Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nessabo:
Die Nacht der Bärin von Kira Mohn
Eine unglaublich schmerzhafte, aber auch sanfte Geschichte
Kira Mohn hat sich mit ihren beiden neuesten Werken bereits ganz tief in mein Herz eingeschrieben. Deshalb wollte ich unbedingt auch noch das viel besprochene „Die Nacht der Bärin“ lesen. Ich war thematisch gewappnet, aber schmerzvoll war die Lektüre dennoch.
Auch nach diesem Roman bin ich mir weiterhin sicher, dass Mohn eine meiner liebsten Autorinnen bleiben wird.
Ich finde, dass sie ein unglaubliches Gespür für die Balance zwischen ernsten und sanften Tönen hat. Bei diesem Buch hätte ich mir zwar wirklich Trigger-Warnungen gewünscht, aber die Autorin balanciert recht gut an der Grenze des Grauens entlang.
Und nicht nur ihr ganz spezieller Ton hat mich begeistert. Ich weiß es immer zu schätzen, wenn Autor*innen sich nicht scheuen, politisch zu werden. Und dass Mohn hier nebenbei Veganismus und seine Beweggründe tangiert, obwohl ich das wirklich gar nicht habe kommen sehen, finde ich unvergleichlich schön. Außerdem flossen bei ihrem Nachwort wirklich einige Tränen, weil sie auch da noch einmal hervorhebt, wer an gewalttätigen Beziehungen Schuld hat - und wer eben nicht.
Besonders kalt den Rücken runter lief es mir bei den einzelnen Sätzen zwischen den Kapiteln. Die Autorin sammelt hier Aussagen, die Menschen in gewalttätigen Beziehungen wahrscheinlich nur zu gut kennen. Ob Manipulation, Gaslighting, Drohung oder Flehen - jeder einzige Satz war ein beklemmender Donnerschlag.
Leichte Abzüge gebe ich, weil ich mit den fantastischen Elementen der Kinderperspektive nicht ganz so viel anfangen konnte. Ich finde sie grundsätzlich total schlau eingesetzt und für genau diese junge Erzählperspektive machen sie absolut Sinn. Mohn hat auch die Gefühlswelt der jungen Maja fehlerfrei eingefangen und die Beziehung zu ihrer Schwester Anna in einem so bedrohlichen Elternhaus ganz fein beobachtet. Ich habe mich nur einige Male dabei ertappt, dass ich bei den träumerischen Abschweifungen in der Handlung nach Orientierung gesucht habe.
Insgesamt ist das hier aber eine klare Empfehlung mit der deutlichen Inhaltswarnung zu körperlicher und sexualisierter Gewalt. Kira Mohn verbindet zwei Zeitebenen und Erzählperspektiven sehr elegant miteinander und gibt allen Beteiligten ein authentisches Profil. Der Roman liest sich trotz aller thematischer Schwere völlig leicht und kommt ohne Längen aus. Auf dass die Autorin niemals aufhört, so wichtige Geschichten zu schreiben!
4,5 Sterne
Rezensionen von Philiene :
Die tote Tante von Anke Petersen
Mord auf Amrum
Eigentlich ist es ja ganz beschaulich auf Amrum. Aber als eine Reedertochter einen englischen Adeligen ausgerechnet auf der Insel heiraten will ist die Aufregung groß. Der Bräutigam soll ja auch um viele Ecken mit dem Prince of Wales verwandt sein. Als dann die Tante der Braut tot aufgefunden wird ist es vorbei mit der Ruhe.
Der örtliche Polizist scheint überfordert, also nehmen die drei Freundinnen Göntje, Antje und Ricke die Sache in die Hand. Schließlich sind die drei große Fans von Sherlock Holmes, das reicht doch wohl an Fachwissen...
Die drei, nicht mehr ganz jungen, Damen sind herrlich. Sie ermitteln, haben viele gute und auch weniger gute Ideen. Durchleuchten das Hochzeitspaar und versuchen den Mörder oder auch die Mörderin zu finden.
Gleichzeitig sind da die herrlich norddeutschen Charaktere die gerne mal auf einen Rum zusammensetzen und so so manches Geheimnis zu lüften.
Dieser Krimi hat mich immer wieder Schmunzeln lassen und gleichzeitig war der Fall um die Toten Tante sehr spannend. Ein gelungener Cozy Crime.
Rezensionen von milky:
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Viele Verdächtige und überraschende Wendungen
Der Thriller "Home Before Dark" von Eva Björg Ægisdóttir handelt von Marsibil und ihrer älteren Schwester Stina, die im Winter 1967 beinahe spurlos verschwindet - nur ihre blutige Jacke wird am Wegesrand gefunden. Der Fundort der Jacke ist derselbe, an dem sich Marsibil mit ihrem Brieffreund das erste Mal treffen wollte.
Zufällig auch genau zum selben Zeitpunkt, an dem Stina verschwindet. Diese Tatsache lässt Marsibil nie los und zehn Jahre später beginnt sie, nach ihrer Schwester zu suchen.
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven und Zeitsträngen erzählt: Stina im Jahr 1967 und Marsibil im Jahr 1977. Für beides wurde die Ich-Perspektive gewählt, was mir gut gefallen hat, da ich schnell zu den beiden Schwestern eine Verbindung aufbauen konnte. Auch die Stimme der Sprecherin hat dabei geholfen. Die Betonungen und die Veränderungen in der Stimmlage waren sehr passend.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu hören und baut über das ganze Buch hinweg eine Spannung auf. Es macht Spaß, Marsibil zu begleiten und zu erraten, wer etwas mit Stinas Verschwinden zu tun hat und da gibt es einige Verdächtige. Während der Geschichte gab es einige Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte.
Rezensionen von Lydia_Te:
Fliegt, Wilde Schwäne von Jung Chang
Schwacher Nachfolger
Da ich bereits "Wilde Schwäne" gelesen habe, war ich positiv überrascht, als ich den zweiten Teil dieser Reihe entdeckt habe.
Diesmal geht es um die Autorin, ihre Mutter und Mao Zedong.
Zu Beginn des Buches war es teilweise eine Wiederholung des ersten Buches "Wilde Schwäne", was für Personen, die dieses Buch nicht gelesen haben zum Vorteil wird.
Für alle anderen ist es eine nette Auffrischung falls es schon länger her ist als man es gelesen hat.
Leider bin ich vom Buch etwas enttäuscht worden. Es war zwar interessant zu erfahren wie es der Autorin Jung Chang in ihrer Freiheit ergangen ist, aber irgendwie hat das gewisse etwas gefehlt.
Zudem kommen im Buch viele Wiederholungen vor. Kann vom Vorteil sein wenn man das Buch nicht in einem Rutsch liest und immer wieder eine Auffrischung bekommt um welche Personen es sich gerade handelt. Für Menschen die das Buch aber innerhalb kurzer Zeit lesen, kann das schnell ermüdend wirken.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Mao Thema etwas zu sehr gemolken wird. Es stimmt schon, dass man ihn auf eine Stufe stellen kann neben Hitler und Stalin. Aber ich befürchte, dass die Forschungsreisen etwas zu sehr für den neuen Roman herhalten mussten.
Ich verstehe den Hintergedanken der Autorin aber schon, "Wilde Schwäne" handelt von 3 Personen, daher macht es sich gut wenn "Fliegt, Wilde Schwäne" ebenfalls von 3 Personen handelt.
Alles in allem war die Lektüre in Ordnung.
Ich würde aber definitiv den ersten Teil empfehlen.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Ein verlassenes Haus von Lisa Wölfl
Über Opferhaltung und Hilflosigkeit
"Ein verlassenes Haus" ist das Debüt der Autorin Lisa Wölfl. Das Buch beginnt stark, man ist gleich in der Geschichte drinnen, in dem inneren Monolog der Ich-Erzählerin Sonja, die sich vom Minister für Wirtschaft und Arbeit im Fernsehen beschimpft fühlt, als er in ihren Augen über den fehlenden Arbeitswillen arbeitsloser Menschen herzieht.
Sonja ist 48 Jahre alt, lebt zusammen mit ihrem Mann Harald, Teenagertochter Katharina und Sohn Sebastian, der im Volksschulalter ist, in Niederösterreich, und ihre Probleme sind zahlreich. Sie hasst ihren älter werdenden Körper und vergleicht ihn mit dem Bild eines verlassenen Hauses: "Mein Körper ist ein verlassenes Haus. Die Kinder sind ausgebrochen und haben dabei die Fenster zerschlagen. Mein Boden ist morsch. An der Wand Graffiti, im Keller Drogenbesteck. Mein Körper ist ein verlassenes Haus und ich bekomme kaum Besuch von schwindeligen Investoren. Ich gehe an meinem eigenen Schimmel kaputt." (S. 27)
Diese Metapher zieht sich an verschiedenen Stellen durch das Buch und wiederholt sich mehrmals. Zu Sonjas Selbsthass kommt noch dazu, dass das Geld nie reicht und man ständig das Konto überziehen und dafür Gebühren zahlen muss, auch im Haushalt bleibt ständig was liegen und es ist nie wirklich aufgeräumt und sauber. Dabei arbeitet ihr Mann Harald viele Stunden in einer Baufirma, wird als Leiharbeiter aber schlecht bezahlt. Sonja selbst arbeitet Teilzeit recht unmotiviert als Verkäuferin in einem Bioladen und kümmert sich sonst um die Kinder. Noch mehr ins Wanken gerät das eh schon brüchige Lebensgerüst, als der Sohn zusammenbricht und Diabetes diagnostiziert bekommt, Sonja in die Notaufnahme eilt, ohne den Bioladen abzuschließen und dafür fristlos entlassen wird und das Geld noch knapper wird.
Bis hierher ist es ein einigermaßen realistisches Szenario einer Arbeiterfamilie, die am Kämpfen ist. Ab diesem Punkt beginnt sich allerdings Sonjas schon davor latent vorhandene Opfermentalität noch mehr zu zeigen. Einige Zeit arbeitet sie gar nichts, eine Putzstelle, die ihr das Arbeitsmarktservice vermitteln will, will sie nicht annehmen und sowieso hält sie so gut wie jede Tätigkeit für unvereinbar mit ihren Betreuungspflichten.
Der resultierende Geldmangel führt dazu, dass Harald, der eh schon körperlich wie psychisch durch Bandscheibenvorfall, Depressionen und Suizidgedanken schwer beeinträchtigt ist, zusätzlich zu seinem Vollzeitjob noch abends Taxi fährt oder Pizza zustellt und so gut wie gar nicht mehr zu Hause ist. Was wiederum zur Konsequenz hat, dass Sonja sich noch bemitleidenswerter fühlt, weil alle Belastung mit den Kindern auf ihr liege. Und dazu kommt noch die böse politische Stimmung, die sich im Lande immer mehr den rechten Partei zuneigt, die wiederum Sozialleistungen kürzen möchten.
Sonja fühlt sich an allen Ecken und Enden verfolgt und arm. Ein Gefühl dafür, was sie selbst an ihrer Situation ändern könnte, hat sie kaum - bis sich ihr ein Ausweg zeigt, als ihr eine Freundin die Möglichkeit vorstellt, für Geld Männer in Onlinepartnerbörsen im Chat möglichst lang hinzuhalten. Harald ist vehement dagegen, dass Sonja sowas macht, sie macht es trotzdem. Insgesamt ist das aber nur eine Nebenhandlung um Buch, in dem es hauptsächlich um das sehr zynisch geschilderte Elend dieser Familie geht, siehe z.B. auch diese Stelle, in der die Kinder nur mehr als Kostenfaktoren angesehen werden: "Immerhin war Katharina eine volle Woche mit Patricias Familie weg. Die Ersparnisse: Lebensmittel, Wasser, Strom, nerven. Vielleicht können sie im Sommer wieder gemeinsam verreisen. Diesmal zwei ganze Monate. Sebastian bringe ich bei Annalena unter. Für Kost und Logis kann er mit seinen Zeichnungen bezahlen. Dann können Harald und ich einander ungesehen umbringen." (S. 171)
Ja, man muss schon in der richtigen Stimmung sein für dieses dunkle, zynisch-sarkastische Buch mit so einer ausgeprägten Opfermentalität. Geschrieben ist es gut und unterhaltsam, die Figuren sind authentisch, denn solche Menschen, die alle Verantwortung für ihre Lage von sich weisen und nur den Staat oder andere dafür verantwortlich machen, gibt es ja genug. Falls die Botschaft sein hätte sollen, dass dieser Staat sich wieder mehr für Menschen in schwierigen Lagen einsetzen sollte, dann erreicht dieses Buch bei mir eher das Gegenteil. Wenn überhaupt, dann hatte ich noch Mitleid mit Harald, der durchaus wie ein tüchtiger und auch liebevoller Ehemann wirkte, sowie mit den Kindern, während Sonja mir mit ihrer Jammerei, Perspektiv- und Empathielosigkeit ziemlich unsympathisch war. Das ist dem Buch nicht anzulasten, nicht alle Charaktere müssen sympathisch sein, um authentisch zu sein.
Was den Inhalt angeht, finde ich einzig den Handlungsstrang mit dem Nebenjob in der Partnerbörse am Ende nicht gut über die Ziellinie gebracht, dafür einen Stern Abzug. So gebe ich insgesamt vier Sterne für ein gutes Debüt mit kleinen Schwächen.
Rezensionen von Nicole Koppandi:
Schlurfkatzen von Barbara Kadletz
Wenn Swing zum Widerstand wird: Die Geschichte der Schlurfs
Ich konnte mir unter „Schlurfs“ nichts vorstellen, bis ich zur Prämierenlesung ins Literaturhaus ging und mir von Barbara Kadletz und Jorghi Poll „alles“ über Schlurfs bei der großartigen Prämierenlesung erzählen lies.
Schlurf ist die abwertende Bezeichnung für Jugendliche aus dem Arbeiter*innenmilieu, die in den 1940er Jahren Jazz und Swing hörten und auch auf diese Konzerte gingen.
Schlurfkatzen waren die weiblichen Schlurfs. Die Schlurfs hatten auch ihre eigene Mode und längere Haare.
Die Nazis verboten diese Art von Musik, sie wurde als entartete Musik gewertet. Jedoch ließen es sich die Fans und Anhänger*innen nicht verbieten – sie gingen quasi in den Widerstand, weil sie sich diesem Verbot widersetzten. Wurden sie bei Konzerten, in Bars oder im Prater beim Jazz- oder Swinghören oder Tanzen erwischt, wurden sie in ein Erziehungslager gesteckt.
Genau so eine Geschichte erzählt Barbara Kadeltz in diesem Buch. Sie hat sich die künstlerische Freiheit genommen und drei in Österreich sehr bekannte Protagonist*innen in diese Szenen gesteckt: Helmut Qualtinger, Erni Mangold und Ernst Jandl, und sie gibt auch der vergessenen Musikerin Vera Auer eine Bühne.
Jorghi Poll hat die Prosa mit wunderbaren Zeichnungen illustriert, so das am Ende ein besonders interessantes Buch entstanden ist.
Ein historisches Thema, das so nicht sehr bekannt ist. Alleine das ist Grund genug, sich das Buch zur Hand zu nehmen und darin zu versinken.
Großartig gelungene Graphic Novel zu einem zeitgeschichtlichen Thema – gegen die Nazi-Ideologie.
Rezensionen von Claudia R.:
Die Geheimnisse von Liebental von Marion Johanning
toller historischer Roman
Klappentext / Inhalt:
Ein fesselnder historischer Roman über Liebe, Verrat und das Überleben inmitten höfischer Intrigen von Bestsellerautorin Marion Johanning
Kurpfalz im Jahr 1700: Die Waise Sophie findet als Küchenmagd auf Schloss Liebental Zuflucht. Ihr Wissen über Kräuter macht sie bald unentbehrlich, aber sie hat ein Geheimnis, das nicht ans Licht kommen darf.
Als der junge Schlossherr sich reich vermählt, um seine Schulden zu tilgen, gerät Sophie immer mehr in das gefährliche Netz eines alten Streits zwischen zwei adeligen Familien.
Der Verwalter Andreas Rotfeld wird zu ihrem Verbündeten – ein Mann von Ehre und Pflichtbewusstsein, dessen Nähe Sophie mehr berührt, als sie sich eingestehen will. Doch die Standesgrenzen, die sie trennen, sind ebenso unüberwindbar wie die Geheimnisse, die sie beide gefangen halten.
Cover:
Das Cover zeigt eine junge Frau und auch die Atmosphäre drumherum ist sehr schön gewählt. Farblich ist das Ganze gut abgesetzt und besonders die Blautöne stechen hervor. Ein sehr schönes zbd durchaus passendes Cover.
Meinung:
Die Geschichte ist emotional und interessant umgesetzt. Ein historischer Roman um eine Küchenmagd auf dem Schloss Liebental, welche nach der Heirat des Schlossherren immer mehr in den Zwist zweier adliger Familien gerät.
Zu viel möchte ich hier jedoch nicht verraten und halte mich daher mit inhaltlichen Details und Informationen dazu zurück.
Der Schreibstil ist gediegen und passend zur Epoche und Geschichte angelegt. Diese spielt im Jahr 1700 und man wird sehr gut in dieses hineinversetzt. Auch die Charaktere sind sehr vielschichtig und interessant umgesetzt. Die Entwicklungen der Charaktere haben mir gut gefallen. man findet zudem auch gut in diese hinein und kann besonders der Waisen Sophie nachempfinden.
Die Kapitel haben eine gute und angenehme Länge und ermöglichen so einen schönen Lesefluss. Die Anfänge sind sehr gut erkennbar, da diese optisch hervorgehoben sind. Die Kapitel sind einfach durchnummeriert. Gliederung und Gestaltung sind gut gewählt.
Die Geschichte ist interessant und emotionsreich umgesetzt. In die Gedanken und Emotionen findet man sich gut hinein. Auch in die Geschichte und die damalige Zeit findet man sehr schnell hinein und es wird alles sehr bildlich und gut vorstellbar beschrieben.
Ein toller historischer Roman, welcher sich kurzweilig und unterhaltsam lesen lässt.
Fazit:
Emotionsreicher und unterhaltsamer historischer Roman, der nachklingt.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Mit anderen Augen von Jane Tara
Wunderbar leicht, ernst und witzig zugleich
Ein Roman für fast alle Frauen über 50!
Tilda, mit 52 noch nicht alt, aber auch nicht mehr jung, geschieden, erfolgreich als Fotografin mit ihrer eigenen kreativen Firma, zwei tolle 20jährige Töchter, zwei ebenfalls tolle, langjährige Freundinnen, ein Haus in der Nähe des Strandes, ein Hund.
Eigentlich hat sie alles.
Alles, ausser ihren kleinen Finger. Also, da ist er schon noch, sie spürt ihn, sieht ihn aber nicht mehr. Als weitere Körperteile verschwinden, Tilda sich zur Ärztin wagt, und ihr die Diagnose "Unsichtbarkeit" gestellt wird, ist sie erst mal am Boden zerstört, denn sie hat noch nie davon gehört.
In einer Selbsthilfegruppe, lernt sie weitere betroffene Frauen kennen und stellt fest, dass diese ihr bisher unbekannte Krankheit weitaus verbreiteter ist, als angenommen. Es gibt sogar Literatur dazu und sie bekommt einen Termin bei einer Spezialistin, die aber umstritten ist.
Während sie selbst versucht, soviel wie möglich über die Krankheit herauszufinden, auch ob sie heilbar ist (Wissenschaftlerin Selma sagt ja, Selbsthilfegruppeleiterin Brenda nein), muss sie und ihr Umfeld erst mal lernen, damit umzugehen. Soll sie Handschuhe tragen, damit der fehlende Finger nicht auffällt? Neben solchen äusserlichen Fragen geht es auch ums Innere, ums Eingemachte.
Ausgerechnet jetzt lernt Tilda einen Mann kennen, der sich für sie interessiert. Kann und will sie sich auf Patrick einlassen, solange sie selbst noch nicht weiss, wie mit der Diagnose umgehen? Was, wenn sie eines Tages gar nicht mehr zu sehen ist, wie Carol aus der Gruppe?
Autorin Jane Tara hat mit "Mit anderen Augen" einen unglaublich kreativen Roman vorgelegt. Ein wichtiges und ernstes Thema hat sie in eine humorvolle Geschichte verpackt. Nur schon die Charaktere: alle absolut gelungen. Allen voran Tilda, die sich auf Selmas Therapieideen einlässt. Dicht gefolgt von Patrick, der mit seiner Persönlichkeit und seinem Beruf überrascht. Aber auch Paula, die wir alle kennen und Carol, Erica, Leith, Yumiko. Gurinder erinnerte mich an eine frühere Ärztin von mir. Wirklich toll gezeichnete Figuren, keine zu wenig, keine zu viel.
Genau so die Seitenzahl: obwohl hoch mit fast 500 Seiten, ist keine zu wenig und keine zu viel. Es kommen keine Längen auf. Im Gegenteil: diese Geschichte, im Stil des magischen Realismus gehalten, kommt wunderbar leicht, witzig und ironisch daher und verliert trotzdem nie die Ernsthaftigkeit. Dieser kluge Roman regt zum Nachdenken über die eigene Lebenssituation und "Un-/Sichtbarkeit" an und wird sicher noch lange nach hallen. "Mit anderen Augen" könnte ein Kandidat für die Jahreshighlight-Liste sein.
Fazit: Ein grossartiger Roman, dem ich ganz viele Leserinnern wünsche!
(Solche, die nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt sind ????)
Rezensionen von xdeano:
Meeresdunkel von Till Raether
Mittelmäßig
Meeresdunkel von Till Raether ist so ein Buch, bei dem ich wirklich hin- und hergerissen war – und ehrlich gesagt auch bis zum Schluss nicht ganz weiß, ob ich es mochte oder nicht.
Der Schreibstil ist… gewöhnungsbedürftig. Sehr abgehackt, sehr kurz, fast schon spröde. Das passt zwar irgendwie zur Atmosphäre, hat mich aber oft eher rausgebracht als reingezogen.
Und diese ganzen gezwungen wirkenden Anglizismen? Warum? Jugendsprache schön und gut, aber es war dann doch zu viel des Guten.
Positiv fand ich dagegen die kurzen Kapitel – die lassen sich angenehm weglesen und geben dem Ganzen zumindest ein bisschen Tempo. Auch die Entscheidung, die Geschichte nur aus drei Perspektiven zu erzählen, war gut. Mehr hätte das Ganze wahrscheinlich nur noch chaotischer gemacht.
Inhaltlich hatte ich allerdings ein ziemliches Problem: Bis etwa zur Hälfte ist das hier einfach ein reines Familiendrama. Und nicht mal ein besonders spannendes. Für einen Thriller passiert erschreckend wenig. Die ersten 50 % ziehen sich ziemlich, und ich hab mich mehr als einmal gefragt, wann jetzt endlich mal irgendwas kommt. Spannung? Kaum vorhanden. Emotionen? Leider auch nicht wirklich. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass die Figuren auf eine Prügelei stärker reagieren als auf eine Leiche – was irgendwie alles ziemlich irrational wirken lässt.
Und dann sind da noch die Figuren. Generell verhalten sich die Erwachsenen hier oft kindischer als die eigentlichen Kinder – die übrigens für mich das Beste am ganzen Buch waren. Die waren zumindest noch halbwegs glaubwürdig.
Juri ist zwar "speziell", aber gerade ihn fand ich ziemlich unterhaltend.
Trotz allem hatte das Buch aber diesen seltsamen Sog: Es war nicht wirklich spannend, aber ich wollte trotzdem wissen, wie es ausgeht. Selbst 90 Seiten vor Schluss hatte ich noch absolut keine Ahnung, worauf das Ganze hinausläuft – und das ist immerhin etwas, was ich positiv anrechnen muss.
Die Rückblenden bzw. die Nebenstory aus dem Jahr 1995 haben mir tatsächlich noch am besten gefallen. Da hatte ich das Gefühl, dass endlich mal so etwas wie Atmosphäre und Interesse aufkommt.
Das Ende… schwierig. Einerseits: Es ergibt Sinn, es beantwortet die offenen Fragen und ist definitiv unvorhersehbar. Andererseits wirkt es extrem konstruiert und ziemlich weit hergeholt. Und vor allem: Es hat mich emotional komplett kaltgelassen. Selbst die letzten Seiten haben bei mir nichts mehr ausgelöst.
Normalerweise inhaliere ich den letzten 50-70 Seiten, und muss mich zwingen, nichts zu überfliegen, da ich einfach so aufgeregt und geladen bin. Bei "Meeresdunkel" habe ich selbst auf den letzten Seiten noch Pausen eingelegt.
Unterm Strich habe ich das Gefühl, dass das Buch sein eigenes Genre verfehlt. Als Familiendrama hätte es vermutlich besser funktioniert – aber als Thriller fehlt es einfach an Spannung, Emotion und Dringlichkeit. So bleibt ein Roman, der interessante Ansätze hat, mich aber letztlich eher frustriert als überzeugt zurücklässt.
Da ich dem Buch aber das tolle Setting, die Unvorhersehbarkeit, die vier interessanten/sympathischen Charaktere (Juri, Esmé, Finn und Freddy), und dieses seltsame Sog-Potenzial anrechne, gibt es immerhin noch 3/5 Sterne. Absolut kein Hit, aber ich hab auch schon schlechteres gelesen.
Wer eher mit der Erwartung an ein Familiendrama an diese Geschichte rangeht, könnte sich einiges an Enttäuschung ersparen, und vielleicht eine ganz gute Zeit mit dieser Geschichte haben.
Rezensionen von xdeano:
Meeresdunkel von Till Raether
Mittelmäßig
Meeresdunkel von Till Raether ist so ein Buch, bei dem ich wirklich hin- und hergerissen war – und ehrlich gesagt auch bis zum Schluss nicht ganz weiß, ob ich es mochte oder nicht.
Der Schreibstil ist… gewöhnungsbedürftig. Sehr abgehackt, sehr kurz, fast schon spröde. Das passt zwar irgendwie zur Atmosphäre, hat mich aber oft eher rausgebracht als reingezogen.
Und diese ganzen gezwungen wirkenden Anglizismen? Warum? Jugendsprache schön und gut, aber es war dann doch zu viel des Guten.
Positiv fand ich dagegen die kurzen Kapitel – die lassen sich angenehm weglesen und geben dem Ganzen zumindest ein bisschen Tempo. Auch die Entscheidung, die Geschichte nur aus drei Perspektiven zu erzählen, war gut. Mehr hätte das Ganze wahrscheinlich nur noch chaotischer gemacht.
Inhaltlich hatte ich allerdings ein ziemliches Problem: Bis etwa zur Hälfte ist das hier einfach ein reines Familiendrama. Und nicht mal ein besonders spannendes. Für einen Thriller passiert erschreckend wenig. Die ersten 50 % ziehen sich ziemlich, und ich hab mich mehr als einmal gefragt, wann jetzt endlich mal irgendwas kommt. Spannung? Kaum vorhanden. Emotionen? Leider auch nicht wirklich. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass die Figuren auf eine Prügelei stärker reagieren als auf eine Leiche – was irgendwie alles ziemlich irrational wirken lässt.
Und dann sind da noch die Figuren. Generell verhalten sich die Erwachsenen hier oft kindischer als die eigentlichen Kinder – die übrigens für mich das Beste am ganzen Buch waren. Die waren zumindest noch halbwegs glaubwürdig.
Juri ist zwar "speziell", aber gerade ihn fand ich ziemlich unterhaltend.
Trotz allem hatte das Buch aber diesen seltsamen Sog: Es war nicht wirklich spannend, aber ich wollte trotzdem wissen, wie es ausgeht. Selbst 90 Seiten vor Schluss hatte ich noch absolut keine Ahnung, worauf das Ganze hinausläuft – und das ist immerhin etwas, was ich positiv anrechnen muss.
Die Rückblenden bzw. die Nebenstory aus dem Jahr 1995 haben mir tatsächlich noch am besten gefallen. Da hatte ich das Gefühl, dass endlich mal so etwas wie Atmosphäre und Interesse aufkommt.
Das Ende… schwierig. Einerseits: Es ergibt Sinn, es beantwortet die offenen Fragen und ist definitiv unvorhersehbar. Andererseits wirkt es extrem konstruiert und ziemlich weit hergeholt. Und vor allem: Es hat mich emotional komplett kaltgelassen. Selbst die letzten Seiten haben bei mir nichts mehr ausgelöst.
Normalerweise inhaliere ich den letzten 50-70 Seiten, und muss mich zwingen, nichts zu überfliegen, da ich einfach so aufgeregt und geladen bin. Bei "Meeresdunkel" habe ich selbst auf den letzten Seiten noch Pausen eingelegt.
Unterm Strich habe ich das Gefühl, dass das Buch sein eigenes Genre verfehlt. Als Familiendrama hätte es vermutlich besser funktioniert – aber als Thriller fehlt es einfach an Spannung, Emotion und Dringlichkeit. So bleibt ein Roman, der interessante Ansätze hat, mich aber letztlich eher frustriert als überzeugt zurücklässt.
Da ich dem Buch aber das tolle Setting, die Unvorhersehbarkeit, die vier interessanten/sympathischen Charaktere (Juri, Esmé, Finn und Freddy), und dieses seltsame Sog-Potenzial anrechne, gibt es immerhin noch 3/5 Sterne. Absolut kein Hit, aber ich hab auch schon schlechteres gelesen.
Wer eher mit der Erwartung an ein Familiendrama an diese Geschichte rangeht, könnte sich einiges an Enttäuschung ersparen, und vielleicht eine ganz gute Zeit mit dieser Geschichte haben.










