Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Tage am Fluss von Jochen Mariss
Knappe 3 Sterne für das Debüt
In Erlengrund geht alles ein bisschen gemächlicher: Sara betreibt die kleine Fähre, die das Dorf mit dem Rest der Welt verbindet. Sie lebt zurückgezogen mit ihren Tieren auf einem kleinen Hof. Sie hat Sorgen: tiefe Wasserstände, die den Fährbetrieb zuweilen verunmöglichen und ihre Finanzen deutlich schmälern; der geplante Bau einer Brücke, die ihre Fähre und somit ihre Arbeit überflüssig macht; das Haus, das dringend renoviert werden müsste.
Eines Tages taucht ein junger Mann mit einer Verletzung auf ihrer Fähre auf: Leon. Sie verarztet ihn und gewährt ihm Unterschlupf gegen Mitarbeit auf dem Hof. Ein erstes und wichtiges gemeinsames Thema: die Liebe zur Natur…
Erster Eindruck: Das Cover mit der im Fluss badenden Frau gefällt mir; es vermittelt eine Leichtigkeit, Unbeschwertheit.
Sara führt als Fährfrau die Tradition ihrer Vorfahren weiter. Sie lebt ein eigenbrötlerisches Leben; die Gesellschaft ihrer Tiere ist ihr lieber als die der Menschen. Die Schuldgefühle, die sie seit vielen Jahren mit sich herumträgt, hat sie einen Schutzwall um sich herum errichten lassen. Der verletzte Leon taucht aus dem Nichts auf: Ohne sich weiter Gedanken zu machen, gewährt sie ihm Obdach – das hätte ich nicht gekonnt. Leon gibt sich zugeknöpft – er verrät nicht viel über sich, woher er kommt, wohin er wollte, wieso er verletzt ist.
Beim Kennenlernen öffnen sich beide ein bisschen und lassen den anderen ein wenig über ihre Schutzmauer blicken. Sara erzählt von ihren Eltern, ihrem Bruder Jan und ihrem aktuell grösstem Problem, dem geplanten Bau einer Brücke. Er berichtet von seiner Liebe zu den Bäumen, dem abgebrochenen Studium und seiner Teilnahme bei einer Waldbesetzung, die durch die Polizei beendet wurde.
Naturschutz, Klimaangst, Aktivismus, Panikattacken, Fährschifffahrt, Probleme unterschiedlichster Art (Familie, Alkohol, Finanzen) – eine (zu) breite Palette an Stichworten. Was soll ich zu diesem Buch sagen? Lange Zeit war meine Position zum Gelesenen ziemlich neutral: Es war weder ausnehmend gut, noch hat es mich gelangweilt. Es plätscherte ein bisschen vor sich hin, was aber (für mich) zum Thema Fluss passte. Der Ausgang der Geschichte ist mir zu offen. Veränderungen – egal welche – brauchen etwas Zeit. Wäre alles holterdiepolter „perfekt“ aufgelöst worden, wäre es unrealistisch gewesen. Unrealistisch war für mich die Situation mit dem Geld; dies wurde mir zu sehr romantisiert. Für das Debüt gibt es von mir aufgerundete 3 Sterne.
Rezensionen von Miro:
Ich geh jetzt los und bring mich um von Fang Fang
Eine unsichtbare Frau
He Hanqing lebt im Elternhaus ihres Mannes. Der Sohn ist zum studieren ausgezogen und Hanqin kümmert sich um alle Belange der Familie. Sie ist zuständig für den Haushalt, die Versorgung der Schwiegereltern und ebenso fürs Geldverdienen, denn ihr Mann widmet sich nur mehr der Kunstschnitzerei, seit er seine Arbeit in der Werkstatt verloren hat.
Hanqing führt ein äußert beschwerliches Leben, geprägt von mühevoller Arbeit und keiner Sekunde für sich. Sie ist außerdem eine liebevolle Person, die sich um die älteren Nachbarn kümmert, von denen sie immerhin auch mal ein gutes Wort bekommt. Von ihrer Familie wird sie nämlich nur ausgeschimpft und ist nie gut genug. Ihr wurde keine Bildung zuteil, aber sie meistert ihren Alltag mit Bauernschläue und ist sich dessen bewusst, dass auch dieses Wissen seinen Wert hat.
Doch irgendwann wird es He Hanqin zuviel und sie geht los, um sich umzubringen. Dieser Ausbruch aus ihrem Alltag birgt Überraschendes und endet, wie er enden sollte.
Fang Fang widmet sich auch in diesem Buch den Schwierigkeiten eines Frauenlebens im traditionellen China. Ihre Protagonistin ist keine stille und ruhige Frau und doch lebt sie ein unsichtbares Leben, denn ihr wird ihr Wert abgesprochen. Für mich, als Europäerin, ist es schwierig, diesen Kulturkreis zu verstehen und vor allem zu mögen, denn die Bücher der Autorin sind nie einfache Kost. Da fühlt man sich gleich Hunderte Jahre zurückversetzt. Feminismus und Emanzipation scheinen dystopisch weit entfernt. Diese Buch ist wahrscheinlich nicht das Stärkste von Fang Fang, aber auch auch dieses zeigt auf, wie einsam eine Frau im Familienverband sein kann, wenn sie keine Wertschätzung erfährt.
Rezensionen von drachenzahn:
Magische Spiegel - Kinderspiel ab 5 Jahre von Kseniya Kuznetsova
Symmetrie spielerisch entdecken
Der „Magische Spiegel“ ist ein originelles Lernspiel, das Kindern auf spielerische Weise das Thema Symmetrie näherbringt. Bereits Vorschulkinder ab etwa fünf Jahren können damit erste Erfahrungen sammeln, aber auch in der Grundschule lässt sich das Spiel gut einsetzen, etwa als Ergänzung im Mathematikunterricht.
Das Spiel enthält mehrere farbenfrohe Wimmelbilder, die mit ihren kantigen Formen und kräftigen Farben an Werke von Picasso erinnern. Darauf sind verschiedene Motive versteckt, von denen jeweils nur eine Hälfte zu sehen ist. Erst mithilfe eines Spiegels wird das vollständige Bild sichtbar. So lernen Kinder ganz nebenbei das Prinzip der Achsensymmetrie kennen.
Es gibt zwei verschiedene Spielvarianten. In der ersten besitzt jeder Spieler eine eigene Bildkarte und sucht die auf kleinen Aufgabenkärtchen vorgegebenen Motive. Hier spielt jeder weitgehend für sich. Mein Kind empfand diese Variante allerdings gelegentlich als frustrierend, wenn auf der eigenen Karte die gesuchten Motive nur schwer oder gar nicht zu finden waren, während andere schneller Erfolg hatten.
Die zweite Spielidee hat uns deutlich besser gefallen. Alle spielen mit derselben Bildkarte und müssen die fehlende Bildhälfte zunächst gedanklich ergänzen. Erst anschließend wird mit dem Spiegel überprüft, ob die Vermutung richtig war. Dadurch spielt man gemeinsam, und alle haben dieselben Voraussetzungen.
Die pädagogische Idee hinter dem Spiel gefällt mir ausgesprochen gut. Wahrnehmung, räumliches Vorstellungsvermögen und das Verständnis für Symmetrie werden sinnvoll gefördert. Der eigentliche Spielablauf wiederholt sich jedoch recht schnell, sodass der Wiederspielreiz bei uns eher begrenzt war. Nach einer Partie dauerte es einige Zeit, bis unser Kind erneut spielen wollte.
Insgesamt ist „Magische Spiegel“ ein gelungenes Lernspiel mit einem interessanten Konzept, das sich besonders für den Einsatz im Kindergarten oder in der Grundschule eignet. Als abwechslungsreiches Familienspiel konnte es uns jedoch nur bedingt überzeugen, da sich das Spielprinzip auf Dauer etwas wiederholt.
Rezensionen von Petra Gruber:
Querfeldein von Alex Capus
Arnold und sein Gasthof zur Moskau
Ich habe jetzt länger nichts von Alex Capus gelesen, aber alles, was ich bisher gelesen habe, mochte ich sehr. Königskinder, Léon und Louis, das sind Titel, die hängen geblieben sind.
So ist es wenig überraschend, dass ich auch Querfeldein sehr gerne gelesen habe. Ich mag die Sprache des Autors sehr.
Da stimmt jedes Wort, sie ist schön zu lesen und drängt sich nicht vor. Im Mittelpunkt stehen die Geschichten, die erzählt werden bzw. noch mehr die Charaktere, die immer eingebettet sind in ihre Zeit und ihre Gesellschaft, aber dennoch anders sind und besonders.
Arnold hat einen Traum, den Traum vom eigenen Wirtshaus. Mit dem Gasthof zur Moskau (das eigentlich „Zur Eintracht“ heißen sollte, aber das liest man am besten gleich selber zum Einstieg in den Roman) verwirklicht er sich diesen Traum. Und als die mutige, starke, ebenfalls freiheitsliebende Betty auf ihrem Pferd vorbei kommt, verwirklicht sich auch sein Traum von der großen Familie.
Im Grenzbereich zwischen Deutschland und der Schweiz ist immer etwas los und als das Jahr 1933 aufzieht, geraten auch Arnold und seine Familie in das Rad der Geschichte.
Ein wunderschöner, ruhig erzählter Roman. Sehr empfehlenswert!
Rezensionen von Odina:
Tödliches Verderben von Karin Slaughter
Dunkle Wahrheit
„Tödliches Verderben“ von Karin Slaughter ist der zweite Band der North Falls-Reihe und handelt von der Kleinstadt Verona, deren Frieden zerbricht, als eine Polizistin brutal angegriffen wird. Sheriff Emmy Clifton stößt bei ihren Ermittlungen auf eine alte Verschwörung, in die mächtige Bürger verwickelt sind.
Gemeinsam mit ihrer Schwester Jude gerät sie in ein gefährliches Netz aus Lügen, Mord und Verrat. Da es sich um eine Fortsetzung handelt, sollte man den ersten Band gelesen haben um Zusammenhänge und Hintergründe besser zu verstehen. Der Schreibstil ist flüssig, anschaulich und detailreich. Die Atmosphäre wirkt lebendig und düster zugleich. Durch zahlreiche unerwartete Wendungen bleibt die Spannung durchgehend hoch, während nach und nach dunkle Geheimnisse ans Licht kommen. Emmy Clifton ist eine starke, aber auch verletzliche Figur. Ihre Familiengeschichte und persönlichen Schwächen machen sie glaubwürdig und verleihen der Handlung zusätzliche Tiefe. Insgesamt ist das Buch eine gelungene Fortsetzung mit komplexer Handlung, empfehlenswert für alle Slaughter-Fans.
Rezensionen von Thorsten:
Das Krähenzimmer von Carolin Frey
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite
Auf "Das Krähenzimmer" von Carolin Frey bin ich durch das markante Cover und den Spannung erregenden Klappentext aufmerksam geworden. Der Thriller beginnt schon mit einem mitreißenden Prolog und geht spannend weiter. Die Protagonistin Lotta ist eine auffällige Frau mit einigen Ticks und Macken, die eine Auszeit in einem Haus am in den Dünen verbringt, wo sie als Kind oft mit ihrer Familie war.
Lotta fühlt sich dort aber nicht mehr wohl. Ständig hat sie das Gefühl beobachtet zu werden und das sich jemand in dem Haus befindet. Auch die Leute in dem kleinen Dorf verhalten sich reserviert und benehmen sich anders. Als Lotta das Tagebuch einer jungen Frau entdeckt, die vor ihr in diesem Haus gelebt hat, lüften sich nach und nach die Geheimnisse.Carolin Frey hat einen beklemmenden und packenden Thriller mit vielen Geheimnissen vor einem interessanten Hintergrund geschrieben. Der Thriller hat vielschichtige Figuren und die Handlung hallt noch lange nach.
Rezensionen von Seitenquests:
Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis
Es sind die kleinen Dinge
"Ich hab sie geküsst", sagt sie noch einmal, als staunte sie selbst darüber. "Es hat nach Apfel geschmeckt"
Was für eine bedeutungsträchtige Dystopie!
Man taucht direkt in die Handlung ein und erfährt einiges über die Welt, Leben ist eigentlich nur unter den schlimmsten Bedingungen möglich, wenn man es leben nennen kann.
Frauen werden nicht mehr als echte Menschen angesehen, es gibt Regeln, wo wir heutzutage nur den Kopf schütteln würden. Doch wieso eigentlich? Wir steuern genau auf solch eine Zukunft zu, also finde ich, dass das Buch absolut gut die Realität trifft, die sein kann und einem ein wirklich beklemmendes Gefühl dadurch gibt. ABER das Buch schafft es auch, dass man Hoffnung spürt, sich an den kleinen Dingen erfreut und innerlich zu einer Rebellin wird.
Aber wie sieht es mit dem Schreibstil aus? Ganz schön gut würde ich sagen! Der einfacher Stil ermöglicht einen durchgehenden Lesefluss, zieht durch Wortwahl den Leser absolut tief in seinen Bann und lässt diesen auch nicht mehr los. Es ist alles schön beschrieben, so dass man sich alles gut vorstellen kann, seien es Umgebungen, Personen oder gar Emotionen.
Die Charaktere sind alle durch und durch klasse geschrieben. Die Gegenspieler kann man aus gutem Grunde nicht leiden, genauso wie man die Protagonistin und ihre Freundinnen absolut nur mögen kann, jede Einzelne Figur hat ihre Eigenheiten, Schwächen und Stärken, aber - ganz wichtig, auch ihre absolut starke Entwicklungen, die nachvollziehbar sind!
Jess ist absolut ein Mensch die ich bewundere und unterstützen möchte. Ich könnte zu noch einer Figur etwas schreiben, aber das ist leider ohne Spoiler nicht möglich.
Das Cover ist absolut passend gewählt, immerhin sind Bienen der Auslöser für alles aber durch das Verwaschene wirkt es, als sei es eher düster, was wiederum auch passend ist.
Mein Fazit? Absolute Leseempfehlung für jeden, da dieses Thema einfach so unglaublich wichtig ist, ja es ist ein Jugendbuch, aber gerade dort finde ich dieses Thema so wichtig es anzusprechen! Ich habe viel nachdenken müssen nach dem Lesen, ABER das Ende hat mich aufgeregt, da das Buch ein Einzelband ist und die Geschichte so offen endet, als wäre es Tag der offenen Tür und das mag ich absolut nicht leider.
Rezensionen von Odina:
Septembermord von Chris Chibnall
Spannender Dorfkrimi
In „Septembermord“ von Chris Chabnell wird das Dorf Fleetcombe durch den grausamen Mord am Wirt des „White Hart“ aus seiner gewohnten Ruhe gerissen. Detective Nicola Bridge übernimmt gemeinsam mit DC Harry Ward die Ermittlungen und stößt dabei nach und nach auf ein dichtes Netz aus Lügen, Schweigen und dunklen Geheimnissen, das tief in die Dorfgemeinschaft hineinreicht.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und angenehm leicht, sodass man schnell in die Geschichte eintaucht und sich gut in Fleetcombe zurechtfindet. Die eher kurzen Kapitel sorgen für ein angenehmes Lesetempo. Die Spannung wird überzeugend aufgebaut und durch unerwartete Wendungen immer wieder neu angefacht, sodass man bis zum Schluss miträtselt. Besonders gelungen sind die authentischen Figuren. Nicola Bridge und Harry Ward ergänzen sich als Ermittlerteam sehr gut und bringen eine schöne Dynamik in die Handlung. Auch die Atmosphäre im Dorf sowie die Eigenheiten der Bewohnerinnen und Bewohner sind stimmig dargestellt. Insgesamt ist das Buch ein gelungener Krimi für alle, die spannende Lesestunden und geheimnisvolle Dorfatmosphäre mögen.
Rezensionen von peedee:
Himmel, Mord und Wolkenbruch - Die Toten vom Titisee von Martin Heimberger
Amüsante Geschichte für zwischendurch
Himmel, Mord und Wolkenbruch, Band 1: Im Schwarzwald laufen die Uhren anders. Es wimmelt nur so von Kuckucksuhren, Zäpflingen (nicht Wichtel!) und unheimlichen Sagen. Und es findet sich auch ein toter Taucher auf einem Baum. Wie bitte? Die frischgebackene Polizei-Tatortfotografin Sara Gauch und der forensische Meteorologe Teo Eichhorn treffen zufällig aufeinander.
Teo wird von Saras Art überrumpelt und ermittelt wider Willen mit ihr. Denn dass der angeberische Kommissar Hinterwälder mit seinen Ansichten des Vorfalls falsch liegt, müssen sie unbedingt beweisen…
Erster Eindruck: Ein zum Schwarzwald-Krimi gut passendes Cover, auch wenn man sieht, dass einzelne Elemente wie bei einer Collage einfach so darübergelegt wurden (z.B. Wetterhäuschen).
Dies ist Band 1 einer Reihe. Es ist für mich überraschend, dass der Reihentitel grösser aufgeführt ist als der Buchtitel (ich finde es begrüssenswert, wenn der Reihentitel aufgeführt ist, aber so gross müsste er nicht sein).
Sara und Teo – beide ohne „h“ im Namen, so viel Zeit muss sein – waren interessante Charaktere: Sie sprudelt über vor unkonventionellen Ideen; schert sich nicht darum, ob ihr Vorgehen legal ist; handelt, bevor sie zu Ende gedacht hat. Teo stelle ich mir ein bisschen als Nerd vor: ein Meteorologie-Nerd, der stundenlang über Wetterphänomene dozieren könnte. Ich wusste nicht, dass es forensische Meteorologen gibt, die herausfinden müssen, wie das Wetter zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt an einem Ort war, um z.B. Versicherungsfragen klären zu können. Kommissar Florian Hinterwälder (nicht Hinterwäldler!) ist, wie sage ich es bloss diplomatisch, kein Sympathieträger. Ach, lassen wir das mit der Diplomatie: Er ist ein unerträglicher Typ! Aber er ist nun mal Saras Chef, da muss sie durch. Denn er entscheidet darüber, ob sie die Probezeit übersteht. Der Tote im Baum gibt allen Rätsel auf…
Ich kenne noch kein Buch des Autors, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Der Krimi war schnell ausgelesen. Das Wetter war – selbstverständlich – ein grosses Thema und ich fand einerseits diese Faszination für die Meteorologie sehr interessant, aber andererseits hatten diese ganzen Fachbegriffe für mich auch etwas Ermüdendes. Ich habe keine speziellen Interessen an meteorologischen Vorgängen – für mich ist das Wetter einfach, wie es ist. Tja, völlig simpel meinerseits, ich weiss. Eine amüsante Geschichte für zwischendurch; 3 Sterne.
Rezensionen von Kwinsu:
Ein Königreich für eine Schnecke von Maria Reva
Ein schräges, intelligentes und außergewöhnliches Lesehighlight
Jewa ist mit Herzblut Schneckenforscherin und will mit aller Macht versuchen, einige kurz vor dem Aussterben befindlichen Arten in ihrem mobilen Campinglabor zu retten. Um diese Arbeit zu finanzieren, ist sie Teil der ukrainischen Heiratsindustrie und gaukelt den heiratswilligen Ausländern vor, sich für sie zu interessieren.
In diesem Brotjob lernt sie auch die beiden Schwestern Nastia und Sol kennen, die von ihrer Femen-aktivistischen Mutter verlassen wurden. Um deren Aufmerksamkeit zu bekommen, entschließen sich die Schwestern kurzerhand einige der ausländischen Männer zu entführen. Just da startet Russland seinen Angriffskrieg...
Welch intelligenter, kreativer, tiefgründiger und spiegelvorhaltender Roman ist Maria Reva hier gelungen! Wähnt man sich anfänglich in einem Wissenschaftsroman, in dem es hauptsächlich um den leidenschaftlichen Kampf Rewas für vor dem Aussterben bedrohte Schnecken geht, entwickelt sich die Geschichte schnell zu einem Spiegelbild der ukrainischen Gesellschaft - bis dann eben der Krieg anfängt und eine unwiederbringliche und drastische Zäsur einsetzt. Die Autorin schrieb schon mehrere Jahre an dem Buch und musste nach Kriegsbeginn ihre Story komplett überdenken. So webt sie geschickt das Kriegsgeschehen ein, gibt glaubhaft wieder, wie unvorstellbar diese neue Tatsache den Einwohner*innen - und noch mehr den Heiratswilligen aus Übersee - war und doch bald mit der harten Realität leben müssen. Und: sie beginnt sich selbst in das Buch zu reklamieren, reflektiert autobiographisch die Schreiberei und die Geschichte, ohne dass es den Lesenden erst so bewusst ist.
Der Roman ist deshalb - abgesehen von der irrwitzigen Geschichte - alles, nur nicht linear. Reva setzt unterschiedliche Textsorten ein, von der klassischen Erzählung, über Textnachrichten und Drama bis hin zu Interviews und Protokollen. Einige der Texte lösen Rätselraten aus, andere verwirren, ist man aber am Schluss angekommen, kann man nur staunen über so viel gekonnte Genialität, denn auch wenn man nicht alles verstanden haben mag, ergibt alles schlussendlich doch so viel Sinn.
Wir begleiten unterschiedliche Protagonist*innen, die charakterlich authentisch, tiefgehend und doch ein wenig schrullig gezeichnet sind. Im Laufe des Buches entwickeln sie sich, werden nachvollziehbarer, wachsen einen ans Herz. Träume platzen, Ziele verändern sich und trotzdem bleiben allesamt beharrlich, nicht nur um ihrer selbst Willen, sondern auch zum Wohl der Gruppe, die sich zwangsläufig entwickelt und zusammenwächst. Bei all dem Drama, das sich abspielt, bleiben sich die Figuren treu und verlieren ihr Ziel nicht aus den Augen. Beispielsweise sticht Jewa mit ihrer Leidenschaft für Schnecken hervor, sie tut trotz kriegerischem Mord und Totschlag alles, um für Lefty - einer äußerst seltenen Schnecke mit linksdrehendem Gehäuse - einen Partner zu finden, um ihren Fortbestand zu sichern.
Ein weiterer Faktor, der dieses Buch zu einem Genuss macht, ist der schwarze Humor, ohne dem wohl die Tragik der Ereignisse nicht auszuhalten wäre. Diesen gekonnt an den richtigen Stellen einzusetzen, ohne Geschehen und Figuren lächerlich zu machen, ist eine Kunst, die Maria Reva vorzüglich beherrscht. Ebenso die Breite der Gesellschaftsanalyse- und Kritik und Fragen nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Identität.
Es gibt für mich keinen Grund, warum man dieses Buch nicht lesen sollte - für mich ist es jetzt schon ein Klassiker der 2020er Jahre, der mit scharfer Beobachtungsgabe anhand eine großartigen Story unserer westlichen Welt einen Spiegel vorhält. Lang lebe das Königreich der Schnecke!











