld mit sich herum und versucht trotzdem, ihren Weg zu finden. Das hat sie für mich greifbar gemacht.
Nicht ganz überzeugt hat das Erzähltempo. Vor allem in der Mitte wiederholen sich manche Gedanken und Erinnerungen etwas zu oft. Dadurch verliert die Geschichte zeitweise an Schwung. Auch einige Entwicklungen waren früh zu erahnen.
Trotzdem blieb das Interesse bis zum Schluss erhalten. Vor allem die Verknüpfung von Familiengeschichte und Vergangenheit hat dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht einfach nur erzählt wird, sondern Fragen aufwirft. Was hätte man selbst getan? Wie lange kann ein Geheimnis verborgen bleiben? Und was passiert, wenn die Wahrheit schließlich doch ans Licht kommt?
Am Ende bleibt ein Roman, der eher leise Töne anschlägt und gerade dadurch wirkt. Keine Geschichte voller großer Wendungen, sondern eine über Menschen, Erinnerungen und Entscheidungen, die noch Jahrzehnte später ihre Spuren hinterlassen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von herrfabel:
Es war nicht anders möglich von Svenja Liesau
Trial and error
Das Debüt von Svenja Lisau „Es war nicht anders möglich“ hätte so toll sein können. Ich bin nicht nur ein großer Fan dieses Covers, sondern auch von der Idee eines Kneipenromans, in dem die Protagonistin nicht nur auf andere Menschen trifft und deren Geschichten erzählt, sondern auch selbst struggelt und nach einem Ausweg sucht - zwischen Schmerz, Düsternis, Sehnsucht und Hoffnung.
„Ich schreibe über dich, um dich loszuwerden. Dich aus meiner Biografie rauszuschreiben. Oder dich für immer an mich zu pressen. Mich endlich in dich reinzutippen. Reinzuhacken. Mir ist erst mal beides recht, wenn ich nur diese Unruhe nicht mehr verspüren muss. Es ist ein Versuch. Trial and error.“
Martinas Vater, den sie gar nicht mal so gut kennt, ist gestorben. Sie blättert durch Bilder, zurückgebliebene Fotos aus dem Leben eines Mannes, in dem kein Platz für sie war. Früh hat er die Familie verlassen und doch wünscht sie’s sich bis heute, dass sie ihn trifft, dass er sie rettet.
Trotz oder gerade wegen ihrer Arbeits- und Spurlosigkeit versucht die Mitte dreißigjährige Frau in langen, Berliner Nächten wieder Trost und Halt zu finden. Eine neue Familie. Ein Glas nach dem anderen, zwischen Gesprächen, Schlager und wirren Gedanken.
„>Ich möchte mich nicht aufdrängen, aber…< - Ring frei für Klaus’ Lebens-Problem-Monolog (den ich hier ungefiltert wiedergeben werde, da wir alle da mit dranhängen, es hätte jeden von uns treffen können, nur weil ihr zufällig nicht da wart, soll euch nicht vorenthalten werden, welches Leben ganz nah neben euch durch Zeit und Raum torkelt. Ich war nur durch Zufall näher dran als ihr. Aber Klaus lebt neben euch, hört seine Stimme)...“
Was sehr rotzig, frech, Berlinerisch und mal anderes begann, nervte mich mit der Zeit wahnsinnig, ähnlich wie diese sprunghaften Wechsel zwischen Gedanken, Einschüben, Vorstellung und Realität. Ich wünschte, ich könnte zu diesem Buch und dem Plot deutlich mehr sagen, aber nach gerade einmal 68 Seiten habe ich diesen Roman genervt und teils verwirrt wieder zur Seite gelegt.
Rezensionen von Liddy:
Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 31 - Tiere im Winter von Andrea Erne
Absolut niedlich
Das Buch „Wieso? Weshalb? Warum? – Tiere im Winter“ kommt in einer kindgerechten, kompakten Größe daher. Es liegt gut in den Kinderhänden und lässt sich dank der Spiralbindung ganz einfach umblättern. Die Seiten sind außerdem dick und robust. Das Buch passt auch super in eine kleine Tasche, weshalb wir es gerne mitnehmen.
Das Buch stellt interessante Fragen, z.B. wie sich die Tiere auf den Winter vorbereiten und man sieht z.B. wie das Eichhörnchen seine Nüsse versteckt oder die Haselmaus ihr Nest unter einer Baumwurzel vorbereitet. Klappt man das Türchen auf, sieht man sie sogar schon darin schlummern.
Die Illustrationen sind wieder wunderschön und die Klappen wecken die Neugier und machen das Lesen spannender. Sie sorgen immer wieder aufs Neue für Begeisterung.
Ein sehr informatives und lehrreiches Buch für kleine neugierige Nasen.
Rezensionen von kabo16:
Penny, Prince und Ginny von Brian Sewell
Ein absolutes "Muss" für alle Hundeliebhaber und Besitzer
Als langjähriger Hundebesitzer liest man viele Bücher über diese Tierart, egal ob als Ratgeber, Geschichten oder Roman. Aber dieses Buch von Brian Sewell sticht aus der Masse heraus.
Es sind wunderbare Erzählungen über die Hunde seines Lebens und ein echtes Plädoyer für den Canis lupus familiaris.
Sechzehn Familienmitglieder unterschiedlicher Rassen ziehen bei dem Autor ein. Richtig ausgesucht hat er sie sich eigentlich nie. Sie fanden ihn irgendwie und haben ihn bis zu seinem Tod begleitet.
Bis auf Prince, sein erster eigener Hund, wurden fast alle alt. Aber es war Krieg und ein Esser mehr, machte damals sehr viel aus. Da kamen mir das erste Mal die Tränen.
Der Leser erfährt so ganz nebenbei einiges über Kunst, denn Sewell war ein bekannter Kunstkritiker, und über das Leben in England.
Hunde haben viele Macken, je nachdem was sie erlebt oder überstanden haben. Das hat Brian alles mit unendlicher Geduld hingenommen. Und er hat jeden seiner Tiere gepflegt, gehegt und geliebt bis zum letzten Atemzug.
Gäste in seinem Haus mussten Toleranz zeigen.
Gänsekackegrün und untergehende Modelljachten mit voller Takelage gehörten, genau wie ein neues Mobilar, dazu.
Wunderbar warmherzig erzählt und mit liebevollen Zeichnungen geschmückt.
Ich weiß, was ich dem nächsten Hundebesitzer schenken werde.
Rezensionen von Klassikfan:
Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy
ein Haustier mit großer Auswirkung
Helen Cartwrigt ist 83 Jahre alt und kehrt nach 60 Jahren aus ihrer Wahlheimat Australien nach England zurück. Ihr Mann und ihr Sohn sind beide verstorben und haben Helens Lebenswillen sterben lassen, genauso wie ihre Liebsten gestorben sind. Sie warten nur noch auf den Tod, damit sie wieder mit ihnen vereint ist.
Doch dann verändert eine kleine Maus ihr ganzes Leben. Stellt sie zu Anfang noch eine Mausefalle auf, die sie in einem Baumarkt kauf, folgt danach ein Kontakt mit den Angestellten einer Bücherei, denn sie will mehr über Merlin erfahren, wie sie die Maus nennt, denn den Tod von Merlin möchte sie nicht, weil das zu grausam ist. Sie überlegt ihn ihn in ein Tierheim zu brinegen, indem er gut gepflegt wird und vielleicht mit anderen Mäusen zusammenleben kann.
UNd so bekommt Helen durch Merlin immer mehr Kontakt zu anderen Menschen. die ihre Einsamkeit beenden und sie auf andere Gedanken bringt.
Noch nie ist meines Wissens das Thema Alterseinsamkeit so warmherzig umgesetzt werden, sie in diesem Buch. Eine kleine Maus, die den Lebenswillen einer einsamen Frau wiederbelebt, nur durch ihre reine Anwesenheit.
Ein wunderbares Leseerlebnis in einem flüssigen Schreibstil und mit einer mehr als sympathischen Protagonistin.
Rezensionen von Klassikfan:
Elbland von Claudia Rikl
eine berührende Geschichte
"Elbland " von Claudia Rikl ist für mich eines der wenigen Highlights im noch neuen Lesejahr 2026. Ich kenne schon ihr Buch " Wellenkinder" was mir damals auch sehr gut gefallen hat und was sie unter dem Namen Liv Marie, Bahrow geschrieben. Welches ihr wahrer Name ist und welcher Pseudonym, wiß ich leider nicht.
In "Elbland erzählt Claudia Rikl eine Familiengeschichte, angelehnt an das Schicksal ihrer Großmutter, die sicherlich kein Einzelfall ist. Traumatische Erlebnisse, die nie aufgearbeitet wurden und somit an weitere Generationen weitergegeben wurden.
Wir lernen Nina kennen, die ihre schwer depressive Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt hat. Ihre Schwester hat das Elternhaus schon früh verlassen und auch ihr Vater ging und gründete eine neue Familie. Alles schmerzhafte Erlebnisse für Nina. Sie erinnert sich, dass dieser Bruch mit einem Urlaub im Jahhr 1987 zusammenhing, dem Urlaub nachdem ihre Familie zerbrach.
Sie will unbedingt herausfinden , was geschah und begibt sich auf Spurensuche im Heimatland ihrer Mutter.
Auf drei Zeitebenen 1945/1987 und in der Gegenwart ist diese Geschichte geschrieben, die Stück dür Stück aufklärt, was geschehen ist und warum diese Familie zerbrach.
Mit vielen interessanten Informationen aus der Vergangenheit und in einem sehr emphatischen Erzählstil, erlebt der Leser das Schicksal einer Familie, die sicherlich kein Einzelfall ist. Menschen, die für ihr Leben gezeichnet sind und ihre Erlebnisse nie verwinden können und in nachfolgende Generationen weitergeben.
Eine dicke Leseempfehlung
Rezensionen von Klassikfan:
Little Hollywood von Inga Hanka
tolle geschichte mit überzeugender Protagonistin
" Little Hollywood" von Inga Hanka war für mich eine kleine Reise zurück in die Vergangenheit. " Little Hollywood " ist eine Videothek in die sich die Protagonistin dieses Buches , Leo, flüchtet, um ihren Alltagsproblemen zu entfliehen und die sind nicht ohne. Ein Schlägervater und weitere Probleme in der Familie , erinnern und das ist hier schon öfter erwähnt worden, ein wenig an " 22 Bahnen".
Ich finde es immer etwas schwierig, da Vergleiche anzustellen, denn Probleme sind immer individuell.
Trotzdem ist solch ein https://www.instagram.com/phijudas_buchwelt/ergleich legitim und sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen, handelt es sich doch bei deiden um junge Protagonisten, die ihren Weg, trotz schlechter Startbedingungen finden müssen.
UNd so ist dieses wirklich atmosphärisch geschriebene Buch auch eine Geschichte über Neuanfang, Sinnsuche und Freiheit, die mir, abgesehen davon, dass sie mich in meine Jugend zurückgeführt hat, was mir ausnehmend gut gefallen hat, lange im Gedächtnis bleiben wird.
Dicke Leseempfehlung.
Rezensionen von Klassikfan:
Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher
Stigmatisierung
Die Diagnose ADHS ist heute keine Seltenheit, im Gegenteil und so fand ich es sehr erfrischend, ein Buch über dieses Thema zu lesen das ein wenig aufzeigt, wie Menschen sich mit dieser Diagnose fühlen, auf wie viele Vorurteile und Unverständnis sie stoßen, nur weil sie nicht in die Regeln und Strukturen unserer Gesellschaft passen, sondern Zeit, Aufmerksamkeit und Verständnis benötigen, um sich anpassen zu können.
Wieviel Kraft kostet es auch Angehörige, sich ständig gegen dieses Schubladendenken zustimmen, dass ihnen immer wieder begegnet. Kein Wunder, dass dann auch das eigeneNervenkostüm auf der Strecke bleibt.
Birgit Birnbacher greift dieses Thema in ihrem Roman“ Sie wollen uns erzählen“ auf und ich finde es ist ihr ein einer sehr emphatisch hin Art und Weise gelungen die Gefühle und Gedanken der Betroffenen zu transportieren.
Oh war jemand für mich, dem ich mich sehr nahe gefühlt habe, aber auch seine Mutter hatte mein volles Verständnis.
Wie weit soll das Unverständnis und Schubladendenken noch gehen, dass feinfühlige Menschen damit nur weiter stigmatisiert.
Rezensionen von Klassikfan:
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman
sprachlos
Das Buch „Ich, die ich Männer nicht kannte“von Jacqueline Harpmann ist ein mehr als eindrückliches Leseerlebnis das einen teilweise sprachlos, aber auf jeden Fall nachdenklich zurücklässt.
Ein Raum in einem dunklen Keller, der eingesperrt 39 Frauen und ein junges Mädchen, bewacht von drei Wärtern, die jegliche Kommunikation, jegliche Berührungen oder Kontaktaufnahmen verbieten und mit Strafen sanktioniert.
Gerade das junge Mädchen leidet sehr darunter, da sie nicht ,wie ihre älteren Mitgefangenen, Erfahrungen aus der Vergangenheit hat. Als die Eingesperrten frei kommen wird klar, dass sie diese Freiheit nicht sinnvoll nutzen können.
Puh, das Lesen dieses Buches macht etwas mit dem Leser. Es wird klar, dass wir die Summe unserer Erfahrungen sind und wenn wir diese Sozialisation nicht erfahren, unserer Identität beraubt sind.
Die Atmosphäre dieses Buches ist düster bis beklemmend, der Schreibstil prägnant und die Figuren gut getroffen.
Ein Buch das mir sicherlich in Erinnerung bleibt.











