Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ulla:
Alice im Land der Ideen von Roger-Pol Droit
wie sollen wir leben
Alice, zwischen Kind und Jugendliche, stolpert in ein Kaninchenloch. Sie trifft dort auf die kluge und die verrückte Maus, auf die Fee der Widerrede und ein Känguru. Diese Gruppe begibt sich auf eine Reise über Kontinente und Zeiten hinweg zu den wichtigsten Philosophen. Denn Alice umtreibt die Frage, wie wir, wie sie selbst, leben soll.
Vieles macht ihr Angst, die Erderwärmung und die Zerstörung der Welt, Kriege und die Veränderungen in unserem Leben durch die KI. Bei diesen Fragen soll sie Hilfe durch die Philosophie erhalten und so trifft sie zu Beginn auf Sokrates. Nebenbei erfährt man auch noch einiges über das Leben in der damaligen Zeit. Sie trifft auf Buddha und Nietzsche und es gibt Denkanstöße, die ihr gefallen und manche nicht oder weniger. Die Fee sieht in allem was sie erfahren auch einen Widerspruch und sät Zweifel an der Aussage der Philosophen während das Känguru in seinem unerschöpflichen Beutel immer wieder neue Informationen und Hintergründe bereithält.
Diese philosophische Reise ist sehr unterhaltsam und leicht verständlich geschrieben, auch ohne Vorkenntnisse gut nachvollziehbar und bringen einen selbst zum Nachdenken. Die Begebenheiten rund um die Reisegruppe lockern die ernsten Themen auf und sorgen für so manchen Schmunzler.
Rezensionen von Ulla:
Querfeldein von Alex Capus
tiefsinnig und leicht lesbar
Arnold wächst in einem schweizer Dorf nahe der deutschen Grenze auf. Bereits in seiner Jugendzeit war er ein unruhiger Geist, er wollte die Welt erleben und arbeitete so in verschiedenen handwerklichen Berufen immer nur für ein halbes Jahr. Bis er als Pflasterer sich auf Knien zum Kasino in Baden-Baden vorarbeitete und seinen Lohn beim Roulette setzte.
Er gewann viel Geld und beschloss, es in einen Gasthof zu investieren. Das Wirtshaus zur Moskau war stets gut besucht und als er Betty traf, sie heiratete und mit ihr 8 Kinder bekam, blieb er dort. Auch Betty hatte einen Hang nach Freiheit und besonders ihre älteste Tochter, die „verrückte“ Clara, streunte bereits als Kind tageweise umher. In der Schweiz hörte man bereits von den Veränderungen in Deutschland, die 1933 immer intensiver wurden. Hermann Weber, ein Schmuggler, hat es noch so gerade über die Grenze geschafft. Der kräftige und zupackende Hermann fand einen Platz in der Wirtschaft und in Claras Herzen bis er von Nazischergen zusammengeschlagen und über die Grenze nach Deutschland verschleppt wurde.
Die politischen Verwicklungen bezüglich Hermann Weber sind historisch belegt, die Liebesgeschichte fiktiv.
Neben dieser echten Geschichte gefällt mir an dem Roman die Schreibweise und Wortwahl, die liebevolle Beschreibung der Charaktere und Eigenheiten der Dorfbewohner und die Landschaft und die besonderen Herausforderungen im Grenzbereich zwischen der Schweiz und Deutschland. Ein tiefsinniger Roman der leicht lesbar ist.
Rezensionen von Marw76:
Never Leave the Path von Antonia Michaelis
Komplex und geheimnivoll
Natürlich gibt es den Hexer vom Berg nicht, da ist sich der 17-jährige Jesper sicher. Doch wer streift dann nachts um die abgelegene Hütte, in der er und seine Mutter Abstand vom Großstadtleben suchen?
Was hat es mit den beklemmenden Bildern auf sich, die Jesper zusammen mit vergilbten Zeitungsartikeln über einen Mord in den Schubladen findet?
Und wer ist das seltsame Mädchen, das im Wald lebt und über Regen und Wind zu gebieten scheint? Wohin geht sie, wenn sie verschwindet, und weshalb kann Jesper nicht aufhören, an sie zu denken?
Als ein plötzlicher Wintereinbruch es unmöglich macht, den Berg zu verlassen, und Jespers Mutter krank wird, weiß er nicht mehr, wem er trauen kann.
.. Doch diese Frage entscheidet über Leben und Tod.
Ich kenne die Autorin bereits von anderen Geschichten, doch diesmal ist das Buch viel düsterer und geheimnisvoller gewesen als die Werke die ich sonst von ihr kenne. Ich hätte das Buch deshalb auch eher einer Altersgruppe ab circa 16 Jahren empfohlen, da die Geschichte ziemlich komplex und anspruchsvoll ist.
Der Schreibstil ist wie von der Autorin gewohnt einfach wunderbar und einzigartig! Das Buch beginnt sehr märchenhaft und voller Rätsel und Geheimnisse. Alles wirkt wie ein düsteres Märchen, das mit Legenden und Sagen vermischt wurde. Je mehr man liest desto öfter fragt man sich auch was davon Wirklichkeit ist und was Traum oder Fantasie?
Ich finde das dieses Buch gerade sehr gut in die herbstliche Jahreszeit passt. Der herbstliche Wald im November wird von der Autorin sehr bildhaft beschrieben und mit der Zeit wirkt alles immer düsterer.
Ich mochte die Geschichte insgesamt sehr gerne, besonders der geheimnisvolle, rätselhafte Anfang und das sehr gut geschriebene Ende mit einer gelungenen Auflösung, haben mir gefallen. Die Mitte des Buches ist gut geschrieben, aber manchmal war es mir fast ein wenig zu komplex und rätselhaft, hier war es teils ein bisschen zäh für mich persönlich, aber das ist immer Geschmackssache.
Die Geschichte ist ein Mix aus Märchen, Legende und ganz viel Wechsel von Traum und Fiktion, komplex zu lesen aber mit einer gelungenen Auflösung. Für Fans der Autorin und Jugendliche auf jeden Fall zu empfehlen, gerade jetzt im Herbst oder Winter!
Rezensionen von yellowdog:
Flora von Jonáš Zbořil
Bildhafte Sprache
Flora ist
eine Dystopie
geheimnisvoll
soghaft
faszinierend
Ein Paar finden ein fremdartiges Wesen und nehmen es mit. Sie nennen es, das eine bizarre Mischung aus Fleisch und künstlichem ist, Flora und kümmern sich um es, als wäre es ihr Kind.
Während Sara ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht und sich dabei in Gefahr bringt, hält Adam auch eine beobachtende Distanz
Durch die bildhafte Sprache des Autors wird man an den Text gefesselt.
Rezensionen von rewareni:
Kommissar Panowski von Axel Stamm
Ohne Worte
Schon der Titel des Romans ,, Kommissar Panowski – Kein Bretagne Krimi“ macht ja schon einmal neugierig. Der Autor Axel Stamm nimmt dabei den Leser auf eine besondere Reise nach Frankreich mit, wo man bereits zu Beginn schon überrascht wird ob des Kommissars Panowski, wo ich aber nicht verraten möchte, warum.
Es ist eine ruhige Geschichte, wo zwei Kommissare aus dem schwäbischen Holzgerlingen ob eines Austauschprogrammes in der Bretagne ihren Dienst versehen werden ohne zu ahnen, dass ihrer beider Leben sich von Grund auf ändern wird.
Die Mischung zwischen humorvollen Szenen, wo unter anderem ein ehemaliger Straßenhund ein neues zuhause findet oder ein schwäbisch angehauchtes Französisch, das oftmals für leichte Verwirrung sorgt, sowie die unausgesprochenen Gedanken zwischen den Protagonisten, die trotzdem wissen, was der andere meint, lässt den Roman noch intensiver wirken. Auch wenn scheinbar die Geschichte nur dahinplätschert, hat sie eine Tiefe in sich, die vor allem dadurch überzeugt, dass der Autor viele schöne Gedanken nieder geschrieben hat. Über die Beziehung der Menschen untereinander und auch die eigenen Reflexionen der Protagonisten über ihre Wünsche, Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen.
Man findet Menschen in der Geschichte, die oft von ihren eigenen Gefühlen überrumpelt sind und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wo manchmal schweigen mehr sagt als 1000 Worte, wo aber auch viel Zeit verloren geht, wenn man nicht den Mut hat, das zu sagen, was einem am Herzen liegt.
Der Schreibstil ist flüssig und zeigt auch, dass ein trockener Humor seinen besonderen Reiz hat, wo man als Leser immer wieder mit den Protagonisten mitgelitten hat. Man hat dabei oft gespürt, wie so mancher darauf gewartet hat, dass sich Dinge von alleine regeln.
Oft hat einfach nur ein Blick oder eine kleine Geste gereicht, wo mehr an Gefühl und Emotion zu spüren war, als viele Worte.
Es ist ein gefühlvoller und schöner Roman wo man sieht, dass das Leben so einfach sein kann, wenn man an einem Ort angekommen ist, wo das Herz zu Hause ist.
Rezensionen von marcialoup:
Dem Meer entgegen von Lidija Hilje
eine bittersüße, gefühlsintensive Liebesgeschichte ... mit besonderem Schreibstil
Dieses Buch rührt zu Tränen, es bohrt sich ins Herz, schüttelt die Seele durch, reißt an den Nerven und erschüttert immer wieder!
Dazu ist die Geschichte dicht und gefühlvoll mit wohlgeformtem Klang erzählt.
Dieses Buch kann man nicht loslassen!
Zu Beginn eher harmlos, braucht man einige Kapitel, um sich einzufinden.
Man begleitet Ivona durch ihr Leben, das anders als gewünscht verläuft. Sie ist Biologin und hätte gern in diesem Beruf gearbeitet, bekommt im Kroatien der 1990er aber wenig Chancen. Sie trifft früh ihre große Liebe Vlaho, kommt in dessen Familie zunächst beinahe mehr an als in ihrer eigenen, wird dann aber durch Schicksalsfügungen getrennt.
Ivona’s verflossene Liebe tut auch den Lesern weh, die Zurück-Erinnerung an das Kennenlernen knistert durch die Seiten...
Als Ivona die Trennung, die brutal erscheint, rückblickend betrachtet, erkennt sie darin auch andere Lebenslinien, die dahin geführt haben wo sie Jahre später steht. Ivona muss sich mit vielem auseinandersetzen, das an die Substanz geht.
Ihre Mutter verliert sie viel zu früh, unsinnig und tragisch. Später pflegt sie ihren Vater, weil niemand anders sich verantwortlich fühlt.
Ihr Herz ist in Vlaho verloren. Der Schmerz wütet in ihr. Auch Jahre später. Immer!
Denn Vlaho bleibt sehr nah.
Auch mit einem neuen Partner findet sie keine innerliche Ruhe.
Diese eine Liebe... sie ist so echt und wahr, sie zerreisst Ivonas Körper, verbrennt ihre Seele und bekleidet ihr Leben.
Weitere Entscheidungen werden ihr abverlangt und sie bemerkt die Fremdbestimmung, die sich durch ihr Leben zieht.
Ist sie selbstlos oder egoistisch?
Der Roman wird schwebend in zwei Zeitebenen erzählt, bis man im aktuellen Jetzt ankommt.
Dem Schreibstil der Autorin schenkt man gern besondere Beachtung, denn sie hat eine wortverspielte Ausdrucksweise, die leise und subtil durch die Zeilen huscht. Dabei gehen die Gefühle beider Protagonisten, Vlaho und Ivona, in eine so tiefe Ebene, dass man sie selbst erlebt.
Bitterzart, schmerzverzehrend, herzbebend ... läuft diese Liebe in einer unsichtbaren Bahn, in der jeder für sich gefangen ist.
Atmosphärische Beschreibungen einer wunderschönen Kulisse Kroatiens gepaart mit zutiefst Ehrlichem machen die Geschichte sehr lebendig.
Eine unbeschreibliche Liebesgeschichte, die lange nachhallt.
Es ist schwer, dieses Buch loszulassen!
Rezensionen von herrfabel:
Die Auster von Yael Inokai
Tolles Buch, großartiges Gesellschaftsporträ!
Dieser Roman beginnt mit einem Todesfall. Der Arbeitgeber und Geschäftsführer eines großen Berliner Kaufhauses wird tot in seinem Haus aufgefunden. Nicht von Angehörigen oder Verwandten, von der 73 jährigen Putzfrau Leonora Bloch. Doch statt sofort die Polizei zu informieren, macht Leonora das, was sie schon seit über 40 Jahren für Dr.
Bronstett macht, sie putzt gründlichst und beseitigt jegliche Unordnung. Als die Polizei eintrifft ist das Gröbste bereits verschwunden, das Blut weggewaschen, nur der reglose Körper mit den fehlenden Händen liegt noch mitten im Raum.
„Er lag am wärmsten Ort des Hauses. Leonora hatte sich selbst einmal auf diesen Boden gelegt, in einem selbstvergessenen Moment vor vielen Jahren. Seither war das für sie untrennbar mit Reichtum verknüpft: nach einem Arbeitstag an der Tür die Schuhe ausziehen und barfuß durch das Haus spazieren. Verlustängste haben, einen Mantel aus Kaschmir besitzen, von einer Fußbodenheizung getröstet werden.“
Kurze Zeit später taucht im Fischrestaurant in der 6. Etage des Kaufhauses eine von ihnen wieder auf. „Die Zeugin betonte, sie habe die Hand tatsächlich erst für einen verdorbenen Krebs gehalten, ein gräuliches, aufgedunsenes Exemplar – ihre Stimme geriet ins Stocken –, das von der Bedienung aus dem Eis gezogen worden sei. Und die habe genauso wenig begriffen, um was es sich da eigentlich handelte.[…] Sie wollten einfach Austern essen gehen im Kaufhaus, wie ganz normale Leute, wer würde denn auf die Idee kommen…?“
Während sich die Gerüchte im Kaufhaus ihren Weg bahnen, die Suche nach der anderen Hand und dem Täter weitergeht, kümmert sich Leonora mit der Tochter des Verstorbenen um die Beerdigung. Dabei prallen erneut unterschiedliche Welten aufeinander, während sie sich noch Gedanken um ihre finanzielle Not macht, möchte Amande Bronstett so schnell wie nur möglich Berlin wieder verlassen. Die beiden Frauen finden irgendwie zueinander, Leonora wird zu einer Art Notfallkontakt und doch, so scheint es, bleibt es nur ein kurzes Verschwimmen der Grenzen zwischen Luxus, Auftrag und echter Menschlichkeit.
„Leonora versuchte sich vorzustellen, wie so etwas gehen sollte. Wo überhaupt Platz gewesen wäre für noch mehr Geld in diesem Leben mit diesem Haus und diesen Autos in ihrem doppelgeschossigen Parkhäuschen. Eins der Autos war für den Sommer, für Ausflüge zum See, ans Meer. An den restlichen dreihundertvierundsechzig Tagen im Jahr schlief es unter seiner Decke.“
Wie man nun an diesen kurzen Zitaten schon erkennen kann, wird jede*r mit Erwartungen an einen Kriminalfall mit einer gewohnt lückenlosen, perfekt begleiteten Ermittlung, sicherlich nicht so viel Freude an diesem Buch haben. Bei „Die Auster“ von Yael Inokai handelt es sich nämlich mehr um ein als Spannungsroman getarntes Gesellschaftsporträt, das nicht nur die sozialen Unterschiede oder die kapitalistisch geprägten Veränderungen eines Kaufhauses thematisiert, sondern auch zwischen den Zeilen das Alleinsein der Menschen sichtbar macht. Und genau das habe ich an diesem Roman geliebt. Inokai zeichnet ein Bild einer Gesellschaft in der Menschen zwar miteinander kommunizieren, zwischenmenschliche Verbindungen eingehen, und doch bleibt jede*r mehr oder weniger für sich, mal mehr sichtbar, mal ganz unscheinbar und zurückgenommen. Und da ist deutlich mehr als dieser Reichtum, der Menschen voneinander trennt. Ein jede*r hat andere Sorgen, Probleme und Geheimnisse, eine ganz andere Realität, in der andere Welten womöglich nur in kleinen Momenten sichtbar werden und eine Rolle spielen.
„Im Großen und Ganzen war sie unsichtbar, konnte durch die Welt gehen, als gäbe es sie nicht. Nur manchmal hob sich das auf. Dann war es wie ein Scheinwerfer, der auf sie fiel. Die Leute kamen drauf, dass sie als Putzfrau arbeitete, sie dachten an ihre Omas und Mütter, an ihre eigene Rente, an das Elend des Älterwerden, und die Augen füllten sich mit Mitleid.“
Rezensionen von herrfabel:
Lori von Anousch Mueller
Spuren des Schweigens
„Wenn sich ein Geheimnis löst, beginnt die Geschichte von Neuem. Als zweite Fassung von uns gibt es ab dann in der einen und in der anderen Version“ sind die ersten Zeilen von Anousch Muellers Roman „Lori“ und wahrscheinlich ist genau das, was dieses Buch so faszinierend und spannend finde, denn mit diesem Buch nähert man sich nach und nach einem großen Geheimnis, das so eine Familiengeschichte komplett auf den Kopf stellt und zeitgleich alles erklärt.
Helena Ross, genannt Leni weiß es eigentlich schon sehr lange, sie fühlt es, sieht es ab und an in Erinnerungsfetzen, gerade ein kleiner Anhänger aus Glas, der das Licht in Regenbogenfarben bricht weckt eine tiefsitzende Erinnerung. Auch wenn alle von einer Retrograden Amnesie reden, so weiß Leni genau, dass es da noch ein anderes Mädchen, eine weitere Schwester gab, die aus irgendeinem Grund plötzlich nicht mehr da war. Leni wächst ‚am Ende der Welt’ in einem alten verlassenen Bahnhof mit ihren fünf Geschwistern in Thüringen auf. Ein wildes Durcheinander mit vielen Rangeleien, man kann es sich vorstellen. Und während der Vater sich überfürsorglich um die Kinder und ihre äußerlichen Verletzungen kümmerte, zog sich die Mutter immer mehr zurück.
„Immer war es Papa, der die tröstenden Worte sprach. Immer war es Mama, die sich abwandte, immer mit einem Baby auf dem Arm.“ „Während Papa damit beschäftigt war, uns wieder zusammenzuflicken, hielt Mama das Haus in Schuss. Sie fegte, wischte, putzte und polierte mit einer manischen Hingabe.“
Doch da ist noch mehr… nach all den Jahren nähert sich Leni endlich dieser Leerstelle in ihrem Leben, was ist damals geschehen?
„Noch immer hatte ich nichts als die Informationen aus dem Mutterpass und die Erinnerungen an ein Mädchen, mit dem ich auf dem Rand einer Blumenrabatte balancierte, und wie Mama nach uns ruft: Lori, Leni! Ein Gleichklang zu Beginn, zwei Mal zwei Silben, abgerundet mit einem hellen, fröhlichen i“
Dieser Roman bewegt sich zwischen den Jahren 1974 bis 2000, gibt Bilder einer Familie preis, die zwischen DDR, Wende und Schicksalserfahrungen ihren Weg sucht um mit den damaligen Geschehnissen umzugehen, die klassische Rollenbilder belegt und aufbricht, und dabei irgendwie ein ganz anderen Blick auf die Zeit wirft. Es ist eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte, eine DDR-Geschichte und ein Geheimnis in einem. Leni nimmt uns mit durch die Zeit; ihre Geschichte.
Ich gebe zu, dieser Roman hat mich und meine Konzentration beim Lesen sehr gefordert. Die Zeitsprünge und vielen Themen, die dieser Roman vereint, machten ihn zwar sehr faszinierend und intensiv, gleichzeitig brachten mich die wechselnden Zeiten häufig etwas durcheinander und störten meinen Lesefluss. Gerade die Liebelei und Ausflüge mit dem Geliebten störten etwas dieses Bild auf die Familie und gleichzeitig ist es doch so ein wesentlicher Baustein in Lenis Leben. Ich glaube, wie die ersten Zeilen bereits ankündigen, ist ein doppeltes Lesen gar nicht mal so verkehrt um alles komplett deuten und jeden Erinnerungsschnipsel verstehen zu können… und dennoch ist „Lori“ ein sehr beeindruckender Text, der sprachlich, emotional, wie geschichtlich so einiges bereithält.
Rezensionen von manu63:
Koch! Mich! Jetzt! von Leon Schreiber
Schnelle Rezepte
Koch! Mich! Jetzt! Ist der Titel eines Kochbuches mit schnelle Rezepten von Social Media Koch Leon Schreiber. In diesem Buch stellt er schnelle Gerichte für 2 Personen vor, die einfach und schnell zubereitet werden.
Das Buch beginnt mit den Basics für Grundvorrat und Ausstattung. Das ist eher was für Neulinge, alte Hasen werden das schon wissen.
Dann folgen drei Rezepte für Grundwürzmischungen die einfach und unkompliziert mit gut zu bekommenden Zutaten auch auf Vorrat her gestellt werden können.
Im Abschnitt 15 Minuten Feuerwerk stellt Schreiber Gerichte vor die in 15 Minuten fertig sein sollen. Die Zeitangaben sind selbst für Praxiserprobte ambitioniert. Man sollte mit Vorbereitung und Zubereitung lieber 30 Minuten einplanen. Aber das finde ich für eine frische Mahlzeit auch schon recht fix.
Dabei reicht die Palette von Gnocchi, über Nudeln bis zu Reis und weiteren Hauptzutaten. Die einzelnen Komponenten kann man fast überall bekommen und man kann auch gut einiges im Vorrat haben. Die Zubereitung wird erklärt, es fehlen aber Angaben zu Nährwerten oder Kennzeichnungen wie vegan, vegetarisch oder ähnliches für die schnelle Übersicht. Meist sind die Rezepte für 2 Personen angegeben und die Menge empfinde ich auch als solide.
Dann folgen Gerichte die im Ofen zubereitet werden, One Pot Wonder und Pastaglück, Bowls und Feelgood Greens, Snacks und Soulfood, Meal Prep und Easy für Morgen und zum Schluss Sweet und Easy.
Für alle diese Kapitel gilt was ich zum ersten Abschnitt geschrieben habe. Zeitangaben sind ambitioniert, man sollte erst mal das doppelte an Zeit für die Vorbereitung einplanen.
Ein Register dient zum schnellen Auffinden einzelner Gerichte, wobei man auch nach Hauptzutaten suchen kann.
Insgesamt ein Kochbuch mit netten Anregungen für eine schnelle frische Mahlzeit, mit gut erhältlichen Zutaten und einfacher Zubereitung.
Rezensionen von Magdalena E.:
Leuchtende Schatten von Iris Wolff
Freundschaft, Verlust und Freiheit
Wie schon in „Halber Stein“ entführt Iris Wolff die Lesenden auch in ihrem zweiten Roman „Leuchtende Schatten“ nach Siebenbürgen, diesmal in ihren Geburtsort Hermannstadt. Und wieder ist der Ort mehr als bloße Kulisse. Die gefühlvollen Schilderungen von Landschaft und Stadt sind zentraler Bestandteil des Textes.
Sie erzählt die Geschichte der tiefen Freundschaft zwischen den Schülerinnen Ella und Harriet. Zwischen Erwachsenwerden, den Anforderungen von Familie und Gesellschaft und den zunehmenden Spannungen in den letzten Kriegsjahre (1943-45) versucht die Ich-Erzählerin Ella ihren Weg zu finden. Es geht um die Fragen von Gemeinschaft und Freiheit, aber auch um die Erfahrung von Abschied und Verlust.
Bildgewaltig, einfühlsam und poetisch ruhig erzählt nimmt die Autorin die Lesenden mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die bis heute nachwirkt.











