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Rezensionen von nessabo:

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Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy

Ein leiser Roman über Mitgefühl

Der Roman hat es mir ehrlicherweise nicht leicht gemacht, weil er sehr leise und auch langsam beginnt. Auf den ersten 80 Seiten passierte verhältnismäßig wenig und ich habe mich zwischenzeitlich gefragt, ob ich die Lektüre nicht doch nochmal vertagen sollte. Zum Glück wurde die Handlung dann ereignisreicher und es kam auch zu mehr Interaktion zwischen der Protagonistin und ihrer Mitwelt, sodass ich doch froh war, durchgehalten zu haben.

Simon Van Booy fängt die Einsamkeit der 83-jährigen Helen wirklich toll ein. Er setzt auf eine leise Sprache und relativ viel inneren Monolog. Das finde ich durchaus herausfordernd, weil ich zwar grundlegend das emotionale Innenleben einer Figur spannend finde, aber auch handlungsgetriebene Geschichten präferiere.

Und das ist wirklich erst in der zweiten Hälfte der Fall, da zieht das Tempo spürbar an und die Handlung wurde durch einige Nebenfiguren richtig lebhaft. Für mich hätte es noch ein wenig mehr Beziehungsentwicklung zu diesen Figuren geben können, allerdings spiegelt diese leichte Distanz den Charakter der Protagonistin wohl ziemlich gut wider.

Dass das Kümmern um eine scheinbar ausgesetzte Maus als Inspirations- und Reflexionsmoment dient, habe ich mich Skepsis betrachtet. Ich finde, Van Booy zeichnet die Entwicklung Helens hier zwar schlüssig, aber ich hatte doch lange die Befürchtung, dass es mir zu platt inspirierend wird und Tiere wieder einmal nur dem menschlichen Nutzen dienen sollen.

Doch da hat mich der Autor wirklich positiv überrascht. Die Protagonistin überträgt doch tatsächlich das Lebensrecht sowie die Leidensfähigkeit der Maus auf sogenannte Nutztiere und passt dann auch noch ihr Verhalten an - ich konnte es kaum glauben! Viel zu oft schiebt bei solchen Elementen die kognitive Dissonanz nämlich Überstunden und es scheint völlig schlüssig zu sein, einen Streunerhund liebevoll zu umsorgen, während sich parallel das Schweineschnitzel angebraten wird. Respekt an der Stelle für diese ganz wichtige Selbstreflexion.

Das hat meine Bewertung auch noch etwas nach oben korrigiert, denn insgesamt betrachtet hat mich der Roman nicht sonderlich berührt, auch wenn einige Passagen eindrücklich auf Helens Situation eingegangen sind und mir die Nebenfiguren bzw. deren Miteinander auch sehr ans Herz gewachsen sind. Der Fokus ist einfach sehr stark auf Helen und ihre Gedanken haben mich tendenziell distanziert gehalten. Ich hatte bis zum Ende den Eindruck, sie gar nicht richtig zu kennen, obwohl ich sie so intensiv begleitet habe.

Es ist aber auf jeden Fall ein liebenswertes Werk mit einem der schönsten Cover des Jahres und wirklich starken politischen Aussagen sowie einer Protagonistin, die genau weiß, was sie will. Eine so alte Hauptfigur ist mir bislang selten begegnet und auch, wenn ich sie gern emotional greifbarer erlebt hätte, ist ihre Darstellung glaubwürdig und literarisch wichtig.

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Eine Maus namens Merlin

Rezensionen von clematis:

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Das Haus der Erinnerung von Cynthia Ellingsen

Schatten der Vergangenheit

Vor siebzig Jahren ist Evie nach Chicago ausgewandert, nun, mit 93 Jahren, will sie noch einmal in ihre alte Heimat Irland zurückkehren. Welche Geheimnisse, welche Schatten der Vergangenheit werden Evie und ihre Enkelin Rainey hier erwarten?

Auf spannenden zwei Zeitebenen wird diese durchaus bewegende Geschichte erzählt, wobei der Klappentext freundlicherweise sehr wenig preisgibt und somit die Richtung der Handlung lange offen bleibt.

Für mich hat es ein wenig gedauert, bis ich einen Zugang zu Evie und ihrer ziemlich unnahbaren Freundin Harding gefunden habe, erst in der zweiten Hälfte des Romans sind spürbare Emotionen übergesprungen. Die Verquickung der unterschiedlichen Zeiten (1945-1952 und heute) gelingt mühelos, der Wechsel bietet kurzweilige Unterhaltung.

Ellingsen zeichnet gut vorstellbare Charaktere und schildert das Geschehen bildhaft, auch das langsame Annähern an längst zurückliegende Ereignisse passt gut in den Aufbau der Handlung, welche auch einige Details der irischen Geschichte nach dem 2. Weltkrieg bereithält. Logisch werden alle losen Fäden am Ende miteinander verknüpft und bieten einen realistischen Abschluss.

Höhen und Tiefen eines langen Lebens begegnen uns in diesem Roman, der vermutlich eher jenen Lesern gefallen wird, die auch mit schwermütigen Szenen umgehen können. Von mir gibt es 4 Sterne.

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Das Haus der Erinnerung

Rezensionen von Lies_ein_Buch:

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People in Love von Claire Daverley

Wow, anders als erwartet

Ich hab ja gedacht, die Geschichte bedient gängige Klischees rund um verpasste Chancen und kalten Füßen vor der Hochzeit. Aber die Story war völlig anders als erwartet und ich hab glaube ich noch nie so oft meine Meinung geändert, für wen ich jetzt eigentlich mitfiebere.

Mir hat vor allem die Core-Message gefallen: es ist ok sich nach dem „was wäre wenn“ zu fragen und mal zu zweifeln, aber wir schlagen Lebenswege immer aus Gründen ein und es ist ok, wenn Träume und Pläne sich ändern.

Ich fand die Geschichte sehr dramatisch, die Figuren sind fast schon extrem angelegt in ihren Verhaltensmustern und Sichtweisen. Und gerade das erzeugt Reibungspunkte. Die Story ist unbequem, voller Konflikte und Menschen, die nicht ehrlich sagen, was sie denken. Das führt natürlich immer wieder zu Missverständnissen und Streit, trägt aber auch maßgeblich zum Unterhaltungswert bei.

Am Ende habe ich quasi den Atem angehalten, fand ich richtig gut gemacht.

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People in Love

Rezensionen von Lies_ein_Buch:

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Komm spielen von Linwood Barclay

Genialer Vibe

Ich liebe diese schauerlichen Kleinstadt-Geschichten wo hinter der Fassade von Behaglichkeit etwas schreckliches lauert. Diese Geschichte erinnert tatsächlich stark an ähnliche Bücher von Stephen King und ich habs richtig gern gelesen.

In Lucknow erschüttert eine Reihe seltsamer Ereignisse Polizei und Einwohner.

Doch was genau geht dort vor sich und was hat der neu eröffnete Modellbahnladen damit zu tun? Die Geschichte ist leicht horror-artig angehaucht, gewürzt mit einer Prise Übernatürlichkeit. Denn das Böse lauert hinter der Facette von Alltäglichkeit und Freundlichkeit. Und es ist hungrig.

Ich mags, dass die Geschichte quasi in zwei Handlungssträngen erzählt ist, die trotzdem miteinander verbunden scheinen. Ich liebe es wie absolut schaurig die Geschichte erzählt ist, abgründig und auch ein bisschen brutal. Die Erzählart hat fast schon etwas episodisches, weshalb ich mir das ganze auch gut verfilmt vorstellen könnte, hat mir auch so ein bisschen „Welcome to Derry“-Vibes gegeben.

Ich fands sehr kurzweilig und spannend zu verfolgen. Hat mir gut gefallen.

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Komm spielen

Rezensionen von Ryria:

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Chaos von Andréa Ager-Hanssen

Kindheit und Studium im Chaos

Während Hedda in der Gegenwart mit ihrer Masterarbeit kämpft und frisch schwanger ist, erkunden wir in wechselnden Kapiteln ihre Vergangenheit und erfahren, wie sie aufgewachsen ist.
Die kurzen Kapitel und die verschiedenen Zeitebenen haben mir hierbei grundsätzlich gut gefallen, durch vergangene Erlebnisse kann man oft ihre Entscheidungen und Verhaltensweisen im Jetzt besser verstehen und schön interpretieren.

Gleichzeitig liegt hierin aber auch eine Schwachstelle des Romans: Passend zum Titel ist alles ein wenig chaotisch, teilweise wusste ich nicht direkt, in welcher Zeit wir uns gerade befinden, und musste mich erstmal wieder kurz orientieren.
Statt einer zusammenhängenden Erzählung gibt es oft eher nur fragmentarische Ausschnitte, kurze Szenen aus dem Leben der Protagonistin.
Eine wirkliche Beziehung habe ich zu ihr jedoch nicht aufbauen können, sie ist für mich auf Distanz geblieben, nur zwischendurch konnte ich ein wenig mitfühlen und auch mitleiden, da es teilweise sehr bedrückend und traurig wurde.
Die Nebencharaktere sind gar nicht im Gedächtnis geblieben, auch Heddas Beziehung blieb recht blass.
Sehr gelungen fand ich dagegen die Symbolik: Immer wieder werden spannende Metaphern eingebaut, die viel über die Charaktere verraten, hier hatte ich echt Spaß, diese zu finden und zu interpretieren.
Insgesamt erzähltechnisch eigentlich ein sehr interessantes Buch, dessen Handlung mich jedoch nicht übermäßig packen konnte.

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Chaos

Rezensionen von mel:

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Klein aber tot von Jo Fischler

Spielend in der Stadt Knuffingen, die im Miniaturwunderland in Hamburg liegt und die größte Stadt mit 6000 Einwohnern ist, die man sich dort anschauen kann. Anstatt im Maßstab 1:87 taucht man in diesem Kriminalroman in die Welt nun ein, in der die Figuren und Orte Realität sind. Das Cover zeigt dabei einen kleinen Auschnitt der Miniaturwelt, was ich eine gute Idee finde, da es gleich Bezug zum Handlungsort zeigt.

Eine interessante Idee, wobei ich vorher noch nie im Miniaturwunderland war und nicht wusste, was für Landschaften und Schauplätze mich dort erwarten. Da hätte ich mir am Anfang gerne eine Ortskarte gewünscht, um sich den Schauplatz der Handlung besser vorstellen und sich auch etwas besser zurechtfinden zu können, seien es dabei auch nur die Haupthandlungsorte gewesen.

Die Geschichte verfolgt die Klärung eines Mordes an einem Journalisten durch den Kommissar Johanes Wunder, wobei ein Mord eine wahre Seltenheit darstellt in dem kleinen Ort. Der Schreibstil ist flüssig geschrieben und mit einigen einzigartigen Charakteren, die man halt so in kleinen Dörfern findet, dies wurde meiner Meinung nach gut umgesetzt.

Für mich war es ein schöner Start in die Kriminalromane in diesem fiktiven Ort und ich bin gespannt, was für Idee sich der Autor noch ausdenkt, genug Material bietet die Welt sicherlich.

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Klein aber tot

Rezensionen von Anno:

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Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels von Stephan Barth

Ein Richter Gamechanger

Dieses Buch ist der absolute Hammer! Es hat mir meinen Körper auf eine ganz neue Art näher gebraucht und mich durchgehend in Staunen versetzt. Man steigt dabei erstaunlich tief in die Thematik der Mitochondrien ein und lernt wie sie funktionieren und welchen Stellenwert sie im System Körper einnehmen.

Ich fand das wahnsinnig faszinierend. Und auch hilfreich, da genau ein solches Wissen mir persönlich die Fähigkeit gibt mein Leben, meine Lebensweise zu hinterfragen und entsprechend neu auszurichten. Man versteht plötzlich Zusammenhänge, begreift was Bewegung bewirkt und welchen Einfluss Nährstoffe und Medikamente haben.

Gegen Ende wird das Buch aber auch noch etwas praktischer. Hier lernt man seine momentane Situation anhand eines Fragebogens einzuschätzen und erhält Tipps für eine Mitochondrien freundliche Lebensweise, die sich sehr gut in den Alltag integrieren lassen.

Generell fand ich dieses Buch enorm durchdacht aufgebaut. Der theoretische Teil ist sehr umfangreich, aber gut verständlich. Stellen, die tiefer in die Thematik eintauchen wurden gesondert markiert und können, je nach Wunsch gelesen oder ausgelassen werden. Den Text begleiten aber auch mehrfarbige Illustrationen, die maßgeblich zum Verständnis des Gelesenen beitragen und dieses bildlich darstellen. Und die Praxis selbst ist derart ausgerichtet, dass besonders Personen mit dringendem Bedarf an einer Änderung der Lebensweise, diese gut umsetzen können. Dabei wurde bewusst darauf geschaut, dass alle Tipps auch mit wenig zeitlichen Aufwand möglich sind.



Ich hab aus diesem Buch eine Menge gelernt und sehe seitdem meinen Körper mit anderen Augen. Mir fällt mit diesem Wissen sogar eine gesündere Lebensweise deutlich leichter.

Lest es, lest dieses Buch. Es ist großartig und ein echter Gamechanger!

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Die heimlichen Heldinnen des Stoffwechsels

Rezensionen von Annabell95:

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Strandopfer von Frank Goldammer

Bernstein-Opfer

Lena Schuldt wird an die polnische Ostseeküste geschickt, weil ein deutscher Urlauber tot am Strand liegt. Was wie ein Unfall aussieht, wird sofort rätselhaft, als man einen großen Bernstein im Mund des Toten findet. Nur kurze Zeit später wird die zehnjährige Luisa, die Tochter einer Bekannten des Verstorbenen, als vermisst gemeldet.

Gemeinsam mit dem polnischen Ermittler Adam Krawczyk nimmt Lena die Urlaubergruppe in einer Villa ins Visier. Alle wirken nervös, jeder hat Geheimnisse, und niemand sagt die ganze Wahrheit. Als ein zweiter Mensch unter denselben mysteriösen Umständen stirbt, wird klar, dass ein Täter gezielt zuschlägt und dass die Zeit knapp wird, um Luisa zu finden.

"Strandopfer" ist der Auftakt in eine neue Krimi-Reihe mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo.

Die Grundidee mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo, kulturellen Reibungspunkten und der Ostsee-Atmosphäre ist sehr interessant, doch leider war die Handlung selbst etwas durchwachsen und Potenzial ging verloren.

Ansich lässt sich der Schreibstil ganz gut und flüssig lesen. Da die Handlung sich an der polnischen Ostseeküste abspielt, werden auch polnische Ausdrücke und Sätze eingebaut, die aber leicht zum Stolperstein werden und dadurch den Lesefluss hemmen.

Die Handlung wird hauptsächlich aus der Perspektive von Lena erzählt. Es plätschert eher vor sich hin, als dass wirklich ermittelt wird. Viele Szenen verlieren sich in Nebensächlichkeiten, Wiederholungen ziehen sich durch das Buch, und die Entscheidung, ausschließlich aus Lenas Perspektive zu erzählen, nimmt der Geschichte auf Dauer die nötige Spannung. Ein Perspektivwechsel hätte hier viel Dynamik bringen können.

Sehr geprägt wurde die Handlung von Vorurteilen gegenüber Polen. Sie nahmen etwas überhand und irgendwann haben sie nur noch genervt.

Über die Hauptprotagonistin Lena erfährt man in diesem Band schon sehr viel. Ihre schwierige Kindheit macht sie greifbar, aber ihre Vergangenheit wird so ausführlich und so oft wiederholt erzählt, dass der eigentliche Fall immer wieder in den Hintergrund rückt. Adam dagegen bleibt noch sehr blass. Man erfährt kaum etwas Privates über ihn, was die Dynamik des Duos unausgewogen wirken lässt.

Mein Fazit:
Ein Krimi mit interessanter Grundidee und atmosphärischem Stil, der sich aber zu sehr in Vorurteilen, Wiederholungen und Lenas Vergangenheit verliert. Die Spannung bleibt auf der Strecke, was sehr schade ist, denn das Ermittler-Duo hätte viel Potenzial.

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Strandopfer

Rezensionen von Lies_ein_Buch:

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Anathema von Keri Lake

Richtig düster

Ich hab mit Dark Fantasy bisher wenig Erfahrung, finde die Altersempfehlung aber sehr angemessen, die Geschichte ist voller Gewalt und Brutalität und auch die mittelalterlich antiquierten Ansichten sind nicht ganz ohne. Ich lese ja auch gerne mal brutale Thriller oder Horror, aber das hier geht anders an die Substanz.

Dafür, dass das Buch verhältnismäßig dick ist, hat die Geschichte eher einen slow pace und kommt vor allem in der ersten Hälfte eher schwer in de Gänge. Dabei waren die ersten Seiten wirklich absolut stimmungsvoll und gruslig. Aber danach flacht es irgendwie erstmal sehr ab. Auch in Sachen Lovestory (und in meinen Augen ist das hie recht keine Lovestory) tut sich ewig nichts, bevor die beiden Protagonisten sich überhaupt das erste Mal live treffen.

Das Worldbuilding fand ich absolut gelungen, es ist schauerlich und düster, voller dunkler Magie und erschreckenden Wesen. Maevyth mausert sich zu einer ziemlich starken Protagonistin mit echt coolen Fähigkeiten. Nachdem ich die Charaktere aus der ersten Hälfte des Buches wenig bzw. nur negativ bemerkenswert fand, kommen in der zweiten Hälfte ein paar ziemlich coole Nebencharaktere hinzu.

Gegen Ende hin hat mir das Buch immer besser gefallen aber es gibt auf jeden fall noch Luft nach oben für den zweiten Band.

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Anathema

Rezensionen von Ryria:

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Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman

Das Streben nach Wissen und Antworten

In einem unterirdischen Bunker sind 39 Frauen und ein Kind seit über zehn Jahren in einem Käfig gefangen, bewacht von wenigen Männern, die ihnen Essen bringen, aber ansonsten nicht mit ihnen interagieren. Durch einen Zufall können sie fliehen, aber wartet draußen wirklich die Freiheit oder nur ein neuer Käfig?
Diese kürzlich wieder bekannt gewordene Geschichte ist so ziemlich das Gegenteil eines Wohlfühlbuchs.

Es ist alles sehr bedrückend, trostlos und deprimierend, nur unterbrochen von kleinen Lichtmomenten. Und trotzdem liest man weiter, genau wie die Charaktere immer auf der Suche nach Antworten und Erklärungen: Wer hat sie eingesperrt, sind sie noch auf der Erde, was ist passiert - und vor allem das große Warum?

Es soll vorweg gesagt sein: Es ist viel Platz für Spekulationen und Theorien, aber sichere Erklärungen wird man nicht bekommen, was durchaus frustrierend sein kann. Vor der persönlichen Geschichte der Autorin macht dies aber doch durchaus irgendwie Sinn. Harpman musste als Kind im zweiten Weltkrieg nach Marokko fliehen, ein großer Teil ihrer Familie wurde in Auschwitz ermordet. Wer könnte besser aus der Sicht eines Kindes schreiben, das in einer fremden Welt erwachsen wird, umgeben von Menschen, die ihr altes Leben vermissen, und dem allgegenwärtigen, sinnlosen Tod?
So betrachtet liest sich das Buch sehr persönlich, funktioniert aber auch unabhängig davon.
Die Nebencharaktere bleiben größtenteils eher blass, dafür taucht man tief in die Gedankenwelt der namenlosen Erzählerin ein.
Sie erkundet nicht nur die fremde Welt, sondern auch die Konzepte der Menschlichkeit und ihr neue Gefühle, immer begleitet von einem Durst nach Wissen.
Eine Geschichte, die unter die Haut geht und mir vermutlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Ich, die ich Männer nicht kannte