Evelyn Unterfrauner empfiehlt: Das Leben ist gut von Alex Capus

Nach dieser Lektüre habe ich wieder richtig Lust auf eine Bar. Auch frage ich mich, ob junge Menschen wie ich überhaupt noch eine Stammkneipe haben? Mit Sicherheit weiß ich, dass es Menschen gibt, die täglich in dieselbe Bar gehen und sollte diese wegen Urlaub einmal im Jahr geschlossen sein, wissen sie nicht mehr wohin. So eine Bar gibt Halt, ein fixer Bestandteil im Alltag… das ist sie wohl auch für Max. Seine Sevilla Bar bleibt ihm, nachdem seine geliebte Frau eine Stelle in Paris angenommen hat und nur noch am Wochenende zu Hause sein wird. Er vermisst Tina und fragt sich wer ihr in Paris die Glühbirnen wechselt, wer sie mit der Hand im Kreuz über den Zebrastreifen begleitet oder ob sie nasse Füße hat, wenn sie im Regen mit Ballerinas über die Rues Frankreich schlendert. Wir erfahren beim Lesen nahezu alle Gedanken, die Max während der Abwesenheit seiner Frau in der ersten Woche durch den Kopf gehen. Teilweise wirres Zeug, aber so sind unsere Gedanken. Das Leben ist gut, resümiert er, doch ein bisschen Mitleid haben wir schon mit Miguel, der seinen Toro für 5.000 auf ebay verkaufen will.

Ein Roman muss nicht immer belehrend, einfallsreich oder besonders fantasievoll sein. Alex Capus erzählt uns vom Alltag und den Gedanken, die uns begleiten. Das Leben ist gut ist auch kein Liebesroman, Max und Tina lieben sich einfach und sie bleiben ohne Wenn und aber zusammen. Wie es sich gehört. So ist das Leben im Normalfall – deshalb enthält die Erzählung keinen besonderen Höhepunkt, keine Komplikation, kein Happy End. Naja, dass Tina jetzt in Paris arbeitet ist schon eine kleine Veränderung, aber damit kommt Max schon klar. Er versteht, dass sie Lust hat mal aus dem Kaff wegzukommen.

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