Evelyn Unterfrauner empfiehlt:
Konklave von Robert Harris

Konklave ist Nerverkitzel pur. Der Leser kann sich von Beginn an in die Hauptfigur, den Dekan Lomeli hineinversetzten. Welch‘ große Bürde doch auf ihm lastet – der Papst ist vor kurzem verstorben und er muss nun die anstehende Papstwahl koordinieren. Das, obwohl er vor kurzem aus seinen Ämtern zurücktreten wollte, der Heilige Vater dies aber nicht zuließ. Wir erleben beim Lesen also eine Papstwahl hautnah mit – 118 Kardinäle eingeschlossen in der Casa Santa Marta, die ganze acht Mal in der Sixtinischen Kapelle ihr Stimme abgeben mit dem Eid:

„Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich den gewählt habe, von dem ich glaube dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte.“

Von Wahlgang zu Wahlgang habe ich mitgefiebert und habe mich auch dabei erwischt, wie ich einige Seiten vorgeblättert habe, um einen Blick auf das Ergebnis des darauffolgenden Wahlganges zu erhaschen. Der Roman ist außerdem mit sehr gut recherchierten Fakten rund um Päpste aus der Vergangenheit gespickt. Äußerst beeindruckend sich auch die Predigten, die die Favoriten des Konklaves schwingen. So auch die des Dekans Lomeli:

„[…] Gewissheit ist der tödliche Feind der Einheit. Gewissheit ist der tödliche Feind der Toleranz. Selbst Christus war sich am Ende nicht gewiss. […] Unser Glaube ist genau deshalb etwas lebendiges, weil er Hand in Hand geht mit dem Zweifel. Gäbe es nur Gewissheit und keinen Zweifel, dann gäbe es kein Geheimnis und wir brauchten den Glauben nicht.“ (Harris 2016, S. 123)

Tedesco, Adeyemi, Tremblay, Bellini… Sie alle wollen die Schlüssel Petri, doch kommen mit der Zeit dunkle Geheimnisse ans Licht. Lomeli ermittelt geschickt, obwohl sie von der Außenwelt abgeschirmt sind bis sich eine zwei Drittel Mehrheit für einen neuen Papst entschieden hätte. Für Aufregung sorgte auch die Anwesenheit Benitéz’ – der Erzbischof von Bagdad, der vom Papst kurz vor seinem Tod zum Kardinal in pectore ernannt wurde.

Das Ende verspricht sehr interessant zu werden und es ist beeindruckend, wie Robert Harris den Bogen von der Erzählung zum aktuellen Weltgeschehen und den Diskursen spannt. Für seine Recherchen war er selbst im Vatikan zu Besuch und konnte mit einem Kardinal sprechen, der bereits an einem Konklave teilgenommen hatte. Ein Ereignis, dem wir wohl nie beiwohnen können, außer man liest das Buch.

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