Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Palme123:
In Stormy Weather von Chelsea Curto
Ein Sturm voller Gefühle
Mit „In Stormy Weather“ hat Chelsea Curto eine Romance geschrieben, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln konnte. Mir gefällt auch das Setting der Meteorologie sehr, da es mal was anderes und auch sehr interessant ist.
Im Mittelpunkt steht die brillante Meteorologin Dr.
Quincy Munroe, die sich in einer von Männern dominierten Branche ihren Platz hart erkämpft hat. Als sie ausgerechnet mit ihrem langjährigen Rivalen Sebastian Dunn – TV-Meteorologe und Bruder ihrer besten Freundin – während einer gefährlichen Hurrikansaison zusammenarbeiten muss, prallen nicht nur unterschiedliche Persönlichkeiten, sondern auch starke Gefühle aufeinander. Zwischen hitzigen Wortgefechten, spannender Sturmjagd und knisternder Chemie entwickelt sich eine wunderschöne Slow-Burn-Liebesgeschichte.
Quincy ist eine starke, kluge und ehrgeizige Frau, die mit ihrer Authentizität sofort überzeugt. Sebastian wirkt zunächst selbstbewusst und arrogant, zeigt aber nach und nach eine unglaublich fürsorgliche und emotionale Seite. Gerade das Zusammenspiel der beiden macht das Buch so besonders – voller Schlagabtausch, Humor, Herzklopfen und echter Gefühle.
Mich hat die Mischung aus Romantik, Spannung und dem außergewöhnlichen Meteorologie-Setting komplett mitgerissen. Die Charaktere wachsen einem ans Herz, die Chemie stimmt von Anfang bis Ende und auch die Nebenfiguren bereichern die Geschichte. Für mich ist In Stormy Weather ein absolutes Highlight und ein echtes Herzensbuch.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Der Club der Unbeugsamen von Kathryn Stockett
Eine klare Leseempfehlung!
Dieser Roman entführt uns in das Jahr 1933 in die USA. Noch herrscht die Prohibition und die Weltwirtschaftskrise hat auch die USA fest im Griff. Die Menschen verlieren ihre Arbeit, Vermögen seinen Wert und Kinder werden einfach ausgesetzt oder unverheirateten Müttern behördlicherseits abgenommen, um die Moral aufrecht zu erhalten.
Diese Kinder werden selten gut und liebevoll versorgt.
Kathryn Stockett erzählt diese Geschichte, die aus mehreren Handlungsstränge besteht, aus der Sicht von Meg, die im Waisenhaus lebt, und aus der Perspektive von Birdie, die nach Oxford kommt, um Frances, ihre, mit einem Banker verheiratete Schwester um Geld zu bitten, um die fällige Grundsteuer bezahlen zu können. Sie und ihre Mutter würden sonst das Elternhaus verlieren. Während Birdie auf eine Zusage von Rory, Frances‘ Ehemann wartet, lernt sie im örtlichen Waisenhaus die elfjährige Meg kennen, als sie dort für wenige Cent die Buchhaltung in Ordnung bringt, weil eine Inspektion in Haus steht.
Noch weiß niemand, dass Rory das Vermögen seiner Mutter verzockt hat, in der Bank gekündigt worden ist und das Haus vor der Zwangsversteigerung steht.
„...Auf dem Papier heiße ich Margot, aber für gewöhnlich werde ich Meg genannt. Ich bin wie gesagt seit zwei Geburtstagen hier…“
Mit diesen Worten stellt sich die elfjährige Meg vor, wenn an den sogenannten Besuchstagen adoptionswillige Ehepaare in das Waisenhaus von Oxford/Mississippi kommen und sich ein Kind aussuchen. Leider werden fast immer Babys und Kleinkinder adoptiert, denn sie sind, wie es so schön heißt „noch formbar“. An den älteren Mädchen wie Meg hat kein Ehepaar Interesse, außer man braucht eine billige Arbeitskraft. Zusätzlich ist Meg fortwährend den sichtlich religiös motivierten Schikanen von Mrs. Garnett, die Leiterin des Waisenhauses, ausgesetzt. Nach außen hin präsentiert sich Mrs. Garnett als fürsorgliche Person, die die Mädchen auf den „rechten Weg zurückführen will“.
Als Birdie entdeckt, dass Meg vom Unterricht ausgeschlossen ist und in einer verschimmelten Kammer, deren Fenster vernagelt ist, mehr oder weniger sinnlose Arbeiten verrichten muss, obwohl sie leicht und gerne lernt, beginnt sie sich gegen Mrs. Garnetts Anweisungen hinwegzusetzen und in Garnetts Abwesenheit, das Los Megs und der anderen Kinder zu verbessern. Birdies Wahlspruch ist
“... manchmal ist es besser, nachher um Verzeihung zu bitten als vorher um Erlaubnis….“
Wenig später spitzt sich die Situation zu: Meg wird zur Überraschung aller an Stelle eines Babys adoptiert, Frances und ihre Schwiegermutter müssen feststellen, dass Rory das Haus von allen Wertsachen „befreit“ und sie mit einem Haufen Schulden sitzengelassen hat. Als sich dann noch herausstellt, dass Rory schwul und ihre Ehe eine schlechte Farce ist, ist gute Rat teuer. In dieser Situation taucht Megs Mutter Charlie auf, die die letzten beiden Jahre in einer Anstalt verbracht hat. Die Hintergründe werden erst später offenbart.
Jedenfalls will Charlie ihre Tochter zurück, braucht aber dafür Geld. Sie macht Birdie einen unkonventionellen Vorschlag , um rasch Geld zu verdienen ....
Und dann kreuzt noch als weitere Verbündete die Krankenschwester Victoria bei Charlie und Birdie auf. Sie will Medizin studieren, was damals Frauen nur an wenigen Universitäten in den USA erlaubt ist und als Ärztin vorrangig Frauen betreuen. Sie hat es satt, wie männliche Ärzte über Frauen bestimmen und eine Einweisung in eine Anstalt und/oder eine Zwangssterilisation anordnen können.
Meine Meinung:
Dieses Buch ist das erste von Kathryn Stockett für mich.
Obwohl es in den 1930er-Jahren spielt, erinnern mich einige Stellen an das hier und jetzt. Sei es, dass Homosexualität seitens der Behörde und zahlreicher Ärzte als behandelbare Krankheit angesehen wird oder sei es, dass sich einzelne, wie die bigotte Mrs. Garnett als einzige moralische Instanz im Lande halten und nur ihre eigene Meinung gelten lassen. Rassismus hat im Bundesstaat Mississippi eine lange Tradition, Abwertung von Frauen ebenso. So erhält Birdie für ihre Arbeit nur 25 Cent, während ein angelernter Jüngling 75 Cent für die gleiche Tätigkeit bekommt. Unverheiratete Frauen werden ohne viel Federlesens als Prostituierte gebrandmarkt und selbst ein Gespräch mit einem Farbigen zieht eine Anzeige und Haft nach sich. Ehefrauen aus ihren Dienstverhältnissen bei der Post etc. werden entlassen, weil die Arbeitsplätze den Männern zustehen.
Obwohl mich das Buch an manchen Stellen ziemlich wütend macht, muss ich auch immer wieder darüber schmunzeln, mit welcher Chuzpe Charlie und Birdie den bigotten Einwohnern von Oxford die Stirn bieten. Welche Aktionen das sind, müsst ihr selbst lesen.
Der Roman lässt sich flüssig lesen, was auch an der gelungenen Übersetzung liegt. Die 848 Seiten sind im Nu gelesen. Kathryn Stockett erzählt straff, raffiniert und detailliert zugleich. Sie entlarvt dabei messerscharf die Heuchelei und Bigotterie jener Zeit. Die Charaktere sind fein herausgearbeitet. Auf der einen Seite, jene Frauen, wie Charlie oder Viktoria, denen das Leben nichts geschenkt hat, und die sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu wehren wissen. Zum anderen jene wie Birdie, die über sich hinauswächst und ihre Schwester und Schwiegermutter, die viel zu lange den Kopf in den Sand gesteckt haben, letztlich aber mit Hilfe von Charlie & Co. ihr erstmals Leben selbst in die Hand nehmen. Die starken Frauenfiguren wachsen einem schnell ans Herz. Der Ton ist schonungslos offen und dennoch heiter.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Roman, der in den USA von 1933 spielt und in manchen Bereichen durchaus Ähnlichkeiten mit der Gegenwart aufweist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Guten Morgen, schönes Wetter heute von Tanja Kokoska
Für mehr Miteinander und weniger aneinander vorbeileben
Ich finde dieses Buch ist inhaltlich genau, was unsere Gesellschaft braucht: ein Plädoyer dafür nicht wegzuschauen, einander zu helfen, für mehr Menschlichkeit und Miteinander. Denn zusammen ist man stärker, mutiger, glücklicher.
Ich fand das Setting toll angelegt: diese Wohnsiedlung voller Anonymität, die es eigentlich überall gibt.
Man kennt die Nachbarn vielleicht vom Sehen, kennt vielleicht sogar von einigen die Namen, aber eigentlich hat man nichts miteinander zu tun, weiß nicht wer sind sind und was sie umtreibt. Und genau das wird hier beleuchtet: der Leser bekommt viele kleine Einblick in den Lebensalltag einiger Bewohner der Siedlung- und das auf eine sehr herzliche, sehr menschliche und nahbare Art.
Es gab viele süße Schmunzel-Momente, ein bisschen Augenverdrehen und ein paar Mal ist mir auch ein bisschen schwer ums Herz geworden. Aber alle Szenarien waren sehr greifbar, sehr authentisch und einfach charmant zusammengeführt. Ich fands so schön, wie hier viele der Figuren über ihren jeweiligen Schatten springen, sich inneren Dämonen stellen, füreinander einstehen und einfach eine Gemeinschaft bilden.
Habs super gern gelesen und wollte gar nicht, dass die Geschichte schon so schnell vorbei ist.
Rezensionen von Phija:
Halbwach von Sophia Como
Bist du wach oder halbwach?
Am Ende des Buches dachte ich: "Verdammt, ich hätte mir mehr Zeit für dieses Buch nehmen sollen." Die Wahrheit ist aber: Ich bin durch die Seiten nur so gerannt, weil ich Angst hatte, dass sie mich zu sehr berühren. Mit "Halbwach" hat Sophia Como wirklich ein emotional unglaublich facettenreiches Buch geschaffen, was mich furchtbar mitgenommen und gleichzeitig geheilt hat.
Sobald ihr jemand emotional zu nah kommt, muss Zoe flüchten. Sie verletzt und sie duckt sich weg. Aber so ist sie eben, oder? Zoe zu begleiten, wie sie sich selbst wahrnimmt, wie sie ihre Realität sieht und verändert, war absolut mitreißend. Es war roh, nahbar und für mich so real. Ihre Bindungsangst wird unverblümt und ohne Kitsch erzählt. (Danke!) Obwohl Sex und körperliche Beziehungen oft im Mittelpunkt stehen, war das Buch nie spicy, was aus meiner Sicht die richtige Wahl für dieses Buch ist. Ebenso hatte die "Lovestory" keinen Rosarote-Brille-Charakter, sondern verkörpert auch hier wieder das Gefühl vom echten Leben.
Neben Zoe sind auch ihre Freund*innen und Mael wirklich feinfühlig gestaltete Figuren, die allesamt die Geschichte bereichern. Neben bzw. mit Zoes Bindungsangst werden auch Themen wie Feminismus, Verlustangst und Familie behandelt. Besonders fesselnd sind dabei die Szenen, in denen Zoe mit ihrer Therapeutin Sandy spricht. Weil - holy shit - gerade diese Momente haben so viel mit mir gemacht. Zoes Emotionen werden dort mit solch einer Gewalt erzählt, dass es mir selbst mehrmals die Kehle zugeschnürt hat.
Am Rande sei auch noch erwähnt, dass das Setting in Frankfurt wirklich eine 10/10 ist. Durch den bildlichen Schreibstil hab ich mich sofort in die Stadt versetzt gefühlt, auch wenn ich selbst bisher nur einmal da war (und das auch schon wirklich einige Jahre her ist).
Ich denke, es wird deutlich: "Halbwach" ist ein absolutes Highlight für mich! Diese Authentizität, mit der erzählt wird, ist wirklich einzigartig und überragend. Es ist eines dieser Bücher, für die ich einfach nur dankbar bin, dass es geschrieben wurde!
Rezensionen von askyfullofpages:
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104,2 Audio-CD, 2 MP3 von Susanne Abel
Wie gut tut einem manchmal eine Hand, die einen festhält
Ich fand dieses Hörbuch unglaublich stark. Es war emotional, berührend und hatte eine wirklich tolle Tiefe. Die Geschichte hat mich teilweise sprachlos gemacht, aber sie ist von Anfang bis Ende einfach nur gut.
Die authentische Ehrlichkeit, mit der schwierige Themen erzählt werden, hat mich sehr beeindruckt.
Nichts wirkt aufgesetzt oder überdramatisiert. Gerade die Darstellung von Trauma und dessen Auswirkungen hat mich persönlich sehr berührt. Als Überlebende von Gewalt hatte ich beim Hören immer wieder das Gefühl, dass die Gefühle und Reaktionen sehr stimmig beschrieben werden. Vieles hat sich für mich erschreckend vertraut angefühlt.
Das Hörbuch zeigt eindrücklich, wie wichtig echtes Verständnis, Mitgefühl und Menschlichkeit sind und wie sehr sie das Leben eines Menschen beeinflussen können.
Die Sprecherin, Vera Teltz, möchte ich besonders hervorheben, weil sie das Hörbuch grandios eingesprochen und die Emotionen und die Stimmung perfekt transportiert hat. Für mich hätte es keine passendere Sprecherin geben können.
Dieses Hörbuch hat mich zutiefst berührt und innerlich noch lange beschäftigt. Für mich war es ein ganz besonderes Hörerlebnis, das ich von Herzen empfehlen kann. Ich möchte aber unbedingt auf die Triggerwarnung hinweisen. Dieses Hörbuch behandelt sehr schwere und belastende Themen, die nicht leicht auszuhalten sind.
Vielen Dank an Hörbuch Hamburg und NetGalley Deutschland für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst und ist wie immer ehrlich und unabhängig.
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Sunshine Man von Emma Stonex
Mitreißend, abgründig, schmerzlich
Wow, dieses Buch hat mich echt völlig fertig gemacht. Ich hatte nicht mit derartig viel Ab- unf Tiefgründigkeit gerechnet und die Geschichte hat mich mit all ihrer Tragik völlig kalt erwischt. Aber ein besonderes Leseerlebnis, das nachhallt.
Ich finde schon, dass meine Erwartungshaltung nach den ersten Seiten in eine völlig andere Richtung ging, als sich der Plot entwickelt hat.
Dadurch fand ich die Geschichte recht unvorhersehbar. Aber der Plot war durchweg logisch aufgebaut, emotional geladen und sehr nervenaufreibend.
Nicht nur durch die Perspektivwechsel, sondern auch die Rückblenden in die Vergangenheit bekommt die Geschichte eine tolle Tiefe und beleuchtet die moralischen Grauzonen, die sich hinter den Entscheidungen der Figuren verbergen. Es gibt hier kein klassisches Schwarz und Weiß und genau das hat mich eigentlich auch so fertig gemacht. Ich wollte auf Birdies Seite sein, bins auch. Aber gleichzeitig habe ich auch mit James mitgefiebert.
Ich fand die Themen Schuld und Gerechtigkeit hier sehr spannende aufgegriffen. Beide Protagonisten sind auf ihre jeweilige Art Getriebene; Gefangene eines Schicksals, dass sie auf brutalste Art miteinander verbunden hat. Besonders eindrücklich fand ich James Tagebucheinträge und Briefe an seine Tochter.
Ich hab dieses Buch wirklich verschlungen und fand auch das Ende geradezu genial aufgelöst.
Rezensionen von Palme123:
The New Love Times, Band 1 - Written into my Heart von Saskia Louis
Eine Wohlfühlgeschichte mit Herz
„Written into my Heart“ hat mich von der ersten Seite an begeistert. Saskia Louis verbindet Humor, Romantik und Emotionen zu einer Geschichte, die sich leicht lesen lässt und trotzdem lange im Gedächtnis bleibt. Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen und es war für mich ein wahrer Überraschungshit.
Stella schreibt Horoskope für eine Lokalzeitung und glaubt, ihr Leben ganz gut im Griff zu haben. Doch als ihr Freund Bryan plötzlich eine Beziehungspause möchte und sie herausfindet, dass ausgerechnet die Ratschläge der anonymen Liebeskolumne ihres Kollegen Rowan dahinterstecken, nimmt das Chaos seinen Lauf. Während Stella versucht, Bryan zurückzugewinnen, merkt sie immer mehr, dass ihr Herz längst in eine andere Richtung zeigt.
Stella war mir als Protagonistin sofort sympathisch. Sie ist authentisch, liebenswert und manchmal herrlich chaotisch. Rowan wirkt anfangs eher verschlossen und grummelig, entwickelt sich aber zu einem absoluten Bookboyfriend. Gerade das Zusammenspiel der beiden hat mir unglaublich gut gefallen – die Dialoge sind schlagfertig, die Gefühle wirken authentisch und das Knistern ist von Anfang an spürbar.
Auch der Schreibstil von Saskia Louis hat mich hier überzeugt. Locker, humorvoll und emotional – genau die Mischung, die ich an ihren Büchern so mag. Für mich ist „Written into my Heart“ ein echtes Herzensbuch bzw. Highlight, das mich zum Lachen, Mitfiebern und Schwärmen gebracht hat. Von mir deswegen eine ganz dringende Empfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ferne Heimat Altmontal von Michael Riepl
Eine Leseempfehlung
„Ist je irgendwer zurückgekehrt - nach Altmontal?“
Diese Frage stellt sich Autor Michael Riepl als er die Aufzeichnungen seiner Großmutter Hedwig Krämer in die Hände bekommt. An Hand der Aufzeichnungen seiner Großmutter, die sie im Alter von 75 Jahren für ihre Nachkommen aufgezeichnet hat, dürfen Michael Riepl bei seiner Spurensuche begleiten.
Was für uns Leser eine fesselnde Geschichte ist, ist für den Autor eine Spurensuche, die in über mehrere Jahre und Reisen von Deutschland nach Armenien und in die Ukraine führt.
Michael Riepl erzählt in seinem Buch die außergewöhnliche Lebensgeschichte seiner Großmutter Hedwig Krämer, die 1919 im deutschen Dorf Altmontal in der Schwarzmeerregion geboren wurde. Die ursprünglich deutsche Familie gehört zu jenen, die einst, um die entvölkerten Landstriche wieder zu beleben, angesiedelt worden sind.
Ausgehend von Hedwigs Memoir zeichnet der Autor ein bewegendes Bild einer Kindheit, die zunächst von Gemeinschaft und Geborgenheit geprägt war, später jedoch durch den, von Stalin absichtlich herbeigeführten Hungertod, politische Verfolgung und den Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Während der Autor die Aufzeichnungen seiner Großmutter auswertet, reist er selbst in die Ukraine, um dort humanitäre Hilfe zu leisten.
Seine Erlebnisse und jene der Großmutter werden abwechselnd erzählt. Immer wieder ergeben sich fesselnde Parallelen zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Durch seinen einfühlsamen Schreibstil kommen wir dem Schicksal Hedwigs und ihrer Familie sehr nahe. Die Schilderungen von Hungersnot, Verlust und Flucht sind eindringlich und doch sachlich.
Heute ist die alte Heimat Altmontal ferner denn je. Die eingangs gestellte Frage nach einer Rückkehr in das Dorf seiner Großmutter beantwortet sich der Autor im August 2025 selbst:
„Altmontal liegt heute direkt an der Front. Russische Pioniere haben es eingezäunt mit tausenden Drachenzähnen und Panzerigeln, haben unzählige Meter an Stacheldraht ausgerollt und Minenfelder entlang der Straße des Friedens gelegt. Neben den gähnenden Kratern, die die Artilleriegeschosse gerissen haben, müssen die vielen Schlaglöcher heute winzig wirken. Ob Wira, die schöne alte Frau, noch in Altmontal wohnt? Ob sie nun den russischen Soldaten die Geschichte erzählt, wie sich die Wehrmachtssoldaten bei ihr einquartiert haben?“
Das Buch vermittelt nicht nur ein interessantes Stück Familiengeschichte, sondern auch wichtige historische Einblicke in das Leben der Schwarzmeerdeutschen, die bislang nicht so sehr im allgemeinen Gedächtnis präsent sind. Zudem ruft das Buch die Auswirkungen von Krieg und mehrmaliger Vertreibung in der Ukraine wieder in das Gedächtnis. Gleichzeitig beeindruckt die Lebensgeschichte Hedwig Krämers durch ihren Mut, ihre Ausdauer und ihre Fähigkeit, trotz schwerster Schicksalsschläge Hoffnung zu bewahren.
Der Kreis schließt sich. Michael Riepl heißt mit seinem zweiten Vornamen nach Hedwigs verschollenen Bruder Kurt. Sein kleiner eigener Sohn hat seinen Namen Johann als Hommage an Hedwigs Vater erhalten.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser interessanten Familiengeschichte, die uns das eher unbekannte Schicksal der sogenannten Schwarzmeerdeutschen in Erinnerung ruft, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Lies_ein_Buch:
Insel der Ratten von Jo Nesbø
Gesellschaft am Abgrund
Bei Jo Nesbo weiß man nie was man kriegt aber seine Standalones lese ich eigentlich immer richtig gerne und dieses hier hat mich auch thematisch total abgeholt. Für mich eines der besten Bücher des Autors- schockierend, aber grandios geplottet mit gestochen scharfer Pointe.
Die Nacht des Angriffs auf Wills Familie war absolut erschreckend und ein echter Knackpunkt innerhalb der Handlung.
Von hier geht eigentlich alles weitere aus und hätte es diesen Schlüsselmoment nicht gegeben, wäre auch der Rest der Handlung hinfällig. Ich fands stark wie mit wenig Worten und ohne explizite Schilderungen trotzdem das ganze Ausmaß des Grauens klar wurde.
Will ist ein absolut beeindruckender Protagonist. ich fand es bemerkenswert, wie unerschütterlich Wills Glaube an das Rechtssystem ist und mit welcher Rationalität er weiterhin seinem ehemaligen Geschäftspartner und Freund Colin begegnet und versucht zu einer gerechten Lösung zu gelangen in dem Wissen, dass es diese nie geben kann.
Die vielfältigen Perspektiven haben mir gefallen, auch wenn Wills eigentlich die einzige war, bei der ich wirklich mitgefiebert habe.
Das Ende war ein absoluter Paukenschlag. Grandios gelöst.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Alleinruhelage von Eva Menasse
Großartige Erzählkunst
In ihrem neuen Roman "Alleinruhelage" beschreibt die Wiener Schriftstellerin Eva Menasse den Abschied einer Frau von ihrem in den Wäldern Brandenburgs an einem See gelegenen Wochenendhaus. Das Haus hat viel gesehen, die Ehe der namenlosen Ich-Erzählerin und das Aufwachsen der Kinder miterlebt und ist später Zeuge des Scheiterns der Ehe und diverser Neuanfänge geworden.
Die Protagonistin hat bereits vor über 10 Jahren dreimal versucht, es zu verkaufen, und dreimal hat sie den Verkauf wieder gestoppt. Doch nun ist es so weit: Das Haus wird verkauft. Während sie die letzten Dinge aus dem Haus räumt, erinnert sie sich an das Familienleben mit den drei Kindern, an vergangene Lieben und Kümmernisse.
Die Geschichte ist in intelligenter Sprache mit viel Humor erzählt und liest sich sehr flüssig. Es hat mir viel Lesefreude bereitet, den Gedankensprüngen der Ich-Erzählerin zu folgen. Das Haus war in früheren Zeiten eine Waldschänke, ehe die Protagonistin und ihr Mann es nach der Wende kauften und fortan zwischen Berlin und Vogelsang pendelten. In unzähligen Arbeitsstunden und mit Hilfe eines Nachbarn entstand ein Zuhause, in dem sich die Familie wohlfühlte. Das Haus war nicht nur das Wochenendhaus der Familie, sondern auch immer wieder ein Rückzugsort für die Protagonistin oder ihren Ehemann. Einmal im Jahr wurde dort mit Freunden so fröhlich gefeiert, dass sich die Bewohner der benachbarten Datschen beschwerten.
Ich habe die Geschichte, in der es neben dem Abschiednehmen auch um Probleme mit der Tochter, den Besuch bei einem Hellseher, um Heimat, Fremdheit und Ablehnung geht, sehr gern gelesen. Auch die besondere Erzählweise - die Protagonistin spricht ihr Haus ganz direkt an - hat mir gut gefallen. Eva Menasses feiner Humor durchzieht den ganzen Roman, die Schilderung der Renovierungsarbeiten durch die beiden polnischen Helfer Alla und Bolek fand ich besonders amüsant. Ich mochte aber auch die ernsteren Töne des Buches: die Gesellschaftskritik, die Ausführungen über die deutsch-deutsche Geschichte und die Beschreibung, wie es ist, als Österreicherin in Ostdeutschland zu leben.
Absolute Leseempfehlung für diesen unterhaltsamen Roman!











