Evelyn Unterfrauner empfiehlt: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks von Antonia Hayes

Alles wird von der Physik beherrscht lautet die Devise bei Hayes Debütroman! Er liest sich wie eine Einführung (für leicht Fortgeschrittene) in die Grundlagen der Physik. Jede Menge Fachbegriffe und Definitionen werden in Bezug zu dem ergreifenden und spannenden Familiendrama gesetzt. Da wäre Ethan, ein hochintelligentes Kind, seine übervorsorgliche Mutter Claire und sein vorbestrafter Vater Mark. Zusammen ergeben sie eine Gleichung, die keine geringere ist, als die der Relativitätstheorie nach Einstein: E = mc2.

Ethan erlitt als Baby ein Schütteltrauma, das zu einer Gehirnblutung mit anschließender Vernarbung im Gehirn geführt hat. Die Ärzte prophezeiten, dass er erhebliche Entwicklungsschwierigkeiten haben würde, doch ist er heute mit 12 Jahren ein hochintelligenter Junge. Seine Kameraden aus der Schule nennen ihn „Freak“ oder Stephen Hawking. Letzteres ist keine Beleidigung für ihn, da der Astrophysiker sein großes Vorbild ist. Wenn er „Freak“ genannt wird, geht ihm das doch an die Nieren und er leidet unter dem Mobbing. Für Ethan ist dies ein Grund weshalb er nicht gerne in die Schule geht. Nicht weil er keine Lust zum Lernen hat, sondern viel mehr aufgrund den verbalen und körperlichen Angriffen seiner Schulkollegen. Die Erzählung zeigt für mich auch, dass Kinder eine natürliche Neugier haben und die Welt erforschen möchten. Wenn man den dem Film Alphabet von Regisseur Erwin Wagenhofer glauben mag, zerstört die Schule dieses Interesse (kleine Anmerkung). Ethan ist noch neugierig und verfügt über ein unglaubliches Wissen über die Physik und das mit seinen jungen 12 Jahren. Im Laufe der Erzählung wird er von den Ärzten als hochintelligent eingeschätzt und sie behaupten seine frühkindliche Hirnschädigung hätte ihn zu einem Savant (Mensch mit Inselbegabung) gemacht. Ethans Superkraft ist, dass er Schallwellen sehen kann!

Doch in Ethans Leben läuft nicht alles glatt. Im Gleichschritt zu einem Wissensdurst in Bezug auf die Physik, kommt er seiner persönlichen Geschichte immer näher. Seine Mutter hatte ihm sein Leben lang kaum etwas von seinem Vater erzählt und genau dieser soll jetzt, nach 12 Jahren und dem damaligen Vorfall, in das Leben von Claire und Ethan zurückkommen. Aus der Sicht der drei Protagonisten fühlen wir der Geschichte auf den Zahn, die sehr ergreifend ist und uns über die wirklich großen Fragen des Daseins nachdenken lässt. Über Fragen, die sich eine Alleinerziehende Mutter stellt. Fragen über das Vater-Sein und die Gerechtigkeit.

Ab und zu ist der Roman etwas langatmig und das Ende ein klein bisschen frustrierend, doch im Ganzen sehr spannend! Am meisten beeindruckt mich, dass Die relative Unberechenbarkeit des Glücks (org. Relativity) das Debüt der jungen Australierin ist, das so unglaublich viel an Fachwissen beinhaltet. Am liebsten hätte ich einen Physiker gefragt, ob die Beschreibungen auch in der Theorie stimmen, doch davon bin ich überzeugt. Chapeau!

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