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Im Detail

All die unbewohnten Zimmer

Autor: Friedrich Ani

Deutsch
2019 - Suhrkamp Verlag

E-Book (EPUB)

Auch verfügbar als:

Fester Einband
€ 22.70

inkl. gesetzl. MwSt.
20

&euro 18,99

Inhalt

Kurztext / Annotation
"Die Vier" müssen im neuen Roman von Friedrich Ani aktiv werden: Polonius Fischer (der ehemalige Mönch), Tabor Süden (der zurückgekehrte Verschwundenensucher), Jakob Franck (der pensionierte Kommissar, immer noch Überbringer der schlimmsten Nachricht) und Fariza Nasri (Beamtin mit syrischen Wurzeln, erlöst von der Verbannung in die Provinz). Alle wenden ihre einzigartigen Methoden auf, um die Ermordung einer Frau und die Erschlagung eines Streifenpolizisten aufzuklären.

Die Todesfälle erregen größte Aufmerksamkeit, weil sie gesellschaftliche und politische Debatten (ausgehend vom rechten Rand) über die unfähige Polizei, Flüchtlingskinder, Ost- und Westdeutschland, "das System" anfachen.

Deshalb kämpfen "die Vier" mit möglichen Hinweisen auf die Täter, Zeugen, die nichts gesehen haben wollen, suchen nach Vermissten, die zur Aufklärung beitragen (sollten), sind konfrontiert mit falschen Geständnissen. Nachfolgeverbrechen können sie dabei zunächst nicht verhindern - bis die unterschiedlichen Fahndungsmethoden "der Vier" den Zufall in Notwendigkeit überführen.

In seinem neuen Roman schlägt Friedrich Ani einen Weg durchs Gestrüpp unserer politischen und individuellen Verfasstheit. Er eröffnet Aussichten, die dem Leser vom Rand des Abgrundes Einblick in das Unbeschreibliche eröffnen.

Nach All die unbewohnten Zimmer müssen wir die Literatur, die Kriminalliteratur, das Schreiben über Wahr und Falsch, das Böse und (das nie zu erreichende) Gute, Leben und Tod neu sehen lernen.

Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Jugendbücher, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde mehrfach übersetzt und vielfach prämiert, u. a. mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis. Seine Romane um den Vermisstenfahnder Tabor Süden machten ihn zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Friedrich Ani ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und des Internationalen PEN-Clubs. Sein Roman Der namenlose Tag (2015), ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi Preis und dem Stuttgarter Krimipreis, markierte Anis Wechsel zu Suhrkamp. Seit 2015 ist Friedrich Ani auch mit seinen Theaterstücken im Suhrkamp Theater Verlag vertreten.

Textauszug
1

Hier bist du richtig

Neun Tage zuvor, an einem Sonntag, klingelte um acht Uhr dreißig das Diensttelefon meines Chefs. Seit einer Stunde saßen wir in seinem Büro, vertieft in einen Fall, der uns den Schlaf raubte - nicht bloß, weil ein Kollege lebensgefährlich verletzt worden war. Vor allem, weil die Presse uns für einen Haufen Gummiwürste hielt. Für mich - wenn wir unter uns waren, für alle im K 111 - verhielt es sich genau umgekehrt.

Die Journalisten waren die Gummiwürste, zumindest solche, die nichts anderes im Sinn hatten, als die dumpfen Reflexe eines Teils der Bevölkerung zu bedienen und Angst und Misstrauen zu schüren, bevor überhaupt klare Fakten vorlagen. Diese Art von Manipulation kotzte mich besonders an; das hatte nicht nur persönliche Gründe.

Bei manchen Begegnungen mit Reportern im Verlauf unseres aktuellen Falls hätte ich die Fassung verloren und Dinge gesagt, die definitiv nicht PAG -tauglich gewesen wären - hätte mein Chef nicht rechtzeitig nach meiner Hand gegriffen.

So etwas machte der Mann. Hielt ungeniert meine Hand, drückte sie, ließ sie wieder los. Beim ersten Mal - kurz nachdem wir die Ermittlungen im Mordfall Anna Walther und in der Sache Mordversuch an KK Max Gronsdorff aufgenommen hatten - erwarteten uns am Tatort, spätnachts, zwei Journalisten einer Boulevardzeitung.

Mein Tag war lang gewesen, die Nacht kurz und der Weißwein von einem Nordhang in Sibirien. Ich sah den Mann mit seinem Ziegenbart und dem Aufnahmegerät auf uns zukommen; mein lädierter Magen rief: Stopf ihm das Ding in den Rachen, dass er so leiden muss wie ich; ich wollte schon den Arm ausstrecken.

Da umfasste die Hand meines Chefs meine brodelnden Finger.

"Nehmen Sie Ihr Leben nicht allzu persönlich", sagte Polonius Fischer zu dem Reporter. "Heute keine Interviews mehr, keine Fotos. Morgen findet eine Pressekonferenz statt, das wissen Sie; ich respektiere Ihre berufliche Neugier und Ihre Hingabe an die Arbeit. Vergessen Sie nicht, an diesem Ort ist ein Mensch gestorben, ein weiterer wurde schwer verletzt. Sie sehen die Blumen und Kerzen vor der Häuserwand. Lassen Sie uns gemeinsam eine Minute in Stille verharren; uns vor den Opfern verneigen und nicht an unsere Arbeit denken, sondern an das Fingerschnippen des Schicksals. Ja?"

Was der Reporter darauf erwiderte, hatte ich eine halbe Minute später vergessen. Sie verzupften sich beide, der Ziegenbart und sein Knipser, und wir betraten das Haus, in dem der flüchtige mutmaßliche Täter lebte.

Auf dem Weg in den vierten Stock ertappte ich mich bei einer Peinlichkeit. Mit einem kurzen Blick spähte ich nach der Hand meines Chefs, prüfte, ob sie baumelte oder eine Absicht verfolgte. Ihn zu fragen, traute ich mich nicht. Erst beim zweiten Mal.

Da sagte er: Nimm's nicht allzu persönlich.

Von mir aus.

Wahrscheinlich käme eine derartige Berührung durch den Vorgesetzten bei manchen Frauen einer sexuellen Belästigung gleich. Nicht bei mir. Ich war irritiert, mehr nicht. Ich hatte erfahren, dass er die Kollegin Sinkel auf dieselbe Weise festgehalten hatte. Auf ihre Frage, was das zu bedeuten habe, so erzählte sie mir, hatte sie dieselbe Antwort erhalten wie ich.

Abgesehen davon kannte ich mich mit sexueller Belästigung aus.

Acht Jahre hatte ich dafür gebüßt. Dass ich überhaupt wieder einen Job als aktive Ermittlerin ausübte, hatte ich einem einzigen Mann zu verdanken; meinem jetzigen Chef. Auf meine Bewerbung hin nahm er mich in sein Team auf. Nach einer überstandenen Krebserkrankung wechselte eine seiner Kolleginnen in den Innendienst im Präsidium; er suchte eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Auf den Posten bewarben sich ausschließlich Männer; und ich. Beim Vorstellungsgespräch begriff ich, dass sowohl der Chef als auch seine Mannschaft eine Frau bevorzugen würden. Was die abgewiesenen Kollegen hi

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Buchdetails

Titel: All die unbewohnten Zimmer
Verlag: Suhrkamp Verlag
Erscheinungsjahr:2019
Sprache:Deutsch
500 Seiten
ISBN-13: 978-3-518-76108-3

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