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Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Hitlers Gefolgsmann von Axel Spilcker

Die Wahrheit muss ans Licht

Die Wahrheit muss ans Licht

Robert Ley (1890-1945) war Reichorganisationsleiter der NSDAP und baute die Deutsche Arbeitsfront zum größten NS-Verband auf. Steinerne Zeuge ist der 4 km lange Gebäudekomplex der Prora auf Rügen, der von Ley in Auftrag gegeben worden ist. Nach dem Krieg war er im Nürnberger Prozess als Nummer 4 in der Hierarchie rund um Hitler einer der 24 Hauptangeklagten.

Seinem (Todes)Urteil in den Kriegsverbrecherprozessen entzieht sich Robert Ley 1945 durch Selbstmord.
Autor Axel Spilcker ist Historiker und Enkel von Robert Ley. In diesem Buch erzählt er vom Aufstieg des Robert Ley in den innersten Kreis um Hitler, von Intrigen, Korruption und fanatischem Antisemitismus, den Ley bis zu seinem Tode nicht abgelegt hat. Selbst als man ihm Beweise über die Verbrechen der NS-Zeit vorgelegt hat, behauptet er, Hitler hätte davon nichts gewusst. Axel Spilcker berichtet an Hand von exklusiven Dokumenten, wie den unveröffentlichten Memoiren von Leys letzter Lebensgefährtin Madeleine Wanderer, über seinen Großvater.

Wir erfahren wie Ley seine erste Frau und die gemeinsame Tochter Renate schnöde verlassen hat, um mit der von Hitler gefeierten Sopranistin Inga Hansen, die später in Morphiumsucht und Depressionen versinkt und sich 1942 das Leben nimmt, eine zweite Ehe einzugehen aus der drei Kinder, darunter sein eigener Vater Inger-Wolf Spilcker hervorgegangen ist. Die drei Kinder werden nach Ende des NS-Regimes in der Obhut der Großeltern, die ihren Namen in Spilcker geändert haben, getreu den Vorgaben des NS-Regimes aufwachsen: Ausgezeichnete Schulbildung nur für den Sohn und Stammhalter, für die Töchter muss eine Lehre genügen.

Axel Spilcker erzählt davon, wie man Robert Ley innerhalb der Familie nach wie vor verehrt. Besonders Renate, einer anerkannten Professorin und Feministin, hält an der „Heldenverehrung“ fest.

Daneben erfahren wir, dass die Familie einen jahrelangen Rechtsstreit um die Rückgabe des Vermögens, zu dem auch umfangreiche Immobilien geführt hat und, man glaubt es kaum, Recht bekommt, während die Nachfahren von enteigneten und ermordeten Juden leer ausgehen. Das Inger-Wolf Spilcker das Erbe verlieren wird, weil er mit Geld nicht umgehen kann, ist nur eine klitzekleine Genugtuung.

Meine Meinung:

Die Aufarbeitung von Familiengeschichten, die tief in der NS-Zeit verstrickt sind, ist Aufgabe der Enkel und Urenkel. Wie auch bei dieser Spurensuche ist deutlich zu sehen, dass die Kinder der Täter viel zu nahe an den Ereignissen dran.

Dieses Buch gewährt uns einen interessanten und sehr persönlichen Einblick in eine Familie, die mit der Last der Vergangenheit leben muss. Dabei spart Axel Spilcker seine eigenen Gefühle nicht aus.
Mögen noch mehr Enkel und Urenkel den Mut haben, sich mit der Geschichte ihrer Familien auseinanderzusetzen, zumal die Demokratie wieder unter Druck gerät, weil allenthalben nach einem starken Mann gerufen wird und das Wissen um die NS-Zeit leider (wieder) in Vergessenheit gerät. So wird in rechtsradikalen Kreisen behauptet, dass es sich bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen um Willkür der Siegermächte gehandelt habe. Solchen Behauptungen muss energisch entgegen getreten werden.
Für uns Wienerinnen und Wiener möchte ich anmerken, dass die Leystraße in der Brigittenau, dem 20. Bezirk Wiens, nach dem Bezirkspolitiker Konrad Ley (1801-1881) benannt ist.
Wenn Axel Spilcker meint, die Wahrheit gehöre ans Licht, kann ich ihm nur beipflichten.
Fazit:

Gerne gebe ich dieser lesenswerten und aufwühlenden Familiengeschichte 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Hitlers Gefolgsmann

Rezensionen von Eternal-Hope:

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Nicht von Dror Mishani

Von der Lüge und ihren Konsequenzen

"Nicht" von Dror Mishani ist ein Büchlein von nicht einmal 200 Seiten, das sich schnell und leicht liest, und trotzdem oder gerade deshalb tief nachhallt und es so richtig in sich hat.

Worum geht es? Eli ist Anfang 50, verwitwet und mit erwachsenen Kindern, und kann sein Glück kaum fassen, als er die faszinierende Künstlerin Lia kennen lernt, sich in sie verliebt und eine Beziehung mit ihr beginnt.

Wie schön, dass ihm noch einmal eine Chance auf so ein schönes Liebesglück gewährt wird!

Doch genau genommen ist es eine Dreierbeziehung, denn eine sehr große Liebe gibt es schon in Lias Leben: ihren langjährigen treuen Begleiter, den Kanaan-Hund Felix. Eli hatte bisher nicht viel mit Hunden zu tun und weiß nicht wirklich etwas über den Umgang mit ihnen, doch Lia zuliebe ist er bereit, den Hund auch in sein Leben zu lassen und sagt sogar zu, sich während eines mehrtägigen Auslandsaufenthaltes seiner neuen Partnerin um diesen zu kümmern. Ein eigenwilliger, kräftiger Hund und ein etwas zögerlicher Mann, der nichts von diesen Tieren versteht... kann das gut gehen? Tut es natürlich nicht, und so kommt es, wie es kommen muss: der Hund läuft davon, kommt zu Schaden und ist erst einmal weg, als Lia von ihrer Reise zurückkehrt.

Eli ist fest davon überzeugt, dass er nun sein neues Liebesglück mit Lia zerstören würde, wenn er ihr ehrlich gestehen würde, welchen Anteil er am Verschwinden des Hundes hatte und was wirklich geschehen ist. Und so erzählt er eine erste Lüge, die rasch weitere Lügen nach sich zieht, sodass er sich in ein ganzes Netz von Lügen verstrickt und immer weniger Möglichkeiten sieht, sich aus diesem zu befreien. Bis es zu einer unerwarteten Wendung kommt.

Das, und vieles mehr, ist die vordergründige Handlung des Buches.

Verfasst ist das Buch ungewöhnlicherweise in der Du-Form: "Du malst dir aus, wie du in vier Tagen zu einer Koryphäe für klassische Musik wirst, und wenn Lia aus Wien zurückkommt und dich fragt, was sollen wir heute Abend hören, sagst du: Das Streichquartett in g-Moll von Debussy würde zu unserer Stimmung passen, oder? Mittags läufst du durch ihr Viertel wie ein japanischer Tourist durch Venedig, suchst dir ein Café aus und bestellst einen Caprese-Salat und ein Glas Weißwein mitten am Tag. Du bist umgeben von Schränken, die du öffnen kannst und in denen sich Abschnitte ihres Lebens verstecken, von denen du nichts weißt - vielleicht sogar dunkle Kapitel oder gar Leichen - , aber du machst sie nicht auf, aus Respekt vor Lias Privatsphäre und für das Vertrauen, das sie dir schenkt." (S. 55/56)

Diese Erzählweise wirft interessante Fragen danach auf, wer hier eigentlich die Geschichte aus welcher Perspektive erzählt. Und immer wieder schimmern, so wie auch in der oben zitierten Textstelle, Hinweise auf die verborgene Tiefe der mehreren Jahrzehnte Erwachsenenlebens, die beide schon ohne einander verbracht und durchlebt haben, und die damit möglicherweise verbundenen Prägungen und Geheimnisse durch. Es ist eben nicht das gleiche wie im jungen Erwachsenenalter, wenn sich zwei Menschen im mittleren Lebensalter neu kennen lernen und verlieben, und beide tragen wohl ihr Päckchen mit sich herum.

Eli ist eben verwitwet, zu den Kindern hat er ein eher distanziertes Verhältnis und innerlich hat er in sich viele ungelöste Fragen, insbesondere in Bezug auf all das, was rund um den Tod seiner früheren Frau Oschra "nicht" passiert ist. Wenn man das Buch sorgfältig liest, findet man viele diesbezügliche Referenzen auf den Titel der deutschsprachigen Fassung des Buches, die zum Nachdenken anregen (man zähle z.B. in dieser Textstelle all die nicht/nichts/keine):

"Oschra ist gestorben, weil sie nicht mehr leben wollte", formst du Worte, von denen du einen Augenblick zuvor noch nicht gewusst hast, dass du sie sagen würdest. Nicht wegen der Krankheit, an der sie litt. Sie hat gesagt, sie habe keine Gründe weiterzuleben. Dass sie nicht mehr würde tanzen können und ihre große Karriere ohnehin verpasst hatte. Aber ich denke, es gab noch mehr Dinge, die sie beeinflusst haben und von denen ich nichts weiß, weil sie mir nichts darüber erzählt hat. Ich habe alles versucht, was ich konnte, um sie zu überreden, sich behandeln zu lassen, aber sie wollte davon nichts hören, und mein Sohn verzeiht mir das bis heute nicht. Ich weiß nicht, ob er denkt, sie wollte wegen mir nicht mehr leben oder dass ich beharrlicher hätte versuchen müssen, sie am Leben zu halten. Aber ich habe es versucht. Und nicht geschafft. Ich weiß nicht, was ihr passiert wäre, wäre sie mit jemand anderem verheiratet gewesen. Sie hat gesagt, das Leben habe ihr genügt. Dass sie nicht wieder gesund werden wolle. Das hat sie gesagt, gleich als wir von der Ärztin kamen, beim ersten Mal. Auf der Straße noch. Dass sie nicht mehr leben wolle. Und das war es." (S. 182)

Ich spüre beim Verfassen dieser Rezension, wie mich dieses Buch auch mehrere Wochen nach Beenden der Lektüre emotional tief berührt und mich zum Nachdenken auf verschiedenen Ebenen und über verschiedene Themen anregt. Da gibt es die vordergründige Handlung und die damit verbundenen Themen Vertrauen, Ehrlichkeit und Lüge in Beziehungen und die Frage, ob und unter welchen Bedingungen, vielleicht auch für welche Persönlichkeiten, sich auf einer kleinen Lüge, die weitere nach sich zieht, überhaupt eine tragfähige Beziehung aufbauen lassen kann.

Doch darunter liegen weitere Fragen wie die nach einem Neuanfang in der Mitte des Lebens, der eine Neudefinition der eigenen Persönlichkeit verlangt, aber gleichzeitig so viel biografisches Untergrundmaterial hat, auf dem diese zwangsläufig aufbauen muss. Damit ist es auch ein Buch, das die Frage nach dem stellt, was wir nicht nur tun, sondern auch unterlassen, nach unserer Verantwortung und Schuld im Leben, nach dem Bedauern danach, und was all diese Gefühle mit uns machen und wie diese schwere Last der Vergangenheit die Leichtigkeit einer neuen Verliebtheit mitbeeinflusst.

Es ist eine große Meisterschaft, in ein so kurzes und unterhaltsames Buch so viele tiefgründige existenzielle Lebensfragen einzubauen! Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und kann es allen, die philosophische und zweideutige Bücher mögen, die auf clevere Weise zum Nachdenken anregen, sehr empfehlen.

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Nicht

Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Herbergers Kandidaten von Fabian Siegel

Sepp Herbergers Traum vom der Auferstehung des deutschen Fußballs

Dieses Buch, das im Jänner 2025 erschienen ist, passt perfekt zu der im Juni 2026 stattfindenden Fußball-WM.

Man schreibt das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Das in Trümmern liegende Deutschland wird von den Alliierten besetzt und verwaltet. Doch recht bald regt sich so etwas wie ein Anflug an Normalität: Vielerorts wird wieder Fußball gespielt.

Auch Sepp Herberger, der letzte Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft will wieder eine Mannschaft trainieren und träumt von der Wiedergeburt des deutschen Fußballs. Das ist kein leichtes Unterfangen. Denn erstens wird er selbst kritisch beäugt, wie er es mit dem NS-Regime gehalten hat und zweitens gelten Spieler wie Fritz Walter, dessen Bruder Ottmar und August Klingler vermisst. Zudem ist der DFB von der FIFA ausgeschlossen und jene Spieler, die den Krieg überlebt haben, sind über die vier Besatzungszonen verstreut.

Wie es Sepp Herberger gelingt, den Traum vom ersten Länderspiel nach dem Krieg wahr werden zu lassen, hat Autor Fabian Siegel an Hand zahlreicher Zeitungsausschnitte, Interviews und sonstiger Dokumente recherchiert.

Siegel erzählt, wie Herberger sich aufmacht, die Spieler ausfindig zumachen und langsam den Spielbetrieb wieder zu starten. Zunächst sind scheitert er beinahe am Widerstand der Alliierten, die dann später, mit Ausnahme der Sowjets, ihre Unterstützung zusagen.

Am 22. November 1950 ist es soweit! Das erste Länderspiel findet in Stuttgart gegen die Schweiz statt – die deutsche Mannschaft siegt mit 1:0.

Meine Meinung:

Das Buch ist penibel recherchiert und liest sich sehr gut. Manchmal, so scheint es, zitiert Fabian Siegel wörtlich aus den Fußballreportagen der einschlägigen Zeitungen. Zahlreiche Fotos ergänzen dieses Sachbuch.

Fabian Siegel stellt uns jene Spieler vor, die als Kandidaten für die neue deutsche Nationalmannschaft unter Sepp Herberger gelten. Nicht alle werden vor dem strengen Augen des Teamtrainers bestehen. Manche dieser Namen sind beinahe vergessen. Wer erinnert sich noch an Karl Barufka oder Robert Schlienz, dem ein Arm amputiert werden musste, und der trotzdem mehrmals in der deutschen National-Elf spielt?

Auffallend sind die extrem hohen Besucherzahlen in den Stadien - 50.000 bis 90.000 Besucher in Sportstätten, die lediglich behelfsmäßig errichtete bzw. reparierte Tribünen aufweisen. Wahnsinn! Ich mag gar nicht daran denken, welche Katastrophen hier eintreten hätten können, wenn eine solche Tribüne eingestürzt wäre. Beim ersten Länderspiel am 22. November 1950 sind sogar 115.000 Menschen im überfüllten Stadion. Die Polizei ist hoffnungslos überfordert.

Interessant zu lesen ist, wie wenig die Spieler bezahlt bekommen haben. Ein paar Mark, ein paar Lebensmittel oder Teile der Ausrüstung - kein Vergleich mit dem Millionengeschäft von heute.

Fabian Siegel spart auch nicht das Intrigenspiel und die persönlichen Machtkämpfe zwischen den Verbandsmitgliedern und Herberger nicht aus.

Am Schluss findet sich eine Liste der Protagonisten und ihr weiterer Lebenslauf.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Rückschau auf den Traum vom ersten Länderspiel und der Wiedergeburt des deutschen Fußballs 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Herbergers Kandidaten

Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Weimar von Katja Hoyer

Weimar - eine Stadt mit vielen Gesichtern

Wer den Namen Weimar liest oder hört, verbindet die thüringische Stadt vor allem mit Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller, der Weimarer Republik und vielleicht auch noch mit Walter Gropius und seinem Bauhaus. Doch gleichzeitg ist Weimar auch jene Stadt, die als Blaupause für die Machtübernahme und den Terror des NS-Regimes für ganz Deutschland dient(e).

Wie es dazu kommen konnte, erklärt Historikerin und Autorin Katja Hoyer in diesem aufschlussreichen Buch. Dazu hat sie in zahlreichen Archiven bislang unbekannte Quellen aufgestöbert und zudem lässt sie Bürger von Weimar der 30er und 40er Jahre zu Wort kommen. So dürfen wir im Tagebuch des Buchhändlers Carl Weirich lesen, der akribisch große und kleine Ereignisse seiner Familie sowie der Stadt festgehalten halt. Auch er wird sich, als ihn die amerikanischen Truppen am 16. April 1945 gemeinsam mit Tausenden anderen Einwohnern der Stadt durch das KZ-Buchenwald geführt wird, fragen (müssen) wie es dazu kommen konnte, dass er nichts gegen das Unrechtsregime unternommen hat. Er ist zwar nicht, wie so viele andere, der NSDAP beigetreten, gehört aber der Mehrheit der Bevölkerung an, die schweigend weggesehen hat, als man schon frühzeitig die kleine jüdische Gemeinde Weimars drangsaliert, ausgeraubt, deportiert und letztlich vernichtet hat.

Dann lenkt sie unser Interesse auf das Ehepaar Rosa und Arthur Schmidt, das das heruntergekommene Hotel Hohenzollern auch dadurch zu neuer Blüte bringt, weil sie ab 1926 den Nationalsozialisten Räume zur Verfügung stellen. Bis 1942 bleibt verborgen, dass Rosa jüdische Großeltern hat und deshalb gemäß den Nürnberger Gesetzen als Volljüdin gilt. 1944 wird sie deportiert und in Auschwitz ermordet. Arthur stirbt am 30. Jänner 1945, wenige Tage nach der Befreiung des KZ Auschwitz, an gebrochenem Herzen.

„Weimar, die Stadt, die dem demokratischen Neuanfang ihren Namen geben sollte, wurde zum Synonym für das katastrophale Scheitern dieses politischen Experiments, und das spiegelt sich in den gegensätzlichen Lebensbahnen seiner Bewohner wider. Welche Rolle spielten sie in diesem Prozess? Hatten die Amerikaner recht, mit ihrer Behauptung, dass auch sie Verantwortung trügen, weil sie sich widerstandslos in die Hände von Verbrechern und Wahnsinnigen begeben hätten? Kein Mensch kann völlig frei von den Umständen handeln, in denen er sich befindet. Das heißt jedoch keineswegs, dass die Menschen keine Entscheidungsgewalt hätten. Das Deutschland der Zwischenkriegszeit fasziniert Historiker und die Allgemeinheit, weil es die Spannung zwischen dem Individuum und dem Kollektiv, zwischen Unausweichlichkeit und eigener Verantwortlichkeit verkörpert.“

Das Buch fesselt durch die einerseits nüchterne Darstellung der Ereignisse ab 1914 sowie andererseits von den sehr persönlichen Aufzeichnungen und Schicksalen zahlreicher Weimarer Bewohnerinnen und Bewohner. Wie ambivalent sich einige Personen verhalten, zeigt sich durch Friedrich Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, die um das Andenken ihres Bruders weiterhin hoch zu halten, sich Hitler & Co. geradezu anbiedert.

Jedes Mal, wenn ich in diesem Buch den Namen des Gauleiters Fritz Sauckel gelesen habe, hat mein Kopf "Saukerl" daraus gemacht ....

Heute bemüht sich Weimar seiner ambivalenten und vielschichtigen Geschichte gerecht zu werden. So werden den zahlreichen Touristen nicht nur die Wohnstätten von Goethe und Schiller sowie das Erbe von Walter Gropius‘ Bauhaus durch Museum und Ausstellung näher gebracht, sondern auch die dunkle, unrühmliche Facette der Stadt. Ich selbst war 2023 anlässlich der 100-Jahr-Feier der Künstlervereinigung in Weimar. Damals hat das künstlerische Werk die NS-Vergangenheit der Stadt überstrahlt.

Fazit:

Ich kann dieses Buch, das den Weg Weimars als Stadt der gleichnamigen Klassik zur Hochburg des NS-Unrechtsregimes nur wärmstens empfehlen, weil es durch den eindringlichen Schreibstil der Autorin, die Geschichte erlebbar und erlesbar macht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Weimar

Rezensionen von Leseratte1604:

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Weil sie lügt von Caroline Seibt

Absoluter Pageturner

Vom Buchcover über den Schreibstil bis hin zum Inhalt hat mich dieser Thriller von Caroline Seibt absolut abgeholt - ich habe angefangen zu lesen und konnte einfach nicht mehr aufhören. Das Schicksal von Anna, deren Schwester spurlos verschwunden ist, deren Vater schuldig oder unschuldig im Gefängnis sitzt und die Mutter psychisch mehr als labil ist und Anna somit verantwortlich für ihren kleinen Bruder Leon ist, lässt einen nicht kalt.

Es gibt viele Wendungen, Verdächtigungen und am Ende kommt der große Knall.
Der Schreibstil ist flüssig, gut zu lesen und man "verheddert" sich auch nicht dabei, weil alles zu kompliziert ist. Meistens wird aus Annas Sicht erzählt, immer wieder aber auch aus der Sicht von Katharina, der Polizistin, die Julis Fall neu aufrollt und sich absolut in den Fall hineinhängt und ihre Familie dadurch vernachlässigt.
Nur eine einzige Stelle bleibt für mich etwas ungelöst, aber die spielt jetzt auch nicht eine so große Rolle, von daher 5 von 5 Sternen!

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Weil sie lügt

Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Anna Plochl von Gabriele Reiterer

Anna von Meran, geb. Plochl - mehr als die Ehefrau eines Erzherzogs

Zu Anna Plochl (1804 –1885), die im Alter von 15 Jahren Erzherzog Johann (1782-1852) begegnet ist, gibt es zahlreiche romantische Filme und einige Romane, jedoch bislang kaum als historisch verbürgte Fakten einzustufende Informationen. Fast alles, was über sie geschrieben und erzählt wird (und wurde), endet mit der Hochzeit mit dem Habsburger im Jahr 1829.

Welchen Anteil sie an den Reformen der Landwirtschaft, die Johann zugeschrieben werden, hat, enthüllt die Kunsthistorikerin Gabriele Reiterer in dieser umfassenden Biografie. Dafür hat Reiterer in unzähligen Archiven geforscht und hat erstmals Zugriff auf das Familienarchiv der Familie Meran erhalten.

Wer ist sie nun, diese Anna Plochl, die als kleinbürgerliche Posthalterstochter in eine der mächtigsten Dynastien des 19. Jahrhunderts einheiratet?

Nach dem Intro erfahren wir in zehn Kapiteln sowie einem Epilog bislang Unbekanntes aus dem Leben der Anna Plochl, die Landwirtin, Pionierin und Habsburgerin gewesen ist:

1885 Aussee - Abschied und Neubeginn
Die Dynastie am Abgrund
Das „gamsaugete“ Mädchen
Das ehelose Zusammenleben
Eine andere Art der Ehe
„Ich empfehle dir das Ganze“
Die „persona dubia“ wird Freifrau von Brandhofen
Anna, die Aristokratin
Wetterleuchten
Wende und Abschied

Aus den zahlreichen Briefen, Tagebucheintragungen und Dokumenten gewinnt die Autorin ein interessantes Bild der Beziehung zwischen Anna und Johann, die sehr modern anmutet. Johann, der Bruder des Kaisers, muss nicht für dynastischen Nachwuchs sorgen, (weil das der Kaiser selbst erledigt hat) weshalb er, nach zehn Jahren des brüderlichen Widerstandes, die nicht standesgemäße Bürgerliche endlich heiraten darf. Allerdings sind beide zahlreichen Einschränkungen unterworfen. Vor allem zahlreiche Hofschranzen lassen Anna ihre Herkunft spüren, indem man sie herablassend behandelt. Dass Kinder aus einer morganatischen Ehe keinen Herrschaftsanspruch haben, ist spätestens 1918 ohnehin obsolet. Dieses Schicksal teilt ihr Sohn Franz von Meran (1839-1891) mit den Kindern des 1914 in Sarajevo ermordeten Thronfolgerpaares Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie von Hohenberg, geborene Chotek.

In Laufe der Jahr wird Anna Plochl zunächst als Freifrau von Brandhofen und dann als Gräfin von Meran geadelt. Welche Rolle hier der allseits bekannte (und teils verhasste) Fürst Metternich gespielt hat, kann man hier nachlesen.
Anna von Meran wird ihren Mann um 26 Jahre überleben. Letztlich werden Anna und Johann im Mausoleum auf ihrem Südtiroler Anwesen, dem Schloss Schenna, beigesetzt.

Auf Grund der ständigen Abwesenheit ihres Ehemanns „schupft“ die bodenständige Anna die weit verzweigten landwirtschaftlichen Betriebe mit erstaunlicher Wirtschaftskompetenz und ist hoch angesehen. Mit Fug und Recht kann Anna von Meran, geborene Plochl, in erster Linie als Landwirtin und Pionierin bezeichnet werden.

Das Buch, das der 11. Teil der Serie „Reihenweise kluge Frauen“ aus dem Verlag Molden ist, ist wie die anderen Biografien, als gediegenes Hardcover erschienen, und enthält zahlreiche zeitgenössische Abbildungen. Das Buch eignet sich bestens als Geschenk.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser detaillierten Biografie einer Frau, die bislang nur romantisiert dargestellt worden ist, aber in Wirklichkeit eine Pionierin des Fortschritts gewesen ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Anna Plochl

Rezensionen von Aileen:

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A Whisper of Gold and Silver: Das Erwachen | Der Auftakt der spannenden Romantasyreihe von Lainey Darson von Lainey Darson

gute Fantasy, mit vielen Fragen - die einen auf den nächsten Band warten lässt

Vila macht mit ihren Freunden gemeinsam Urlaub im mysteriösen Wald am Berg, wobei eine falsche Entscheidung sie gleich in die Arme von Monstern. Aber warum interessiert es keinen der Menschen in der Gegend und wer ist der geheimnisvolle Mann der ihnen zu Hilfe gekommen ist? Die Freunde müssen einige Entscheidungen treffen und werden auf die Probe gestellt.

Wobei Vila sich zusätzlich noch mit ihrem verrückt spielenden Bauchgefühl herumschlagen muss. Und niemand kann ihre Fragen beantworten.

Auch als LeserIn stellt man sich eine Unmenge an Fragen und kaum welche werden beantwortet. Neben dem (für mich langsamen Anfang), die Kritikpunkte am Buch. Ich hoffe wirklich die Fragen werden in den nächsten Bänden immer mehr beantwortet, weil am Ende vom ersten Band hat man im Kopf nur ein großes Fragezeichen. Das Tempo hat sich zum Glück im Laufe des Buches gesteigert, sonst hätte es sich doch sehr gezogen.

Ich freue mich auf jeden Fall, zu Lesen wie es weitergeht und bin schon richtig gespannt. Gerade wann und wie der Romantasy Aspekt auftaucht und was uns da erwartet. Denn bisher, kann man lediglich als geübte/r LeserIn erahnen um wen es dabei gehen wird. Außerdem würde ich sehr gerne erfahren, ob meine ganze Vermutungen bezüglich der offenen Fragen sich als richtig herausstellen.

Alles in allem, absolute Leseempfehlung für alle Fans von Fantasy, die sich auch gern die Zeit nehmen um in eine völlig neue Welt einzutauchen. Und auch gerne menschliche Hauptcharaktere haben und ein Setting, das eher unserer Welt entspricht.

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A Whisper of Gold and Silver: Das Erwachen | Der Auftakt der spannenden Romantasyreihe von Lainey Darson

Rezensionen von bookloving:

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Das gute Leben von Nadine Schneider

Der Traum vom guten Leben - Eine eindrucksvolle Familiengeschichte

Der Roman „Das gute Leben“ von Nadine Schneider zeichnet die Lebensgeschichte der aus Rumänien stammenden Anni und ihrer Familie über vier Frauengenerationen und mehrere Jahrzehnte hinweg nach.
Gekonnt verdichtet die Autorin Migrationsgeschichte, Arbeitswelt und familiäre Prägungen zu einem eindrucksvollen, facettenreichen Panorama biografischer Erfahrungen zwischen Rumänien und Deutschland.

Eindringlich wirft sie die Frage auf, was ein „gutes Leben“ eigentlich ausmacht, wenn Herkunft, Migrationshintergrund, gesellschaftliche Erwartungen und prekäre Arbeitsbedingungen die Entfaltungsmöglichkeiten einschränken und den Spielraum für Veränderungen immer wieder begrenzen. Aus einer spezifisch weiblichen Perspektive zeigt sie, wie ihre Frauenfiguren versuchen, sich durch Arbeit, Fleiß und Anpassung einen Platz in einer Welt zu erkämpfen, in der ihnen dieser keineswegs selbstverständlich zugestanden wird.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht Anni, die Mitte der sechziger Jahre aus der rumänischen Diktatur in die Bundesrepublik flieht und dort ihre Tochter und später ihre Enkelin Christina weitgehend allein großzieht. Als Christina das Haus ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter in der Nähe von Nürnberg erbt, tauchen wir gemeinsam mit ihr in Erinnerungen und überlieferte Familiengeschichten ein. Die faszinierende Familiengeschichte entfaltet sich in Form eines unchronologischen Erinnerungsgeflechts, in dem vieles nachträglich rekonstruiert, nur bruchstückhaft überliefert oder lediglich angedeutet wird. Durch die Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen springen wir von Christinas Gegenwart zu Annis Vergangenheit und bisweilen noch weiter zurück zur Urgroßmutter in Rumänien.

Besonders anschaulich schildert Schneider Annis entbehrungsreiches Leben, ihren kräftezehrenden Job als Arbeiterin im Quelle-Versandzentrum zwischen Kartons, Kleidern und monotonen Handgriffen am Fließband sowie die Mühen ihres Alltags als Alleinerziehende. Trotz ihrer Anpassungsbereitschaft, Beharrlichkeit, Loyalität und ihres großen Engagements bleiben Anni Anerkennung, Belohnung und sozialer Aufstieg verwehrt. Sie glaubt zwar an das verheißungsvolle Leistungsversprechen der sogenannten Wirtschaftswundergesellschaft, bleibt aber dennoch ein kleines, austauschbares Rädchen in einem System, das sie mit ihrer Arbeit am Laufen hält. Der Übergang zu einem tatsächlich gelungenen, erfüllten Leben bleibt ihr verwehrt und so wird sie nie Teil jener Erfolgsgeschichten, die das Selbstbild der neuen Heimat prägen.

Eindringlich lotet die Autorin aus, wie die Figuren auf das zurückblicken, was sie geleistet haben, wie sie Wert und Preis ihres „guten Lebens“ in der neuen Gesellschaft bemessen und welche Kompromisse und Opfer damit verbunden waren. Auch Christina empfindet Annis Migrations- und Familiengeschichte als etwas, das mit ihr an ein Ende gekommen ist. Mit Bedauern erkennt sie, dass viele Leerstellen sich nicht mehr schließen lassen, weil Fragen ungestellt blieben und Erinnerungen verblassen. Zugleich macht Schneider anschaulich deutlich, dass nicht alles aus der Familiengeschichte bewahrt und weitergetragen werden muss. Manche belastenden Überlieferungen dürfen ohne Sentimentalität bewusst beendet werden, um Raum für ein eigenes Verständnis von gelingendem Leben zu schaffen.

FAZIT
Ein vielschichtiger, leise erzählter Roman über Migration, weiblicher Selbstbehauptung und familiäre Prägungen mit eindrucksvollen Charakteren. Mit großem Feingefühl zeigt die Autorin, wie sehr Herkunft und gesellschaftliche Strukturen Biografien formen und wo dennoch Spielräume für eigene Entscheidungen bleiben.

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Das gute Leben

Rezensionen von ekiam:

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Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens von Daisy Garrison

Gefühlvoll, melancholisch und nahbar

Mina und Caplan sind seit der Grundschule beste Freunde – und könnten unterschiedlicher kaum sein. Mina ist still, liebt Bücher und hält sich eher im Hintergrund, während Caplan zu den beliebtesten Schülern gehört und von Freunden umgeben ist. Als sich Caplans Freund Quinn plötzlich für Mina interessiert, reagiert Caplan zu seiner eigenen Überraschung eifersüchtig.

Bei einem Partyspiel küsst er Mina kurzerhand und setzt damit nicht nur seine Beziehung zu Hollis, sondern auch die Freundschaft zu Mina aufs Spiel.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Einerseits haben mir die ruhige, emotionale und zugleich spannende Handlung sehr gefallen. Die Geschichte fängt die Stimmung der letzten Wochen vor dem Schulabschluss gelungen ein: die Melancholie, den Abschiedsschmerz, die Vorfreude auf die Zukunft und gleichzeitig die Angst vor dem Ungewissen. Dadurch fühlte ich mich immer wieder in diese besondere Zeit zurückversetzt.
Mina und Caplan waren mir sofort sympathisch und ich konnte mich schnell in sie hineinversetzen. Mit Hollis hatte ich anfangs mehr Schwierigkeiten, doch gerade ihre Entwicklung im Verlauf der Handlung hat mich begeistert. Besonders gegen Ende wird deutlich, dass sie emotional reifer ist als viele der anderen Figuren.
Auch der Schreibstil ließ sich angenehm lesen; teilweise bin ich regelrecht durch die Seiten geflogen.
Andererseits gab es für mich auch einige Kritikpunkte. Minas Entwicklung vom gemobbten Mädchen zu einem festen Teil von Caplans Clique ging mir zu schnell und wirkte dadurch nicht ganz nachvollziehbar. Auch einige ihrer Einstellungsänderungen passten für mich nicht immer zu ihrer Figur.
Zudem werden mehrere schwierige Themen angesprochen, obwohl der Fokus eigentlich auf der Beziehung zwischen Mina und Caplan liegt. Viele davon bleiben jedoch eher oberflächlich behandelt. Vor allem bei einem Thema hätte ich mir deutlich mehr Tiefe gewünscht, da es große Auswirkungen auf Minas Leben hatte und noch immer hat. Gerade ihre Gefühle dazu blieben für mich oft zu wenig ausgearbeitet.
Trotz der wechselnden Perspektiven zwischen Mina und Caplan war mir stellenweise nicht klar, aus wessen Sicht gerade erzählt wurde, da sich ihre Erzählstimmen sehr ähnelten. Ähnlich ging es mir bei einigen Dialogen, in denen nicht immer eindeutig war, wer gerade sprach.

Insgesamt hat mir das Buch dennoch gut gefallen und ich habe mit Mina, Caplan und auch Hollis mitgefühlt und mitgefiebert. Ein schönes Coming-of-Age-Buch, das einen mit einer gewissen Sehnsucht zurücklässt.

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Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens

Rezensionen von Katja K.:

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Seamere College 1. Strange Familiars von Keshe Chow

Herzallerliebste magische Tierwesen treffen auf Wirtschaftspolitik und Rivals to Lovers

Ich habe mich von diesem Buch, das ich trotz der Spannung eher der Cozy Romantasy zuordnen würde, insgesamt sehr gut unterhalten gefühlt und bin begeistert von den vielen kleinen kreativen (magischen) Details, die die Autorin eingebaut hat.

Der Schreibstil ist flüssig, humorvoll und locker. Es wird abwechselnd aus den Perspektiven von Gwen und Harrisford erzählt, was ich gelungen fand.

In beide Charaktere konnte ich mich gut hineinversetzen, fand ihren Schlagabtausch teilweise sehr amüsant, teilweise aber auch ein bisschen albern. Insgesamt kam es mir so vor, als ob die beiden Protagonist*innen deutlich jünger waren als Mitte 20. Das trotzige Verhalten gerade von Gwen hatte manchmal eher etwas von einem pubertierenden Teenie. Deshalb fand ich die Liebesgeschichte manchmal nicht ganz überzeugend, dann aber wiederum auch sehr rührend.

Regelrecht dahingeschmolzen bin ich bei den wirklich sehr niedlichen Beschreibungen der magischen Seelentiere und mythischen Kreaturen und ihrer Behandlung. Man merkt, dass die Autorin Tierärztin ist und ihre Freude daran hatte, ihr Wissen auf die magische Welt zu übertragen. Gerade Percy hat sich mit seiner speziellen Art in mein Herz geschlichen.

Das Worldbuilding erscheint mir nicht komplett ausgereift, manches ging mir dann doch ein bisschen zu einfach und ich weiß nicht, ob in den Fortsetzungen noch Erklärungen folgen werden. Trotzdem hat es mir gefallen, denn die Magie ist hier eine endliche Ressource, die streng reglementiert wird, und es gibt sogar zwei Konzerne mit Marktmonopol. Dieses System und seine Folgen erinnert an wirtschaftspolitische Probleme unserer heutigen Zeit, was ich sehr elegant fand.

Spannung wurde in dieser Story natürlich auch geboten und man konnte wilde Spekulationen anstellen, was mir großen Spaß gemacht hat.

Mein Fazit: Auch wenn ich das Verhalten der Hauptcharaktere teilweise etwas kindisch und das Worldbuilding nicht ganz ausgereift fand, habe ich dieses Buch vor allem wegen der magischen Tierwesen und der spannenden Storyline bei gleichzeitigem Wohlfühlfaktor sehr genossen.

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Seamere College 1. Strange Familiars