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Im Detail

Aufwachsen in Innsbruck

Autor: Bernd Schuchter

Deutsch
2020 - Universitätsverlag Wagner

E-Book (EPUB)

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Inhalt

Kurztext / Annotation
Eine Reise in die Vergangenheit Innsbrucks - lebendig in persönlichen Erinnerungen!

'Langsam durch belebte Straßen zu gehen, ist ein besonderes Vergnügen. Man wird überspült von der Eile der andern, es ist ein Bad in der Brandung.' (Franz Hessel)
Franz Hessel mit Spazieren in Berlin steht ebenso Pate wie Walter Benjamin mit Stadt des Flaneurs, wenn Bernd Schuchter über sein Aufwachsen in Innsbruck nachdenkt. Wie kaum eine andere Stadt ist Innsbruck ein Refugium des Spaziergängers, dem Flanieren zur Kunst wird. So sehr sich Innsbruck in den letzten Jahrzehnten auch gewandelt hat, die Altstadt mit ihren Gassen, Läden und versteckten Orten hat sich wenig verändert - vor allem nehmen alle Innsbrucker an ihr Anteil, kommen sie auch ursprünglich aus Hötting, Wilten, dem Saggen oder Pradl. Das Herz der Stadt gehört all jenen, die es flanierend erkunden.
Bernd Schuchter unternimmt in Aufwachsen in Innsbruck auch einen Gang in die Vergangenheit, in ein altes Innsbruck mit seinen verschwundenen Geschäften und Plätzen, erinnert an berühmte Jugendhäuser oder Sozialprojekte, erzählt von Hausbesetzungen und dem naiven Zugang zur Welt in vordigitalen Zeiten - und besucht Orte, die sich erhalten haben und ihren Teil zum Gedächtnis der Stadt beitragen.

Bernd Schuchter, 1977 in Innsbruck geboren, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck, seit 2006 Verleger des Limbus Verlag, lebt mit seiner Familie in Innsbruck. Zahlreiche Stipendien und Preise, u. a. Förderpreis des Theodor Körner Fonds (2017). Zuletzt erschienen die Romane Link und Lerke (2013) und Föhntage (2014), der literarische Reiseführer Innsbruck abseits der Pfade (2015), die historischen Essays Jacques Callot und die Erfindung des Individuums (2016) und Herr Maschine oder vom wunderlichen Leben und Sterben des Julien Offray de La Mettrie (2018) sowie die Gebrauchsanweisung für Tirol (2017). Seine Bücher wurden bisher ins Ukrainische, Polnische und Englische übersetzt.

Textauszug
Annäherung

Jede Stadt ist voller Erinnerungsorte für die Menschen, die in ihr leben. So auch für mich. Über die Jahre habe ich mir mein Innsbruck nicht nur ergangen, sondern vor allem auch erfahren; insbesondere die Straßenbahnlinien 1 und 3 durchziehen mit ihren verästelten Gleiswegen wie Adern die Stadt. Innsbruck ist aber nicht nur eine Stadt der kurzen Wege, sondern auch der Baustellen: Seit Jahrzehnten werden vorzugsweise in den Sommermonaten mit beharrlicher Leidenschaft die Straßen aufgerissen. Dazu kommen die nicht enden wollenden Renovierungen der Hausfassaden bis hin zu den großen Bauvorhaben wie dem Kaufhaus Tyrol, den Rathausgalerien oder dem Haus der Musik.

Auch die Straßenbahnen fahren nicht immer auf denselben Gleisen, sondern wechseln teils schneller ihre Routen, als die Innsbrucker Verkehrsbetriebe die neuen Netzpläne drucken können. Ob die Dreier nun über die Museum- oder die Anichstraße geführt wird, scheint manchmal von den Jahreszeiten abzuhängen, und die Route des Sightseer, mit dem man als Tourist die Stadt erkunden kann, orientiert sich oft nur entfernt an den Vorgaben des Audioguides, der die monatlich wechselnden Baustellen natürlich nicht berücksichtigen kann. Im Zweifelsfall untermalt die Hintergrundmusik die fehlende Aussicht auf der geänderten Route. Es ist fraglich, ob die Regionalbahn, so sie irgendwann fertiggestellt wird, die für sie vorhergesehenen Trassen befahren wird, und für wie lange.

Als ich ein Kind war (und bis weit in meine Jugend hinein), wurde jedenfalls die Straßenbahnlinie 3, die damals nur die Stadtteile Pradl und Amras mit der Innenstadt verband, über den Hauptbahnhof bis in die Maria-Theresien-Straße geführt. Dort, wo heute die Flaneure nur auf die sie überholenden Radfahrer achten müssen, herrschte seinerzeit noch Verkehr bis zum Eingang zur Altstadt. Anstelle der Fußgängerzone samt Straßencafés, Pflastersteinen und goldenen Laternen war der Boulevard auch für den Straßenverkehr offen, der sich um die Insel der Straßenbahnhaltestelle auf Höhe der alten Spitalskirche schob. Danach bog die Tram in die Museumstraße ein und fuhr in Richtung der alten Dörfer Pradl und Amras.

Auf Innsbrucks Prachtboulevard herrschte immer schon mächtig viel Verkehr, per Bus, Bahn und zu Fuß. (Foto: Stadtarchiv)

Und eine Tram war die Dreier in meiner Kindheit tatsächlich noch: altbacken und ein wenig verstaubt, und dabei gibt es noch ältere Garnituren, die an manchen Tagen als Reminiszenz an früher heute noch fahren, mit ihrem Aufstiegspodest im Freien und den antiquierten Sitzen. Die Garnituren meiner Kindheit hatten den Charme der Wirtschaftswunderjahre und rochen nach parfümierten älteren Damen mit beigen Strümpfen oder wahlweise nach Tapeten, die die Achtzigerjahre-Kinderzimmer meiner Generation noch zierten, nach Tapetenkleister vielmehr, der auf die langen Bahnen aufgetragen wurde, die in Heimwerkermanier - lange vor der Ansiedlung der großen Baumärkte am Stadtrand - mehr oder weniger fachmännisch auf die Wände der meist viel zu kleinen, aber immerhin gemeinnützigen Stadtwohnungen irgendwo in Pradl aufgezogen wurden. Das Fluchen des Vaters, wenn sich wieder einmal eine Bahn heillos verknotete und dadurch unbrauchbar wurde. Ein Geduldsspiel mit ungewissem Ausgang, bei dem man - je länger diese langen Nachmittage dauerten - immer nachsichtiger mit etwaigen Blasen und Wellen unter den Tapetenbahnen mit ihrem Ornament- oder Blumenmuster wurde.

Aber wann fuhren wir schon in die Altstadt, als ich Kind war? In meinen ersten paar Lebensjahren wohl nicht so regelmäßig, außer im Advent einmal zum Christkindlmarkt. Wir nutzten die Straßenbahn natürlich für die vielen Ausflüge und Wanderungen, die ich unter der Woche mit meiner Mutter und ihren Freundinnen unternehmen musste, um in der Innenstadt aber nur umzusteigen, etwa in die Einser-Straßenbahn, dann weiter zum Stift Wilten, wo man die "Igler" erwisc

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Buchdetails

Titel: Aufwachsen in Innsbruck
Verlag: Universitätsverlag Wagner
Erscheinungsjahr:2020
Sprache:Deutsch
128 Seiten
ISBN-13: 978-3-7030-6509-5

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