Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Nicole Koppandi:
New-York-Trilogie von Paul Auster; Paul Karasik; Lorenzo Mattotti; David Mazzucchelli
Sehr gelungene Graphic Novel Adaption
Habe gerade die Ghost Stories von Siri Hustvedt gelesen und da hatte es sich angeboten, Paul Austers New York Trilogie wieder zu lesen. Als “Prosa“-Lektüre habe ich mir die Trilogie schon vor ca 20 Jahren zu Gemüte geführt, wobei ich heute wenig Erinnerung daran habe, außer dass es ein absolut geniales Buch war.
Diese Graphic Novel-Adaption von „Stadt aus Glas“, „Schlagseiten“ und „Hinter verschlossenen Türen“ ist aber jedenfalls bestens geeignet den Inhalt wieder aufzufrischen.
Alle drei Detektivgeschichten sind so anders und gerade deshalb so besonders – jede einzeln inhaltlich zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: jede Geschichte ist genial, surreal und unglaublich gut durchdacht. Die Stimmung ist düster und irgendwie unheimlich, weil die Protagonisten verstricken sich in Obsessionen einerseits und sind andererseits immer einsam. Dabei steigern sie sich gedanklich rein und schon nehmen die Dinge ihren Lauf.
Die Zeichnungen sind alle in schwarz-weiß gehalten, jedoch hat jede der drei Geschichten einen eigenen Stil.
Paul Karasik und David Mazzucchelli ist eine großartige Adaption gelungen, die gut mit dem Original mithalten kann.
Der Standard schreibt in seiner Kritik: „[…] Die literarischen Vorlagen werden in der Comicinszinierung der New-York-Trilogie niemals nur abgebildet, sondern erweitert und in einem ästhetischen Dialog in visuelle Allegorien und eine neue bildliche Sprache übersetzt“ – ich könnte keine besseren Worte zur Charakterisierung dieser Graphic Novel-Adaption finden.
Große Empfehlung!
Aus dem Englischen von Joachim A. Frank
Rezensionen von herrfabel:
Ultramarin von Ann-Christin Kumm
Ein spannungsreicher Urlaub mit Folgen
"Der leblose Körper ruht dicht vor dem Holzstapel, die Augen zur Decke gerichtet, leer. Der Mund steht leicht offen. Halb Lächeln, halb Verblüffung. Ein Arm ist in einem seltsamen Winkel abgespreizt [...] Sie hätte nicht mitkommen dürfen. Ich hätte das nicht zulassen dürfen. Hinterher weiß man so etwas.
"
Vielleicht hat es sich auch schon vorher angebahnt und Lou wollte es einfach nicht wahrhaben? "Der leblose Körper..." so beginnt dieser toxisch aufgeladene Beziehungs-/Spannungsroman Ultramarin von Ann-Christin Kumm. Eigentlich war alles anders geplant, Lou und sein Freund Raf, dessen Schwester Sophie und Nora, eine Freundin von ihr, wollten gemeinsam Urlaub an der dänischen Küste machen. Doch Sophie ist kurzfristig abgesprungen und so fahren sie nun zu dritt, zum Ferienhaus von Rafs Familie. Zunächst ein sehr unbeschwertes Bild, die Wellen, die Idylle, das Kennenlernen... doch mit jeder weiteren Seite bekommt die Fassade Risse, in Rückblenden lernen wir Lous und Rafs Geschichte kennen, ihre Liebe und Schulzeit, erfahren von den früheren gemeinsamen Urlauben und von Jakob. Es entsteht eine toxische Dynamik oder war sie schon immer da? Und als Nora dann plötzlich eines Nachmittags verschwindet... bei dem Anfang?
Insgesamt ist es ein wohlkonstruierter, sehr aufgeladener Roman mit mehreren Spannungsbögen und ergänzenden Rückblenden. Eigentlich ein sehr geschickt gemachter Text, denn durch das vorweggenommene Unglück wird man als Leser*in sofort mitgerissen, stellt Vermutungen auf und versucht Entwicklungen zu deuten. Auch dass Lou, keine weibliche Protagonistin ist, habe ich erst recht spät verstanden, was mich irgendwie noch immer fasziniert. Und so habe ich dann auch lange über diesen Roman und seine Wendungen, wie Handlungen nachgedacht, was leider nicht immer positiv war... Die Dynamik zwischen den Figuren fand ich sehr spannend, teils hat mich dieses Buch an In blaukalter Tiefe von Kristina Hauff erinnert, nur eben mit einem Haus, statt einem Boot. Vergleichend fand ich diese Geschichte, dann deutlich besser, die Machtverhältnisse und Ungleichheiten interessanter beschrieben, das Austesten der Grenzen zwischen den einzelnen Figuren nicht ohne, aber inhaltlich harkte es für mich an so einigen Stellen. Schon zu Beginn wunderte ich mich über die Konstellation der Gruppe: Würde man als Frau mit zwei, beinahe fremden Typen in den Urlaub fahren? Auch im weiteren Verlauf (ich möchte nun nichts vorweg nehmen) fand ich es sehr fraglich, dass XY nichts von den beschriebenen, einschneidenden Erlebnissen mitbekommen hat oder eingeschritten ist, nichts näher hinterfragt hat, scheinbar nichts zu hören war oder oder. Das hat mich schon beim Lesen wahnsinnig genervt und zeitgleich fühlte ich mich so mitgerissen, dass ich unbedingt wissen wollte, wie dieser Roman ausgeht und auf welchen Höhepunkt diese toxische Beziehungsdynamik zusteuert. Und dann das Ende... naja.
Kurz gesagt: ich hab Ultramarin irgendwie gern gelesen, es ist ein toller, unterhaltsamer Spannungsroman mit so einigen Abzügen. Es ist kein Lieblingsbuch geworden, aber so als Strandlektüre oder zwischendurch kann man´s schon mal lesen.
Rezensionen von Sheilo:
Last Kiss of Summer von Jessica M. Felleman
Emotionale Second Chance Romance
Sera hat nicht nur als Baby gekämpft, als ihr Herz das erste Mal versagte und sie ein Spenderherz erhalten hat. Sie teilt eine lange Geschichte mit ihrem früheren besten Freund Luke, der ihr alles bedeutet hat und ihr doch das Herz brach. Nach 2 Jahren kehrt Sera nun an ihren einst liebsten Ort der Sommer zurück, nach Cape Cod.
Nur wie soll sie es anstellen und Luke dort aus dem Weg gehen, der immer noch im Haus nebenan wohnt?
"Last Kiss of Summer" ist eine wahnsinnig emotionale Second Chance Romance von Jessica M. Felleman. Das wundervolle, sommerliche Setting macht richtig Lust auf Urlaub und Sommer, doch bietet diese Geschichte einen sehr tiefgründigen Kern rund um das Thema Organspende. Denn die gesundheitlichen Probleme belasten dabei nicht nur den Patienten selbst, sondern auch das familiäre Umfeld richtet das Leben nach der Krankheit aus, um die Person bestmöglich zu unterstützen.
Die Handlung des Buches ist fesselnd und das Ende kam sehr unerwartet, doch passte sehr gut zur Geschichte.
Sera ist eine aufgeweckte junge Frau, die versucht, das Beste aus allem zu machen. Sie liebt Kunst und so nutzt sie die Möglichkeit, in einem Kunst-Feriencamp als Betreuerin zu arbeiten. Denn sie selbst hat dieses Camp früher geliebt und immer wieder wecken Momente ihre Erinnerungen an die Zeit mit Luke. Luke mag ich als Charakter auch sehr, vor allem wie er sich um seine Familie kümmert, wobei er seine eigenen Wünsche teilweise aus den Augen verliert.
Die Gefühle und Emotionen zwischen Luke und Sera sind beim Lesen sehr greifbar und ich mag die Entwicklungen zwischen ihnen. Ich muss aber auch zugeben, dass mich die emotionalen Szenen sehr zu Tränen gerührt haben. Neben den Protagonisten habe ich vor allem Maddy, die beste Freundin von Sera, ins Herz geschlossen.
Wer tiefgründige Jugendbücher mag, der wird "Last Kiss of Summer" lieben, da es Emotionen, die Liebe zur Kunst und ein wundervolles, sommerliches Setting vereint und mich sehr zum Nachdenken über das Thema Organspende angeregt hat. Ich kann es sehr empfehlen.
Rezensionen von kabo16:
Im Morgengrauen von Marc Raabe
Wo ist der Bundeskanzler?
Endlich geht es mit Art Mayer und seiner Kollegin Nele Tschaikowski weiter. Es ist der 4. Band dieser Reihe, und man sollte die vorherigen Teile unbedingt gelesen haben, sonst fehlt einem zu viel Hintergrundwissen. Alle, bis auf Nele, sind verbunden durch ihre Vergangenheit. Aus Teenager-Zeiten, die sie geprägt hat.
Vom Kind zum Erwachsenen - wo sehr viel passiert ist. Das wird auch in diesem super spannenden Thriller immer eine Rolle spielen.
Der Leser schaut hinter die Kulissen der Macht. Da ist jeder nur ein Mensch, der sein Schicksal meistern muss.
Dieses mal rutscht auch Neles familiäre Situation stärker in den Fokus. Familie und Zusammenhalt spielt eine große Rolle, dies tut der Spannung aber keinen Abbruch. Es macht die Ermittler nur sympathischer. Gerade bei Art ist die harte Schale ja kaum zu durchbrechen.
Zum Inhalt: Der Bundeskanzler Henrik Westphal ist verschwunden. Hat er sich abgesetzt, weil Videos seiner angeblichen Affäre aufgetaucht sind?
Nach über 500 Seiten werden Sie es wissen.
Das Cover passt mit seinen grellen Farben perfekt zu den ersten Büchern dieser Reihe.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Ein Wiedersehen im Sommer von Julie Caplin
Dem Dorfleben entfliehen?
Beth, die sich im ersten Band der "Country Escapes"-Reihe so gut um Neuling Ella gekümmert hat, hat Herzschmerz. Jack, der jüngere Sohn des Tierarztes Geoffrey, hat Schluss gemacht. Niemand weiss davon, bis Jack urplötzlich doch in Wilsgrave aufschlägt. Nun kann sie es nicht mehr für sich behalten und das Dorf weiss schneller Bescheid, als ihr lieb ist.
Bei Beth, die eh schon kein gesundes Selbstwertgefühl hat, dreht sich nun das Gedankenkarussell pausenlos. Soll sie kündigen, wird ihr gekündigt und wer ist sie eigentlich, wenn sie nicht die beliebteste Tierarztassistentin in Wilsgrave ist?
Grund für ihre Selbstzweifel und ihr ständiges Gefühl, nur geduldet zu sein, liegt in ihrer Kindheit. Der Vater weg, die Mutter krank und egoistisch, wächst sie in keiner guten Umgebung auf. Sie denkt, sie hätte die Lehrstelle nur durch Mitleid erhalten und sei in der Praxis auch nur geduldet, so lange sie mit Jack liiert ist. Auch ihr gemeinsames Häuschen gehört eigentlich seinen Eltern, also muss sie dort wohl auch raus - und Tiggy aus dem Tierheim zu sich zu holen, geht somit auch nicht.
Was alles nicht stimmt, denn Beth ist sehr beliebt in Wilsgrave. Sie selbst kann das nicht sehen. Als ihre Wohn- und Jobsituation geklärt ist, überlegt sie sich, was sie selbst aktiv, nach ihren Wünschen, an ihrer Lebenssituation ändern könnte. "Erst mal ich", ist bald ihre neue Devise.
Damit stösst sie Jack vor den Kopf, der bald merkt, was er an Beth hatte. Aber auch er beschäftigt sich mit ähnlichen Fragen wie Beth. Beide sind eigentlich nie aus Wilsgrave rausgekommen, ausser Jack während seinem Studium. Und so fühlt sich alles gerade sehr eingefahren an, während beide, jeder für sich, überlegen, wie sie vielleicht doch noch dem Dorfleben entfliehen könnten.
Während sie dies tun und Pläne schmieden, läuft das Leben weiter und auch die jahrelangen Gefühle füreinander lassen sich nicht einfach abstellen. War ihre Beziehung vielleicht doch nicht nur eine Jugendliebe, von der man sich aus Bequemlichkeit nicht verabschieden wollte, sondern eine viel tiefere Liebe als angenommen? Doch da ist noch Jamie, ein Journalist, der gerade einen Artikel über das "Land- versus Stadtleben" schreibt, was thematisch perfekt zu dieser Reihe passt.
Beth ist eine total sympathische Frau, während Jack meine Sympathie erst noch verdienen musste. Allerdings fand ich das "Selbstmitleid" der beiden zu repetitiv. Einige Male weniger darauf aufmerksam zu machen, hätte gereicht. Dafür ist das Setting in Wilsgrave wie schon im ersten Band gut gelungen, der Zusammenhalt im Dorf ist gross. Mit bekannten Figuren aus Band 1 gibt es ein Wiedersehen und viele neue Charaktere im Umfeld von Beth machen den Roman interessant.
Der heimliche Star in "Ein Wiedersehen im Sommer" ist aber klar Tiggy, Beths Hündin, die schnell zeigt, wen sie mag und wen nicht.
Fazit: Ein kurzweiliger zweiter Band. Nur leider muss man sich nun einige Zeit gedulden, bis der nächste Band erscheint ;-)
4 Sterne.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Ein Zuhause im Frühling von Julie Caplin
Eine Stadtpflanze entdeckt das Dorfleben
Ella soll das Cottage ihrer Patentante Magda für einige Monate hüten. Die Stadtpflanze auf dem Land. Juhui.
Doch Ella ist so verzweifelt, dass sie sich das freiwillig antut. Damit ihr nicht langweilig wird und sie nicht nur mit Nachdenken beschäftigt ist, wurde sie von Magda mit diversen Aufgaben bedacht.
Ebenso kümmern sich einige Nachbarn und Dorfbewohner mehr um Ella, als ihr lieb ist. Mit Tierarztassistentin Beth freundet sie sich auf den gemeinsamen Spaziergängen mit den Hunden an. Beth ist auch diejenige, die Ella das Dorfleben in Wilsgrave erklärt.
Ella ist lebensunfähig. Das denkt man sich auf jeden Fall beim Lesen der ersten Seiten, in denen erzählt wird, wie sie mit dem Haushalt überfordert ist. Ganz zu schweigen vom Hund, den sie betreuen soll. So kommt Ella zu Beginn sehr unsympathisch rüber, was wohl die volle Absicht der Autorin war. Doch je mehr man Ella kennenlernt und sie die Dorfbewohner, je besser versteht man sie. Das Landleben ist doch nicht so schlimm, wie sie es erwartet hat und so macht Ella im Laufe der Geschichte eine grosse und glaubhafte Wandlung durch.
Der Kontrast zwischen der quirligen und aufgeblähten Kunstwelt in London und dem behäbigen Dorfleben in Wilsgrave könnte nicht grösser sein. Hier kommt Ella endlich zum Luft holen und entdeckt, was in London alles falsch gelaufen ist.
Auch der junge Tierarzt Devon, der für seinen Vater in dessen Praxis einspringt und sich überlegt, wieder nach Wilsgrave zu ziehen, hat in London ähnliche Erfahrungen machen müssen wie Ella. Als die beiden sich kennenlernen, zoffen sich beide an. Erst langsam bröckeln bei beiden die Mauern, die sie um ihr Inneres gezogen haben, dann unterstützen sie sich gegenseitig in ihrem Bemühen um faire finanzielle Belange. Doch erst müssen die beiden lernen, Hilfe anzunehmen.
Im Laufe des Romans lernt man auch andere Dorfbewohner*innen kennen: Nachbar George, der gerne bei Ella Kaffee trinkt - oder eher trinken möchte; die ehemalige Tänzerin Doris; die Organisatorin Aubrey, die die Fäden des Dorfes zusammenhält; Greta vom Pub und viele weitere Figuren, die wir sicher auch in den kommenden Bänden begleiten werden. Für die meisten Schmunzler und Eskapaden im Roman sorgen aber nicht die Zweibeiner, sondern deren vierbeinige Mitbewohner. Es sind die Hunde der beiden Protagonisten: Tess und Dexter, ohne die der Roman nur halb so gut wäre ;-)
Diesen ersten Band der "Country Escapes"-Reihe hab ich, abgesehen vom Anfang, als Ella sich schwierig verhielt, sehr gerne gelesen. Julie Caplins Schreibstil ist wie immer flüssig und die Geschichte mit viel Humor, aber dennoch auch ernsteren Themen versehen, wie aus dem realen Leben gegriffen.
Spätestens am Ende von "Ein Zuhause im Frühling" fühlt man sich heimisch in Wilsgrave und freut sich, dass noch weitere Bände geplant sind, damit man wieder "nach Hause kommen kann" und miterleben, welche anderen Wilsgraver und Wilsgraverinnen ihre Probleme angehen werden.
Fazit: Ein unterhaltsamer Auftakt zur neuen Reihe "Country Escapes" von Julie Caplin.
4 Sterne.
Rezensionen von Tara:
Insel der Ratten von Jo Nesbø
Sehr düster & brutal
„Insel der Ratten“ ist eine düstere Dystopie des in Oslo lebenden Autors Jo Nesbø.
Eine Pandemie hat dafür gesorgt, dass das Leben der Menschen außer Kontrolle geraten ist. Auf den Straßen gilt das Gesetz des Stärkeren. Während die Wohlhabenden versuchen sich per Helikopter auf die "Insel der Ratten" abzusetzen, herrscht auf dem Festland Chaos.
Auch Colin Lowe - ein reicher Unternehmer - flieht mit seiner Familie. Lediglich sein Sohn Brad, zu dem er schon immer ein schwieriges Verhältnis hatte, bleibt auf dem Festland zurück. Während der größte Teil der Bevölkerung aus der Not heraus plündert, sämtliche gesellschaftlichen und sozialen Normen sprengt, scheint Brad daran gefallen zu finden.
Die Stimmung ist bedrückend und düster. Jo Nesbø gelingt es ausgezeichnet darzustellen, wie die moralischen Dämme in einer Ausnahmesituation zusammenbrechen. Dabei stellt er ein sehr realistisches Zukunftsszenario dar, das bei mir für Gänsehaut gesorgt hat.
Neben den dystopischen Zuständen in der Bevölkerung steht die Beziehung zwischen Colin und Brad im Mittelpunkt der Handlung. Diese ist komplex und ausgesprochen schwierig.
Mit gerade einmal 208 Seiten in 17 Kapiteln ist das Buch schnell gelesen und obwohl ich es ausgesprochen spannend fand, hat mir das vollkommen ausgereicht. Noch mehr Gewalt, Brutalität, soziale Unruhen, Angst und menschliche Abgründe auf so engen Raum hätte ich kaum ertragen.
Es ist kein typischer Krimi von Jo Nesbø, sondern eine gesellschaftskritische Dystopie, die mich so schnell nicht mehr loslassen wird, da sie einfach zu realistisch ist, um sie direkt wieder zu vergessen.
Rezensionen von nessabo:
Ultramarin von Ann-Christin Kumm
Die anstrengende, aber glaubhafte Geschichte einer toxischen Beziehung
Die Grundidee des Romans hat mir gut gefallen und erst recht die queere Perspektive. Ann-Christin Kumm hat auch auf jeden Fall ein Händchen für die beklemmende, irgendwie gefährliche Atmosphäre ihres Debüts. Und doch hatte ich zunehmende Schwierigkeiten mit dieser Geschichte.
Diese begannen für mich schon bei der sprachlichen Gestaltung.
Kumm verzichtet auf direkte Rede mit den entsprechenden Satzzeichen, sodass Gespräche nicht direkt erkennbar sind. So etwas irritiert mich sehr, sodass das Lesen immer anstrengender ist als bei Werken mit direkter Rede. Ich kann mich dadurch eher schlecht in die Geschichte fallen lassen.
Und auch die Figuren haben es mir nicht so leicht gemacht. Raf ist natürlich ein absolutes Ekel, getragen wird die Geschichte aber von Lous Gedanken. Ich würde seine Figurenzeichnung durchaus als authentisch bezeichnen, aber so wirklich greifen konnte ich ihn nicht. Er blieb mir trotz seiner Erzählperspektive emotional zu distanziert.
Gleichzeitig hilft diese Distanzierung sicherlich beim Aushalten der absolut schrecklichen Beziehung zwischen den beiden jungen Männern. Ich finde es fast fatal, wie harmlos sich Lous Schilderungen anhören. Raf ist manipulativ und gewaltvoll, ihre Beziehung strotzt nur so vor Gaslighting und Herabwürdigung, der sich auch Rafs Schwester Sophie durch ihre fehlende Intervention meiner Meinung nach irgendwie anschließt. Ich war wütend beim Lesen und habe Raf von ganzem Herzen verabscheut.
Hier steht eine Beziehung im Mittelpunkt, die Lou immer wieder als Freundschaft bezeichnet, die mich aber wirklich angestrengt hat. Zumal Lou auch älter ist in den Gegenwartskapiteln des Buches und ich nicht so recht verstehen konnte, warum er in dieser emotionalen Abhängigkeit verbleibt. Aber andererseits scheint er auch keine Freund*innen zu haben und Raf ist so hart besitzergreifend, dass das auch leichter gesagt als getan ist.
Von daher will ich gar nicht so von oben herab über Lous Situation urteilen - ich halte die Dynamik für erschreckend authentisch geschrieben. Es ist lediglich meiner Präferenz geschuldet, dass ich sie als zu anstrengend empfunden habe. Die zunehmende Entwicklung des Buches war mir dann aber auch zu derb und hatte für meinen Geschmack zu viele Psychovibes, die mich besonders am Ende ziemlich verloren haben.
Dahingehend nicht mein Buch, aber eine Empfehlung für Menschen mit Interesse an toxischen Beziehungskonstellationen und düsteren Vibes.
2,5 Sterne
Rezensionen von Tara:
FamilienFIRE und andere Triggertage - Wie du weich landest, wenn du in alte Beziehungsmuster zurückfällst. von Elisabeth Mestekämper
Familie kann kompliziert sein, muss aber nicht
„FamilienFIRE und andere Triggertage“ ist ein hilfreicher Ratgeber der Autorin und Psychologin Elisabeth Mestekämper.
Es ist die Familie, die uns prägt, in der wir vieles zum ersten Mal erleben und Erfahrungen sammeln – gute und schlechte. Auch wenn wir längst unser eigenes Leben haben, holen uns die Emotionen und Erinnerungen unserer Kindheit bei Familientreffen immer wieder ein.
Oft ist es schwer zu verstehen, welche unausgetragenen Konflikte und zurückliegenden Verhaltensmuster, die bereits über Generationen weitergegeben wurden, für das unangenehme Gefühl bei Familientreffen sorgen.
Elisabeth Mestekämper hat hier in einer leicht verständlichen Sprache und entsprechenden Beispielen erklärt, warum bei Familienfeiern längst verdrängte Konflikte immer wieder mit Wucht an die Oberfläche befördert werden.
Während es im ersten Teil um die „Psychologischen Grundlagen“ geht, in denen fundiertes Grundlagenwissen über unbewusste Familiendynamiken, Bindungsstile, Loyalitätskonflikte und transgenerationales Trauma vermittelt werden, enthält der zweite Teil „Praktische Tools“, die für einen hilfreichen Umgang in den entsprechenden Situationen sorgen.
Da das gesamte Buch sehr abwechslungsreich mit kleinen Illustrationen, Kästchen die Wichtiges zusammenfassen und farblichen Akzenten gestaltet ist, liest es sich leicht und abwechslungsreich. Es birgt viel Wissen, ist aber ein lebensnaher Ratgeber, den ich sicherlich noch des Öfteren zur Hand nehmen werde.
Insgesamt ist es eine gelungene Mischung aus psychologischem Hintergrundwissen und praktischer Soforthilfe.
Rezensionen von Tara:
Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr von Florian Aigner
Komplexes Wissen einfach vermittelt
Mit seinem Buch „Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr“ gelingt es dem Autor und Physiker Florian Aigner komplizierte Sachverhalte aus der Physik für jeden verständlich zu vermitteln. Vorwissen ist unnötig.
Bisher habe ich mich im Großen und Ganzen auf meine Sinneseindrücke verlassen und das, was ich sehe, höre, rieche, fühle oder schmecke als gegeben hingenommen.
Damit habe ich es mir wohl ein wenig zu einfach gemacht. Alle unsere Sinneseindrücke beruhen auf physikalischen Vorgängen, die wir in unserem Gehirn unterschiedlich einordnen.
Florian Aigner schafft es durch seinen humorvollen Schreibstil komplexes Wissen so zu vermitteln, dass man es nicht nur versteht, sondern dass es Spaß macht Neues zu erfahren. Seine Beispiele und Vergleiche sind sehr eingängig, dadurch bleiben sie direkt im Gedächtnis.
Kleine Illustrationen sorgen für Abwechslung und verbildlichen das Gelesene.
Ich habe schon oft festgestellt, dass einfache Vermittlung von Wissen für den Vermittelnden eine ebenso große Herausforderung ist, wie für den Laien dieses aufzunehmen und zu verstehen. Zu viele Fachbegriffe und komplizierte Vorgänge sorgen bei mir dafür, dass ich abschalte und mir die Lust auf neues Wissen vergeht.
Florian Aigner versteht es wirklich großartig Unterhaltung und interessante Fakten zu kombinieren.
Ich kann das Buch jedem, der sich für Wissenschaft, Physik und unterschiedliche Wahrnehmungen interessiert, nur empfehlen.










