Evelyn Unterfrauner empfiehlt:
Am Rand von Hans Platzgummer

Hans Platzgummers (übrigens auch ein Pseudonym, wenn auch nur leicht vom bürgerlichen Namen abgewandelt) Roman Am Rand hat es in sich. Am Ende der Erzählung angelangt, müsst man wohl wieder von vorn beginnen, um die Hinweise richtig zu deuten und die Zusammenhänge von Beginn an zu erkennen.

In dem Roman geht es nicht – wie vielleicht von einigen vermutet – um das Bergsteigen (zumindest nicht vordergründig). Ich persönlich dachte, der Protagonist Gerold Ebner würde wohl am Berg ein paar Menschen zum Tod verhelfen. Nein, all das passiert in der Südtirolersiedlung, in der der Halb-Südtiroler aufwächst. Gerold erzählt in der Ich-Form von seinem Leben, als Kind und als Erwachsener, als Kurzzeit-Vater, als Schriftsteller und Bauarbeiter oder Getränkelieferant. Er erzählt von Mutproben, wie das waghalsige Kacken von einem Baukran bis zu nicht mehr aufhörendem Sex mit seiner Liebe im Maisfeld. Das zentrale Motiv des Romans ist aber der Tod, der ihm im Leben immer wieder begegnet und an die Grenzen seiner Existenz treibt. Dabei leistet er, wenn man so will, Sterbehilfe – dessen Berechtigung aber nicht weiter diskutiert wird. Offiziell ist er höchst kriminell unterwegs, wenn auch alles sehr nüchtern geschildert wird. Gerold, der seine Biografie an einem Tag am Bocksberg niederschreibt, gliedert sie in verschiedene Lebensetappen, die alle gleich wichtig sind; deshalb lautet der Titel jedes Kapitels Hitotsu. Erst mit der Zeit wird klar was es mit dem Begriff auf sich hat, dass er aus der Sportart Karate stammt und so viel wie „Erstes“ bedeutet. In dem Video, das ich unten verlinkt habe, wird übrigens sehr deutlich, dass Hans Platzgummer die Regeln der Kampfsportart perfekt in der Ursprungssprache aussprechen kann (beeindruckend!).

Sehr spannend am Erzählstil des Romans sind die Passagen in denen der Ich-Erzähler direkt zu uns spricht. „Ich bin kein Monster. Wenn Sie sich ein Urteil über mich bilden, vergessen Sie nicht, dass es nicht gerecht sein kann, weil über andere zu urteilen bloß selbstgerecht ist.“ (Platzgummer 2016, S. 123) Am Ende sind wir diejenigen, die sein Manuskript am Bocksberg gefunden haben und gerade lesen und den letzten Schritt müssen wir uns auch vorstellen. Mit tragisch lässt sich die Handlung sehr gut beschreiben!

Ein wahnsinns Roman eines Musikers oder Multitalents, erschienen in einem mir bisher noch unbekannten Verlag. Unter diesem Link findet ihr noch ein ausführliches Interview des Bayrischen Fernsehens mit Hans Platzgummer – die Aufforderung des Moderators am Ende würde ich auf jeden Fall jedem/r ans Herz legen.

Einmal gelesen, müssen wir die Frage, ob er ein Mörder ist, selbst beantworten. Der Roman tut es nicht.

Zum Autor

Hans Platzhummer ist eigentlich ein Innsbrucker, der in jungen Jahren nach Amerika ausgewandert ist und dort Teil der Band H.P. Zinker war. Heute lebt er in Bregenz und macht mit seinem Freund Chris Lane aus Amerika Musik unter dem Namen Convertible.

Du willst mehr über Book Broker erfahren?

Dann hier entlang: www.bookbroker.wordpress.com

Du findest den Buchblog auch auf Facebook und auf Instagram!