Jenni Zeller empfiehlt:
Der Sonne nach

Andy gurgelte etwas, schüttelte den Kopf. „Was ist los?“, fragte Dario. „Onne“, sagte Andy. „Ach, du sprichst ja doch.“ „Onne“, wiederholte Andy. „Sonne? Du willst die Sonne sehen? Du willst, dass ich dich in die Sonne drehe?“ Andy lächelte und öffnete den Mund.

Dario scheißt auf alles. Er ist wütend – immer. Sein Vater hat ihn und seine Mutter im Stich gelassen und der 16-Jährige gibt sich Kleinkriminalität und Drogen hin. Nach Sachbeschädigung in der Schule wird er zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt; und damit zur Pflegebegleitung von Andy, einem Jungen in seinem Alter, der im Rollstuhl sitzt und sich kaum mitteilen kann. Zwischen den beiden Gegensätzen spinnt sich ein Band aus unverblümtem Realismus, während sie in Richtung der Sonne ausreißen, um Darios Vater zu finden. Dabei helfen die Teenager sich gegenseitig, ihre Talente zu entfalten und anderen zu zeigen, wie sie stets unterschätzt und missverstanden werden.

Gabriele Clima wirft mit diesem Jugendroman Licht auf eines der wichtigsten Themen jeder Gesellschaft: Der Umgang mit Menschen mit Behinderung ohne Stigma und Voreingenommenheit. Neben der Inklusion widmet sie sich zudem dem Gefühlsleben eines verletzten Teenagers, der sich der Welt zum Trotz widersetzt. Mit direktem Schreibstil und in Jugendsprache schildert sie unverblümt die Gedanken von Dario und Andy und schafft stumme, aus kleinen Gesten bestehende Zwiegespräche zwischen den Jungen, durch die eine einzigartige Freundschaft entsteht. Dieses Buch wurde zurecht mit dem Andersen Prize ausgezeichnet. Eine Herzensempfehlung und definitiv eine Überlegung zur Klassenlektüre in Schulen wert.