Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daggy:
Bis der Regen Feuer fängt von Stefanie Höfler
Beängstigend und voller Spannung
Tonia lebt im Jahr 2065 zusammen mit ihren Eltern und ihren älteren Bruder Rudi zusammen in einer überwachten Welt. Ein Sensor am Arm und ein Smartphon in der Hand, so sind die Menschen unterwegs. Vitamine werden durch Pillen ersetzt und es ist wichtig sich anzupassen und dem Normensystem zu entsprechen.
Die Ressourcen sind knapp und es regnet kaum noch.
Doch dann verschwindet Rudi nach einem Streit mit den Eltern und Sol taucht in der Klasse auf. Sie hat genau wie Rudi Narben an den Fingern und sie gefällt Tonia. Doch dann, als es anfängt zu regnen, entschließt sich Tonia ihren Bruder im Wald zu suchen. Rudi ist ein Regenkind, auch wenn wir lange nicht verstehen, was das bedeutet.
Die Dystopie ist nicht so düster und vieles fühlt sich noch sehr vertraut an, anderes ist beängstigen, wie sie ständige Überwachung durch Kameras und den Sensor. Die festen Regeln, aus denen man nicht ausbrechen darf, weil man dann nicht studieren darf. So sind auch gleichgeschlechtliche Paare genauso verboten, wie uneheliche Kinder.
Tonia schafft es dann im Wald zu überleben, weil sie vieles von ihrem Bruder gelernt hat, der sich sehr mit der verbliebenen Natur beschäftigt hat.
Neben der Erzählung, die immer wieder auch in die vergangenen Tage abschweift, gibt es Briefe du Texte, die ich nicht zuordnen konnte, die erst im Nachhinein Sinn ergeben. Fast möchte ich das Buch noch einmal mit dem Wissen, dass das Ende mit sich bringt, lesen.
Manchmal zog sich die Geschichte etwas, zumal ich ja wissen wollte, was hinter den Regenkindern steckt.
Ein ungewöhnliches, spannendes Buch, dass von einer Zukunft berichtet, die wir hoffentlich verhindern können.
Rezensionen von bookloving:
Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider
Wenn Freiheit verboten wird - Eine beklemmende Parabel
MEINE MEINUNG
In seinem beeindruckenden neuen Roman Der letzte Sommer der Tauben erzählt Abbas Khider von einer Gesellschaft, die sich unter der sich allmählich ausbreitenden Terrorherrschaft eines islamistischen Kalifats immer weiter verdüstert. Im Mittelpunkt der bedrückenden Geschichte steht der vierzehnjährige Ich Erzähler Noah, der mit seiner Familie in einer Stadt lebt, deren Namen bewusst unerwähnt bleibt.
Khider verzichtet bewusst auf konkrete geografische und zeitliche Verortung, wodurch der Roman eine beklemmende Allgemeingültigkeit erhält. Die schleichende Veränderung des Alltags ist nicht auf einen Ort beschränkt, sondern ist universell und könnte in vielen totalitären Diktaturen und fundamentalistischen Regimen geschehen. Noahs größter Stolz ist seine Taubenzucht hoch über den Dächern seiner Stadt. Von diesem kleinen Rückzugsort aus beobachtet er ihren Flug und verbindet mit ihnen ein Gefühl von Schönheit, Ruhe und Weite, symbolisieren diese wunderschönen Vögel doch Freiheit und vertrauensvolle Bindung. Als die neuen islamistischen Machthaber jedoch zunehmend das öffentliche und private Leben streng zu kontrollieren beginnen, gerät seine fragile Welt zunehmend unter Druck und das vertraute Umfeld verwandelt sich in ein System aus Verboten, Angst und wachsender Gewalt. In kurzen, Schlaglicht-artigen Kapiteln werden wir Zeugen eines schleichend um sich greifenden Ausnahmezustands. Jedes für sich genommen eher unspektakulär, entfalten sie dennoch in ihrer Abfolge eine beklemmende Wucht.
Khider versteht es hervorragend, die tief in den Alltag eingreifende Ideologie und Veränderungen äußerst anschaulich und nuanciert zu beschreiben. Ob nun das Verschwinden der Musik aus den Cafés, das Verhüllen der Frauen, Schwärzen von Bildern oder das Konfiszieren und Verbrennen von verbotenen Gegenständen - die rigiden Maßnahmen und religiösen Vorschriften dringen Schritt für Schritt bis in die kleinsten Bereiche des Alltagslebens vor. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, werden plötzlich verdächtig oder verboten, so dass sich immer deutlicher die umfassende Umstrukturierung des Lebens offenbart. In eindrücklichen Szenen, in denen das Banale bisweilen ins Groteske kippt, wird die Absurdität der Ideologie ebenso greifbar wie ihre zerstörerische Konsequenz.
Um die Brutalität des Systems sichtbar zu machen verzichtet Khider in seiner eindringlich erzählten Geschichte bewusst auf Pathos und dramatische Überhöhung. Der schlichte, prägnant gehaltene Sprachstil passt hervorragend zu der Perspektive des jugendlichen Ich-Erzählers, der vieles zunächst nur bruchstückhaft versteht und viele Vorgänge mit Staunen, Angst und Unverständnis wahrnimmt. Gerade Noahs scheinbare Naivität legt die Widersprüche, Grausamkeiten und Absurditäten der neuen Gegebenheiten umso schonungsloser frei. Gekonnt lässt Khider zudem eine leise, oft bittere Ironie einfließen, die sich vor allem in beiläufigen Bemerkungen und im familiären Miteinander zeigt.
Zu den stärksten Charakteren gehört die Figur des widerständigen Onkels Ali, der trotz der Verbote heimlich raucht, trinkt und schreibt. Als ein stiller, ironischer und weiser Gegenpol zu den sich die immer weiter zuspitzenden Verhältnissen erklärt er Noah die politischen Hintergründe und eröffnet ihm durch seine stille oppositionelle Art einen Raum des Denkens und Zweifelns. In ihm verdichtet sich ein widerständiger Rest von Eigenständigkeit in dieser trostlosen Zeit.Khider versteht es, die wachsende Bedrohung nicht über spektakuläre Zuspitzungen, sondern über Verdichtung zu verdeutlichen. Gekonnt zeichnet er ein bedrückendes, aber auch sehr bewegendes Bild davon, was religiöser Fanatismus im Alltag anrichtet.
Der Raum, in dem sich Noah bewegen kann, wird Schritt für Schritt enger, das Misstrauen wächst, Beziehungen zerbrechen oder werden von Angst unterwandert. Öffentliche Gewalt wie Verhaftungen, Misshandlungen oder sogar Steinigungen ist keine Ausnahme, sondern logische Konsequenz eines Systems auf, das sich über absolute Deutungshoheit definiert.
Geschickt hat der Autor die Tauben als zentrales Motiv seines Romans gewählt. Sie stehen nicht nur für Noahs Leidenschaft, sondern symbolisieren zudem eine Idee von Freiheit, die sich dem Zugriff der Macht und Kontrolle zunächst entziehen kann. Als sogar das Taubenzüchten schließlich verboten wird und der Himmel selbst zum verdächtigen Raum deklariert wird, fällt schließlich auch der letzte Rückzugsort. Eindrucksvoll führt Khider uns hierbei vor Augen, dass eine Herrschaft, die den freien Flug fürchtet, letztlich jede Form von Autonomie fürchtet und unterdrücken will. Ein beklemmender Ausklang angesichts von Noahs fatalen, unwiederbringlichen Verlusts und seiner äußerst ungewissen Zukunft, aber auch ein kleiner hoffnungsvoller Ausblick, dass sich ein kleiner Rest Widerstand gegen eine vollständige Unterwerfung regt.
FAZIT
Ein beeindruckender, leiser Roman, der mit großer Eindringlichkeit vom Alltag unter religiösem Fanatismus und schwindender Freiheit erzählt..
Es ist ein ebenso beklemmender wie berührender Roman, der lange nachwirkt! Sehr lesenswert!
Rezensionen von Daggy:
Eine Kugel Schoko bitte! Emmos Weg aus dem Selektiven Mutismus von Aniko Lerch
Selektiver Mutismus sehr gut erklärt
Stolz hält uns Emmo sein Schokoladeneis entgegen, dass er selbst am Eiswagen gekauft hat. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, den Emmo zusammen mit Frau Dr. Sperling und seiner Familie gehen muss.
Denn Emmo spricht ausschließlich zu Hause mit seiner Familie, da plappert er problemlos drauf los, aber wenn er in der Kita ist, hängen die Worte in seinem Hals fest.
Da Emmo uns selbst seine Geschichte erzählt, erfahre wir genau, wie es ihm geht, wenn erwartet wird, dass er spricht. Mit seinem Schweigen macht er aber auch die anderen aggressiv, sie verstehen nicht, warum er nichts sagt. So übernimmt sein kleiner Bruder das Sprechen für ihn und seine Mutter umgibt ihn nur mit Menschen, die Verständnis mit Emmo haben. So lernt Emmo Geige und sein Lehrer hat keine Probleme damit, dass Emmo nicht mit ihm spricht, ihre Sprache ist die Musik. Erst als Emmo zu Frau Dr. Sperling kommt, hat seine „Nichtsprechen“ ein Diagnose „Selektiver Mutismus“, und obwohl ich das Buch „Luftmaschentage“ kenne, war mir der Begriff fremd. Er beschreibt Menschen, die zeitweilig nicht sprechen, obwohl sie es können. Frau Dr. Sperling begleitet Emmo einige Jahre und gemeinsam schaffen sie es, dass Emmo, als er in die Schule kommt mit seinen Mitschülern und mit der Lehrerin spricht. Sie geht da sehr langsam und mit viel Gefühl vor, aber sie ist sehr erfahren und weiß, wie sie Emmo dazu bringt zunächst Buchstaben lautlos zu sprechen.
Im ersten Teil das Buches berichtet Emmo und im zweiten Teil gibt es Tipps, wie man mit Ritualen und ganz viel Lob etwas bewirken kann. Ein Buch, dass Hoffnung macht und uns anderen zeigt, dass wir mehr Verständnis aufbringen müssen, wenn uns ein Kind nicht antwortet.
Neben dem gut verständlichen Text gibt es viele bunte Bilder und Anregungen für Rituale im zweiten Teil.
Rezensionen von Daggy:
Sigismund lernt brüten von Bettina Wagner
Witzig und voller Frauenpower
Kräftig krähend sehen wir Sigismund auf dem Cover, dann werden zunächst die drei Hühner vorgestellt. Doris, Rosemarie und Adelheit leiden sehr unter diesem lauten Krähen, dass über den Hof schallt. Adelheit platzt der Kopf, Doris und Rosemarie sorgen sich um Küken und Eier. Und dann fordert Sigismund die Damen noch auf ihn auf seinem Kontrollgang über den Hof zu begleiten.
Stolz schreitet er voran, gefolgt von den Hühner und den Küken. Aber zu den Kühen muss die Gruppe eine Straße überqueren und als es auf dem Rückweg zu einem Unfall kommt bei dem Rosemarie verletzt wird, fordert Adelheit, dass Sigismund die Eier ausbrühten soll.
Trotz aller Tragik eine witzige Geschichte, die zeigt, dass auch solche Machos, wie dieser Hahn klein bei Geben bei so viel Frauenpower. So kommt es, dass Sigismund Carearbeit leisten muss, „es wird höchste Zeit, dass auch mal ein Hahn brütet.“
Die Illustrationen muten ein wenig naiv an, was, wie ich finde, gut zum Bauernhof passt. Der Text ist recht kurz und gut verständlich und mit einem Augenzwinkern geschrieben. Mir gefallen die emanzipierten Hennen.
Rezensionen von Daggy:
Ich bin Ida von Sabine Westermaier
Erstklässlerin Ida
Eine fröhliche Ida kommt uns da auf dem Cover entgegen, sie freut sich, dass sie nun endlich Schulkind ist. In 20 Kapiteln werden wir sie durch das Schuljahr begleiten.
Zunächst treffen wir sie in ihrer Klasse und hier ruft sei ein Junge „Dieckie!“, da richtet Ida die Spitze ihrer Schultüte auf den Jungen und sie sagt ihm ihre Meinung.
Danach ist sie zunächst über sich selbst erschrocken doch ihre Lehrerin gibt ihr Recht und Ida setzt sich neben Esra, die dann ihre Freundin wird. Ein doppelseitiges Bild zeigt wie Ida wüten auf den Jungen zugeht, es zeigt sehr gut ihre Wut und sein Erschrecken. Ida lebt mit ihren Zwei Papas zusammen Papa Till und Papa Tom. Ihre Mama wohnt in Kalifornien auf einem Berg und dort gibt es Pfauen, diese Vögel sind Idas Lieblingstiere und sie tauchen immer wieder auf, zum Schluss wird sogar eine Seifenkiste mit Pfauenfedern geschmückt.
Meine Enkelin kommt in diesem Jahr in die Schule, aber ich weiß nicht, ob ich ihr das Buch gebe, denn sie wird sicher nicht verstehen, dass ein Kind so weit von seiner Mama entfernt lebt. Sie weint sogar, wenn die Pinguine ihre Eltern verlassen. Obwohl es natürlich wichtig ist, auch andere Familienformen kennenzulernen und zu erleben, dass Ida sehr glücklich mit ihren Papas ist. In einigen Geschichten geht es um Abkürzungen wie LOL oder BFF, ich habe solche Begriffe noch nicht bei meinem Enkel gehört, aber vielleicht tauche sie in anderen Schulen auf.
Der Text beginnt immer mit dem Alter von Ida, leider ändert sich das von 6 auf 7, obwohl der Geburtstag erst in einem späteren Kapitel gefeiert wird. Ich mag solche unlogische Sachen nicht so gerne.
Ein Buch mit schönen Erlebnissen im ersten Schuljahr und vielen schönen bunten, teilweise großen Illustrationen.
Rezensionen von Daggy:
Wenn die Trauer zu dir kommt von Roland Kachler
Auch die Trauer und der Tod haben Platz in unserem Leben
In diesem Buch, dessen Cover zwei Kinder zeigt, eines, das traurig ist und eines, dass tröstet, werden konkrete Trauerfälle beschrieben. Da Roland Kachler Theologe ist, meist aus der Sicht des christlichen Glaubens, obwohl es auch Informationen zu anderen Religionen gibt.
Im Vorwort wird der Lesende direkt angesprochen und Hilfe in der Zeit der Trauer angeboten, mit dem Ziel auch wieder fröhlich sein zu können.
Mia fragt ihre Oma, wie der Opa verstorben ist, der Oma fällt es nicht zunächst nicht leicht darüber zu sprechen und sie benutzt das Wort „Abschied“. Neben der kleinen Geschichte, die mit einigen Bildern ausgeschmückt wird, gibt einen blau unterlegten Text, der sachlich über die Trauer informiert. Unter der Überschrift „Was wir bei Abschieden machen“ gibt es viele Punkte zu dem Thema und die Kinder werden aufgefordert noch über weiter nachzudenken. Mateo erfährt, dass sein Opa schwer erkrankt ist und dass mit seinem Tod zu rechnen ist. Er geht mit dem Eltern ins Krankenhaus, um sich zu verabschieden. Hier gibt es viele blauunterlegte Text zum Tod und zur Beerdigung. Eine Todesanzeige wird abgebildet und die unterschiedlichen Bestattungsarten werden erklärt. Danach gehen wir mit Luisa, die ihre Tante verloren hat auf den Friedhof. Benni und Sofie müssen erfahren, dass ihr Vater einen Herzinfarkt hatte. Maxis Bruder ist mit dem Roller tödlich verunglückt und auch nach 6 Monaten traut sie noch sehr.
Mir gefällt sehr gut, dass es sowohl eine Zeit für die Trauer gibt als auch für Fröhlichkeit, man darf wieder lachen. Denn oft schafft man es nur schwer die Trauer wieder abzulegen. Sei ist, weil ein anderes Familienmitglied auch traurig ist oder weil man glaubt den Tod verschuldet zu haben, wie Maxi. Es gibt viele Sachinformationen, aber auch Gedanken darüber, was mit der Verstorbenen oder dem Verstorben geschieht. Nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit der Seele.
Das Buch ist gut strukturiert und beschreibt sehr traurige Situationen, die Bilder sind einfach gehalten. Das Kind sollte das Buch immer nur in Begleitung lesen.
Rezensionen von Pusteblümchen:
Annie Knows Everything von Rachel Wood
Humorvolle RomCom
Annie weiß eigentlich immer alles. Aber nun gerät ihr Leben gerade ein wenig aus den Fugen, da sie ihre Arbeitsstelle verliert. Dank ihrer Freundin Carrie erhält sie direkt einen neuen Job. Das einzige Problem ist, dass ihr für diesen die Kompetenzen fehlen. Natürlich hält das Annie nicht davon ab, die Stelle anzutreten.
Nun muss sie nur ihren neuen Chef Connor davon überzeugen, dass sie die Richtige ist.
Gleichzeitig steht noch die Verlobungsfeier ihrer Schwester Shannon an, die Annie bereits vor drei Jahren erfolgreich verhindert hat, was ihr ihre Schwester noch immer verübelt.
Der Plot bietet eine gelungene Mischung aus Unterhaltung, Humor und Lovestory. Sie Charaktere sind liebenswert, aber auch durchaus anstrengend. Genau das ist es, was diesen Roman ausmacht. Sie wirken dadurch menschlich und authentisch, ich konnte mit ihnen mitfühlen und lachen.
Die Handlung ist mitreißend und unterhaltsam wodurch sie bei mir ein wunderbares "Feel-Good"-Gefühl erzeugt hat.
Ich kann diese witzige RomCom bedingungslos empfehlen kann.
Rezensionen von ekiam:
Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita von Jasmin Schaudinn
Ein liebevoller Begleiter für das letzte Kita-Jahr
In diesem Buch begleiten kleine Leserinnen und Leser die Vorschulkinder Alma, Kisi, Pippa, Aziz und Emil aus der Kita Kichererbse durch ihr letztes Kindergartenjahr. Die elf Kurzgeschichten erzählen vom ersten Treffen der Vorschulgruppe mit Erzieher Joschi, einem Schulbesuch, Emils Geburtstagsparty oder einem Nachmittag bei Aziz bis hin zum Abschiedsfest in der Kita.
(Angehende) Vorschulkinder werden hier in vielen Situationen abgeholt, die sie selbst bereits kennen oder bald erleben werden.
Besonders positiv fällt auf, wie selbstverständlich Vielfalt dargestellt wird: Kinder mit Beeinträchtigungen, unterschiedliche Hautfarben und verschiedene Familienmodelle sind ganz natürlich in die Geschichten integriert.
Die Kapitel haben eine angenehme Länge und eignen sich hervorragend zum Vorlesen. Im Anschluss an jedes Kapitel folgt eine Doppelseite mit passenden Spiel- und Bastelideen. Neben Materiallisten und Anleitungen wird auch erläutert, welche Fähigkeiten dabei gefördert werden – ein schöner Mehrwert, der das Buch über die reinen Geschichten hinaus bereichert.
Die farbenfrohen und humorvollen Illustrationen unterstützen den Text auf gelungene Weise und laden zum gemeinsamen Entdecken ein. Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch die Platzierung der Doppelseite zur Vorstellung der Vorschulkinder, die sich erst am Ende des Buches befindet und dadurch leicht übersehen werden kann. Die erste Doppelseite hingegen ist wie ein Freundebuch gestaltet und bietet Platz für eigene Eintragungen – eine nette Idee.
Insgesamt ist dies ein liebevoll gestaltetes Buch zur Vorbereitung auf die Vorschulzeit, das Kindern spielerisch Sicherheit vermittelt und mögliche Ängste nehmen kann.
Rezensionen von bedard:
Halber Stein von Iris Wolff
Auf der Suche nach Heimat und Zugehörigkeit
Zur Beerdigung ihrer Großmutter Agneta reist Sine gemeinsam mit ihrem Vater Johann nach Michelsberg in Siebenbürgen. Hier hat sie die Sommer ihrer Kindheit verbracht, bevor ihre Eltern einen Ausbürgerungsantrag stellten. Mit der Rückkehr in das Haus der Großmutter und der erneuten Erkundung der Umgebung kehren auch längst vergessene Erinnerungen zurück.
Sine begegnet Julian, ihrem Freund aus Kindertagen, der das Dorf nie verlassen hat. Gemeinsam besuchen sie vertraute Orte wieder, Sine entdeckt deren Schönheit dabei neu und sie erkennt ihre anhaltende Bedeutung für ihr eigenes Leben.
Sines Reise nach Michelsberg fällt in eine Phase des Umbruchs. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, ist zu ihren Eltern zurückgezogen und hat sich bislang eher halbherzig und erfolglos beworben. Der Aufenthalt im Haus der Großmutter gibt ihr den notwendigen Raum zur Reflexion und hilft ihr, Klarheit über ihre Zukunft und anstehende Entscheidungen zu gewinnen.
Trotz des traurigen Anlasses ist Halber Stein kein deprimierender Roman. Er lebt von einer poetischen, ruhigen Sprache sowie von eindrucksvollen Beschreibungen der landschaftlich reizvollen Region und der inneren Prozesse der Protagonistin. Zwar gibt es einzelne dramatischere Begegnungen, insgesamt bleibt der Roman jedoch zurückhaltend und entfaltet gerade dadurch eine nachhaltige, nachdenklich stimmende Wirkung. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Heimat, Erinnerung und Zugehörigkeit.
Auch die Geschichte und Kultur der Siebenbürger Sachsen sowie die Situation der ausgebürgerten und in Deutschland oft unwillkommenen Menschen werden sensibel und unaufdringlich in die Handlung eingeflochten, ohne belehrend zu wirken.
Halber Stein ist ein leiser, atmosphärischer Roman, der durch Tiefe, Sprachgefühl und emotionale Ehrlichkeit überzeugt und lange nachhallt.
Rezensionen von bookloving:
Lola im Spiegel von Trent Dalton
Zwischen Schatten und Spiegelbildern - Ein eindringlicher Roman
Mit dem aufrüttelnden Roman „Lola im Spiegel" ist dem australischen Bestsellerautor Trent Dalton eine faszinierende Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte, vielschichtiger Milieustudie und deutlicher Gesellschaftskritik gelungen, die im letzten Drittel sogar mit Thrillerelementen aufwartet. Dalton erzählt eine ungewöhnliche, intensive und berührende Geschichte von Liebe, Verlust und Entwurzelung, zugleich aber auch von Widerstandskraft, Hoffnung und der rettenden Kraft der Kunst.
Die Handlung ist im heutigen australischen Brisbane angesiedelt und entwickelt schon bald eine fesselnde, sehr eindringliche Atmosphäre.
Im Mittelpunkt steht die namenlose Protagonistin und Ich-Erzählerin, deren Identität von Ungewissheiten und Geheimnissen überschattet ist. Sie wächst am Rand der Gesellschaft unter ärmlichen Verhältnissen auf Schrottplätzen und in ausrangierten Autos auf, weil sie mit ihrer Mutter vor dem gewalttätigen Vater auf der Flucht ist. Schon früh lernt sie, dass sie möglichst unter dem Radar bleiben müssen, denn Namen sind gefährlich und könnten fatale Spuren hinterlassen. Mit großer Empathie und feinem Gespür für soziale Härten zeichnet Dalton nicht nur das facettenreiche Porträt eines Mädchens, das in einer illustren, prekären Gemeinschaft aus Obdachlosen und Gestrandeten aufwächst, sondern zugleich ein schonungsloses, sehr nachdenklich stimmendes Gesellschaftsportrait. Diese so unterschiedlichen Menschen sind geprägt von Schicksalsschlägen, Verlusten, Gewalterfahrungen und täglichem Überlebenskampf. Dalton gelingt es dabei hervorragend, diese mit all ihren Brüchen, Eigenheiten, Verletzlichkeiten sowie ihren traurigen bis skurrilen Geschichten sichtbar zu machen, ohne ihnen jemals die Würde zu nehmen.
Sehr gelungen ist die Erzählperspektive, aus der die Ich-Erzählerin als spätere Künstlerin von einem gewissen Abstand rückblickend auf ihre Kindheit und ihre schwierige Vergangenheit schaut. Das verletzliche Mädchen von einst, das durch das Zeichnen einen Weg findet, sich selbst und ihre verwirrende Welt zu begreifen und das Unsagbare und ihre Ängste sichtbar zu machen, wird so zur Beobachterin und Deuterin ihres eigenen Lebens. Diese künstlerische Ebene des Romans ist äußerst faszinierend. Jedem Kapitel vorangestellt sind Illustrationen von Paul Heppell, die mit kurzen Beschreibungen versehen sind.
Ein zentrales Motiv ist dabei der Spiegel und die Figur der Lola, einer idealisierten, stärkeren Version ihrer selbst, der Mädchen im Spiegel begegnet. Diese imaginierte Doppelgängerin fungiert als Schutzmechanismus, als Trostspenderin und Projektionsfläche für Sehnsüchte. In ihr verdichtet der Autor auf gelungene Weise das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Wunschdenken, zwischen Verletzlichkeit und Selbstermächtigung.
Besonders beeindruckt und berührt hat mich die vielschichtige Persönlichkeit der Protagonistin selbst. Der Autor hat ihr mit ihrer wachen, sensiblen Art eine sehr eigenständige, eindrucksvolle Erzählstimme verliehen. Er zeichnet sie als eine sympathische, künstlerisch hochbegabte Figur mit einem ungebrochenen Überlebenswillen, die sich trotz Verletzlichkeiten und vieler widriger Umstände zu behaupten weiß und dabei stets zutiefst menschlich bleibt.
Auch Daltons bildreicher, opulenter Erzählstil hat mich sehr überzeugt. Immer wieder finden sich eindrucksvolle poetische Passagen, die den Roman atmosphärisch verdichten und mich rasch in seinen Bann gezogen haben. Gerade diese sprachliche Wucht verleiht der Geschichte eine besondere Intensität. Während die Handlung zunächst vergleichsweise ruhig und beinahe fast episodisch verläuft, gewinnt diese jedoch im weiteren Verlauf deutlich an Dynamik und Tempo. Vor allem im letzten Drittel überschlagen sich die Geschehnisse mit immer neuen Wendungen regelrecht und die sich extrem zuspitzende Handlung gleicht stellenweise immer mehr einem Thriller. Diese dramatische Entwicklung mit dem großen Showdown und dem finalen Kampf zwischen Gut und Böse wirkte auf mich allerdings stellenweise zu überzeichnet und nicht ganz überzeugend. Dadurch tritt die Aufarbeitung der Vergangenheit der Protagonistin leider etwas in den Hintergrund und verliert ein Stück ihrer emotionalen Wucht.
FAZIT
Ein intensiver, bewegender und literarisch eindrucksvoller Roman über Verletzlichkeit, Resilienz und die rettende Kraft der Kunst. Besonders stark sind Daltons empathischer Blick auf die Ausgestoßenen der Gesellschaft und die vielschichtige Persönlichkeit seiner Ich-Erzählerin.











